Daily Trek Cast & Crew Focus & Background Franchise & Fandom
Star Trek Into Darkness Star Trek XI Enterprise Universum
SF-Zone Raumfahrer.net
GameZone Literatur
Trek BBS Quark's Bar Star Trek Rollenspiel
Seitenoptionen



News & StoriesSerien & FilmeScience & FictionMediaCommunity

Portal Facebook Twitter YouTube Flickr Chat Trek BBS

 
Daily Trek News
SF-Zone News

Matthias Suzan (mt)07.01.18

Far Beyond the Stars

25 Jahre »Deep Space Nine« - Eine Hommage

Am 3. Januar 1993 startete mit »Deep Space Nine« (DS9) der dritte Ableger der Erfolgsserie »Star Trek« im US-amerikanischen Fernsehen. In sieben Staffeln begeisterte DS9 die Zuschauer mit spannenden Abenteuern aus den entlegensten Ecken der Galaxie. Trotz hervorragender Geschichten erhielt die Serie zur Zeit ihrer Ausstrahlung kaum die Aufmerksamkeit, die ihr eigentlich gebührt hätte. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums blicken wir ausführlich auf die am meisten unterschätzte Serie aus dem Star Trek-Universum zurück.

Wie alles begann

Zu Beginn der 1990er-Jahre hatte sich der erste (wenn man »The Animated Series« nicht mitzählt) Star Trek-Ableger »Star Trek: The Next Generation« (TNG) zu einem echten Publikumsmagneten entwickelt. Zudem wurde auch die Kinofilmreihe mit der TOS-Crew erfolgreich fortgeführt, 1989 mit »Star Trek V: The Final Frontier« und 1991 mit dem Film »Star Trek VI: The Undiscovered Country«, der die bevorstehende Staffelübergabe an die TNG-Crew erstmals andeutete.

»Star Trek« hatte sich für das Filmstudio Paramount Pictures als großer finanzieller Erfolg erwiesen, doch die steigenden Produktionskosten von TNG sowie der sich anbahnende Wechsel der »nächsten Generation« vom Fernsehbildschirm auf die Kinoleinwand führte dazu, dass man Anfang der 90er-Jahre die Konzeption einer weiteren Star Trek-Serie in Angriff nahm. Nachdem verschiedene Konzepte diskutiert worden waren (z.B. Sulu-Serie, Klingonen-Serie, Kolonie-Serie), setzte sich die Idee einer auf einer Raumstation spielenden Serie durch, die im gleichen Zeitrahmen wie TNG angesiedelt sein sollte. Dieses Konzept bedeutete gleichwohl einen radikalen Bruch mit dem bisher in »Star Trek« praktizierten Erzählstil. Die Autoren mussten sich weitestgehend vom Konzept der Stand-alone-Episode (»Planet der Woche«) verabschieden und stattdessen staffel- beziehungsweise serienübergreifende Handlungsbögen entwickeln. Neben der Stammbesetzung musste diese neue Serie zudem von mehreren wiederkehrenden Nebencharakteren getragen werden. Außerdem sollte die neue Serie die Beziehungen zwischen den verschiedenen Charakteren realistischer - also konfliktreicher - darstellen. Auch in Bezug auf die Optik und Handlung sollten fortan dunklere Töne angeschlagen werden.

Da Star Trek-Erfinder Gene Roddenberry im Oktober 1991 unerwartet an Herzversagen verstorben war, übernahmen dessen Nachfolger Rick Berman sowie der bereits für TNG erfolgreich arbeitende Drehbuchautor Michael Piller die Rolle der ausführenden Produzenten. Als Piller 1995 zu »Star Trek: Voyager« wechselte, wurde er durch Ira Steven Behr ersetzt.


Serienstart unter schwierigen Voraussetzungen

Im Gegensatz zur Vorgängerserie TNG, die bei ihrem Start 1987 mit nahezu keiner Serienkonkurrenz im Science-Fiction-Bereich zu kämpfen hatte, wurde DS9 in eine Zeit hineingeboren, in der Science-Fiction-Produktionen förmlich wie Pilze aus dem Boden sprossen. Neben dem »großen Bruder« TNG, an dem DS9 zeitlebens gemessen werden sollte, machten auch Serien wie »Time Trax: Zurück in die Zukunft« (1993/94), »seaQuest DSV« (1993-96), »Superman: Die Abenteuer von Lois & Clark« (1993-97), »Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI« (1993-2002) und vor allem »Babylon 5« (1993-98) dem jüngsten Star Trek-Kind von Anfang an Konkurrenz. In der Retrospektive war es für DS9 auch sicher kein Vorteil, dass man der Serie mit einem weiteren Star Trek-Ableger - »Star Trek: Voyager« (1995-2001) - die Konkurrenz sogar bewusst ins eigene Haus holte und DS9 somit um ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der Serienlandschaft brachte. Dass DS9 bis heute die einzige Star Trek-Serie ist, die stets parallel mit einer weiteren Serie aus dem von Gene Roddenberry erdachten Universum lief (abgesehen von der Zeit zwischen Mai 1994 und Januar 1995), muss bei der Bewertung des zweiten Star Trek-Spin-Offs unbedingt berücksichtigt werden.

