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"Gäbe es das Dunkel nicht, wie würden wir das Licht erkennen? Fürchten Sie Ihre negativen Gedanken nicht. Sie sind ein Teil von Ihnen, ein Teil von jedem lebenden Wesen. Sogar von Vulkaniern."

 − Tuvok
 − in "Suspiria"

Juli 2011

 

ISSN 1684-7385

Volume VI

Ausgabe 105 (#158)

 features

 

Berman über Abrams

Ausführliches Interview

Der Ex-Trek-Chef über das fehlende "Trek-Herz" in Abrams' erstem Film

Das Trek-Tabuthema

Homosexualität

Trek hat zahlreiche Tabus gebrochen − bei einem tut man sich schwer

Das Ende

Der letzte "Harry Potter"

Das erwartet Sie im Juli im Kino und auf DVD

 

Vorwort


Liebe Leserinnen und Leser,

"Harry Potter, der Junge, der überlebt hat ... es wird Zeit zu sterben!" − Wird er oder wird er nicht ...? Diesen Monat werden wir es erfahren, wenn der letzte Teil der großen Saga über die Kinoleinwand flimmert. "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes − Teil 2" startet bei uns in Deutschland am 14. Juli. Verpassen Sie also das furiose Finale nicht − und schreiben Sie uns Ihre Eindrücke!

Fans von Neuverfilmungen kommen ab dem 25. Juli auf ihre Kosten. Immer montags um 20.15 Uhr wird der Sender ProSieben die Serie "V − Die Besucher" ausstrahlen − gleich drei Folgen am Stück. Und Con-Begeisterte sollten sich den August vormerken. Am 27. und 28. August 2011 findet nämlich im van der Falk Hotel in Düsseldorf die erste "Trek-Gate to your Star"-Convention statt. Bisherige Gaststars: Robert Picardo ("Star Trek: Voyager", "Stargate: Atlantis"), Torri Higginson ("Stargate: Atlantis") und Claudia Christian ("Babylon 5").

Ebenfalls nicht verpassen sollten Sie in dieser Ausgabe die Trek-Themen: Rick Berman spricht im dritten Teil des StarTrek.com-Interviews über Dinge, die er als aktiver Trek-Chef noch nicht preisgeben wollte, und unsere Redakteurin Ute Kreibaum setzt sich im Artikel "Für einmal zu wenig mutig?" mit Homosexualität in "Star Trek" auseinander.


Viel Spaß beim Lesen!

Melanie Brosowski
Chefredakteurin

 
   

Inhalt

Die ganze Ausgabe auf einen Blick

Für einmal zu wenig mutig?

Homosexualität in "Star Trek": Eine kritische Betrachtung

"'Star Trek XI' hätte etwas mehr Trek-Herz enthalten dürfen"

Rick Berman über die Trek-Filme und wie Picard alles hätte verlieren sollen − Teil 3

FUNtastik 2011

Die "25 Jahre Fandom in Hamburg"-Feier

Das Ende − oder ein neuer Anfang?

"X-Men − Erste Entscheidung": Eine Kinokritik

Kelten, Archäologen und die Druidenprinzessin

Folgen 54 und 55 der Hörspiel-Reihe "Gruselkabinett"

Das Ende von "Harry Potter"

Kino-Guide Juli 2011

Exorzismus mit Anthony Hopkins

DVD-Guide Juli 2011

Die Halley-Armada im Anflug

Vor 25 Jahren

Impressum

Redaktion, Abonnement und Copyrights

Wussten Sie, dass...

... die "Voyager"-Folge "Prototyp" eine der wenigen Episoden ist, in der das Beamen aus der Ich-Perspektive beobachtet werden kann?

... der Raum, in dem sich das Museum über die Voyager in der Folge "Der Zeitzeuge" befindet, das gleiche Set ist, in dem die Son'a im Film "Star Trek: Der Aufstand" die hautstraffenden Maßnahmen vollziehen?

... die "Voyager"-Folge "Die Muse" in der Kategorie "Outstanding Costumes for a Series" für einen Emmy Award nominiert wurde?


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Für einmal zu wenig mutig?

Homosexualität in "Star Trek": Eine kritische Betrachtung

Homosexualität ist ein Thema, das in unserer heutigen Gesellschaft schon lange nicht mehr so tabuisiert wird, wie dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Ja, man geht sogar sehr offen in vielen Bereichen damit um und bemüht sich − zumindest in einigen westlichen Ländern − um eine Gleichstellung, wenn man auch hier noch immer Bedarf sieht. Dennoch lässt die Entwicklung vielerorts die so genannte Queer-Gemeinschaft hoffen. Doch nicht immer war eine solche Toleranz selbstverständlich − wobei diese Selbstverständlichkeit in einigen gesellschaftlichen Umfeldern wohl auch noch mit Vorsicht zu genießen ist. Wie aber ist dies im Falle von "Star Trek", einer Serie, die ja für ihre große Toleranz berühmt ist, die eine bessere Zukunft verspricht, in der es keine Diskriminierung mehr gibt, die auf Grund von Rasse, Geschlecht, Glaube oder sexueller Neigung basiert? Wie geht man in einer Serie, welche dieses Jahr ihr 45. Jubiläum feiert, mit diesem Thema um?

"Star Trek" war die erste Serie, in der ein weißer Mann eine farbige Frau im Fernsehen küsste. Eine Sensation und ein kleiner Skandal zugleich. Gleichzeitig aber auch der Stein des Anstoßes, der langsam ins Rollen gebracht worden war und sich im Laufe der Jahre weiter fortpflanzte. Erste Vorstöße zur Aufnahme eines homosexuellen Spielstranges gab es bereits in den 80er Jahren, als der "Star Trek"-Autor David Gerrold − Erschaffer der legendären Classic-Folge "Kennen Sie Tribbles?" − das Drehbuch zur Folge "Blood and Fire" schrieb. Diese sollte die Crew der Enterprise-D mit dem fiktionalen Thema von HIV konfrontieren sowie dabei das Thema der Homosexualität behandeln. Warum diese Folge, zu der Gene Roddenberry dem Autor angeblich sogar gratulierte, am Ende nicht gedreht wurde, ist nie gänzlich geklärt worden. Die einen sagen, es wäre noch zu früh für eine solche Thematik gewesen, andere, dass das Drehbuch selber einfach zu schlecht, zu stereotyp und zu lächerlich war.

So wurde dieses Thema einmal mehr auf Eis gelegt, ehe man sich erneut in "Star Trek: The Next Generation" mit diesem auseinander setzte. Zunächst nur in Andeutungen, wie in der Folge 23 der vierten Staffel, "Odan, der Sonderbotschafter", und Folge 17 der Staffel 5, "Verbotene Liebe". Doch verliefen die Andeutungen im Sande und "Star Trek" bezog keine eindeutige Stellung zum Thema Homosexualität. Dies erfolgte erst wieder in Teilen mit der Serie "Deep Space Nine", als in der Folge "Wiedervereinigt" (4.6) Jadzia Dax mit dem weiblichen Wirt eines einstigen Ehepartners ihres Symbionten konfrontiert wird und − trotz des Verbotes seitens der Trillgesellschaft − eine Beziehung aufkeimt. Letztlich kommt es auf Grund der gesellschaftlichen Konventionen der Trill − nicht derer der Föderation, die diesem Punkt gegenüber tolerant auftritt − jedoch nicht zu einer Weiterführung derer.

