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StartSF ZoneThe OrvilleRezension: The Orville – Season 1 & 2

Rezension: The Orville – Season 1 & 2

Womöglich noch in diesem Jahr startet in den USA die dritte Staffel von “The Orville”, der Science-Fiction-Serie von Seth MacFarlane, die in ihrer Machart und ihrem Ton nicht nur zufälligerweise sehr stark an “Star Trek: The Next Generation” erinnert. In Teilen des Star Trek-Fandoms kam die Serie folglich auch sehr gut an. Wenn das kein Grund ist, ein kleines Resümee der ersten beiden Staffeln zu ziehen: Was zeichnet “The Orville” aus und was könnte vor allem die geplante neue Star Trek-Serie “Strange New Worlds” womöglich von der Serie lernen?

Nachdem schon unser Redakteur Tom Götz die Serie in den vergangenen Monaten mit seinen Episodenrezensionen fleißig begleitet hat, möchte auch ich in diesem Artikel kurz darlegen, warum ich “The Orville” für eine hervorragende Science-Fiction-Serie halte. Und warum sie mir – einem seit 1994 passionierten Star Trek-Fan – bisher sogar etwas besser gefallen hat als die beiden neuesten Star Trek-Serie “Discovery” und “Picard”. Es folgen sieben Gründe, die “The Orville” meiner Ansicht nach in besonderem Maße auszeichnen.

1. Charaktere

Im Gegensatz zu den Crews in “Discovery” und “Picard” bin ich mit der Orville-Crew (bisher) deutlich schneller warm geworden. Das heißt, es hat nur sehr wenige Episoden gebraucht, bis ich eine emotionale Bindung zu Ed Mercer und Co. aufbauen konnte.

Die einzelnen Charaktere von “The Orville” sind mir einfach deutlich sympathischer als viele Figuren in den neuen Star Trek-Serien. Das wurde mir besonders in der Episode “Zu Hause“ (2×03) bewusst, als Lt. Alara (Halston Sage) die Crew verließ, um auf ihre Heimatwelt zurückzukehren.

Überhaupt gefällt mir die Mischung der Orville-Crew sehr gut. Die Besatzung ist divers und das nicht nur äußerlich, sondern auch charakterlich und kulturell. Zu nennen sind hier besonders Bortus und Klyden, aber natürlich auch Isaac und Yaphit. Gerade dieser Aspekt ist nach meinem Dafürhalten in den neuen Star Trek-Serie deutlich zu kurz gekommen, haben wir es – abgesehen von Saru – hier doch vornehmlich mit Menschen oder Spezies zu tun, denen wir in der Vergangenheit schon des Öfteren begegnet sind (z.B. Klingonen, Vulkanier, Romulaner, Borg, Androiden). Hier fehlt mir definitiv das Innovative.

Ein weiterer Unterschied: Die Orville-Figuren sind – vom intendierten Comedy-Aspekt einmal abgesehen – weniger stark überzeichnet. Gleichwohl haben auch Ed Mercer, Bortus, Alara usw. ihr eigenes, ganz persönliches, emotionales Päckchen zu tragen. Da wäre beispielsweise Captain Mercer, der immer noch an seiner Scheidung zu knabbern hat, seine Ex-Frau Cmdr. Grayson immer noch liebt und auch immer mal wieder von Selbstzweifel hinsichtlich seiner Eignung als Kommandant geplagt wird. Und dennoch sind alle diese emotionalen Wehwehchen, die auch die anderen Charaktere in sich tragen, nicht ansatzweise so überdramatisiert wie etwa die ständigen Komplexe und Heulattacken von Michael Burnham oder die teils wuterfüllten Selbstmitleidsmonologe von Raffi Musiker.

Kurz gesagt: Auf mich wirken die Charaktere in “The Orville” – trotz des Comedy-Aspekts –einfach normaler, nahbarer und somit auch deutlich weniger “emotional aufdringlich” als einige Charaktere in “Picard” oder “Discovery”. Man kann sich ob ihrer “Alltagssorgen” einfach viel besser mit ihnen identifizieren.

2. Forschergeist

Einer der schönsten Momente in den ersten beiden Staffeln von “The Orville” ist die Anfangsszene der Episode “Erstkontakt” (2×05). Die Orville-Crew empfängt ein Signal und es wird schnell klar, dass man hier die Chance auf einen Erstkontakt hat. Und plötzlich bricht die Crew in Jubelstürme aus.

