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StartDaily TrekRezension: "Strange New Worlds 4x06 - Schichtende"

Rezension: “Strange New Worlds 4×06 – Schichtende”

Die Experimente gehen weiter. In der Spoiler-Review zu Folge 6 klärt Tom, ob das wirklich so ist.

Schluss, Aus, Ende

Nach 5 Folgen an „Experimenten“ geht es in dieser Folge … munter weiter. Vorbild ist dieses Mal „24“, wobei das dem Vorbild jetzt nicht ganz gerecht wird. Dazu kommen wir aber gleich, an dieser Stelle wie immer zunächst ein Wort zu den Experimentalfolgen an sich. Denn ja, ich bin da ganz der Meinung meiner Kollegen: nach nunmehr 6 Folgen darf (und muss) endlich Schluss sein mit der Abkupferei. Es dürfen nun endlich mal wieder eigene Ideen her, man darf ruhig zeigen, dass man noch Science Fiction-Stories erzählen kann und sich nicht immer an anderen Serien anbiedern muss. Vielleicht will man das in der Endphase der Kurtzman-Ära nicht mehr, mag sein. Vielleicht herrscht auch ein „nach mir die Sintflut“ vor, wer weiß. Bei nur 10 Folgen die Staffel ist es aber schon etwas schade, dass man einen Großteil auf eben solche Folgen, ja man muss leider „verschwendet“ sagen, hat. Hoffentlich bieten wenigstens die letzten 4 Folgen hier noch mehr Abwechslung.

Denn wie erwähnt, in gewisser Weise ist die vorliegende Folge eine Hommage an „24“ – aber nur sehr oberflächlich. Denn im Detail betrachtet, sind doch ein paar Sachen anders. So läuft hier ein Countdown von 47 Minuten rückwärts, während bei 24 die Zeit „vorwärts“ läuft. Die 47 Minuten laufen in der Tat, wie beim Vorbild, in Echtzeit ab, sprich, es vergehen auch wirklich 47 Minuten wie in der Episode, aber zu Beginn wird z.B. erwähnt, das die Bordzeit 23 Uhr ist, es ist also eher etwas, das man nicht sofort mit 24 assoziiert. Es gibt hier also keine Minutenlangen Werbepausensprünge. Und ja, es werden auch Splitscreens eingesetzt, allerdings nicht so überbordend wie bei „24“, wo dies alle zwei Minuten der Fall ist. Unterm Strich muss man sagen: Ja, es ist eine Hommage, aber man kann es aushalten, da es sich nicht so in den Vordergrund drängt, wie es die letzten 5 Episoden passiert ist.

Man konzentriert sich hier eher auf die Handlung und macht die 24-Einlage zur Unterstützung. Denn hier gibt es keine Terroranschläge oder ähnliches sondern… nunja, einen Katastrophenfall… mal wieder. Ja, damit ist nicht nur Star Trek alleine, denn das gibt es in jeder Serie mal. Auch in TNG („Katastrophe auf der Enterprise“) oder anderen Trek-Serien gab es das schonmal. Im Grunde ist die Folge also eine Bottle Show vor altbekannten Kulissen. Wobei, das ist so nicht ganz korrekt, denn die Enterprise wird hier in ein Wurmloch geschleudert und Spock darf sogar auf der Außenhülle spazieren gehen.

Das sieht an und für sich gut aus, und ja, das kennt man eigentlich auch so von Kurtzman. Aber eben nur eigentlich, denn die guten Effekte leiden in dieser Folge meiner Meinung nach darunter, dass es zumeist nur schöne Farbschlieren sind. Das Schiff wird durchgerüttelt und herumgeschleudert? Bitte mit Farbschlieren überall. Spock klettert bei Warp am Schiff entlang. Bitte überall Farbschlierer, damit man nichts erkennen kann. Ja, das mag dem Wurmloch geschuldet sein, aber wie genial wäre es bitte gewesen, Spock wirklich bei Warp auf der Hülle zu zeigen, statt in einem billigen verwaschenen Farbenmeer? Die Effekte tun sich hier also meiner Meinung nach absolut keinen Gefallen damit.

Und auch wenn die Handlung altbekannt ist, so kann das ja alles trotzdem funktionieren, wenn die Charakterszenen stimmen. Leider hapert es auch da an vielen Ecken und Enden.

Was nicht so gut funktioniert: Scotty und M’Benga

Beginnen wir mit der großen (blutigen) Szene im Raum, und das ist die auf der Krankenstation (natürlich wollte unsere Tochter zum allerersten Mal mit Star Trek gucken und dann kam diese Folge… die das schnell wieder zunichte machte). Hier darf nicht nur Una einen Knochenbruch zeigen (G-Kräfte, die ein Klavier zerquetschen, hält sie aus?) sondern eben auch M’Benga der hier eingequetscht wird. Die Szene dient natürlich vorrangig dazu, dass sich Chapel und M’Benga aussprechen und Chapel an Bord bleibt.

