Julian Wangler (jw)
13.06.06
"A Time to Hate"
Robert Greenberger
Inhalt
Nach tagelangen Nachforschungen ist es Dr. Crusher endlich
gelungen, den Grund für die plötzlichen Gewaltausbrüche auf Delta Sigma IV
herauszufinden: Die dort ansässige Pflanze, die für die Verringerung der
Lebensdauer der beiden dort lebenden Völker verantwortlich ist, veränderte
außerdem die Hirnchemie. Dies führte dazu, dass die Bader und die Dorset quasi
ständig unter Drogeneinfluss lebten, der sie relaxed und friedfertig, aber auch
antriebslos, werden ließ.
Nun breitet sich das von der Sternenflotte entwickelte Gegenmittel auf dem
Planeten aus, und beseitigt nicht nur die genetische Veränderung, die zur
verkürzten Lebensdauer führt, sondern eben auch die Veränderung der Hirnchemie.
Die Folge: Millionen von Bader und Dorset, ohnehin eher aggressive Völker,
müssen nun das erste Mal in ihrem Leben mit Gefühlen wie Wut und Hass zurecht
kommen - was eben leider nur den wenigsten gelingt. Die Sicherheitsteams der
Enterprise haben alle Hände voll zu tun, die Sicherheit auf dem Planeten so gut
wie möglich zu gewährleisten.
Inzwischen ist es auch Commander Riker gelungen, seinen Vater ausfindig zu
machen. Dieser hat mal schnell den Kommunikator zerstört, um zu verhindern, dass
sein Sohn Kontakt zur Enterprise aufnimmt... sieht er es doch als seine Aufgabe
an, alles in seiner Macht stehende zu tun, die Gewalt möglichst einzudämmen, was
ihm seiner Meinung nach nur ohne die Einmischung von Captain Picard gelingen
kann. Und so reisen Will Riker und sein Vater von Brandherd zu Brandherd, um so
viele Leben wie möglich zu retten.
Währenddessen gelingt es Beverly an Bord der Enterprise schließlich, ein
Gegenmittel herzustellen, doch sie hat Bedenken, dieses einzusetzen, werden doch
damit beide Völker quasi wieder unter Drogen gestellt. Nun liegt es an Captain
Picard, zu entscheiden, ob das Gegenmittel in der Atmosphäre des Planeten
freigesetzt wird...
Kritik
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 Alles endet in der Katastrophe und Riker erleidet ein hartes Schicksal... |
Prinzipiell gilt einmal das beim
Vorgänger gesagte, wobei die Schwächen von "A Time To Love" hier fast noch
stärker zu Tage treten, soll heißen: Der Roman ist relativ langweilig und kaum
spannend, schon gar nicht tiefgründig. Alles zieht sich seitenlang hin, zu
keinem Moment gelingt es der Handlung, so richtig zu packen oder zu begeistern.
Und dabei bemüht sich der gute Herr Greenberger doch so... erwischt es doch auf
den Außenmissionen immer wieder Mitglieder des Sicherheitsteams, womit versucht
wird, ein Gefühl der Bedrohung und wohl teilweise auch Hilflosigkeit zu
erzeugen.
Fakt ist aber leider, dass die zahlreichen Tode nicht zu berühren vermögen - was
mitunter auf das allseits bekannte "Rothemden"-Syndrom von "Star Trek"
zurückzuführen ist. Ein weiteres Problem ist, dass einige der Ereignisse, die
zum Tod eines oder mehrerer Teammitglieder führen, sehr konstruiert erscheinen.
Soll ich etwa wirklich glauben, dass die fortschrittliche Medizin des 24.
Jahrhunderts nicht einmal eine Speerwunde heilen kann? Oder dass ein in einem
einstürzenden Gebäude eingesperrtes Mitglied des Sicherheitsteams völlig auf die
Möglichkeit vergisst, sich aus der Gefahrensituation herausbeamen zu lassen? All
dies wirkt leider nicht sehr überzeugend, und auch dies dürfte ein Grund dafür
sein, warum einen die Schicksale der verschiedenen Teammitglieder erschreckend
kalt lassen...