Allen Widrigkeiten zum Trotz konnte sich DS9 über die Jahre - vor allem ab der vierten Season - zu einem würdigen Star Trek-Ableger und darüber hinaus zu einer der besten Science-Fiction-Serien überhaupt entwickeln. Und dennoch, so mein persönlicher Eindruck, hat die Serie sowohl während ihrer Laufzeit als auch in den knapp 19 Jahren danach nicht die Aufmerksamkeit und Würdigung erhalten, die ihr eigentlich gebührt hätte. Für mich ist DS9 die am meisten unterschätzte Serie aus dem Star Trek-Universum.

Folgende zehn Gründe sollen belegen, dass »Star Trek: Deep Space Nine« bedeutend mehr war als »nur« eine weitere Serie mit den magischen Worten »Star Trek« im Titel.


1. DS9 hatte den Mut, neue Wege zu gehen

Wie bereits erwähnt, sind die Macher von DS9 damals in vielerlei Hinsicht völlig neue und durchaus mutige Wege gegangen. Während TNG Ende der 80er-Jahre noch den Beweis erbracht hatte, dass »Star Trek« mehr ist als Kirk, Spock und Co., so hat DS9 gezeigt, dass »Star Trek« mehr ist als nur die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise. DS9 hat Gene Roddenberrys fiktives Universum um viele neue Facetten reicher gemacht und »Star Trek« dadurch auf ein höheres erzählerisches Niveau gehievt. Hier sind vor allem der durchgängige Handlungsstrang, die dystopischen - zum Teil sogar apokalyptischen - Story-Elemente, die moralische Fehlbarkeit der Hauptfiguren, die Konflikte innerhalb der Crew sowie das noch konsequentere Heranwagen an politische und spirituelle Themen zu nennen. DS9 hat »Star Trek« in gewisser Weise »neu« erfunden und dem Franchise dadurch eine notwendige Frischzellenkur verpasst - auch gegen anfängliche Widerstände in den Reihen der langjährigen Star Trek-Fans.

2. DS9 war die politischste aller Star Trek-Serien

Zweifelsohne sind auch TOS und TNG schon sehr politisch gewesen, man denke nur an Sternstunden wie die Episode »The Drumhead«, in der Captain Picard eine beeindruckende Rede über die Bedeutung der Grundrechte hält. Ihren Höhepunkt fand die Politisierung von »Star Trek« aber eindeutig in DS9. Historische Analogien sowie Anspielungen auf die damalige Gegenwart waren in der Serie deutlich erkennbar, wenngleich diese verfremdet dargestellt wurden und daher nicht eins zu eins auf die Realität übertragen werden können.

Der Konflikt zwischen den Cardassianern und den Bajoraner kann als Anspielung auf den Holocaust gedeutet werden. Die »Entmilitarisierte Zone« (Demilitarized Zone, DMZ) zwischen der Föderation und den Cardassianern erinnerte an die gleichnamige Pufferzone zwischen Nordkorea und Südkorea in der Gegenwart. Der Konflikt zwischen der Föderation, dem Maquis und den Cardassianern weist einige Parallelen zum Nahost-Konflikt auf und der Krieg zwischen der Föderationsallianz und dem Dominion erinnert in seinem Ausmaß an die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert.

Neben dieser außenpolitischen Dimension kamen im Verlauf der sieben Staffeln auch immer wieder innergesellschaftliche Themen zur Sprache. Die »Soziale Frage« etwa wurde in der Doppelepisode »Past Tense« aus der dritten Staffel eindrucksvoll thematisiert. Die Infiltration der Föderation durch die Wechselbälger brachte zudem das innerstaatliche Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit (»Homefront«/»Paradise Lost«) auf das politische Tableau der Serie. Das Volk der streng religiösen Bajoraner rückte die Frage nach dem Verhältnis von Politik und Religion in den Mittelpunkt der gesellschaftspolitischen Reflexion. Die Ferengi wiederum sind fraglos als eine Kritik an den Auswüchsen des amerikanischen Kapitalismus zu interpretieren.