Wow, als alter Trekkie bekam ich hier wirklich Gänsehaut. Wie wunderschön diese kurze Szene doch ist! Kann man den guten, alten “Sense of Wonder”, den Gene Roddenberry einst als Grundlage für die Originalserie nahm, eigentlich deutlicher, emotionaler und optimistischer darstellen? Und auch wenn sich der anschließende Erstkontakt zu einem echten Fiasko entwickelt, so hat diese Orville-Episode mit ihrer Anfangssequenz doch deutlich mehr vom alten Star Trek-Forschergeist eingefangen als “Discovery” und “Picard” zusammen.

Denn die neuen Star Trek-Serie setzen für meinen Geschmack einfach viel zu sehr auf Drama und eine bevorstehende Apokalypse. Da muss der Forschergeist, der “Sense of Wonder”, folglich auf der Strecke bleiben.

3. Erzählweise

Im Gegensatz zu “Discovery” und “Picard” setzt “The Orville” auf eine primär episodische Erzählweise, die es dem Zuschauer viel einfacher macht, in die Serie einzusteigen oder einzelne Lieblingsepisoden einem Rewatch zu unterziehen. Und dennoch gibt es auch hier gewisse rote Fäden, die sich durch die Serie ziehen, wie beispielsweise die Beziehungen zwischen Ed und Kelly beziehungsweise Bortus und Klyden sowie Isaacs Kennenlernen der menschlichen Kultur, Gordons Freundschaft mit Ed und einige weitere Story-Arcs.

Die Episoden sind durchaus abwechslungsreich. Es gibt actiongeladene und spannende, aber auch ruhige und dialoglastige Folgen. Die Serie nimmt sich Zeit für übergeordnete Handlungsbögen (z.B. Krill, Moclaner, Kaylon), aber auch für die einzelnen Charaktere. Wie bereits erwähnt, verzichtet “The Orville” weitestgehend auf eine Überdramatisierung, sowohl die interstellaren Konflikte als auch die Charakterentwicklung betreffend. Natürlich gibt es auch hier immer mal wieder ernsthafte, teils “ultimative” Bedrohungen (Kaylon!). Diese sind aber wohl dosiert und durch zahlreiche “Verschnaufpausen” unterbrochen. Alles in allem gefällt mir das sehr gut und erinnert mich sehr stark an “Deep Space Nine”, das auch nicht mit Drama geizte, aber dennoch niemals Maß und Mitte verlor.

Gewiss kann man hier einwenden, dass “The Orville” hinsichtlich der Erzählweise altmodisch ist. Kritiker mögen sich aufgrund der sinkenden Quoten und dem Wechsel von FOX zu Hulu in ihrem Einwand bestätigt fühlen. Für mich stellt “The Orville” mit dieser Erzählstruktur jedoch eine angenehme Ausnahmeerscheinung dar. Man muss auch nicht immer dem Mainstream folgen.

4. Gesellschaftskritik

“The Orville” greift immer wieder aktuelle und gesellschaftsrelevante Themen auf und unterzieht diese – in guter alter Star Trek-Tradition – einer kritischen Reflexion.

Exemplarisch hierfür ist die Episode “Mehrheitsprinzip”/”Majority Rule” (1×07), welche eine auf einemˈSocial-Scoringˈ-System basierende Kultur thematisiert und die furchtbaren Auswirkungen dieses Gesellschaftsmodells kritisch hinterfragt. Die Episode ist nicht nur als dezidierte Kritik am chinesischen Social Credit-Modell zu verstehen, sondern auch viel allgemeiner als ein Seitenhieb auf die (auch im Westen verbreiteten) negativen Auswüchse der Social Media, angefangen vom unkritischen Umgang mit Fake News, über Shitstorms, Social Bots bis hin zur fragwürdigen Attitüde, Personen basierend auf einzelnen Informationsfragmenten allzu schnell in Schubladen zu stecken und gesellschaftlich zu ächten.

In dieser Episode ist es ein einziger Fehltritt von Lt. LaMarr, der ihn in einem Augenblick zum ˈStaatsfeind Nummer 1ˈ macht. Eine Entschuldigung seinerseits wird nicht akzeptiert und entlastende Argumente werden kaum gehört. In dieser Gesellschaft gibt es keine Unschuldsvermutung, keine fairen rechtsstaatlichen Verfahren und letztendlich auch keinen Minderheitenschutz. Es gibt nur die Mehrheit, die gnadenlos ihr Urteil fällt. Und einen Staat, der diesem Urteil blind Folge leistet.

