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Die letzte Welle, Ca├▒ari, Band 2
VirtualSelf
Beitrag 9. Sep 2009, 18:55
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Die letzte Welle
Serie: Ca├▒ari, Band 2
OT: Ca├▒ari: La derni├Ęre vague
Text: Didier Crisse
Artwork: Carlos Meglia
├ť: Tanja Kr├Ąmling
Lettering: Delia W├╝llner-Schulz
Ausstattung: HC, Albumformat, 48 Seiten
ISBN: 978-3-939823-19-3
Verlag: Splitter Verlag, 2007





Als Ca├▒ari, ihre beiden kleineren Geschwister - die Zwillinge Xuma und Kya – sowie Xoalquopak, der Fremde aus dem Schattenreich, jenen Ort – die H├Âhle des Sch├Ądels - aufsuchen, an dem Kya den goldenen Armreif gefunden hat, den sie nun nicht mehr abstreifen kann und der ihr Qualen bereitet, erhebt sich pl├Âtzlich ein gigantisches Portal aus dem Boden. Durch dieses Tor geleitet sie die G├Âttin des Himmels, Citaligua, in ihr Reich – die dritte Sph├Ąre, die Stadt aus Luft und Wasser -, nachdem sie den Kindern er├Âffnet hat, dass der verfluchte Armreif f├╝r einen Gott bestimmt sei und nur von diesem Gott entfernt werden k├Ânne. In der Himmelsstadt jedoch erfahren die vier von Chalchiuhlicue, der G├Âttin der Vorahnung, dass der Reif keineswegs von G├Âttern oder Menschen geschmiedet wurde, sondern von den Gro├čen Alten, die daher auch als einzige in der Lage sind, das Artefakt zu entfernen. Allerdings sind diese Wesen vor langer Zeit an einen unbekannten Ort verschwunden, sodass nach Chalchiuhlicues Ansicht Kya lernen muss, den Reif als ihr Eigen zu akzeptieren, um die Qualen des Tragens in den Griff zu bekommen.
Doch Kyas Problem ist ein Lappalie im Vergleich zu dem Schicksal, welches Xaotil, den kleinen verschwundenen Bruder ├▒aris erwartet: er wurde entf├╝hrt, um als Menschenopfer, dargebracht von seinem eigenen Vater, die Verbindung zwischen G├Âttern und Menschen auf ewig zu zerst├Âren, damit Ca├▒aris Volk fortan in vermeintlicher Freiheit lebe.
W├Ąhrend die junge Indianerin und ihre Verb├╝ndeten versuchen, den Kleinen zu retten, macht der Surfer Wayne, den es seit vielen Jahren nach Tulum zieht, Jahrhunderte sp├Ąter in der noch immer existenten H├Âhle des Sch├Ądels seltsame, mystische Erfahrungen. Nicht nur, dass er den Armreif findet, den Kya einst trug, auch fremde Stimmen scheinen durch Raum und Zeit zu ihm zu dringen. Je mehr Wayne in den folgenden Tagen versucht, das R├Ątsel des Fundst├╝cks zu entschl├╝sseln, desto introvertierter wird er zwar, desto n├Ąher kommt er jedoch dem tragischen Geschehen, das ihn mit Ca├▒ari durch die Zeiten verbindet.


War der erste Band noch eine kurzweilige Tour de Force durch Dschungel und G├Âtterwelt Yucatans, so ist das zweite Album vor allem eines: anstrengend! Drei Handlungsb├Âgen auf zwei Zeitebenen erfordern nicht nur die Aufmerksamkeit des Lesers, sie ├╝berstrapazieren auch seine Geduld. W├Ąhrend Waynes schwerf├Ąllige bzw. schwerm├╝tige Identit├Ątssuche im Hier und Jetzt umst├Ąndlich breit getreten wirkt, ist das Geschehen in Ca├▒ari Zeit gepr├Ągt von einem ├╝berhektischen, un├╝bersichtlichen Aktionismus zahlreicher G├Âtter, Nebeng├Âtter und Menschen, in dem die einzelne Figur zur belanglosen Nebens├Ąchlichkeit verkommt und indianische Mythologie kaum mehr als Staffage taugt. Weitgehend verschwunden mit der Leichtigkeit ist auch der lockere Humor des ersten Bandes, der die Dialoge der Geschwister auszeichnete. An seine Stelle sind die platten Spr├╝che von Waynes tumben Kumpels getreten, die alles sind, nur nicht lustig, w├Ąhrend die passiven Indianerkinder zum staunenden Schweigen verdammt wurden.

Die ├änderungen im zweiten Band beschr├Ąnken sich nicht auf die inhaltliche Ebene, auch k├╝nstlerisch hat sich einiges getan. Zwar holt Meglia nach wie vor aus seinem Computer an digitalen, optischen Effekten alles raus, was Softwareentwickler zuvor reingesteckt haben, doch gn├Ądigerweise hat er sich nun dazu durchgerungen, Figuren und Bildelemente durch dunkle Konturenlinien gegen die Hintergr├╝nde abzugrenzen, anstatt sie in einem Brei aus ├╝berwiegend hellen Braunt├Ânen visuell untergehen zu lassen. Zudem ist die Koloration insgesamt dunkler und farbintensiver geworben, was allerdings in Verbindung mit vielen kleinteiligen, diffizil gezeichneten Bildelementen sowie dem kantigen, dynamischen Duktus dazu f├╝hrt, dass einzelne Panels optisch massiv ├╝berladen wirken.


Fazit: Die hektische, wenig stringente Handlung und visuell ├╝berladenen Zeichnungen machen dieses zweite Ca├▒ari-Album zu einer eher anstrengenden Leseerfahrung.


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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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