Denn M’Benga will gehen und der Quasi-Nachfolger Dr. Boyce (aus dem TOS-Pilotfilm “The Cage”) ist schon an Bord. Nun ist es ja generell schön, dass die Autoren an den lieben Dr. Boyce gedacht haben, jedoch wissen wir halt auch, dass Chapel (die hier mitgehen will) an Bord bleibt und M’Benga nicht nur überleben wird sondern auch später an Bord bleiben wird (oder wiederkommt, denn bei M’Benga kann man sich, nicht zuletzt auch wegen seiner Tochter, vorstellen, dass er gehen wird um dann später als Aushilfsarzt zurückzukehren. Zumindest sein Weggang ist also nicht unbedingt gewiss (oder ungewiss).

Das alles kennt man aber so oder so ähnlich halt leider schon zur Genüge und hat es in vielen Serien schon erlebt. Daher ist die Aussprache der beiden (die sich quasi bis zum Ende zieht) und Chapels letztliche Entscheidung, zu bleiben, nur etwas, das einem leider nicht mehr als ein müdes Gähnen entlocken kann. Selbiges gilt auch für die tödliche Verletzung M’Bengas. Das mag ja alles nett anzuschauen sein bis hin zum Einfrieren des Doktors, so richtig mitreißen will aber auch das nicht. Das wegschieben Chapels fällt zudem ebenfalls in das übliche Opferklischee.

Zudem ist die Lösung leider eine etwas an den Haaren herbeigezogene Deus Ex-Machina-Lösung. Ich will hier gar nicht über Neutrinos und deren Eigenschaften reden, es ist immerhin SciFi und da werden sich öfter mal gewisse Sachen ausgedacht. Also warum kein Super-Neutrino-Teilchen?  Auf der anderen Seite ist es aber wieder die bequeme, herbeigezauberte Lösung. Die Teilchen sind sogar so super, dass sie raue Mengen Deuterium erzeugen und Chapel damit tödlichste Verletzungen heilt (an die armen toten Redshirts denkt wieder keiner, aber gut, zumindest das war bei Trek ja schon immer so). Vergesst Replikatoren, vergesst Omega, Super-Neutrinos sind die wahre Macht im Star Trek-Universum (außer Augment-Blut, dass Tote heilt, aber davon weiß man im Prime-Universe ja nichts).

Klar kann man sich jetzt Erklärungen aus der Tasche ziehen, warum man so ein Ding nicht eingefangen kriegt und es  auch den Borg egal ist, aber ich denke, es ist klar geworden, was ich sagen will und warum die Erklärung nicht funktioniert und bestenfalls holprig ist.

Und damit sind wir bei der zweiten Charakterkonstellation, die nicht so recht fruchten will, zumindest bis auf den Anfang und das Ende. Der Mittelteil der Scotty-Entwicklung funktioniert allerdings auch überhaupt nicht. Nach einigen Widrigkeiten kämpft er sich in eine Jeffries-Röhre durch und muss sich dort seiner Angst stellen. Ich verstehe durchaus, dass man zeigen will, wie Scotty eine Verbundenheit zum Schiff aufbaut und er sich vorher unsicher ist. Nur leider kommt halt das auch irgendwie aus dem Nichts, denn als so großer Angsthase, wie er hier dargestellt wird, kam Scotty eigentlich noch nie rüber. Das hätte man viel besser aufbauen können und müssen. Zudem hat er es auch in dem kurzen Gespräch mit Pelia viel zu schnell abgelegt und schwenkt schnell wieder auf Schema F ein. Auch hier hätte man mehr Vorarbeit leisten müssen, aber auch hier schlägt der „nur 10-Folgen-Teufel“ wieder zu. Mit einer geringen Folgenanzahl und das nur alle 2 Jahre lässt sich langfristig kein Franchise halten, da das Interesse bei solch langen Pausen und der Vielzahl an Serien einfach nachlässt. Aber das ist wie immer ein anderes Thema.

Was hingegen funktioniert ist die Tatsache, dass Pelia hier Scottys Mentorin ist. Das war über die letzten Folgen/Staffeln konsequent aufgebaut worden und passt zur gezeigten Entwicklung. Womit wir auch schon beim nächsten Punkt wären…

Was gut funktioniert: Brücke und Spock

Scotty darf am Ende die Hand auf die Wand legen und den Vibe des Schiffes spüren, wie er es früher oft getan hat. Das klappt und zumindest dieses Ende nehme ich ihm ab, auch wenn die Entwicklung dahin recht holprig ist. Hier erkennt man aber den Scotty wieder, der er später in TOS sein wird. Auch der Beginn des Storyarcs um Scotty, bei dem er mit der vulkanischen Kadettin zusammenarbeitet, funktioniert generell gut. Zugegeben, das mag mehr an der Vulkanierin liegen (A’sha), denn deren Auftritte gefielen durch die Bank weg seit Folge 1 und auch hier darf die Dame bei ihrem Auftritt punkten. Vor allem bringt sie auch das richtige Vulkanier-Feeling mit, um authentisch zu wirken.