Isaac: “The entries are spreading and multiplying. People are sharing them.”

Dr. Finn: “What if people try to corroborate all this information?”

Lysella: “Don’t’ worry. They won’t.”


Isaac: “Die Einträge verbreiten und vermehren sich. Die Leute teilen sie.”

Dr. Finn: “Was, wenn sie versuchen, diese Informationen zu überprüfen?”

Lysella: “Keine Sorge, werden sie nicht.”

– The Orville 1×07 “Mehrheitsprinzip”

“The Orville” stellt in “Mehrheitsprinzip” demnach nicht nur ein sehr zeitgenössisches Thema (Social Media) ins Zentrum der Handlung, sondern auch sehr grundlegende politische Fragen, wie etwa das Leben in einem Überwachungsstaat und die Bedeutung von individuellen Grundrechten – auch in einer Demokratie.

Bei den neueren Star Trek-Serien fehlen mir solche Geschichten bisher etwas, was wohl auch darin begründet liegt, dass die teils apokalyptischen Storylines (Klingonenkrieg, Control, Admonition) kaum Raum für solche tiefgründigen gesellschaftskritischen Narrationen bieten.

5. Kontroversität

Sehr gut an “The Orville” gefällt mir auch die Tatsache, dass die Serie sehr mutig ist, gegenwartsbezogene Themen (z.B. Fanatismus, Sexismus, Xenophobie usw.) anzupacken und teils sehr kontrovers zu diskutieren. An dieser Stelle ist vor allem die Moclaner-Problematik (siehe 1×03 “Planet der Männer”/”About a Girl” und 2×12 “Im Inneren des Nebels”/”Sanctuary”) zu nennen. Insbesondere die Szenen im Planetary Union Central (Rat der Planetenunion) in “Im Inneren des Nebels” haben mir sehr gut gefallen, da hier auch Themen angesprochen werden, die unsere gegenwärtige internationale Gemengelage sehr gut widerspiegeln, wie etwa die Frage nach der Universalität und Unverhandelbarkeit von Menschenrechten (hier: Planetenunion) auf der einen und der Kulturimperialismus-Vorwurf (hier: Moclaner) auf der anderen Seite. Eine solche parlamentarische Debatte hätte auch sehr gut in “Picard” hineingepasst, beispielsweise als weitere Rückblickszene zu Picards Rettungsmission vor der Supernova.

Überhaupt geht “The Orville” mitunter sehr ehrlich mit den positiven und negativen Aspekten von Multikulturalität und Alteritätserfahrungen um. Da ist einerseits die unbändige Neugier auf fremde Kulturen, von denen man lernen will. Aber da ist andererseits auch gelegentlich die bittere Erfahrung, dass manche Kulturen und deren Bräuche einem einfach so fremd sind, dass es kaum möglich erscheint, einen Weg der Zusammenarbeit zu finden. Beispielhaft hierfür sind die Kaylon (2×08/09 “Identität, Teil 1 & 2″/”Identity, Part 1 & 2”) oder auch die Bewohner von Regor 2 in “Erstkontakt”/”All the World Is Birthday Cake” (2×05).

Die Serie schlägt gewiss einen humanistischen Ton an, vermeidet in der Regel aber dennoch den erhobenen Zeigefinger. Insbesondere die Frage, nach welchen Standards fremde Zivilisationen bewertet werden können beziehungsweise wo Toleranz an Grenzen stößt und ethische Verantwortung zur obersten Pflicht wird, wird in “The Orville” teils sehr intensiv und authentisch diskutiert. Auch das erinnert an die älteren Star Trek-Serien.

Captain Mercer: “Why is this debate still going on? This is about basic rights. (…)”

Admiral Ozawa: “We must be mindful of our own prejudices as well. We cannot judge other cultures purely by human standards.”

Captain Mercer: “I agree. And I am the first person to question the balance between cultural tolerance and ethical negligence. But, Admiral, this is over the limit.”


Captain Mercer: “Was soll diese Debatte eigentlich noch? Hier geht es um Grundrechte. (…)

Admiral Ozawa: “Wir müssen uns ebenso unserer eigenen Vorurteile bewusst sein. Wir dürfen andere Kulturen nicht nach menschlichen Maßstäben beurteilen.”

Captain Mercer: “Das sehe ich genauso. Und ich bin der Erste, der Zweifel am Gleichgewicht zwischen kultureller Toleranz und ethischer Gleichgültigkeit hat. Aber Admiral, hier wird eine Grenze überschritten.

