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Julian Wangler (jw), Martin Weinrich (wc), Thomas Götz (tg)06.07.12

"Schatten"

David R. George III

Achtung, die folgenden Kritiken enthalten Spoiler zur Romanhandlung, auch zum überraschenden Ende des Vorgängers!

Inhalt

Die gemeinsame Forschungsmission in den Gamma-Quadranten, die ein erster Schritt zum Frieden zwischen Khitomer-Staaten und Typhon-Pakt sein sollte, ist spektakulär gescheitert. Während die idealistische romulanische Prätorin Kamemor und Föderationspräsidentin Bacco, während Diplomaten im Offiziellen nach einem Ölzweig der Versöhnung Ausschau hielten, trieben hinter den Kulissen die Geheimdienste der Pakt-Staaten ihr eigenes Spiel, im verbissenen Bemühen, an den Quanten-Slipstream-Antrieb und neue Waffentechnologien zu gelangen, weil sie in der Föderation eine Bedrohung erblicken. Die Enterprise-Crew realisierte bis zum Ende von "Heimsuchung" nicht, was in Wirklichkeit vor sich ging: dass die Romulaner auf dem Warbird Eletrix sie nämlich, eigentlich eine verdeckte Operation durchführend, mit einer perfiden Taktik ausgetrickst und ihren Absturz vorgetäuscht haben.

Schließlich kulminierte die Intrige in eine dramatischen Szene am bajoranischen Wurmloch, die Benjamin Siskos Schiff, die U.S.S. Robinson, während der Rückkehr von einer sechsmonatigen Explorationsmission durch den Gamma-Quadranten hautnah miterlebte: Deep Space Nine, von Schlachtschiffen der Romulaner, Tzenkethi und Breen umzingelt und durch eine Reihe von heimlich an Bord platzierten Bomben letztlich vernichtet. Inklusive des Frachters Xhosa, an deren Bord sich offenbar Kasidy Yates und Siskos Tochter Rebecca befanden.

Nun macht "Schatten" dort weiter, wo die Existenz der alten cardassianischen Raumfestung endete. Wir erleben eine erbitterte Raumschlacht im bajoranischen Heimatsystem, bei der die Perspektiven zwischen der Robinson, den DS9-Überlebenden und den Pakt-Verschwörern gewechselt werden. Auf diese Weise stellt sich heraus, dass die Aktivierung der Bomben auf DS9 nur als absolutes Worst-Case-Szenario gedacht und als extrem unwahrscheinlich angesehen worden war. Zudem sollten die Bomben die Station außer Gefecht setzen, nicht zerstören. Die Geheimdienst-Paktierer rund um Tomalak und Sela wollten lediglich sicherstellen, dass die vom Dominion entwendete Antriebstechnologie an Bord der Eletrix, die die Erreichung der Slipstream-Fähigkeit für die Typhon-Nationen ermöglicht, sicher zurück nach Romulus gebracht wird.

Das Ziel war kein heißer Krieg mit der Föderation, sondern ein Gleichziehen im Rüstungswettlauf, im kalten Krieg. Doch einiges lief während der Operation schief - die Tarnung der Eletrix flog schließlich auf, die Bomben wurden gezündet -, und nun ist ein offener Krieg zwischen beiden großen Blöcken in der südlichen Galaxis wahrscheinlicher denn je zuvor. Einerseits eine Ironie, andererseits wird klar, dass ein Gleichgewicht des Schreckens nicht zwangsläufig den Frieden sichern muss, sondern auch zu einer düsteren, selbsterfüllenden Prophezeiung werden kann.

Während die Enterprise aus dem Gamma-Quadranten zurückkehrt und Picard und seine Leute sich im Angesicht der pulverisierten Station mit zahlreichen Toten (darunter vor allem Sternenflotten-Offiziere), einer schwer beschädigten Robinson und mehreren Trümmern von Pakt-Kreuzern verwundert und schockiert die Augen reiben, entwickelt die allgemeine politische Lage nun eine verhängnisvolle Eigendynamik. Die Föderation hat das Gefühl, in ihrem Vertrauen dramatisch missbraucht worden zu sein. Und auch im Pakt beginnen die inneren Zersetzungserscheinungen, womit ein Schwund von Kontrolle für politische Oberhäupter wie Prätorin Kamemor einhergeht. Längst ist sie ins Hintertreffen gelangt und umzingelt von Feinden im eigenen Haus. Alles, wofür sie eingetreten ist, scheint bereits verloren zu sein. Zum Glück gibt es auf der Erde eine taffe Präsidentin, die im Laufe der letzten Jahre und im Angesicht zahlreicher sicherer Apokalypsen gelernt hat, nicht sofort die Nerven zu verlieren. Und auch Kamemor hat noch das eine oder andere Ass im Ärmel.