Auch im weiteren Verlauf kommt es zu gleichgeschlechtlichen Handlungen bei "Star Trek: Deep Space Nine", namentlich zwischen Odo und dem leitenden Formwandler, der die Jem'Hadar und die Cardassianer auf der Station − nach deren Verlust durch die Föderation − befiehlt. Dass es sich bei dieser Beziehung ausgerechnet um zwei Formwandler handelt, wird wohl nicht dem Zufall geschuldet sein. Die Spezies an sich ist geschlechtslos, kann sich aber in ihrer flüssigen Ausgangsform in alle anderen Formen verwandeln, um eine Interaktion zu gestalten. Durch die Verwandlung in Mann und Frau wird die eigentlich gleichgeschlechtliche Liebe, die die beiden Wesen in der Folge "Hinter der Linie" (6.4) vermeintlich zweigeschlechtlich, auch wenn dies die wahre Geschlechtsidentität hinter den Wesen − die im Übrigen nie wirklich geklärt werden kann − und dem damit verbundenen gleichgeschlechtlichen Akt nicht verbergen kann.

 
 

Zwar beschäftigt sich "Voyager" mit Toleranzthematiken, doch die Gleichgeschlechtlichkeit wird außen vor gelassen.


Während man in den Folgen der Ursprungsserie in den 60ern sicher noch nicht davon ausgehen konnte, dass ein solches Thema zur Sprache kam − im Übrigen soll Gene Roddenberry angeblich einmal erwähnt haben, dass er davon ausgehe, dass Homosexualität in der Zukunft definitiv als normal anerkannt sein wird. Anfang der 90er sprach er noch selber in einem Interview davon, dass sich auch sein Bild zur Homosexualität gewandelt hätte. Obwohl man sowohl in den beiden Nachfolgeserien "The Next Generation" und "Deep Space Nine" mit Andeutungen und − zumindest auf weiblicher Seite im Paralleluniversum − auch öfter mal mit Aktionen handelte, wird dieses Thema in den letzten beiden Serien "Voyager" und "Enterprise" nicht weiter behandelt. Zwar beschäftigt sich "Voyager" durchaus mit Toleranzthemen, vor allem in der Wahl der Crewbesetzungen, die auch in der heutigen, modernen und emanzipierten Welt noch oft zu kontroversen Diskussionen führt, doch werden Themen der Gleichgeschlechtlichkeit außen vor gelassen. Auch "Enterprise" beschäftigt sich nicht mehr mal im Ansatz mit dieser Thematik, erinnert in seiner Struktur allerdings letztlich auch mehr an eine actionlastige Science-Fiction-Serie, die den Toleranz- und Utopiegedanken von Gene Roddenberry nur noch in Grundzügen vermittelt.

Warum "Star Trek" sich in dieser Thematik wieder zurück verwandelte, kann man wohl als Außenstehender nicht mit völliger Sicherheit sagen. Zu vermuten ist, dass einerseits der Einfluss des Erfinders und Kopfes der Serie nicht mehr zur Verfügung stand, und zum Anderen, dass die Fernsehstudios mit dieser Serie immer auch das Massenpublikum anzusprechen hoffen und im durchaus − vor allem was diese Thematik betrifft − konservativen Amerika (Ausnahmen sind sicherlich Gebiete der West-und Ostküste) eine solche Entwicklung äußerst kontrovers betrachtet werden würde. Zwar mag dies kein Argument sein, galt "Star Trek" doch schon immer als Vorreiter in Sachen Toleranz, aber Zeiten verändern im Zweifel alles, und vielleicht gilt dies auch für "Star Trek" in dieser Hinsicht. Der Darsteller von Garak, Andrew J. Robinson, hat auf der Trek Expo im Jahre 2000, angesprochen auf die Frage der Homosexualität in "Star Trek", nebenbei mit recht klaren Worten geantwortet, als er die Produzenten der Serie dahingehend als Feiglinge bezeichnete.

Fans, denen das Warten auf einen homosexuellen Charakter in "Star Trek" − welches auch nicht mit dem neuen Film beendet wurde − zu lange dauert, können sich mittlerweile einer Fanserie widmen, die neben diversen anderen Charakteren auch Homosexuelle beinhaltet. "Hidden Frontier" (www.hiddenfrontier.com) gilt als eine der bestproduziertesten "Star Trek"-Fanserien bisher, deren sieben Staffeln man sich auch nach Serienende kostenlos im Internet anschauen kann.

Trek-Tabus

Liebe unter Gleichgeschlechtlichen − wie geht "Star Trek" damit um? Eine kritische Betrachtung von Ute Kreibaum.


 

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"'Star Trek XI' hätte etwas mehr Trek-Herz enthalten dürfen"

Rick Berman über die Trek-Filme und wie Picard alles hätte verlieren sollen − Teil 3

Nach Gene Roddenberry wird niemand mehr mit den Interna von "Star Trek" in Zusammenhang gebracht als Rick Berman. 18 lange Jahre, von 1997 bis 2005, hat Berman dem "Star Trek"-Universum gedient, und die meiste Zeit davon hat er den Laden geschmissen. Im dritten Teil des ausführlichen Gesprächs mit StarTrek.com spricht er unter anderem über die Trek-Filme und wieso er quasi gezwungen wurde, Nicht-Trek-Kenner Stuart Baird als Regisseur für "Nemesis" zu verpflichten, Kritik von Fans an seiner Person und warum "Der Aufstand" ursprünglich der düsterste alle Trek-Filme hätte werden sollen. Und er schließt sich den Fans an, die behaupten, J.J. Abrams' erster Trek-Film hätte mehr vom ursprünglichen Trek-Gedanken vertragen...

StarTrek.com: Sie haben die vier "Next Generation"-Filme produziert. Wir werden Ihnen die Titel sagen und Sie teilen uns bitte Ihre Gedanken und/oder Erinnerungen über die Konzepte hinter den Filmen, die einzelnen Produktionen und die Endresultate mit. Zuerst kommt "Treffen der Generationen"...

Rick Berman: Es war ein bisschen naiv von mir und Brannon (Braga) und Ron (Moore) in das Filmgeschäft einzutauchen mit nur sehr wenig Erfahrung darüber, wie es funktioniert. Wir haben uns ein wenig mit (dem potenziellen Regisseur) Leonard Nimoy verkracht. Im Nachhinein gesehen ging um die prozeduralen Elemente der Frage, inwiefern sich die Entwicklung, das Schreiben, das Produzieren und das Regie führen zwischen einem Spielfilm und einer Fernsehserie unterscheiden. Das Resultat davon war, dass wir David Carson auswählten, um bei "Treffen der Generation" Regie zu führen. Wir haben eine Menge Kritik dafür bekommen, wie wir mit Kirk umgegangen sind. Das fand ich bedauerlich. Soweit es die Fans von "Next Generation" betrifft, war Kirk schon für viele Jahre tot. Es war schließlich ein Jahrhundert später. Wir dachten uns: "Wäre es nicht großartig, wenn wir irgendwie den Staffelstab weitergeben könnten? Irgendwie Kirk und Spock und die anderen einfließen lassen, einen Weg finden, die beiden Generationen quasi zu verheiraten?"

Und daraus wurde die Idee des Nexus geboren und die des Energiebandes, und dass Kirk eigentlich nicht gestorben ist und dass er für ein letztes großes Abenteuer zusammen mit Picard zurückkehrt. Das war unsere Art und Weise, uns vor der Mannschaft der Classic-Serie zu verbeugen und ihnen unseren Respekt entgegenzubringen. Aber es wurde von einer Menge Leute aufgefasst, als ob wir gegen die Gesetze der Serie verstießen, indem wir Kirk töten, wo er doch höchstwahrscheinlich sowieso schon seit Jahrzehnten tot war, zumindest so weit das irgendjemand weiß. Die Szene, die für seinen Tod geschrieben wurde, war irgendwie mitleiderregend und schwach und wir sind am Ende zurückgegangen und haben unser Bestes gegeben, um es dramatischer zu machen. Es war das erste Mal für viele von uns, es hat Geld eingebracht und am Ende war es gar kein so schlechter Film, zum ersten Mal, wenn man den Umstand bedenkt, dass es unser erster Film außerhalb des Fernsehens war.