– The Orville 2×12 “Im Inneren des Nebels”

Auch dies ist ein Aspekt, dessen Umsetzung mir in “The Orville” bisher deutlich besser gefallen hat als in “Discovery” und “Picard”. Damit will ich keinesfalls behaupten, diese beiden Serien packten keine heißen Eisen an oder würden nicht für bestimmte humanistische und liberale Werte eintreten. Vielmehr finde ich die Art des Transportierens solcher Botschaften im neuen “Star Trek” nicht immer optimal. Als Negativbeispiel fällt mir hier Michael Burnhams (in meinen Augen) übertrieben pathetische Rede am Ende von “Nimm meine Hand”/”Will You Take My Hand?” (DSC 1×15) ein. Und auch Picard neigt in Season 1 gelegentlich zum Monologisieren. In Monologen schwingt aber eben immer auch etwas Monoperspektivisches und Belehrendes mit, sodass ich Dialoge grundsätzlich für geeigneter halte, um philosophische Debatten filmisch umzusetzen.

Gewiss hat Captain Picard auch in “The Next Generation” ab und an zu langen Monologen ausgeholt (z.B. die grandiose Rede in TNG 4×21 “Das Standgericht”/”The Drumhead”), aber eben auch nicht ständig. Für die aktuellen Star Trek-Serien würde ich mir einfach – wie in “The Orville” – mehr kontroverse Dialoge statt pathetischer Monologe wünschen.

6. Optimismus

Das helle und bunte “The Orville” steht bisher für deutlich mehr Optimismus als die doch eher düsteren und bedrückenden Serien “Discovery” und “Picard” – inhaltlich, aber auch optisch. Zu nennen sind hier, wie bereits erwähnt, der deutlich stärker akzentuierte “Sense of Wonder” sowie gewisse Einzelerzählungen:

Mercers Versuch, eine Verständigung mit den Krill zu erreichen; Bortus kritisches Hinterfragen der sexistischen Moclaner-Kultur oder auch Lysella, die die Mängel ihrer Gesellschaft erkennt und sich fortan nicht mehr am Voting-System beteiligt. Die Botschaft: Eine Weiterentwicklung sowohl des Einzelnen als auch der Gesellschaft ist möglich. Das ist guter, alter Star Trek-Fortschrittsoptimismus! Auch diesbezüglich sehe ich “The Orville” einen Schritt vor “Discovery” und wenigstens zwei Schritte vor “Picard”.

7. Humor

Über Humor lässt sich bekanntlich streiten, Geschmäcker sind nun einmal verschieden. Ich kann für mich allerdings sagen, dass der Orville-Humor meinen humoristischen Nerv sehr häufig getroffen hat. Nicht immer, aber sehr oft. Den ein oder anderen infantilen Witz kann man gut verschmerzen, wenn ansonsten Charakter- und Situationskomik passen. Und diese passen meiner Meinung nach sehr oft: Bortus und Klyden beim Rauchen und Abfeiern – einfach genial! Yaphit und Lt. Dann – lustige Sonderlinge. Auch der auf der Brücke schmatzende Interims-Sicherheitschef Lt. Tharl (der mit den zwei Speiseröhren) hatte seine Momente.

Was ich bisher von “Star Trek: Lower Decks” gesehen habe, war durchaus witzig. Ich muss allerdings sagen, dass das hektische Rumgeschrei (“I love honor! I demand H-O-N-O-R…!”) nicht so mein Fall ist. Aber eine faire Chance werde ich der Serie natürlich trotzdem geben.

Auch “The Orville” hat Defizite

Nun kann und soll diese Rezension aber nicht ohne Kritikpunkte auskommen. Welche Schwachpunkte hat “The Orville”?

Einerseits sind die Anleihen an “Star Trek” (und “Galaxy Quest”?) vielleicht doch eine Spur zu offensichtlich. Die Serie muss sich mitunter schon den Vorwurf gefallen lassen, nur bedingt kreativ zu sein. Das Visuelle (Uniform-Farbcodes) und die geklauten Konzepte (Planetare Union, USS Orville usw.) sind die eine Sache, teilweise restaurierte (Star Trek-)Storys sind die andere. Unser Redakteur Tom Götz hat diese Parallelen in seinem “Orville-Trek-O-Meter” (OTOM) für die ersten beiden Staffeln übrigens sehr ausführlich herausgearbeitet.