Indes werden Picard und Sisko mit ihren Mannschaften betraut, die Intrige des Paktes aufzuarbeiten. Der Enterprise fiel der einzige Überlebende der zerstörten Pakt-Flottille, der ehemalige romulanische Prokonsul Tomalak, in die Hände, und Picard ist bemüht, etwas von der Wahrheit aus ihm herauszubekommen. Sisko wiederum soll mit der Defiant checken, warum die Pakt-Schiffe während ihrer Wochen im Gamma-Quadranten offenbar einen Kontakt mit dem Dominion herstellten und was sie von ihm wollten. In der Zwischenzeit sucht Ro verbissen nach jenem Verräter, der die Bomben auf DS9 platzierte und für den Tod von Dreiviertel der dortigen Sternenflotten-Crew Verantwortung trägt. Von der raschen Rekonstruktion der Geschehnisse könnte abhängen, ob der Frieden im All gewahrt bleiben kann ...

Kritik

1. Julian Wangler

Nach den Ereignissen aus "Plagues of Night" muss das bajoranische System gesichert und die Verschwörung der "Typhon Pact"-Geheimdienste aufgeklärt werden. Keine leichte Aufgabe für die Politiker und Sternenflotten-Offiziere der Föderation.
Normalerweise sagt man ja, der erste Teil eines Cliffhangers sei immer der bessere. Wie erfrischend, denn ausnahmsweise ist es mal umgekehrt. Mühte sich "Heimsuchung" noch in schier ewigen Aufarbeitungen bereits geschehener Dinge und in Schilderungen irgendwie nicht wirklich zusammenhängender Ereignis- und Charakterepisoden an diversen Schauplätzen, wirkt "Schatten" sehr viel mehr aus einem Guss, weil wir nun in der Jetztzeit angekommen sind - und damit nach der Zerstörung von Deep Space Nine gewissermaßen einer neuen Stunde Null im "Star Trek"-Universum.

Der Roman schreitet flüssig voran. Dabei ist er zwar nicht besonders unvorhersehbar oder kreativ, denn gerade in der ersten Hälfte sieht der Leser den Mannschaften von Enterprise, Robinson und Defiant zu, wie sie Überlebende bergen und die Typhon-Pakt-Intrige Stück für Stück aufzuarbeiten versuchen, kennt jedoch bereits aus dem ersten Buch den tatsächlichen Ereignisverlauf. Insofern ist die anfängliche Spekulation, das Dominion könnte einen neuen Krieg im Sinn haben, eher ermüdend denn der Handlung förderlich.

Auch, dass die durchtriebene Sela weiter macht mit ihren Plänen, gegen die Föderation zu arbeiten, oder dass Kasidy die Zerstörung von DS9 überlebt hat (Welcher Captain verliert schon zwei Ehefrauen?!), ja dass die Siskos sich im Angesicht der großen Krise wieder zusammenraufen, ist ziemlich berechenbar. Trotzdem stimmt die Atmosphäre im Buch auch deshalb, weil es diesmal ein klares Zentrum hat: das Navigieren verschiedener politischer und militärischer Akteure in einem nach der Auseinandersetzung im bajoranischen System extrem heiklen politischen Umfeld, in dem jeder falsche Schritt, jede unüberlegte Entscheidung den Frieden im Quadrantengefüge endgültig zu Grabe tragen könnte. Das gilt sowohl in außenpolitischer Hinsicht als auch in Fragen der Innenpolitik. Letztere betrifft insbesondere Kamemor, die Selas Machenschaften auf die Schliche kommt.