StarTrek.com: "Der erste Kontakt"...

 
 

"Alice Krige hat einen wunderbaren Job als Borg-Königin gemacht."


Berman: Alles, was vielleicht beim ersten Film schiefgelaufen ist, hat beim zweiten geklappt. Es waren zum größten Teil die gleichen Leute dabei. Anstatt David Carson wieder zu holen, heuerten wir Jonathan Frakes an, um Regie zu führen. Es war eine riskante Entscheidung. Er war jemand, der noch nie zuvor bei einem Spielfilm Regie geführt hatte. Er hatte im Grunde vier oder fünf Jahre lange bei Fernsehepisoden Regie geführt, zusammen mit seiner Rolle in "Next Generation". Die Geschichte wurde von den gleichen drei Leuten entwickelt − Ron Moore, Brannon (Braga) und mir, und das Drehbuch wurde von den gleichen beiden Leuten geschrieben (Moore und Braga). Es hat einfach auf so vielen verschiedenen Ebenen funktioniert. Es war spannend. Es gab eine Menge erinnerungswürdiger Sachen. Leute wie James Cromwell haben ein ganzes Element zu der Geschichte von Trek beigetragen, das ich faszinierend fand. Alice Krige hat einen wunderbaren Job als Borg-Königin gemacht. Es ging zwar um Zeitreisen und die Rettung der Erde, aber es hat funktioniert und eine Menge Geld eingespielt für das Studio, also waren sie sehr glücklich.

StarTrek.com: "Der Aufstand" war nicht so erfolgreich wie die anderen, aber die Stimmen unter den Fans, die sagen, dass er unterbewertet ist und dass er derjenige "Next Generation"-Film war, der am nächsten am Geiste der Serie dran war, werden immer lauter. Ihre Gedanken dazu?

Berman: Ich war in einer interessanten Situation. Ron und Brannon waren sehr mit "Voyager" und "Deep Space Nine" beschäftigt und nicht wirklich daran interessiert, einen weiteren Film zu machen. Ich bin zu Michael Piller gegangen, der zwar schon eine Weile von Trek weg war, aber er war ein enger Freund von mir und hatte schon viele Jahre mit mir zusammen gekämpft. Michael willigte ein, die Geschichte für den nächsten Film zu schreiben. Er entwickelte eine Geschichte, die das Dunkelste war, was ich je gelesen habe. Wenn man es gelesen hatte wollte man sich eine Pistole besorgen und sich erschießen. Er malte sich etwas aus, so ungefähr wie "Apocalypse Now", beziehungsweise das Buch, auf dem der Film basiert, "Herz der Finsternis". Er wollte eine Geschichte darüber erzählen, wie Picard alles verliert, sein Schiff, seine Mannschaft, seinen Rang bei der Sternenflotte, er verliert einfach alles außer seinem Sinn dafür, was richtig ist und seine Integrität, und am Ende hat er auch nichts mehr außer dieser. Als die Leute vom Studio die Geschichte gelesen haben, hatten sie die gleiche Reaktion wie ich, welche war, dass die Geschichte einfach nichts mit dem zu tun hatte, wie ein "Star Trek"-Film sein sollte, und dass es sehr düster und sehr depressiv war. Das war irgendwie Michaels Art. Er wollte eine zutiefst dramatische und düstere Geschichte erzählen.

Was also passiert ist, war, dass wir angefangen haben, es zu reparieren. Das Drehbuch hatte am Ende Eingaben von Patrick Stewart, vom Studio, von mir und langsam fing die Geschichte an, sich zu verwandeln. Ich denke vielleicht ist es bisschen wie bei dem Sprichwort "Ein Kamel ist ein Pferd, das von einem Ausschuss entworfen wurde". Anstatt die Idee zur Seite zu legen und sich etwas Neues zu überlegen, haben wir die Geschichte genommen und angefangen sie zu ändern und zu verbiegen und sie peppiger zu machen. Ich denke nicht, dass das Drehbuch jemals richtig fertig geworden ist. Jonathan wurde ein weiteres Mal auf den Plan gerufen, um Regie zu führen. Er hat eine sehenswerte Arbeit abgeliefert. Wir konnten F. Murray Abraham gewinnen, der zu dieser Zeit groß im Geschäft war, und einige weitere wunderbare Schauspieler. Aber am Ende konnte der Film nicht ganz in die Fußstapfen von "Der erste Kontakt" treten.

StarTrek.com "Nemesis"...

Berman: "Nemesis" wird mich immer verblüffen. Patrick und Brent kamen eines Tages in mein Büro. Das ist jetzt etwas, worüber ich noch nie wirklich geredet habe... Der Chef vom Studio hatte versucht, mich davon überzeugen, einen Film ohne die "Next Generation"-Mannschaft zu machen. Das Befinden war: "Diese Typen sind alle irgendwie älter geworden. Es ist an der Zeit für ein bisschen neues, frisches Blut." Sie vertraten den Standpunkt, dass ich losgehen sollte, um einen neuen Tom Cruise zu finden. Ich war aus zwei Gründen dagegen. Ein Grund war, dass, als wir diesen Film zu entwickeln anfingen, auch gerade die "Enterprise"-Serie anlief. Also stand das "Star Trek"-Publikum kurz davor, eine ganz neue, junge Crew im Fernsehen vorgestellt zu bekommen. Und für uns gleichzeitig eine ganze Reihe neuer junger Charaktere in einem Film einzuführen, war für mich der blanke Wahnsinn. Der andere Grund war, dass ich der Meinung war, dass nach vier Jahren Abstinenz die Leute Patrick, Brent, Jonathan und die anderen wiedersehen wollten. Ich hätte mich bei einer oder beiden Sachen irren können, aber ich war sehr stark davon überzeugt, dass wir einen weiteren "Next Generation"-Film machen sollten.

 
 

"Das ist großartig. Wir machen einen Film mit einem franchisefremden Regisseur und einem franchisefremden, erstklassigen Autor, einem, der 'Star Trek' wirklich kennt und liebt."


Patrick und Brent kamen eines Tage in mein Büro mit einem jungen Mann namens John Logan, der seitdem ein guter Freund von mir geworden ist. John war ein großartiger Autor. Er hatte die Drehbücher für ein paar gute Filme geschrieben. Er hatte Verträge für weitere große Filme in der Tasche. Brent, Patrick und Logan kamen mit ein paar Ideen an, an welchen wir arbeiteten und sie änderten. Ich dachte, das sei sehr aufregend. Anstatt Leute wie Ron, Brannon oder Michael anzuheuern, Leute, die alle schon seit vielen Jahren mit Trek-Fernsehen in Verbindung standen, hatten wir hier einen frischen, hochgelobten Hollywood-Autor, der auch noch zufällig ein großer Fan von "Next Generation" war. Das Studio kam zu mir und sie ... verlangten nicht, dass ich Stuart Baird (als Regisseur) nehmen sollte, aber sie waren irgendwie doch sehr überzeugend darin, dass ich Stuart Baird beauftragen sollte. Stuart war ein englischer Regisseur. Er hatte zwei gute Filme gemacht. Er war ein Weltklasse-Film-Editor.