Was ebenso generell gut funktioniert, sind die Szenen auf der Brücke und in der Messe. Pike darf hier schonmal zeigen, dass er auch beim Unfall der Kadetten in die vorderste Bresche springen wird und die Konsole drücken. Auch Una, wie schon erwähnt, krabbelt herum und organisiert die Messe. Die Szenen sind jetzt nicht so ausufernd wie die anderen, was schade ist, denn da hätte es generell mehr von sein dürfen, funktionieren aber im jeweiligen Kontext ganz gut. Stellenweise ist das zugegebenermaßen eher Popcorn-Kino, aber das muss bei so einer Folge halt auch mal sein.

Eingehen sollte man auch kurz auf Dr. Boyce – und damit meine ich nicht, dass den jetzt ein anderer Schauspieler spielt, denn dass muss man bei einer 60 Jahre später angesiedelten Prequel-Serie halt in Kauf nehmen. Es ist viel eher die Charakterisierung, auf die wir noch kurz eingehen müssen. Denn Boyce gibt hier Chapel den Befehl, M’Benga sterben zu lassen. Das mag für viele herzlos erscheinen, gehört manchmal aber zum Ärzteleben (leider) dazu. Zumal nicht nur der Computer sagt, dass M’Benga tot ist, sondern eben auch Chapel selbst. Nur die Gravitation hält ihn am Leben. Insofern ist seine Entscheidung und Anordnung richtig, denn vom Super-Neutrino ahnt man zu dem Zeitpunkt ja noch nichts. Dennoch wird er damit für viele sicher als Unsympathisch gelten und man darf freilich drüber streiten, ob dies den Charakter aus dem Pilotfilm nachträglich abwertet, oder eben nicht.

Was hingegen außerordentlich gut funktioniert, ist Spocks Rettungsaktion. Nein, nicht die Lichtermär, darüber konntet ihr ja oben schon lesen. Es ist in dem Fall eher das, was nicht gesagt wird. Denn Spock muss eine Sonde klarmachen und steckt später fest, La’an eilt zur Rettung. Man kann jetzt darüber streiten, ob dies wirklich nur aus Pflichtgefühl passiert, oder weil sie eben doch noch Gefühle für Spock hegt. Gerade die Gedankenverschmelzung und das sie sich auch ohne große Worte verstehen, zeigt für mich als LaSpo (oder Spoan?)-Fan deutlich, dass die Beziehung mit zum Besten an Strange New Worlds gehört.

Hier arbeiten sie professionell zusammen und holen die Kastanien quasi aus dem Feuer – und kitten damit ihre Beziehung gleich wieder. Oder doch nicht? Tja, darüber erfahren wir halt leider nichts, es bleibt, wie so oft, im Dunkeln (vermutlich, bis wir in einer der nächsten Folgen eine weitere „Show, don’t tell“-Abwandlung erleben). Das Problem an der Sache ist aber eben, dass La’an in der letzten Folge aus heiterem Himmel  Schluss gemacht hat, während hier die Harmonie durchschwingt, als wäre nichts gewesen. Da wäre es besser gewesen, die Episodenreihenfolge umzudrehen und die sechste Folge zu Nummer 5 zu machen („Nummer 5 lebt!“). Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn die beiden in Folge 7 ob der Ereignisse plötzlich doch wieder zusammen sind. Diese unausgegorene Figurenkonstellation wertet diese Szene dann doch wieder ein klein wenig ab.

Bewertung

Unterm Strich bleibt eine Folge, die man sich mal anschauen kann. Die 24-Anleihen fallen jetzt nicht derart störend ins Gewicht, wie in den fünf Experimentalfolgen zuvor (auch wenn sie vorhanden sind). Die Probleme der Folge liegen an anderer Stelle, nämlich dass bei der Charakterarbeit an vielen Fällen wieder geschludert wird, oder aber, im Falle des Super-Neutrinos, der leichte (bzw. konstruierte) Ausweg gesucht wird. Hier hätte man einfach besser vorbereiten oder längere Charakterszenen vorbereiten müssen. So bleibt insgesamt annehmbares Mittelmaß – und leider eine Staffel, die nach 6 Folgen wirklich zu der schwächsten der Serie avanciert sein dürfte.

Bewertungsübersicht

Bewertung
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Bezug
Episode
Thomas Götz
Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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Dr. Boyce ist allerdings aus dem ersten Pilotfilm (The Cage) im zweiten Pilotfilm (where no man Has gone bevore) ist es dr. Piper. Der hätte allerdings auch mehr Sinn gemacht

Unterm Strich bleibt eine Folge, die man sich mal anschauen kann. Die 24-Anleihen fallen jetzt nicht derart störend ins Gewicht, wie in den fünf Experimentalfolgen zuvor (auch wenn sie vorhanden sind). Die Probleme der Folge liegen an anderer Stelle, nämlich dass bei der Charakterarbeit an vielen Fällen wieder geschludert wird, oder aber, im Falle des Super-Neutrinos, der leichte (bzw. konstruierte) Ausweg gesucht wird. Hier hätte man einfach besser vorbereiten oder längere Charakterszenen vorbereiten müssen. So bleibt insgesamt annehmbares Mittelmaß – und leider eine Staffel, die nach 6 Folgen wirklich zu der schwächsten der Serie avanciert sein dürfte.Rezension: "Strange New Worlds 4x06 - Schichtende"
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