Im weiteren Verlauf der Handlung, während Sisko, Picard und Ro noch mit der Aufarbeitung des Geschehenen beschäftigt sind, entwickelt sich eine neue Bedrohung: Der Typhon-Pakt durchbricht eine neue Schwelle der technologischen Evolution. Er ist nun in der Lage, künstliche Wurmlöcher zu erschaffen. Diese sind allerdings bis auf Weiteres darauf angewiesen, an existierende stabile Wurmlöcher angebunden zu werden. So hat der Pakt wenigstens Zugriff auf das bajoranische Wurmloch, ohne durch Föderationsraum reisen zu müssen. Nach der verpatzten Mission im Gamma-Quadranten, in deren Folge mit der Vernichtung der Eletrix die vom Dominion entwendete Antriebskomponente verloren ging, sind die radikalen Elemente jetzt mehr denn je gewillt, zu klotzen anstatt zu kleckern ... und schicken prompt eine ganze Flotte Richtung Dominion auf die andere Seite der Galaxis. Es scheint, als würde die Föderation trotz aller Bemühungen den Anschluss an ihren großen neuen Widersacher verlieren, und das wird durchaus dramatisch in Szene gesetzt.

Charakterlich tritt George einen gehörigen Schritt zurück und konzentriert sich lediglich darauf, aus dem ersten Roman offen Gebliebenes zu einem vorläufigen Ende zu bringen. Neben dem Verhältnis von Sisko und Kasidy wäre da natürlich die gelungene Verabschiedungszeremonie für Elias Vaughn zu nennen, nachdem sich seine Tochter Prynn dazu entschlossen hat, dass es das Beste ist, die Lebenserhaltungsgeräte ihres seit Jahren im Koma liegenden Vaters endgültig abzuschalten. Hier treten ein letztes Mal die meisten der verbliebenen DS9-Recken zusammen, und ein wenig wirkt es wie die Beisetzung der großartigen achten Staffel des DS9-Relaunch. Bashir beginnt in eigener Sache nach dem Bombenleger zu ermitteln, um die von Ro verdächtigte Sektion-31-Agentin Sarina - seine große Liebe - zu entlasten. Und Prätorin Kamemors Profil wird in ihrer Rolle als romulanischer Gorkon weiter geschärft. Ansonsten gibt es weder Ausrutscher noch übermäßig positive Überraschungen.

So solide die politische Story daherkommt, so sehr frage ich mich eines: Wenn "Star Trek" ein Spiegelbild der aktuellen Welt und ihrer Probleme sein soll, warum geht es dann in der ganzen "Typhon Pact"-Reihe, insbesondere in diesem Zweiteiler, um die Konfrontation zweier Superblöcke? Warum geht es um den kalten Krieg? In unserer realen Welt ist der bereits längst abgeschlossen, und wir sind im 21. Jahrhundert eingetreten in eine Art von neuer Unübersichtlichkeit mit vielen regionalen Mittelmächten und einem rasanten Aufstieg Chinas. Dies ist das Zeitalter der Multipolarität. Aber wenn ich mir die gegenwärtige "Star Trek"-Literatur ansehe, habe ich nicht den Eindruck, dass dort diese politische Normalität reflektiert wird. Es ist schade, dass "Star Trek" in dieser Hinsicht noch in der Vergangenheit zu leben scheint.

Vielleicht noch eine Bemerkung zu Siskos vermeintlichem Schicksal: Am Ende sehen wir, wie sich das Wurmloch - möglicherweise für immer - schließt. Sisko wird mitgeteilt, er sei nun endgültig fertig mit den Propheten. Wie oft haben wir das schon gehört? Ich jedenfalls habe Probleme, diese Versprechungen zu glauben, und meiner Meinung nach wäre es auch nicht notwendig gewesen, den Post-"Destiny"-Sisko wieder mit dieser spirituellen Komponente zu verbinden. In einer aufgeladenen politischen Handlung zumal empfand ich die visionären Einlagen rund um Benny Russel als ziemlich störend. Es bleibt zu hoffen, dass nun wirklich eine neue Ära für Benjamin Sisko anfangen kann. Der arme Mann hat schließlich schon genug Abstecher in die Welt der Metaphysik ertragen müssen.