3. DS9 hat Religion vorurteilslos dargestellt

Religion wurden in den früheren Star Trek-Serien hauptsächlich negativ bewertet. Religiöse Völker wurden meist vorverurteilend als gehorsamsblind und unaufgeklärt dargestellt und waren den ausschließlich wissenschaftsorientierten Menschen der Föderation deutlich unterlegen (siehe TOS: »The Apple«, TNG: »Who Watches The Watchers«). In DS9 wird die Religion hingegen zum ersten Mal in ihrer gesamten Komplexität erfasst, ambivalent und somit objektiv dargestellt.

DS9 zeigt einerseits mögliche negative Aspekte von Religion: Fundamentalismus (»In the Hands of the Prophets«), religiöser Extremismus (»Covenant«), Machtstreben (»The Collaborator«, »Shakaar«) und blinder Gehorsam. Alle diese negativen Gesichtspunkte manifestieren sich vor allem in der Geistlichen Winn Adami, in Gul Dukat in seiner Rolle als Anführer der Pah-Geist-Sekte sowie in den bösen Pah-Geistern. In gewisser Weise werden auch die »Gründer« als falsche Götter dargestellt.

DS9 betont aber zugleich auch die positiven Seiten der Religion. Der Glaube an die Propheten fördert beispielsweise - insbesondere in der Konsolidierungsphase des Planeten nach dem Abzug der Cardassianer - den Zusammenhalt der in politischen Fragen zerstrittenen Bajoraner (Integrationsfunktion). Zudem hat der Glaube den Bajoranern in der Zeit der Besetzung ihres Planeten durch die Cardassianer Hoffnung und Kraft gegeben. Vor allem Kai Opaka und Vedek Bareil stehen für Barmherzigkeit, Selbstlosigkeit und moralische Integrität. Die Propheten (Wurmlochwesen) selbst erscheinen zwielichtiger, treten aber auch als rettende (»Sacrifice of Angels«) beziehungsweise von seelischem Schmerz erlösende (»Emissary«) Wesen in Erscheinung.

Die Darstellung von Religion in DS9 ist deshalb lobenswert, weil hierin eine Botschaft für Toleranz steckt. Sowohl säkulare als auch religiöse Weltsichten haben in DS9 ihre Berechtigung. Sie sind grundsätzlich miteinander vereinbar, wenngleich Konflikte nicht ausgeschlossen sind. Die spirituellen Bajoraner werden nun nicht mehr als ungebildet, einfältig oder rückständig charakterisiert, sondern als moderne und gleichberechtigte Gesellschaft. Ob die »Propheten« nun Götter oder schlicht außerhalb von Raum und Zeit existierende »Wurmlochwesen« sind, liegt am Ende im Auge des Betrachters. Für Kira sind sie Götter, für die Sternenflottenoffiziere sind sie hingegen körperlose Aliens.

4. DS9 hatte den innovativsten Captain

Während Archer, Lorca, Kirk, Picard und Janeway trotz aller charakterlichen Unterschiede einen ähnlichen persönlichen Background haben, ist Commander (später Captain) Sisko (Avery Brooks) bis heute ein Unikum unter den Star Trek-Protagonisten.

Im Pilotfilm lernen wir Benjamin Sisko als emotional gebrochenen und alleinerziehenden Witwer kennen. Später entdeckt er seine Freude am Leben wieder, er verliebt sich, er führt eine Langzeitbeziehung und heiratet sogar ein zweites Mal. Sisko hat in der Tat viele Gesichter: Kommandant, Forscher, Soldat, religiöse Figur, Hobbykoch, Ehemann, liebevoller Vater und fürsorglicher Sohn.

Sisko ist mit Sicherheit - abgesehen von Lorca - der »harte Hund« unter den Star Trek-Captains. Er ist gerade in den letzten beiden Staffeln mehr desillusionierter Soldat als idealistischer Forscher. Sein Pioniergeist scheint ohnehin nicht so stark ausgeprägt zu sein wie der von Archer, Kirk, Picard oder Janeway. Ansonsten hätte er wohl kaum einen Job in einer der abgelegensten und bedeutungslosesten Regionen des Alpha-Quadranten angenommen. Denn zu der Zeit, als Sisko seinen Posten auf DS9 antritt, dürfte die Stellenbeschreibung eher der eines Entwicklungshelfers als der eines Expeditionisten entsprochen haben. Auch Siskos diplomatisches Geschick ist nicht so stark ausgebildet, wie das von Captain Picard. Und obwohl er im Privatleben selbst Vater eines Sohnes ist, wirken die Führungsstile von Picard und Janeway weitaus väterlicher beziehungsweise mütterlicher als der von Sisko. Zudem ist der DS9-Captain - ähnlich wie Kirk - mehr Gefühls- als Kopfmensch. Ganz deutlich wird dies an Siskos fragwürdigem Rachefeldzug gegen den Verräter Michael Eddington (»For the Uniform«).