Der Gedanke war also: "Das ist großartig. Wir machen einen Film mit einem franchisefremden Regisseur und einem franchisefremden, erstklassigen Autor, einem, der 'Star Trek' wirklich kennt und liebt." Also hatten wir den Autor, der Trek kennt und den Regisseur, der nicht viel über Trek weiß, aber dafür eine Menge über Action. Ein Drehbuch wurde geschrieben, aber es war viel zu lang und wortreich. Es war immer ein bisschen zu shakespearisch. Die ganze Idee eines Picard-Klons ... es ging von Picards Sohn zu einem Picard-Klon, der genauso alt wie Picard ist, wo Patrick beide Charaktere spielen würde. Letztendlich einigte man sich auf den Tom-Hardy-Charakter, der ein Klon von Picard war, aber keiner, der genauso aussah. Es mussten eine Menge angebrachte Zweifel bei der Wahl des Schauspielers überwunden werden. Offensichtlich sah Tom nicht wirklich wie Patrick aus, deshalb war es ein bisschen schwierig zu verkaufen. Aber wir haben sehr hart daran gearbeitet. Es gab ein paar Probleme mit Stuart und der Besetzung. Es gab einige Spannungen und ein kleines bisschen Stress während der Produktion. Der Film war viel zu lang und wurde zusammengeschnitten. Es war zu wortreich und wurde deshalb ausgedünnt.

Aber jeder vom Studio bestätigte mir, dass wir einen wirklich guten Film geschaffen hatten. Und niemand kam, um ihn sich anzusehen. Es war nicht mal eine Frage von guten Kritiken. Jeder "Star Trek"-Film lief an und hatte ein riesiges Startwochenende, außer dieser. Warum? Ich verstehe und würdige die Kritik bezüglich der Produktion oder des Drehbuchs. Aber bis zu diesem Tage habe ich Schwierigkeiten zu verstehen, warum er so schlecht angenommen wurde. John ist weitergezogen, um große Filme zu schreiben. Er schreibt den neuen "James Bond"-Film. Er beendet gerade die Produktion von einem weiteren Martin-Scorsese-Film, an dem er mitgearbeitet hat. Aber der Film ist nach hinten losgegangen und es gibt sicherlich eine Menge Platz für Diskussionen nach dem Warum. Es war traurig und verblüffend für mich.

StarTrek.com: Eine Menge Leute schätzen die Arbeit, die Sie, Piller und Braga gemacht haben, aber ein Teil der Fanbasis denkt, dass Sie zu lange dabei gewesen sind und/oder dass Sie zu lange gewartet haben, um Ira Behr, Manny Coto und so weiter die Serien leiten zu lassen. Was sagen Sie zu diesem Teil der Fans?

Berman: Das sind eine Menge verschiedener Sachen, die Sie da ansprechen. Soweit es "Deep Space Nine" betrifft, hat Ira die Serie geleitet. Es gab Zeiten, wie wir das bereits besprochen haben, in welchen meine Meinung und meine Mitwirkung bei der Serie es mir erlaubt haben, einige Änderungen vorzunehmen, mit denen Ira und seine Autoren nicht einverstanden waren. Aber das waren sehr wenige und es ist selten vorgekommen. Ira war der Prinz von "Deep Space Nine" vom dritten Jahr an, nachdem Michael sich ausgeklinkt hat. "Enterprise" ... die Autoren wurden von Brannon angeführt. Sicherlich war Manny in den letzten beiden Jahren sehr stark involviert. Brannon und ich haben uns mit der Entwicklung einer anderen Serie beschäftigt und somit hatte Manny für Teile der vierten Staffel größere Freiheiten beim Entwickeln der Handlungsfäden. Aber Manny hat immer in Übereinstimmung mit Brannon und mir gearbeitet. Diese ganze Idee von "Sobald Manny die Serie übernommen hat...", das ist nie passiert. Manny hat nie die Serie übernommen. Manny hat angefangen, Besprechungen zur Diskussion der Handlung zu leiten, als Brannon und ich mit anderen Dingen beschäftigt waren, aber es gab nichts, bei dem Brannon und ich nicht unseren Beitrag geleistet hätten. Die Leute machen es sich also zu einfach, wenn sie so etwas behaupten.

Zu der Frage, ob wir zu lange an Bord geblieben sind? Das ist möglich. Das ist sogar sehr gut möglich. Ich habe es 18 Jahre lang gemacht, und von diesen 18 Jahren hatten wir sieben Jahre lang zwei Serien parallel auf dem Bildschirm. "Deep Space Nine" war niemals alleine im Fernsehen. Die ersten Jahre waren zusammen mit "Next Generation" und die letzten zusammen mit "Voyager". Sobald "Voyager" auf Sendung ging, haben wir angefangen Filme zu machen, und das sieben Jahre lang. Ich war also stark involviert. Sind wir zu lange dabeigeblieben? Vielleicht. Es gab auch jede Menge Kritik darüber, dass Brannon und ich keinen Respekt für die Classic-Serie gehabt hätten. Das ist totaler Unsinn. Ich weiß nicht, wo das hergekommen ist. Ich wurde auf jeden Fall mit dem Ausspruch zitiert, dass ich zu ihrer Zeit kein Fan der Classic-Serie gewesen bin. Das bedeutet aber nicht, dass ich sie nicht gemocht habe. Es bedeutet nur, dass ich sie nicht geschaut habe. Wie ich schon gesagt habe, war der Umstand, dass ich als Kind nichts mit der Classic-Serie zu tun hatte, eines der Dinge, die Gene und mich erst hat zusammenkommen lassen. Das Gefühl, dass Brannon und/oder ich keinen Respekt vor der Classic-Serie gehabt haben, dass wir uns nicht um die Regeln und Übergänge scherten, dass wir die Classic-Serie verspottet und missachtet hätten, das ist für mich alles sehr schmerzhafter Tratsch und nichts davon ist auf irgendeine Art und Weise wahr.

StarTrek.com: Nun, da einige Zeit vergangen ist, finden Sie, dass ältere Fans zu den Trek-Serien und -Filmen zurückkehren, die Sie produziert haben, und sie in einem neuen Licht betrachten? Und finden Sie, dass neuere Fans, deren Startpunkt J.J. Abrams' Film ist, "Next Generation", "Deep Space Nine", "Voyager" und "Enterprise" entdecken?

Berman: Ich weiß es nicht. Obwohl ich liebend gerne sagen würde, dass ich die Websites nicht lese, wäre das eine Lüge. Ich finde, dass über den Verlauf der letzten Jahre die Resonanz gegenüber allen vier Serien, bei denen ich mitgearbeitet habe, freundlicher geworden ist. Ich mag den Gedanken, dass wenn Leute sich "Deep Space Nine" und "Voyager" und sogar "Enterprise" noch einmal anschauen, sie anfangen, die Dinge mit neuen Augen zu sehen. Wenn ich anfange, Rückmeldungen zu sehen über diese Serien, die positiver sind, ist das natürlich ein gutes Gefühl.

 
 

"Als ich Filme gemacht habe, war die Philosophie: 'Wir wissen, dass wir mit einem 'Star Trek'-Film X Dollar einnehmen können, also gib nicht mehr als Y Dollar aus.'"


StarTrek.com: Wenn wir schon von Abrams' Film reden, haben Sie ihn gesehen und was hielten Sie davon?

Berman: Ich denke, es war ein wundervoller Film. Er war sehr, sehr groß. Man muss bedenken, ich habe vier Filme gemacht mit unglaublich begrenztem Budget. Als ich Filme gemacht habe, war die Philosophie: "Wir wissen, dass wir mit einem 'Star Trek'-Film X Dollar einnehmen können, also gib nicht mehr als Y Dollar aus." Es war überraschend für mich zu sehen, wie viel Abrams' Film in Sachen visuelle Effekte und Produktionskosten machen konnte. Ich denke, die Handlung war wundervoll und viele der schauspielerischen Leistungen waren hervorragend. Ich bin nur an einem Punkt angelangt, an welchem diese großen Actionfilme, gefüllt mit computergenerierten Animation von Anfang bis Ende, sich ein wenig dahinziehen. Für mich ist der Film, genau wie "Iron Man" oder irgendein anderer dieser großen, unglaublich teuren Filme mit visuellen Effekten, die mehrere Millionen Dollar wert sind ... es war ein sehr, sehr aufregender Film. Auf die Frage, ob er das Herz von "Star Trek" in sich getragen hat, denke ich, hätte er vielleicht ein bisschen mehr davon haben können. Aber ich habe ihn sehr gemocht.