Fazit: "Schatten" ist eine durch und durch politische Geschichte, die sich mit den Folgen rund um die Zerstörung von DS9 beschäftigt. Durch Konzentration auf ganz bestimmte Akteure, die penible Aufarbeitung der Katastrophe im Bajor-System und den Kampf um Frieden in Alpha- und Beta-Quadrant gelingt es dem Roman, viele der Schwächen des Vorgängers auszubügeln. Sicherlich ist "Schatten" damit noch lange kein Überflieger, aber es weiß dafür genau, wo es hin möchte.

2. Martin Weinrich

Die Zerstörung der Station Deep Space Nine am Ende des vorherigen Romans war eine große Überraschung. Das bajoranische System ist damit zunächst ungeschützt, die Verluste waren ebenfalls nicht bekannt. Der Roman muss daher damit beginnen, die Lage zu ordnen. Zunächst werden die Überlebenden zusammengesammelt, dann eine Flotte organisiert, die Bajor und das Wurmloch beschützt. Als Ersatz für die zerstörte cardassianische Station muss übergangsweise eine Bodenstation dienen.

Der Roman besteht aus vier großen Handlungsebenen.

Zunächst ist die Verschwörung der Typhon-Pakt-Geheimdienste weiterhin im Gange. Das ist die größte Bedrohung für den interstellaren Frieden. Denn die verschiedenen Dienste haben realisiert, dass der Diebstahl der Slipstream-Technologie von der Föderation zu riskant ist und wenig Aussicht auf Erfolg hat. Merkwürdigerweise wirkt die daraufhin gewählte Alternative noch viel riskanter. Angetrieben von der Vorsitzenden des Tal Shiars, Sela, versuchen die Typhon-Pakt-Geheimdienste an Wracks von Jem'Hadar-Schiffen zu gelangen. Mithilfe derer Antriebe soll es gelingen, selbst einen Slipstream-Antrieb zu produzieren. Damit riskieren die Verschwörer willentlich einen neuen Konflikt mit dem Dominion, der weitaus gefährlicher ist als eine Föderation mit Slipstream-Antrieb.

Außerdem wirkt es äußerst unrealistisch, dass es den Verschwörern gelingt, ein kleines Wurmloch herzustellen, das das bajoranische Wurmloch "anzapft". So eine Entwicklung dürfte Jahre dauern und könnte kaum an den jeweiligen Regierungen vorbei organisiert werden. Aber diese Methode ist in der Geschichte notwendig, um den Zugriff des Typhon-Pakts auf den Gamma-Quadranten zu erklären.

Die Verschwörung wird auf politischer Ebene begleitet. Die romulanische Prätorin Kamemor, die von den Aktivitäten bisher nichts wusste, hat im vorherigen Band eine Vertrauensbasis mit der Föderationspräsidentin Bacco aufbauen können. Dies ist durch die Ausnutzung der Freihandelsrouten zur Zerstörung der Station Deep Space Nine natürlich zerstört. Es ist gut, dass Bacco hier auf ein indirektes Versöhnungsangebot Kamemors nicht eingeht. Die Föderation kann nicht immer die moralisch überlegene Institution sein, die jede Verschwörung gegen den Frieden sofort erkennt. Stattdessen spürt man in dem Roman, dass es auch in der Föderation Militarisierungstendenzen gibt. Die Bedrohung durch den Typhon-Pakt bewegt die Beamten der Föderation, auch sie werden zunehmend paranoid.

Leider wird die politische Handlungsebene auf unzufriedenstellende Art gelöst. Die Prätorin Kamemor reist undercover in die Föderation. Das passt zu Kamemors Wesen, der der interstellare Frieden sehr am Herzen hängt. Dennoch ist es äußerst unrealistisch, dass die Anführerin der Romulaner sich ohne Vorankündigung auf die Erde beamen lässt. Das ist mutig, aber auch äußerst fahrlässig.

Die Handlung gibt der Prätorin jedoch recht. Das ist natürlich gut, ein Krieg zwischen Typhon-Pakt und der Föderation wäre wahrscheinlich weniger spannend als die Spannungen, die derzeit herrschen. Der gewählten Lösung hängt jedoch eine unrealistische Komponente an.