Der größte Reiz der Figur des Captain Sisko besteht allerdings in seiner Doppelfunktion als Sternenflottenoffizier und religiöse Figur. Am Ende fährt er sogar als eine Art »Messias« in den Himmel auf und existiert fortan als transzendentes Wesen außerhalb von Raum und Zeit. Welcher andere Star Trek-Captain könnte da mithalten?!

5. DS9 hatte die besten Gegenspieler

»Khaaaaaan!« Diese Antwort bekommt man wohl von einem Großteil der Star Trek-Fans, wenn man nach dem größten Bösewicht in der 51-jährigen Star Trek-Historie fragt. Und obwohl auch ich den »Augment« Khan für den genialsten Gegenspieler von Captain Kirk halte, so ist doch der Cardassianer Gul Dukat (Marc Alaimo) meine absolute Nummer eins unter den Star Trek-Antagonisten. Warum? Weil es keinen anderen Bösewicht in »Star Trek« gibt, der so gut geschrieben und so überzeugend gespielt wurde wie der ehemalige Präfekt von Bajor.

Dukat verkörpert für mich das Böse in Reinkultur. Er ist nicht einfach nur ein rachsüchtiger, gewaltverherrlichender Ganove, wie man ihn viel zu oft in Filmen oder Serien vorgesetzt bekommt. Vielmehr ist Dukat so facettenreich, dass er alle Aspekte des Bösen widerspiegelt. Er ist arrogant, narzisstisch, geltungsbedürftig, missgünstig, skrupellos und hinterlistig. Er ist aber auch ein intelligenter Mann und ein liebevoller Vater. Und genau das macht ihn als Gegenspieler so genial. Es gibt im Verlauf der Serie immer wieder Episoden und Momente, in denen man als Zuschauer denkt: »Ach, so schlimm ist Dukat doch gar nicht!«. Etwa dann, wenn er seine Tochter Tora Ziyal aus einem Gefängnis der Breen befreit. Wenn er an deren Tod beinahe psychisch zugrunde geht. Wie könnte man in »Sacrifice of Angels« nicht mit Dukat fühlen? Und wenn er unter Einsatz seines Lebens den zivilen Detapa-Rat rettet oder Sisko dabei hilft, eine Basis der Klingonen zu infiltrieren, dann zeigt sich Dukat als Held, der (vermeintlich) auf der Seite der Guten steht. Aber Dukat ist eben auch ein Meister der Manipulation.

Denn immer wieder sehen wir auch den bösen, narzisstischen und perfiden Dukat. Der Dukat, der sein eigenes Volk an das Dominion verkauft. Der Dukat, der in seiner Zeit als Präfekt Bajors Folterverhöre und Exekutionen anordnete und das bajoranische Volk versklavte und verhungern ließ. Der Dukat, der die Pah-Geister weckt, um einen Krieg gegen die Götter Bajors zu entfachen. Der Dukat, der krankhaft und ungeachtet seiner Verbrechen und Charakterschwächen von allen bewundert und geliebt werden will - von seinem Volk, von Sisko, von Kira, von den Bajoranern und vor allem von seiner Tochter Ziyal. Insbesondere die Episode »Waltz« spielt auf grandiose Weise mit Dukats Bösartigkeit. Dukat funktioniert als Bösewicht so gut, weil er Sisko in vielen Dingen gleicht und dennoch völlig anders ist. Er ist wie Sisko Kommandant und Vater, Soldat und religiöse Figur. Aber er interpretiert diese Rollen völlig konträr zu Sisko. Genau darin liegt die Quintessenz dieser vielschichtigen Held-Bösewicht-Beziehung.