Ein weiteres großes Problem des Romans ist die sehr klischeehafte und
vorhersehbar verlaufende Handlung um Kyle Riker. 250 Seiten lang kommen sich
Vater und Sohn langsam näher, und als die beiden den Shuttle auf dem Weg zur
Hauptstadt "ein letztes Mal" senken, um bei den Kämpfen rettend einzugreifen,
ist klar, was nun passieren wird: (Achtung, Spoiler!) Kyle opfert sich
für seinen Sohn (Spoiler Ende).
Nicht weniger konstruiert wirkt der Konflikt um Crusher und Picard. Da hat Frau
Doktor also ein Heilmittel gegen die sich unaufhaltsam wie ein Lauffeuer
verbreitende Gewalt auf dem Planeten gefunden - hat aber moralische Bedenken?
Bitte was? Was zum Teufel ist das bitteschön für eine Ärztin? Sollte denn nicht
eigentlich gerade für SIE das Überleben ihrer Patienten das Wichtigste sein?
Immerhin geht es beiden Völkern nach der Freisetzung des neuen Gegenmittels
nicht schlechter als zuvor. Und selbst wenn das bedeutet, dass sie etwas
antriebslos und "vollgedröhnt" sind, ist das ja wohl für das Überleben
beider Völker ein vergleichsweise geringer Preis. Wenn zum Beispiel ein
Crew-Mitglied eingeliefert wird, bei dem Crusher ein Bein amputieren muss,
beeinträchtigt sie doch damit auch die Lebensqualität ihres Patienten, hat in
dieser Hinsicht aber wohl keine Bedenken und würde keine Sekunde zögern, eine
entsprechende Operation durchzuführen. Was ist an der Situation der Bewohner des
Planeten anders? Außerdem ist ja nicht gesagt, dass dieser Status Quo dann für
immer und ewig beibehalten werden muss. Das Überleben beider Völker bietet ihnen
die Möglichkeit, in der Zukunft auf eine bessere Lösung des Problems
hinzuarbeiten. Ergo: Crushers Bedenken ergeben überhaupt keinen Sinn, wodurch
ihr gesamter Konflikt mit Picard unheimlich konstruiert und wenig überzeugend
erscheint.
Nicht besser Rikers Reaktion auf (Achtung, Spoiler!) den Tod seines
Vaters (Spoiler Ende): Kaum ist er wieder zurück an Bord der Enterprise,
macht er Troi einen Heiratsantrag. Ja klar doch! Hier hatte ich in beiden Fällen
das Gefühl, man hätte Greenberger die Aufgabe gegeben, die entsprechenden
Entwicklungen herbeizuführen, so dass er in gewisser Weise auf ein bestimmtes
Ziel hinarbeiten musste - wobei ihm sehr zum Leid des Lesers nur wenig
überzeugende Wege dorthin eingefallen sind.
Fazit: Das war wohl nix. Hoffen wir, dass die Endteile der Reihe besser
werden - "A Time to Hate" ist sogar noch ein wenig schwächer als der ohnehin
nicht gerade berauschende Vorgänger. Vor allem die klischeehaft und vorhersehbar
verlaufende Handlung rund um Rikers Vater empfand ich als ziemlich schwach.
Alles in allem ist dieser Zweiteiler also nicht gerade empfehlenswert...
Bewertung
Weitere Infos
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| Originaltitel |
"A Time to Hate" |
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| Buchreihe |
The Next Generation |
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| Autor |
Robert Greenberger |
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| Preis |
6,49 |
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| Umfang |
263 Seiten |
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| Verlag |
Simon & Schuster Pocket Books |
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| ISBN |
0-7434-6289-0 |
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(jw - 17.12.10)