Auf der Station Deep Space Nine, beziehungsweise der als Ersatz dienenden Bodenstation, dreht sich die Handlung hauptsächlich um die Suche nach dem wahren Attentäter. Die Behörden verdächtigen Bashirs Geliebte Sarina, die zudem einst für Sektion 31 gearbeitet hat. Diese Handlung ist grundsätzlich gut konstruiert, da der Leser immer noch nicht weiß, ob er Sarina trauen kann. Im ersten Band der "Typhon Pact"-Reihe, "Nullsummenspiel", schien es noch so, als würde Sarina mit ganzer Seele für die Sektion arbeiten. Nun behauptet sie, sie kämpfe mit Bashir gegen die Sektion und lasse diese nur im Glauben, sie noch als Unterstützerin zählen zu können.

Wie im vorherigen Roman wird dieser Handlungsstrang aber stiefmütterlich behandelt. Anders als in "Heimsuchung" erhält die Handlung zwar durchaus ihren Platz in dem Roman. Doch es dreht sich ausschließlich darum, die verhaftete Sarina zu befreien und den wahren Täter zu finden. Das ist etwas langweilig. Denn erstens wäre die Zerstörung der Station selbst für Sektion 31 unsinnig. Zweitens weiß der Leser aus dem vorherigen Roman bereits, dass Andorianer an der Verschwörung beteiligt waren. Die Auflösung dieser Handlung ist daher keine Überraschung.

Dabei hätte man aus der Anklage gegen Sarina den Kampf gegen Sektion 31 beginnen lassen können. Seit dem dritten Roman der achten "Deep Space Nine"-Staffel, "Der Abgrund", ist dieses Vorgehen angekündigt, passiert ist jedoch nichts. Das mag daran liegen, dass Vaughn, der Bashir seine Unterstützung zugesichert hatte, meist verhindert war und nun tot ist. Nichtsdestotrotz sollte hier langsam etwas geschehen, eine Chance dafür wurde hier vergeben.

Immerhin ist die eigentliche Aufklärung des Falls dann noch überzeugend. Es ist zwar die Person, die der Leser ebenfalls verdächtigte, aber die Motive des Andorianers sind sehr interessant. Hier muss sich die Föderation selbst fragen, warum sie Andorianern in der Sternenflotte keine bessere Perspektive geboten hat, sondern ihnen erst einmal mit Vorbehalten entgegengetreten ist.

Die "Deep Space Nine"-Handlung wird aber immerhin dafür genutzt, die Crew wieder zusammenzubringen. O'Brien kehrt von Cardassia zurück, Nog von seiner Schiffmission. Somit sind zwei bekannte Charaktere wieder "an Bord". Die dichte Handlung dieses Romans lässt ansonsten aber wenig Zeit für Charakterszenen unter den DS9-Offizieren.

Die letzte Handlung dreht sich hauptsächlich um Benjamin Sisko. In einer völlig abstrusen und bis jetzt nicht ganz verständlichen Handlung hat er sich in religiösem Wahn von Kasidy abgewendet. Er glaubt an die Warnung der Propheten, dass Kasidy und seiner Tochter Rebecca ein schlimmes Schicksal bevorsteht, wenn sie mit ihm zusammenbleiben. Bei der Zerstörung der Station merkt Sisko aber, wie groß seine Gefühle für die beiden noch sind.

Dennoch nimmt er eine Mission in den Gamma-Quadranten an. Das ist einer der spannendsten Momente des Romans. Denn Odo tritt Sisko äußerst zurückhaltend, beinahe feindselig gegenüber. Dabei merkt man, dass die Jahre im Dominion Odo verändert haben. Aus Odos Perspektive lernt der Leser aber auch, dass das Dominion wie man es kannte, nicht mehr besteht. Etwas hat die Gründer verschreckt und sie haben sich über den ganzen Dominion-Raum verteilt. Die große Verbindung ist somit nicht mehr vorhanden. Odo bemüht sich, das vor den Mitgliedswelten zu verheimlichen, was ihm bisher auch gelingt. Am Ende der Handlung ist klar, dass das Dominion Probleme hat. Das Wurmloch ist zum Schluss nicht mehr funktionsfähig, während Odo im Alpha-Quadranten weilt. Die Zukunft des Dominions ist somit äußerst unsicher, das bietet Stoff für interessante weitere Geschichten.

