Christoph Hühn (ch), Julian Wangler (jw)
24.09.05
"The Art of The Impossible"
Keith R. A. DeCandido
Inhalt
Nach der missglückten Verteidigung von Captain Kirk und Doktor
McCoy in den Ereignissen um die Khitomer-Konferenz ist Worf, der Großvater des
"The Next Generation"- und DS9-Serienhelds, Lieutenant Commander Worf, im
Klingonischen Reich zur Unperson geworden. Nur durch beständige und zähe Arbeit
hat er es zum General geschafft. Zum Diplomaten wird er schließlich berufen, als
die Föderation zwischen den Klingonen und den Cardassianern vermitteln soll.
Bei einer Expedition haben die Cardassianer nämlich einen Planeten gefunden, auf
dem sich die Überreste einer alten Kolonie der Klingonen befinden, dessen Leiter
den Klingonen heilig ist. Da diese die Cardassianer in einem getarnten Schiff
beschattet haben, erheben sie gleichfalls sofort Anspruch auf den betreffenden
Planeten, und es kommt zu einem Gefecht. Als sich der Rauch verzieht, geht
beiden Seiten ein Licht auf: Sie haben gar nicht die Ressourcen, um einen
Vernichtungskrieg gegeneinander zu führen, und so bleibt keine andere Option,
als die Föderation als Vermittler zwischenzuschalten.
Am Team der Föderation unter der Leitung von Curzon Dax ist auch Elias Vaughn
beteiligt - die beiden Sternenflotten-Leute kommen sich aufgrund ihrer
kontroversen Einstellungen schnell in die Quere. Währenddessen haben die
Klingonen in der Nähe eine Flotte versteckt, falls ihnen der Gang der
Verhandlungen nicht obliegt. Auch die Romulaner halten ein waches Auge in der
Nähe auf die weittragenden Ereignisse.
Als dies herauskommt, stellt Curzon beiden Seiten ein Ultimatum: Entweder
kämpfen sie um den Planeten, wie dies zwischen den Klingonen und Cardassianern
im Organischen Frieden festgelegt worden ist, oder die Föderation annektiert
diesen Planeten für sich selbst. Widerwillig stimmen beide Parteien zu, aber
damit ist die Sache noch längst nicht beendet.
In den folgenden fünf Jahren werden die diplomatischen Richtlinien bezüglich der
strittigen Kolonie lediglich auf Sparflamme geführt, während Schiffe beider
Flotten immer wieder aufeinander treffen und sich kleine Scharmützel liefern.
Fünf Jahre nach dem Vertragsschluss kommt es zu einem schweren Unfall im Orbit
um den Planeten, weil die Abstimmung zwischen der cardassianischen und der
klingonischen Anflugkontrolle quasi nicht vorhanden ist. In diesem Crash sterben
zwei Dutzend Cardassianer und fünfmal so viele Klingonen, darunter auch
Botschafter Worf, der sich gerade zu einem Inspektionsflug zum Planeten befunden
hat. Beide Seiten versuchen, dem jeweils anderen die Schuld für das Unglück in
die Schuhe zu schieben, und die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden
Seiten werden sofort auf Eis gelegt.
Die Geheimdienste beider Seiten - und auch die Sternenflotten-Intelligenz sowie
der Tal'Shiar - beginnen Untersuchungen, können aber zunächst nur einen Unfall
feststellen.
Unter Machtwechseln auf beiden Seiten ziehen die nächsten zehn Jahre eher ruhig
durch die Galaxis, bis die Romulaner nach einem Wechsel ihrer Führung
beschließen, aus ihrer Isolation nach der Tomed-Konferenz (siehe "Serpents
Among the Ruins", 2311) auszubrechen und aktiv in den Konflikt einzugreifen.
In einem Überraschungsangriff greifen sie mit drei Schiffen die klingonische
Kolonie auf Narendra III an - der Vorfall, bei dem die Enterprise-C
schließlich verschwindet und die Bande zwischen der Föderation und dem
Klingonischen Imperium wesentlich enger werden.
Doch Kravogh, der amtierende klingonische Kanzler, konzentriert sich zunächst
weiter auf die klingonisch-cardassianische Ausgangssituation. Als er auf einer
Inspektionstour zu dem umstrittenen Planeten mit einem großen Konvoi von einem
Angriff cardassianischer Kreuzer auf ein klingonisches Schiff hört, lässt er
gegen den Rat der Flotten-Kommandanten die Kursbewegung seiner Flotte umleiten,
obwohl der Notruf für die Spezialisten an Bord wie eine Täuschung klingt. Damit
ist die Flotte weit ab vom Schuss, als drei romulanische Warbirds die
klingonische Kolonie auf Khitomer angreifen, wobei die Eltern von Worf und etwa
dreitausend andere Klingonen getötet werden. Kurz darauf wird der Kanzler vom
Leiter des Konvois im ehrenhaften Zweikampf getötet, und die Innenpolitik des
Klingonischen Reichs erfährt eine Kehrtwende; der umstrittene Planet wird an die
Cardassianer abgetreten, der Konflikt beendet. Daraufhin konzentrieren sich die
Cardassianer wieder stärker auf den Widerstand vom besetzten Bajor.