Flankiert wird der Schurke Dukat von der ebenso bösartigen Winn Adami. Deren Boshaftigkeit manifestiert sich vor allem in zwei Charaktereigenschaften: Missgunst und Machtgier. Winn neidet Sisko sein Ansehen bei den Bajoranern und seine enge Beziehung zu den Propheten. Und sie strebt nach der absoluten Macht, will sie doch die zuvor getrennten Ämter des geistigen und politischen Anführers in ihrer Person vereinen (»Shakaar«). Da Winn ihre Bösartigkeit unter dem Deckmantel einer geheuchelten Heiligkeit verbirgt, ist sie das perfekte Gegenstück zu Dukat, dessen Taten während der Besatzung Bajors ihn bereits als bösartige Person ausweisen. Winn symbolisiert den Anfang und das Ende des Bösen. Ihre negativen Gefühle machen aus einer von Missgunst und Machtgier zerfressenen Frau Schritt für Schritt eine noch bösere Person, die am Ende sogar vor Mord nicht zurückschreckt. Zusammen bilden Dukat und Winn das ultimative Paar des Bösen in »Star Trek«.

6. DS9 hatte den besten Charakter-Mix

Von allen Star Trek-Serien hatte DS9 ohne Zweifel die beeindruckendste Ansammlung von unterschiedlichen Charakteren. DS9 war die erste Serie, deren Besatzung nicht vollständig der Sternenflotte angehört. »Voyager« und »Enterprise« hatten diesen Ansatz in den Folgejahren zwar ebenfalls verfolgt, konnten jedoch nicht das Konfliktniveau erreichen, das gerade in der ersten Staffel zwischen Sisko und Kira beziehungsweise zwischen Odo und dem Rest der Sternenflotte spürbar war. Äußerst gelungen sind auch die Konflikte zwischen den wissenschaftsorientierten Sternenflottenoffizieren und dem bajoranischen Klerus. Zudem haben die »zivilen« Ferengi-Charaktere Quark, Rom und Nog der Serie völlig neue erzählerische Möglichkeiten gegeben. Die Ferengi-Episoden gehören zu den absoluten Highlights der Serie, da diese in der Regel auch jede Menge Humor und intelligente Gesellschaftskritik beinhalten. Auch die Figur des mysteriösen Elim Garak bot den Autoren eine Grundlage für spannende Geschichten.

Ein Alleinstellungsmerkmal von DS9 sind ferner die dargestellten Beziehungen zwischen den verschiedenen Generationen. In keiner der anderen Star Trek-Serie sehen wir drei Generationen über einen längeren Zeitraum miteinander interagieren. DS9 war in gewisser Weise auch eine Familiengeschichte. Am deutlichsten wird dies an den Siskos (Jake, Benjamin, Joseph, Jennifer, Kasidy) und an Quarks Familie (Nog, Quark, Rom, »Moogie« Ishka).


7. DS9 hatte die beste Charakterentwicklung

Während die Charakterentwicklung bei TOS noch eine untergeordnete Rolle gespielt hatte, sollte sich dies mit TNG deutlich ändern. Allerdings hat keine andere Star Trek-Serie ihre Haupt- und Nebencharaktere so stringent weiterentwickelt, wie es in DS9 der Fall war.

Exemplarisch ist hier natürlich zuvorderst der Protagonist, Benjamin Sisko, zu nennen. Sisko nimmt nach anfänglicher Ablehnung seine Rolle als »Abgesandter« an (»Accession»). Er arrangiert sich zudem mit dem Emanzipationsprozess seines Sohnes (»Explorers«, »Call to Arms«) und öffnet sich nach Jahren der Trauer um seine verstorbene Frau Jennifer für eine neue Beziehung. Gerade in der Zeit des Krieges ficht Sisko einen inneren Kampf zwischen seiner Moral und seinem Pragmatismus aus (»In the Pale Moonlight«).

Kira Nerys wiederum entwickelt sich über die sieben Serienjahre von einer trotzigen Rebellin zu einer ausgeglichenen Person, die am Ende der Serie sogar zur Kommandantin von DS9 aufsteigt. Sie lernt im Verlauf der Serie nur sehr langsam, mit ihrer Vergangenheit als Widerstandskämpferin abzuschließen und ihren Hass auf die Cardassianern zu überwinden. Kira öffnet sich nach und nach ihren Mitmenschen, führt Beziehungen und schlüpft gegen Ende der Serie sogar zweimal in eine Mutterrolle (Kirayoshi O'Brien, Ziyal). Besonders stark zeigt sich Kiras Entwicklung in den ersten sechs Episoden der sechsten Staffel.