StarTrek.com: Sie haben erwähnt, dass Sie an Ihren Memoiren über 18 Jahre bei "Star Trek" schreiben. Wie weit sind Sie damit und wie eingehend werden Sie sich mit Ihren Erfahrungen befassen?

Berman: Es wird schonungslos sein! Nein, ich mache nur Spaß! Es ist mein Versuch, die Erinnerungen an die letzten 18 Jahre zu kommunizieren − Beziehungen, Anekdoten, einige sehr skurrile Leute, einige wundervolle Leute, und ich kämpfe auch mit der Idee, dass Memoiren wiedergeben, an was man sich erinnern kann, im Gegensatz zu dem, was tatsächlich geschehen ist. Manchmal erinnere ich mich an etwas und dann sitze ich zusammen mit Patrick oder Brent oder Jonathan, um es zu diskutieren, und sie sagen: "Nein, nein, so ist das nicht gewesen. Das war so und so... " Wenn ich ihre Erinnerungen an ein bestimmtes Ereignis, das an einem bestimmten Tag vor Jahren passiert ist, höre, denke ich mir: "Heilige Schei..., sie haben Recht! Es ist nicht so gewesen, wie ich mich daran erinnere. Es war so, wie du sagst."

Das passiert uns allen. Also versuche ich, so ehrlich wie möglich zu sein in Bezug auf das Erzählen von Geschichten, so gut wie ich mich daran erinnern kann. Es gibt eine Menge Dinge, die noch nicht erzählt worden sind. Es wird nichts Fieses darin geben. Ich habe kein Interesse daran, über irgendjemanden herzuziehen oder irgendwelche Geheimnisse preiszugeben und ich habe kein Interesse daran, etwas in Zusammenarbeit mit einem Ghostwriter zu machen. Also arbeite ich daran und jedes Jahr kommen ein paar Seiten dazu. Hoffentlich wird es irgendwann zu einem Buch gemacht, das sehr spaßig zu lesen sein wird für Leute, die an dieser Zeit interessiert sind.

Trek-Interview

Spannende Gedanken des ehemaligen Trek-Chefs. Aus dem Englischen von Sebastian Kowald.


 

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FUNtastik 2011

Die "25 Jahre Fandom in Hamburg"-Feier!

Samstag, 10. September 2011, 18 Uhr

Das Raum-Zeit-Kontinuum bebt! Die Scanner zeigen, dass ein Vierteljahrhundert voll ist. Das heißt: Seit 25 Jahren treffen sich jetzt Fantastik-Fans monatlich auf einem Hamburger Treff und tauschen sich aus. Noch vor der Invasion des Internets, im Jahr 1986, beschlossen erste TV-Astronauten und Fantasy-Freunde, zusammen noch mehr Spaß zu haben. Es begann mit "Star Trek" pur, weitete sich über "Star Wars", "Babylon 5" und "Akte X" aus und ist heute ein buntes Zusammensein zu allen Facetten der Fantastik.

Grund genug, im Sommer ein weiteres Mal kräftig zu feiern! Und die Hamburger sind ja inzwischen dafür bekannt, das Image des kühlen Nordlichts gehörig Lüge zu strafen. Die "FUNtastik 2011" steht somit ganz im Zeichen des Fandom-Jubiläums und wird mit einem schönen Festprogramm aufwarten:

Das beliebte "Fantastik-Live-Magazin" wird ein Special zu den erlebten 25 Jahren sein: Retronauten laden zur Rückschau ein. Es werden viele interessante Fotos und Anekdoten in einem kurzweiligen Vortrag präsentiert.

Sketche lassen Traditionsfiguren der Hamburger Szene aufleben. Wer erinnert sich nicht noch an "Dankwart, den Tankwart", "Dr. Media" oder "Elke"?

Spiele sind bei Null-G immer einen Lacher wert. Dabei wird an "Wer bin ich?" und eine Aktion namens "Stopp den Self-Destruct!" gedacht.

Werden die "Star Trek"-Singers wieder zuschlagen? Wird etwas verlost? Schon möglich...

Wer am 10. September 2011 um 18 Uhr am Zielort erscheint, erfährt die ganze Wahrheit: In der Gaststätte am Sportplatzring, Sportplatzring 47, 22527 Hamburg-Stellingen (nur 5 Gehminuten entfernt von der S-Bahn-Station "Stellingen" und der U2-Station "Hagenbecks Tierpark).

Also nichts wie rein in die Shuttles und den Raumsektor Nord ansteuern! So eine Feier gibt es frühestens in 25 Jahren wieder...

Weiterführende Links

  • Fantastik-online: Science-Fiction, Fantasy und Horror/Mystery
    Die offizielle Website.

  • SF-Zone

    Seien Sie dabei − bei der Jubiläumsfeier in Hamburg. Wann und wo? Das lesen Sie hier.


     

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    Das Ende − oder ein neuer Anfang?

    "X-Men − Erste Entscheidung": Eine Kinokritik

    Die Vorgeschichte einer erfolgreichen Filmreihe zu erzählen, ist nicht immer mit Erfolg gekrönt: George Lucas musste sich einige Kritik anhören zu "Star Wars − Episode I−III". Bei den "X-Men" war der letzte Film im Kino "X-Men Origins − Wolverine" auch nicht der große Erfolg, den man sich erhofft hatte. Kritiker und Fans waren sich einig, dass viele Möglichkeiten verschenkt worden sind, sei es von den Charakteren, der Geschichte oder auch von der Kontinuität im Bezug auf die anderen drei Teile her.

    Jetzt kommt mit "X-Men − Erste Entscheidung" ein Prequel, das sogar noch vor "Wolverine" spielt. Vor etwas weniger als einem Jahr verkündete Fox, dass Regisseur Matthew Vaughn ("Kick-Ass") den Film im Juni 2011 in die Kinos bringen würde. Eine gewagtes Vorhaben, war ja schon bei "X-Men − Der letzte Widerstand" bemerkbar gewesen, dass nicht viel Zeit für die Produktion des Films zur Verfügung stand (Stichwort: Anschlussfehler).

    Wenn man sich jetzt das fertige Produkt anschaut, kann man nur beeindruckt staunen: In dieser kurzen Zeit ist ein Film entstanden, der Anspruch, Witz, gute schauspielerische Leistungen und jede Menge Action sowie gut gemachte Effekte beinhaltet. Wer die Trailer gesehen hat weiß, dass die Kuba-Krise eine nicht unwesentliche Rolle spielt, und genau dieser Bezug auf historische Ereignisse macht die Geschichte so interessant. Die Möglichkeit eines dritten Weltkriegs und damit auch die Bedrohung auf globaler Ebene geben der Story Gewicht und Bedeutung. Davon abgesehen macht es Spaß, die alternative Realität zu sehen, in der die Mutanten einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Ausgang der Ereignisse hatten. Abgesehen vom geschichtlichen Hintergrund nimmt sich die Geschichte nicht zu ernst und man kann einen lockeren Blick auf Professor X und seine Schüler werfen.

    Die Schauspieler sind durch die Reihe gut gecastet und passen zu ihren Rollen. Besonders James McAvoy und Michael Fassbender bringen unglaublich viel Engagement in ihre Rollen ein. Fassbender schafft es − auch durch das gute Drehbuch −, den jungen Magneto zu einer Figur zu machen, mit der man leidet und die einen wirklich berührt. Auf jede einzelne Schauspielerleistung einzugehen, wäre zu aufwändig. Zusammengefasst kann man sagen, dass die Akteure sowohl Spaß bei den Dreharbeiten als auch in ihren Rollen hatten, und das überträgt sich auch auf den Zuschauer.