Kira Nerys trifft in diesem Roman in Orb-Erfahrungen immer wieder Benny aus Siskos Alternativwelt. Es gelingt ihr zum Schluss mithilfe der restlichen Mentalkräfte des sterbenden Vaughn, Sisko beziehungsweise Benny davon zu überzeugen, dass die Propheten nun nichts mehr von ihm erwarten und dass er eine gute Zukunft mit Kasidy haben könnte. So wird ein unnötiger Handlungsstrang am Ende relativ ordentlich aufgelöst.

Auf den gut 400 Seiten werden also vier ereignisreiche Handlungsebenen untergebracht, von denen jedoch keine ganz überzeugen kann. Wie der erste Teil der Handlung hat auch "Schatten" einige Schwächen. Durch die dichte Erzählweise und die vielen Ereignisse liest sich der Roman jedoch flott. Außerdem kommt durch die ungeklärte Verschwörungssituation und die reservierte und verärgerte Haltung Präsidentin Baccos Spannung auf. Wieder einmal schwächeln aber die Charaktere und mit Kira und Vaughn wurden nun zwei profilierte Charaktere erst einmal aus der Serie geschrieben. Die folgenden Romane sollten den Ereignisreichtum, der in den ersten vier "Typhon Pact"-Romanen sehr gefehlt hat, fortsetzen, aber auch die Charaktere wieder in den Mittelpunkt stellen.

Fazit: Mit den Romanen "Heimsuchung" und "Schatten" ist eine gefährliche Verschwörung, die Spuren der Verwüstung hinterlassen hat, auf politische Weise gestoppt und weitestgehend verhindert worden. Dabei wurden die Charaktere der Serie "Deep Space Nine" einerseits wieder im bajoranischen System zusammengeführt, andererseits gelang es nicht, ihnen interessante Facetten abzugewinnen. Mit seiner Ereignisfülle gleicht "Schaten" diese Schwäche aber mehr als aus und ist eine gute Lektüre.

3. Thomas Götz

Auch die "Typhon Pact"-Reihe hat es inzwischen auf sechs Bände geschafft, was nach den anfänglichen Plänen von nur vier Bänden beziehungsweise den anfänglichen Plänen zur Reihe durchaus beachtlich ist. Während der Start noch recht holprig wahr, nimmt die Reihe nun auch in diesen Bänden endlich richtig Fahrt auf und präsentiert sich dabei erneut als Crossover diverser Reihen, etwa TNG und DS9.

Doch der Reihe nach. Am Ende des fünften Bandes explodierte Deep Space Nine und wer bis dato noch gehofft hatte, das wäre nur effekthaschend gewesen, wird nun eines Besseren belehrt. Denn DS9 ist wirklich weg, und damit wird eine Ereigniskette in Gang gesetzt, in denen der Status quo erneut umgestoßen wird. Sicher, bereits mit "Destiny" hatte es das ganze Trek-Universum betreffende Umwälzungen gegeben, doch im Großen und Ganzen waren die nicht besonders und wirkten sich nur auf das politische Klima aus.

Nun wird es etwas drastischer, denn altbekannte Strukturen brechen noch mehr auf und was früher als gesichert galt, tut es jetzt nicht mehr. Oder anders ausgedrückt: Dinge wie Deep Space Nine können nun einfach so verschwinden – und Hauptcharaktere sind sich ihres Lebens wohl auch nicht mehr sicher, auch wenn man hier den letzten Schritt noch immer nicht wagt. Dies war bereits bei Janeway in "Heldentod" so und kommt auch in diesem Band bei einem Hauptcharakter zur Geltung (Näheres sei an dieser Stelle aber nicht verraten). Dennoch fährt man damit natürlich auf der Abrams-Schiene und der Welle des neuen Films, welche erkannt hat, das man bei "Star Trek" nicht einfach so weitermachen kann, da man sonst stagniert, sondern diverse Änderungen her müssen. Und da das alte Universum so sicher nicht weiter existiert (bzw. man das vielleicht erst nach dem nächsten Film in zwei Jahren sehen wird) ist der Schritt natürlich mehr als konsequent.

Immerhin, zwei Nebencharaktere dürfen endlich das Zeitliche segnen (wobei man zumindest bei Letzterem noch nicht sicher sein kann). Zum einen ist das Elias Vaughn, der ja bereits seit mehreren Büchern vor sich hin siecht (und man eigentlich damals schon dachte, dass er tot sei). Nun endlich wird hier Klarheit geschaffen und der Charakter darf sein wohlverdientes Ende finden. Und auch der zweite Charakter ist ... aber gut, etwas Spannung muss noch erhalten bleiben, daher sei an dieser Stelle nicht näher darauf eingegangen.