Auch die Figuren Odo, Quark, Worf und Bashir entwickeln sich im Verlauf der Serie in vielen Aspekten teils enorm weiter. Die wohl beachtlichste Charakterentwicklung nimmt allerdings eine Nebenfigur, nämlich Quarks Bruder Rom. Dieser mausert sich in den sieben Jahren vom einfachen Kellner und Lakaien seines Bruders zum »Großen Nagus« der Ferengi. Die Figur des Rom ist genial geschrieben, denn hinter dem vermeintlichen Trottel (Quark: »Rom, du Idiot!«) verbirgt sich in Wahrheit ein hochintelligenter Ingenieur sowie eine echte Persönlichkeit.


8. DS9 hatte die beste Action

Ja, auch in den anderen Star Trek-Serien haben wir tolle Action und spektakuläre Raumkämpfe gesehen. Und dennoch: DS9 hat mit seinen gigantischen Raumschlachten (»The Way of the Warrior«, »Call to Arms«, »Sacrifice of Angels«, »What You Leave Behind«) und beeindruckenden Nahkampfszenen (»The Way of the Warrior«, »The Siege of AR-558«) alle anderen Star Trek-Serien übertroffen. Wahrscheinlich wird »Discovery« DS9 in Sachen Action bald überbieten, aber für die Verhältnisse der 90er hat DS9 definitiv neue Maßstäbe gesetzt.


9. DS9 war die spannendste aller Star Trek-Serien

Der Spannungsbogen, der zwischen dem Ende der fünften Season bis zum Ende der Serie aufgebaut wurde, ist bis heute in »Star Trek« unübertroffen. Hier kann selbst die neue Serie »Discovery« (noch) nicht mithalten. Gerade in Deutschland, wo es in den Neunzigern mitunter sehr lange dauern konnte, bis eine neue Staffel im TV gezeigt wurde, musste man sehr viel Geduld mitbringen.


10. DS9 hatte »Nostradamus-Momente«

Wenn man sich heute, gut 20 Jahre nach der Ausstrahlung des Serienfinales, DS9 ansieht, dann fällt auf, dass die Autoren einige politische und gesellschaftliche Entwicklungen in fast schon visionärer Voraussicht vorweggenommen haben. Einige Parallelen zur Gegenwart sind so gravierend, dass es einem eiskalt den Rücken hinunterlaufen kann. Ich möchte daher von »Nostradamus-Momenten« in DS9 sprechen.

»Wie konnten sie zulassen, dass es so schlimm wurde?« - Dr. Bashir in »Past Tense, Part II«

Nehmen wir beispielsweise die Episode »Past Tense« aus der dritten Staffel (1995). In dieser Episode reisen Sisko, Bashir und Dax zurück in das fiktive Jahr 2024. Was zur Zeit der Produktion noch 30 Jahre in der Zukunft lag, ist heute nur noch wenige Jahre von unserer Gegenwart entfernt. In DS9 ist die amerikanische Gesellschaft des Jahres 2024 sozial tief gespalten. Während eine reiche Oberschicht in Saus und Braus lebt, muss eine teils unverschuldet arm gewordene Unterschicht in vom Staat geschaffenen Ghettos (sog. »Schutzzonen«) ein unwürdiges Leben fristen. Wenn man sich aktuelle soziale Entwicklungen vergegenwärtigt, dann ist die vor zwei Jahrzehnten in DS9 prognostizierte Zukunft leider gar nicht so unwahrscheinlich. Hellhörig macht auch der Dialog zwischen Dax und Angehörigen der reichen und ignoranten Oberschicht, in welchem die Bemerkung fällt, dass das vereinte Europa ob der angespannten sozialen Lage wohl bald auseinanderbrechen wird. Auch die EU der Gegenwart befindet sich derzeit in einer schweren Krise.

»Am Ende wird es ihre Angst sein, die sie zerstört.« - Wechselbalg zu Captain Sisko in »Paradise Lost«