    Wer die bisherigen "X-Men"-Filme kennt, weiß, dass an Action und Effekten nicht gespart wird. Auch dieser Film ist da keine Ausnahme: Der Teleporter Azazel, die diamantene Emma Frost, der Energie-verschießende Havok oder der Metall-manipulierende Magneto, sie alle bieten Futter für die Augen mit coolen Effekten und wilder Action. Auch wenn es dabei häufig laut wird, vergisst Vaughn nie die ruhigen Momente: Sei es Mystique, die sich wünscht, "normal" auszusehen, oder die intensiven Gespräche zwischen Xavier und Magneto. Es sind keine ruhigen Szenen, um die Actionszenen miteinander zu verbinden, sondern sie haben Aussagekraft.

    Alles in allem kann man sagen, dass dieser Film der "X-Men"-Reihe neue Energie gegeben hat. Es stellt sich natürlich die Frage, ob das jetzt einfach nur ein Prequel sein soll oder ein Reboot. Mancher kurze Auftritt eines bekannten Gesichts bestätigt die Prequel-Theorie, das Ende der Geschichte widerspricht Ereignissen, die man in "X-Men − Der letzte Widerstand" gesehen hat. Egal was von beiden, es ist ein Spektakel, und: Spaß macht das Zuschauen auf alle Fälle und man bekommt Lust auf eine Fortsetzung.

    SF-Zone

    Lange erwartet, jetzt zu sehen: "X-Men − Erste Entscheidung" − die Vorgeschichte einer erfolgreichen Filmreihe. Eine Kritik von Oliver Hieber.


     

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    Kelten, Archäologen und die Druidenprinzessin

    Folgen 54 und 55 der Hörspiel-Reihe "Gruselkabinett"

    Aylmer Vance ist ein ganz besonderer Detektiv. Er widmet sich übernatürlichen Fällen, in denen er es mit Geistern, Flüchen, Spuk und sogar Göttern zu tun bekommt. Eine nette Rahmenhandlung zieht sich durch diese Doppelfolge "Gruselkabinett". Aylmer Vance lernt den sympathischen Rechtsgelehrten Dexter kennen und berichtet ihm von seinen Erlebnissen.

    Gruselig geht es bei dem ersten Bericht zu. Ein ehrgeiziger Hobbyarchäologe und Freund von Aylmer Vance findet einen keltischen Armreif, der einst einer Druidenprinzessin gehörte. Obwohl er vor okkulten Nachforschungen gewarnt wird, versetzt er seine eigene Frau in Trance, die ausgesprochen bösartig erwacht. Eine wunderbar stimmungsvolle Geschichte mit einer gehörigen Portion Gruselfaktor.

    Als Nächstes erzählt Aylmer seinem Freund von seinem Mündel, das sich des Nachts heimlich in die Wälder davonstiehlt. Ein unziemliches Verhalten für eine junge Frau, die einem Herrn aus gutem Hause versprochen ist. Eines Tages erzählt sie Aylmer, was sie in den Wäldern erlebt. Er glaubt ihr nicht, bis er sie verfolgt und feststellt, dass sie untertrieben hat.

    Die dritte und vierte Geschichte sind Inhalt der 55. Folge. Ein Maskenball, dem Aylmer mit Schrecken entgegensieht, entpuppt sich als der schönste Abend seines Lebens. Inmitten all der maskierten Gäste beobachtet er eine Frau, in die er sich auf den ersten Blick verliebt. Leider hat die Sache einen Haken.

    Die letzte Erzählung ist wunderbar in die Rahmenhandlung integriert. Aylmer gibt seinem Freund Dexter zur Gute-Nacht-Lektüre einige Gedichte, die Dexter geradezu verschlingt. Eine Nacht voller Alpträume schließt sich an. Dexter sieht eine Frau an einem Schreibpult sitzen, die wie besessen Verse notiert. Ein ausgezehrter Mann will ihre Fortschritte sehen. Am Morgen wird Dexter von Aylmer Vance aufgescheucht. Rund um das Haus des Dichters und auch darin entzünden sich immer wieder spontane Feuer. Aylmer wird beauftragt, der Sache auf den Grund zu gehen. Dieses Mal steht ihm Dexter zur Seite.

    Alle vier Geschichten bestechen durch den konstanten Erzählfluss. Niemals stellen sich Längen ein. Die Dialoge wurden sehr schön ausgearbeitet und werden von den Sprechern perfekt in Szene gesetzt. Hans-Georg Panczak spricht Aylmer Vance und Ekkehardt Belle überzeugt als kritischer, aber begeisterungsfähiger Dexter. Auch die übrigen Rollen wurden mit professionellen Synchronsprechern belegt. Titania Medien hat auch dieses Mal die Messlatte ein Stück höher gelegt.

    Besonders eingehen möchte ich dieses Mal auf den Soundtrack. Noch nie habe ich erlebt, dass die Musik so gut zu einer Handlung gepasst hat. Stimmungsvolle Pianoklänge wechseln sich mit spannenden Geräuscheffekten ab und sorgen für das richtige Flair, und das jederzeit.

    Die CDs sind als Einzelfolgen oder als Doppelfolge im Pappschuber erhältlich. Folge 54 ziert ein Bild, auf dem die Szene mit der Séance dargestellt ist. Ein Geist schwebt über den Teilnehmern. Sehr atmosphärisch. Das Titelbild für Folge 55 zeigt eine Frau, die am Schreibtisch sitzt. Dieses Bild wird der melancholischen Geschichte dazu gerecht.

    In der Vorschau wird angekündigt, dass es weitere Folgen mit dem ungleichen Detektivduo Vance und Dexter geben wird. Ich freue mich darauf.

    Fazit: Gut durchmischte Geschichten, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Absolute Kaufempfehlung!

    Weiterführende Links

  • Amazon.de − Jetzt bestellen
    Gruselkabinett 54/55: "Aylmer Vance − Abenteuer eines Geistersehers" (Doppel-CD).

  • Hörspiel-Ecke

    Eine Kritik von Christiane Gref.


     

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    Das Ende von "Harry Potter"

    Kino-Guide Juli 2011

    "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes − Teil 2"  (USA 2011)


     

    Regie

    David Yates

    Drehbuch

    Steve Kloves

    Darsteller

    Daniel Redcliff (Harry Potter), Emma Watson (Hermine Granger), Rupert Grint (Ron Weasley), Ralph Fiennes (Lord Voldemort)

    Start

    14. Juli 2011


    Inhalt
    Der Kampf zwischen Harry und seinen Freunden gegen Lord Voldemort mit seinen Todesser hat sich in der Zaubererwelt zu einem Krieg entwickelt. Mit dem Krieg kommen Opfer, unter denen sich auch geliebte Freunde von Harry befinden. Doch am Ende muss sich Harry seinem Erzfeind Lord Voldemort stellen. Wird Harry siegen? Und wird er sich für seine Freunde und für den Sieg über das Böse opfern müssen?

    Erwartung
    Sehr gut. Harry Potter ist zurück. Lange ersehnten die Harry-Potter-Fans den zweiten Teil des Finales. Doch Vorsicht! Niemand ist in einem Krieg sicher. Daher sollte man sich auf Verluste bei liebgewonnenen Figuren einstellen. Der Abschluss der Saga ist düster, voller Action und nicht zuletzt auch traurig. Die Spezialeffekte scheinen gewohnt gut zu sein.

    Fazit: Ein würdiger Abschluss!