Was ebenso wieder konsequent weiterentwickelt wird, ist die Story um den Slipstreamantrieb, die politischen Winkelzüge rund um die Romulaner und Föderation und natürlich die Geschichte um Odo, die ja seit dem "Deep Space Nine"-Relaunch etwas brach liegt. All das wird in gewohnt guter Manier weiterentwickelt, und Charaktere wie Sisko und Kira dürfen genug Charakterentwicklung zeigen, um auch weiterhin glaubwürdig zu sein. Und auch bei Odo kann man nachvollziehen, das dieser nur wenig über die Zustände im Dominion preisgibt – auch wenn man als Leser auch hier gern mehr erfahren will. Leider bleibt aber die Enterprise-Crew dabei etwas auf der Strecke und auch Sachen wie die Sabotage Deep Space Nines werden eher in einem Nebensatz abgehandelt (bzw. kurz gegen Ende) so dass sie nicht sehr interessant wirken.

Übrigens: Das auf dem Cover abgebildete Konstrukt ist wohl wirklich die neue Station und dürfte bei einigen Fans die ein oder andere Kontroverse auslösen. Ebenso wie das Ende des Buches, das uns ganz kurz ins Jahr 2384 mitnimmt, aber auch einige Sachen offen lässt, die aber vielleicht in Band 7 geklärt werden.

Allerdings, und auch das muss erwähnt werden, gibt es noch ein paar Schnitzer in diesem Buch, die aber wohl nur Puristen auffallen. Mag man noch hinnehmen, dass Armeen von Jem'Hadar Deep Space Nine nicht zerstören konnten und es nun drei Schiffen gelingt (gut, die Hauptursache war eine Sprengung direkt am Reaktor, die gab es so vorher noch nie), so mutet es schon seltsam an, dass ein romulanischer Warbird die Defiant trotz aktiver Schilde in den Traktorstrahl nehmen kann. Oder dass erneut eine künstliche Wurmlochentwicklung genutzt werden muss. Auch die Runabouts der Föderation scheinen mehr als robust zu sein, denn am Ende rammt Kira einen Warbird mit einem Runabout. Was passiert? Der Warbird explodiert, der Runabout hat nur eine eingedellte Schnauze. Na, wenn das so ist, kann die UFP ja künftig ihre Feinde einfach zu Tode rammen ...

Hier wären bessere Lösungen für die jeweilige Situation angemessen gewesen. Auch der Schreibstil ist zwar gut, wechselt aber immer wieder von einer interessanten Situation (etwa dem Streit mit den Romulanern) zu eher unwichtigen Nebenschauplätzen wie Siskos Familiensorgen. Das mag zwar legitimes Mittel sein, um die Spannung aufrecht zu erhalten, denn man will ja schnell weiterlesen, um zur nächsten interessanten Szenen zu kommen und der UFP zurufen, was wirklich Sache ist, es fällt in diesem Roman allerdings durchaus massiv auf.

Zusammengefasst bleibt trotz dieser Mankos ein sehr guter Roman, der nicht nur die politischen Begebenheiten im Alpha-Quadranten voranbringt, sondern auch die Charaktere und einige der "Star Trek"-Grundfesten erschüttert beziehungsweise aufwirbelt.

Fazit: Kleinere Mankos trüben das Gesamtbild dieses durchaus sehr gelungenen Romans nur wenig. Ein Politthriller im "Star Trek"-Universum, nah am Geschehen unserer eigenen Welt - und durchaus gelungen.

"Schatten" ist unter anderem bei Amazon.de als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.

Bewertung

1. Julian Wangler
2. Martin Weinrich
3. Thomas Götz

Weitere Infos


Titel "Schatten"

Originaltitel "Typhon Pact: Raise the Dawn"

Buchreihe Post-'Nemesis'

Autor David R. George III

Übersetzer Christian Humberg

Preis 14,80 Euro

Umfang 463 Seiten

Verlag Cross Cult

ISBN 978-3-86425-2-853

(jw, wc, tg - 03.05.14)


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