Ein weiterer »Nostradamus-Moment« birgt die Doppelfolge »Homefront/Paradise Lost« aus der vierten Staffel (1996). In dieser Episode reist Sisko zusammen mit Odo und Jake zur Erde, um einer möglichen Infiltration der Föderation durch die »Gründer« zu begegnen. Dem vorausgegangen war ein Terroranschlag auf der seit Jahrhunderten friedlichen Erde. Schlussendlich sorgen lediglich vier Wechselbälger dafür, dass auf der Erde zeitweise das Kriegsrecht ausgerufen wird und die Freiheit zugunsten der (vermeintlichen) Sicherheit geopfert wird. Diese Doppelfolge hat in vielen Aspekten den Kampf gegen den internationalen Terrorismus und die damit verbundenen politischen und gesellschaftlichen Folgen schon Jahre vor dem 9/11 in fiktiver Darstellung vorweggenommen. Was die Wechselbälger in dieser Folge für die Föderation waren, sind sogenannte »Schläfer« oder »Gefährder« für die heutige Gesellschaft. Dass die DS9-Autoren das Thema »Freiheit versus Sicherheit« schon zu einer Zeit ins Zentrum ihrer Geschichten gestellt haben, in der wohl niemand Anti-Terror-Gesetze wie den »Patriot Act« für denkbar gehalten hätte, ist wirklich erstaunlich. Wenn man beispielsweise den Dialog zwischen Benjamin und Joseph Sisko sieht, in dem Sisko Senior seine Weigerung in Bezug auf einen angeordneten Bluttest rechtfertigt, dann könnte man tatsächlich meinen, diese Szene sei erst nach dem 11. September 2001 geschrieben worden.

Das vernachlässigte Kind der Star Trek-Familie

»Star Trek: Deep Space Nine« wurde zwar etliche Male für die »Primetime Emmy Awards« nominiert, gewann diese Auszeichnung allerdings nur in vier Fällen und zwar in den Kategorien »Make-up« (1993 für »Captive Pursuit« und 1995 für »Distant Voices«), »Titelmelodie« (1993 an Dennis McCarthy) und »visuelle Spezialeffekte« (1993, »Emissary«). Weitere Auszeichnungen waren der »ASCAP-Award« (1996,97,98, für Jay Chattways Filmmusik), der »Excellence in Production Design Award« (1993, 1997), der »Monitor Award« (1998, Kategorie: Elektronische visuelle Effekte), der »Golden Reel Award« (1993, Kategorie: Bester Tonschnitt) sowie der »Universe Reader's Choice Award« (1995, Kategorie: Beste Nebendarstellerin in einer Genre-Fernsehserie für Nana Visitor).

Im Vergleich mit den übrigen Star Trek-Serien (z.B. Primetime Emmy Awards: TNG [18], VOY [7], ENT [4]) schnitt DS9 hier deutlich zu schlecht ab. Meiner Ansicht nach war »Deep Space Nine« nach »The Next Generation« die beste der Star Trek-Serien. »Voyager« gewann zwar mehr Auszeichnungen, hatte aber gegenüber DS9 einen geringeren Unterhaltungswert und stellenweise auch schwächere Drehbücher. Besonders bitter ist, dass die hervorragende Episode »Far Beyond the Stars« im Jahr 1998 zwar dreimal für die »Primetime Emmy Awards« nominiert wurde, jedoch keinen einzigen gewinnen konnte. Avery Brooks' Performance wurde nicht einmal mit einer Nominierung belohnt. Leider wurde die künstlerische Leistung der Serie - allen voran die vielen exzellenten Drehbücher - damals nicht angemessen gewürdigt.

Auch in Deutschland war »Deep Space Nine« leider stets das vernachlässigte Kind der Star Trek-Familie. Während »Voyager« und »Enterprise« hauptsächlich in der Primetime (Freitag, 20.15 Uhr auf Sat.1) ausgestrahlt wurden, musste sich DS9 mit mehreren, teils sehr ungünstigen Sendeplätzen am Nachmittag (z.B. So. 17.20 Uhr und Mo-Fr/Sa 15/16 Uhr) zufriedengeben. Die sechste Staffel lief stellenweise in Konkurrenz zur Fußball-Bundesliga (Samstag, 16 Uhr) und war zudem in Bayern aufgrund des auf diesem Sendeplatz ausgestrahlten Regionalprogramms nur in der nächtlichen Wiederholung zu sehen.

Die ungünstigen Sendeplätze waren wohl auch der Grund, weshalb die Serie in Deutschland nur eine Reichweite von rund 1,2 Mio. Zuschauer bei einem Marktanteil von zirka 11,8 Prozent erreichen konnte. Der am 28. Januar 1994 ausgestrahlte Pilotfilm (Freitag, 20.15 Uhr, Sat.1) hatte noch 4,43 Mio. Menschen (13,3 Prozent Marktanteil) vor die Bildschirme gelockt. Einige wiederholte Episoden erzielten später höhere Einschaltquoten als bei ihrer Erstausstrahlung. (Quelle: Wikipedia, TV Wunschliste: Das Film- und Fernsehserien-Infoportal, fernsehserien.de).