    "Green Lantern"  (USA 2011)


     

    Regie

    Martin Campball, Greg Berlanti

    Drehbuch

    Marc Guggenheim, Michael Green, Greg Berlanti

    Darsteller

    Ryan Reynolds (Hal Jordan), Blake Lively (Carol Ferris)

    Start

    28. Juli 2011


    Inhalt
    Das Universum wird seit langer Zeit von einer Einheit beschützt, die sich Green Lantern nennt. Durch einen Ring erhält jedes Mitglied besondere Kräfte. Als sie einem neuen Gegner namens Parallax begegnen, scheint bei dessen Bekämpfung ihr neustes Mitglied eine besondere Bedeutung zu haben: Hal Jordan, der erste Mensch bei Green Lantern. Doch wird Hal schnell genug mit seinem Ring und den für ihn neuen Kräften umgehen können?

    Erwartung
    Passabel bis schlecht. Es grünt. Mit "Green Lantern" kommt nun wieder eine Comicverfilmung in die Kinos. Diesmal liefert die Vorlage kein Marvel-, sondern ein DC-Comic. Doch ob dies gelungen ist, bleibt zweifelhaft. Sicher, Comicfans werden sicher auf ihre Kosten kommen. Doch für den durchschnittlichen Kinobesucher könnte der Film mit den grünen Helden im engen Heldenanzug, die gelbe Bösewichte jagen, doch etwas zu abgedreht sein. Auch scheint der Film im Gegensatz zu erfolgreichen Comicverfilmungen wie "Batman", "X-Men" oder "Fantastic Four" sehr albern zu sein, wenn auch nicht so extrem wie etwa die alte "Batman"-Serie.

    Fazit: Nur Genre-Fans werden ihren Spaß bei "Green Lantern" haben.



    Weitere Kino-Starts aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror

    Der Zoowärter; Start: 7.7.2011; Einschätzung: passabel; niedliche Komödie um sprechende Zootiere.
    Ein Sommersandtraum; Start: 21.7.2011; Einschätzung: gut; preisgekrönte Mischung aus Komödie und Drama, in der die Hauptfigur Sand verliert, der denjenigen zum Einschlafen bringt, der am Sand riecht.
    Das Rotkäppchen-Ultimatum; Start: 21.7.2011; Einschätzung: passabel; Fortsetzung des Films "Die Rotkäppchen-Verschwörung", in dem bekannte Märchen veralbert werden.
    Insidious; neuer Starttermin: 21.7.2011; Einschätzung: passabel; Gruselfilm als Hommage an die der 80er-Jahre.
    Cars 2; Start: 28.7.2011; Einschätzung: gut bis passabel; die Helden aus "Cars" helfen Geheimagenten, die Welt zu retten.

    Was waren Ihre letzten Science-Fiction-, Fantasy- oder Mystery-Highlights im Kino? Und welche Streifen Enttäuschungen? Schreiben Sie uns an leserbriefe@trekzone.de!

    SF-Zone

    Alle wichtigen Infos und eine Vorabkritik zu den aktuellen Kinofilmen aus den Genres Science-Fiction, Fantasy, Mystery und Horror wie immer im Kino-Guide der SF-Zone − zusammengestellt von Sara Hoeft.


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    Exorzismus mit Anthony Hopkins

    DVD-Guide Juli 2011

    1.7. − "Rubber"

    Autoreifen entwickelt ein Eigenleben und geht auf Menschen los. Fängt als skurriler Mystery/Horror-Nonsense (2010) an, verliert gegen Ende aber an Fahrt und endet konventionell und belanglos.

    7.7. − "Cross"

    Ein keltisches Kreuz verleiht einem Gesetzeshüter übermenschliche Kräfte. Marvel- oder DC-Lizenz zu teuer? Dieser erfundene Comic-Held (TV-"Terminator" Brian Austin Green) und sein Team (u.a. Michael Clarke Duncan) ballern in einem belanglosen B-Movie (2011) um sich.

    7.7. − "Destination Death"

    Mysteriöser Fotoapparat sorgt bei den Abgelichteten für Todesfälle. Schwacher B-Horror (2009) aus italienisch-englischer Co-Produktion mit Armand Assante in einer Nebenrolle.

    8.7. − "Dark Relic"

    Ritter müssen ein Artefakt transportieren, in dem eine böse Macht schlummert. Der souveräne Darsteller James Frain ("Tron: Legacy", "The Tudors", "True Blood") in einem lauen TV-Filmchen im Historien- und Horrorfilm-Mix.

    8.7. − "Timecrimes"

    Hector wird von einem Killer gejagt und führt unabsichtlich eine Zeitreise durch. Kleiner, aber feiner Mystery-Thriller (2007) aus Spanien mit starker Spannungskurve und cleveren Wendungen. Ein Remake dieses Geheimtipps wurde bereits angekündigt.

    14.7. − "Warbirds − Drachen des Todes"

    Im Zweiten Weltkrieg stranden eine sexy Kampfpilotin und Konsorten auf Dinosaurier-Territorium. Sogar für Eigenproduktionen des amerikanischen SyFy Channel verhältnismäßig total absurde und schwache Produktion (2008). Allenfalls für nächtliches TV-Zappen geeignet, aber kaum gewünscht im DVD-Regal.

    15.7. − "Gullivers Reisen"

    Reisejournalist Lemuel Gulliver landet auf der Insel Lilliput mit seinen winzigen Einwohnern. Coole Effekte und einige gute Gags stehen platter Story und vielen schlechten Gags gegenüber in dieser unnötigen Neuinterpretation (2010) mit Jack Black, Emily Blunt und Jason Segel. Auch auf Blu-ray.

    15.7. − "Hybrid"

    Rennauto mit Eigenleben, das statt mit Menschenblut als Treibstoff fährt. Enttäuschendes Horror-Filmchen mit Oded Fehr ("Die Mumie", "Resident Evil"), da doch lieber der Stephen-King-Klassiker "Christine" oder das australische Blutmobil "Road Train".

    15.7. − "The Rite − Das Ritual"

    DVD DES MONATS: Junger Priester glaubt nicht an Exorzismus, Pater Lucas will ihn vom Gegenteil überzeugen. Dank stilsicherer Inszenierung und der schauspielerischen Leistung von Anthony Hopkins kann dieser Mystery-Thriller (2011) trotz ermüdender Thematik überzeugen. Auch auf Blu-ray.

    18.7. − "Marcus − Der Gladiator von Rom"

    Kaiser hintergeht den General Marcus und lässt in in der Arena gegen einen Zyklopen antreten. Antikes Rom und Fantasy-Monster: Eine (verzweifelte?) neue Idee für ein konventionelles TV-Filmchen (2008) vom SyFy Channel mit Eric Robert als bösem Imperator Tiberius.

    21.7. − "Hellraiser − Das Tor zur Hölle"

    DVD DES MONATS: Mysteriöser Würfel macht Frank zum Spielball grausamer Dämonen. Der Horror-Meilenstein (und sein Sequel) von Clive Barker (1987) endlich ungeschnitten legal erhältlich. Aber Achtung: Im Versandhandel nur als stark zensierte FSK-18-und FSK-16-Fassungen.

    22.7. − "Tucker & Dale vs. Evil"

    DVD DES MONATS: Zwei Hinterwäldler werden von bösen Teens gejagt. Das Horror-Klischee mal andersrum: Witzige Comedy (2010) mit Alan Tudyk ("Firefly") und Tyler Labine ("Invasion"), die nach diversen Festivals bei uns direkt auf DVD erscheint.

    28.7. − "Graf Zaroff − Genie des Bösen"

    Unbekannter macht Jagd auf Schiffbrüchige. Ein Urgestein des Thriller-Genres (1932): Vorreiter eines ganzen Genres, der lange als verschollen galt, dann wieder auftauchte und als qualitativ schlechte Public Domain frei verfügbar war. Diese sauber restaurierte, synchronisierte Farb-Fassung von "The Most Dangerous Game" dürfte allen Klassiker-Fans gefallen.