Kritik
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 2328-2346: In dem Betreka-Nebula-Zwischenfall gipfelt der Kalte Krieg zwischen Cardassianern und Klingonen. |
1.
Christoph Hühn
Garak: "...aber die Beziehungen zwischen den Cardassianern und den Klingonen sind immer von freundschaftlicher Natur gewesen. Ich finde, das Ganze ist mehr als seltsam."
Bashir: "Vergessen Sie nicht den Betreka-Nebel-Zwischenfall."
Garak: "Ein geringfügiges Geplänkel."
Bashir: "Das ganze 18 Jahre andauerte."
Garak: "Das ist Ewigkeiten her..."
Im allgemeinen Schlachtengetümmel von der DS9-Episode "Der Weg des Kriegers" dürfte dieser kleine Dialog zwischen Bashir und Garak weitgehend untergegangen sein. Der ein oder andere wird sich vielleicht gefragt haben, was bei diesem ominösen "Geplänkel" passiert ist. Zur letzteren Gruppe gehörte auch Keith R.A. DeCandido. Im Gegensatz zu den meisten anderen hatte er aber die Möglichkeit, das Ergebnis seiner Spekulationen einer breiten Öffentlichkeit mitzuteilen. Er tut dies in Form des Romans "The Art of the Impossible", einem Teil der Reihe "Star Trek: The Lost Era".
Und zum Glück ist dieser Dialog bei ihm hängen geblieben. Ansonsten wäre uns, liebe Leserinnen und Leser, einer der besten "Star Trek"-Romane der letzten Jahre entgangen. DeCandido brennt auf 384 Seiten ein Feuerwerk von spannender Handlung, brillanten Ideen und tollen Charakteren (unter anderem treten auf: Curzon Dax; General Worf, Großvater des gleichnamigen allseits bekannten ersten Klingonen in der Sternenflotte; Lieutenant Elias Vaughn, erster Offizier von Deep Space Nine im DS9-Relaunch; Lieutenant Ian Troi, Vater von Deanna Troi; Commander Rachel Garret, später Captain der Enterprise-C) ab, dass einem geradezu schwindelig wird.
Die meisten Autoren würden aus diesen Elementen (ein bedeutendes Ereignis, an dem mehrere Charaktere aus den verschiedensten Winkeln des Trek-Universums beteiligt sind) einen mehr oder weniger spannenden Roman zimmern. DeCandido allerdings fängt hier erst richtig an. Nicht nur der Konflikt zwischen den Klingonen und den Cardassianern über den Planeten Raknal V, den beide Parteien aus extrem unterschiedlichen Motiven beanspruchen, wird thematisiert, sondern ganz nebenbei wird der Leser auch noch mit der Familiengeschichte von Troi und Worf, dem Kithomer-Massaker, verschiedensten Konflikten innerhalb der beteiligten Gruppierungen, Geheimdienstverschwörungen, politischen Intrigen und militärischem Kräftemessen aller großen Mächte konfrontiert.
Andere würden aus diesen ganzen Elementen vermutlich fünf oder sechs mittelmäßige Romane zusammenkleistern - DeCandido schont unseren Geldbeutel und liefert uns nur einen Roman, dafür aber einen, der wohl so ziemlich jeden "Star Trek"-Fan ansprechen dürfte. Klare Kaufempfehlung, volle Punktzahl souverän erreicht.
2. Julian Wangler
"The Art of The Impossible" ist eine Bezeichnung für Politik,
die von Otto von Bismarck geprägt wurde. Politik hat mit Diplomatie, Spionage
und Einsatz von Waffen zu tun, was in diesem erstklassigen und sehr kohärenten
Roman mehr als deutlich wird. An verschiedenen Stellen wird aufgezeigt, in
welcher Weise sich Politik auf Leute auswirken kann, die nicht informiert werden
oder sich nicht informiert halten.
Fazit: Gut erzählt, voller lehrreicher Momente, aufhellender Aspekt - und
selbst Humor ist mit von der Partie!
Bewertung
Weitere Infos
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| Originaltitel |
"The Art of The Impossible" |
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| Buchreihe |
The Lost Era |
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| Autor |
Keith R. A. DeCandido |
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| Preis |
6,49 Euro |
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| Umfang |
384 Seiten |
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| Verlag |
Simon & Schuster Pocket Books |
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| ISBN |
0-7434-6405-2 |
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(ch, jw - 28.12.09)