Diese Zahlen sind meiner Ansicht nach ein klares Indiz dafür, dass »Deep Space Nine« seinerzeit in Deutschland deutlich unter Wert verkauft wurde. Die geringen Marktanteile der letzten beiden Staffeln, die zweifelsohne große Dramatik und Spannung beinhalten, sind wohl auf den miesen Sendeplatz und die dürftigen Werbekampagnen rund um die Serie zurückzuführen. »Deep Space Nine« hätte sicherlich bessere Quoten erreicht, wenn die Serie vorwiegend in der Primetime gelaufen wäre. Insbesondere die letzten beiden Staffeln wären auf einem Sendeplatz im Abendprogramm auch deutlich besser aufgehoben gewesen.


Fazit: Eine Serie mit aktueller Relevanz

Mit »Star Trek: Deep Space Nine« wurde 1993 der Star Trek-Boom, den »Star Trek: The Next Generation« Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger ausgelöst hatte, erfolgreich fortgesetzt. Nach holprigem Beginn in den ersten beiden Jahren, startete DS9 mit der dritten und vierten Staffel erst so richtig durch. Vor allem in den letzten beiden Staffeln wurden die Geschichten episch, die Dramatik nahm stetig zu und auch die Schauspieler brillierten in ihren über Jahre gewachsenen Rollen.

»Deep Space Nine« hat »Star Trek« neue Impulse in Bezug auf die Form des Storytellings und im Hinblick auf die inhaltliche und atmosphärische Ausrichtung gegeben. Wie wichtig diese neuen Impulse waren, ist erst im Verlauf der Neunziger ersichtlich geworden, womöglich auch erst in den vergangenen beiden Jahrzehnten. Am neuesten Star Wars-Film kann man derzeit beobachten, dass jede Idee - sei diese auch noch so gut - mit zunehmender Anzahl an Erzählwiederholungen ihren Reiz und ihre Spannung zu verlieren droht. Auch »Star Wars« wird sich in der kommenden Dekade nach über 40 Jahren zweifelsohne neu erfinden müssen. Das Franchise wird zeigen müssen, dass es auch ohne die Skywalkers, Jedis und Sith spannende Geschichten erzählen kann.

»Deep Space Nine« taugt hier durchaus als Vorbild, denn die Serie hat dem Star Trek-Franchise vor 25 Jahren auf eine mutige Art und Weise neues Leben eingehaucht - und das in einer Zeit, in der »Star Trek« eigentlich auf dem Höhepunkt war. Dass die Produzenten damals auf ein risikoloses »Weiter so« verzichteten und stattdessen neue und mutige Wege beschritten haben, ist ihnen im Rückblick hoch anzurechnen.

Ironischerweise wurde die dritte Star Trek-Serie oftmals als ein Gegenentwurf zu Roddenberrys »Star Trek« interpretiert. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Denn womöglich lässt sich die optimistische Botschaft von »Star Trek« in DS9 sogar am deutlichsten erkennen, da diese stets im direkten Kontrast mit dystopischen Elementen dargestellt wurde. Ein heller Stern lässt sich nun einmal in der ihn umgebenden Dunkelheit der Nacht besser erkennen als am helllichten Tag.

»Star Trek: Deep Space Nine« ist auch heute noch, 25 Jahre nach dem Serienstart, absolut sehenswert. Die Themen, die in der Serie behandelt werden, sind auch in unserer Gegenwart immer noch von großer Relevanz. Womöglich ist die Serie im Jahr 2018 sogar aktueller denn je. In Sachen Storytelling und Charaktertiefe setzt sie ferner den Maßstab, an dem sich die neueste Star Trek-Serie »Discovery« messen lassen muss. Wer die Serie noch nicht gesehen hat, sollte dies dringend nachholen! Und auch für Star Trek-Veteranen lohnt es sich, die Serie erneut anzuschauen.

(mt, ms - 14.02.18)


Nach oben

Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht. Für Anfragen betreffend Artikel- oder Newsübernahme wenden Sie sich bitte an den Redaktionsleiter.

"Star Trek", "Star Trek: The Next Generation", "Star Trek: Deep Space Nine", "Star Trek: Voyager", "Star Trek: Enterprise" und alle verwandten Markennamen sind eingetragene Handelsmarken von Paramount Pictures. Kopierrechtlich geschütztes Material wurde ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke genutzt. Dies gilt auch für alle Materialien, die aus anderen Franchises stammen und im Rahmen der TZN SF-Zone genutzt wurden.

Mitarbeit Kontakt Impressum Datenschutzhinweise

© TrekZone Network, 1999-2018