    29.7. − "Blubberella"

    Übergewichtige Heldin macht Jagd auf Nazi-Zombies. Unglaublich tiefes Niveau, selbst für Uwe Boll ("Dungeon Siege", "Bloodrayne"): Gags auf "Jackass"-Niveau, sinnlose Gewalt und historische Geschmacklosigkeiten (Boll als Hitler). Hoffentlich hat diese Beschreibung nicht Ihre Neugier auf diesen Schund (2011) geweckt.

    29.7. − "Orcs"

    Park-Ranger müssen gegen Orks vorgehen. Fantasy-Action-Comedy (2011) auf bescheidenem Niveau, immerhin sehen die Orks ordentlich aus.

    29.7. − "Templar Knight − Ritter des Bösen"

    Paintballspieler geraten an einen untoten Tempelritter. Trashiges Horror-Filmchen (2007) aus England ohne Budget, gute Schauspieler oder Effekte.

    SF-Zone

    Anthony Hopkins darf in "The Rite" mal wieder seine beste schlechteste Seite zeigen: Das Highlight in einem sonst eher schwachen DVD-Monat. Die DVD-Kauf- Neuerscheinungen im Juli aus den Genres Science-Fiction, Fantasy, Mystery und Horror − zusammengestellt und kommentiert von Stephan Mark. Ein Klick auf den Titel bringt Sie direkt zur richtigen Produktseite beim Online-Shop Amazon.de (Ausnahmen: Titel ohne FSK-Freigabe und zu Redaktionsschluss noch nicht ins Sortiment aufgenommene DVDs).


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    Die Halley-Armada im Anflug

    Vor 25 Jahren

    Im Jahr 1986 flog eine zuvor ungekannte Sondenflotte einem Kometen entgegen. Die Hauptrolle unter ihnen spielte Giotto, deren Erfolg Europas Aufbruch ins Sonnensystem begründete.

    Der Halley'sche Komet zieht bedächtig seine exzentrische Bahn um die Sonne. Lange Zeit verbringt er in der Düsternis des Alls, sein äußerlich pechschwarzer Nukleus ist dann völlig unsichtbar für viele Teleskope. Meist nur einmal in der Lebensspanne eines Menschen kommt er der wärmenden Sonne so nah, dass der Komet einen hellen Schweif aus Gas und Staub hinter sich herzieht.

    Eine solche Chance tat sich zuletzt vor 25 Jahren auf. Entsprechend wollten auch die Forscher bei der nur wenige Jahre jungen europäischen Raumfahrtagentur mit dabei sein. Über die Mission zum Kometen Halley wurde 1980 entschieden. Lange war ein Doppelstart geplant gewesen − eine größere Sonde sollte die NASA beitragen, während die ESA mit einer kleineren mitfliegen durfte. Da jedoch die Raumfahrzeuge mit dem Space Shuttle starten sollten, dessen Entwicklung sich über mehrere Jahre verzögerte, sattelten die noch unerfahrenen Europäer kurzerhand um. "Nicht aus Wut, aber mit einer eigenen Vision", beteuert Roger Bonnet, damals Wissenschaftsdirektor der ESA. Am 2. Juli 1985 startet schließlich Giotto an Bord einer Ariane-1-Rakete.

    Die Jahrhundertgelegenheit nutzt eine ganze Flotte von Raumsonden, die als "Halley Armada" in die NASA-Historie eingeht. Die USA sind dabei die einzige Raumfahrtnation, die sich nicht direkt beteiligt. Denn die eigene ambitionierte Mission wurde schließlich gestrichen. So flogen im März 1986 fünf Sonden dem ausladenden Kometenkoma von Halley entgegen: Voran, die japanischen Suisei und Sakigake und zwei sowjetische Vega-Sonden, welche ein Jahr zuvor noch Lander auf der Venus abgesetzt hatten und das Gravitationsfeld der Venus als Sprungbrett nutzten. Nur anhand der international ausgetauschten Messwerte der Erstkommer ließ sich die Bahn von Giotto nun genau einstellen. Denn die europäische Sonde verfolgte beinahe eine Kamikazemission: Die Spezialisten versuchten, dem Kometennukleus so nah wie nur möglich zu kommen.

     
     

    Giotto musste anhand der dürftigen Daten möglichst genau auf den Punkt gelenkt werden, an dem die Forscher den Kern errieten.


    Heute wäre ein solcher Präzisionsanflug problemlos möglich, weil sich die Flugbahn mit den Bordkameras und aufwändigen Simulationen am Boden extrem verbessern lässt. Damals jedoch gab es diese Methode der optischen Navigation noch nicht. Giotto musste anhand der dürftigen Daten also möglichst genau auf den Punkt gelenkt werden, an dem die Forscher anhand der dürftigen Daten den Kern errieten.

    Das ungenaue Zielen geriet überraschend genau: Giotto flog am 14. März 1986 nur 596 Kilometer entfernt am Nukleus vorbei. Eine völlig fremde Welt eröffnete sich vor den Kameras: Der Kometenkern zeigte starke Höhenunterschiede, aus dessen kartoffelförmiger Oberfläche an mehreren Stellen lange Strahlen Gas- und Staub mit mehr als 30 Tonnen pro Sekunde in die Umgebung verströmten. Spektrometer an Bord der Sonde wiesen unter anderem Wasser, Kohlenmon- und -dioxid, aber auch Methan oder Cyanwasserstoff nach, die als Grundbausteine des Lebens gelten.

    Seine letzte Ruhe sollte Giotto eigentlich genau hier finden: Die Umgebung des aktiven Kometenkerns hielten die Planer für so gewalttätig, dass die Sonde im Schweif vermutlich verloren gehen dürfte. Zwar hatte man die Sonde in Flugrichtung mit einem Schild ausgestattet, der in den dichten Staubwolken des Kometenkomas einen gewissen Schutz bildete. Doch bei einer Relativgeschwindigkeit von fast 70 Kilometern pro Sekunde waren bereits kleinste Geschosse missionsgefährdend. Tatsächlich wurde Giotto nach erfolgreicher Datensammlung von etwas getroffen, wodurch die Kamera und mehrere Instrumente ausfielen und der Kontakt zur Erde kurz abbrach. Doch der Rest des Raumfahrzeugs blieb intakt, so dass die Sonde vier Jahre später nach langer Ruhephase in einem energiesparenden Hibernation-Modus erneut an einem Kometen vorbeiflog. Auch von hier konnte sie noch spärliche wissenschaftliche Daten übertragen.

    Für die europäische Raumfahrt war Giotto der Aufbruch ins Sonnensystem. Nach ihr folgten Sonden zu Titan, Mars oder Venus. Bis heute gelang es keiner zweiten Raumsonde, auf einer Mission zwei Kometen zu besuchen (Halley und Grigg-Skjellerup). Seither macht bei der direkten Erforschung von Kometen vor allem die ESA von sich reden. Mit ihrer Flaggschiffmission Rosetta wird sie ab 2014 erneut einen Kometen besuchen und dort einen Lander absetzen. Erst letzte Woche hat sie die Sonde dafür in einen mehrjährigen Ruhemodus versetzt − die nötigen Erfahrungen für so einen Schritt sammelten die Ingenieure mit Giotto.

    Weiterführende Links

  • TZN Raumfahrer.net: Interview mit Gerhard Schwehm
    "Wir sind sehr ambitioniert."

  • TZN Raumfahrer.net: Diskussion Kometen
    Diskussion im Forum Raumcon.

  • In Space

    Karl Urban blickt in der Raumfahrtchronik zurück.


     

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    Impressum

    Die Macher und die rechtlichen Dinge im Überblick


    Ausgabe 159 erscheint am 7. August 2011.

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    Uwe Webel

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