Grundsätzlich muss man nach zwei Staffeln festhalten, dass “The Orville” das Science-Fiction-Genre bisher ganz sicher nicht mit neuen und wahrlich innovativen Konzepten bereichert hat. Auch hier wurde bisher nur Altbekanntes neu erzählt, wie etwa die vor allem aus “Terminator” und “Battlestar Galactica” bekannte Story um künstliche Lebensformen, die ihre biologischen Erschaffer vernichten wollen (oder dies bereits getan haben).

Zudem wirkt die Serie von ihrer Machart (vor allem Sets, Kameraführung, Schnitt) tatsächlich etwas aus der Zeit gefallen und zu sehr wie eine Serie aus den späten 1990ern und frühen 2000ern. Obwohl sich die Spezialeffekte auf durchaus hohem Niveau bewegen, kann die Serie visuell mit den neuesten Star Trek-Serien “Discovery” und “Picard” nicht wirklich Schritt halten. Daran konnten auch erfahrene Science-Fiction-Regisseure, wie etwa Jonathan Frakes (1×05 & 2×12), kaum etwas ändern. Hier hat die Serie für mein Dafürhalten noch enormen Nachholbedarf.

Ein absolutes No-Go ist für mich zum Beispiel, dass die Gesellschaft auf Sargus 4 (1×07) wirklich 1:1 so aussieht wie eine Großstadt in den USA im 21. Jahrhundert. Hier hätte man den Holzhammer im Geräteschuppen lassen und stattdessen etwas mehr auf einen Verfremdungseffekt setzen sollen.

Abschließend noch ein weiterer Kritikpunkt: Die Serie konzentriert sich für meinen Geschmack doch etwas zu sehr auf Ed, Kelly und Bortus. Sicherlich haben auch die anderen Charaktere ihre Episoden bekommen, aber vor allem LaMarr wurde mir nach seiner Beförderung zum Chefingenieur zu wenig charakterlich weiterentwickelt. Auch die neue Sicherheitschefin, Lt. Talla Keyali, hätte meiner Meinung nach in Staffel 2 noch mehr Screentime und persönliche Momente bekommen müssen. Bisher konnte ich mit dieser Figur – im Gegensatz zum Rest der Crew – nur sehr wenig anfangen.

Fazit

Seth MacFarlanes “The Orville” versucht den Spagat, die Nostalgie der 90er-Science-Fiction mit den Ansprüchen einer Science-Fiction-Drama-Serie der 2010/20er-Jahre zu verbinden. Dies gelingt gewiss nicht immer, aber doch sehr oft. Was der Serie fehlt – Innovation hinsichtlich des Grundsettings sowie moderne visuelle Inszenierung – macht sie mit sympathischen Charakteren, mitunter sehr intelligenten und unterhaltsamen Geschichten sowie einer netten Portion Humor wett.

In diesen Tagen wird sehr häufig die Frage gestellt, ob “The Orville” das “bessere Star Trek” sei. Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, womöglich auch gar nicht – jedenfalls nicht aus einer objektiven Warte heraus. Für mich verkörpert die Serie jedoch viele Dinge, die mir auch im “alten Star Trek” immer sehr gut gefallen haben: Forschergeist, Optimismus und intelligente und kontroverse Gesellschaftskritik.

Wenn vor allem “Star Trek: Strange New Worlds” diese Aspekte ebenfalls inkorporieren könnte, wäre ich wirklich sehr glücklich. Bis dahin freue ich mich auf die dritten Staffeln von “Discovery” und “The Orville”. Wenn wir Glück haben, dann bekommen wir auch die neuen Abenteuer von Captain Mercer und seiner Crew noch in diesem Jahr zu sehen.

Bewertung

Charaktere[usr 4.5 max=”6″]
Einzelepisoden[usr 5 max=”6″]
Handlungsstränge[usr 4.5 max=”6″]
Spannung & Action[usr 4 max=”6″]
Gesellschaftskritik[usr 5 max=”6″]
Effekte & Sets[usr 4 max=”6″]
Dialoge[usr 4.5 max=”6″]
Humor[usr 5.5 max=”6″]
Intellektueller Anspruch[usr 5 max=”6″]
Gesamt [usr 5 max=”6″]
Matthias Suzan
Matthias Suzan
Matthias' Leidenschaft für "Star Trek" wurde 1994 mit knapp zehn Jahren durch "The Next Generation" geweckt. TNG und DS9 sind bis heute seine Lieblingsserien. Es sind vor allem die politischen, gesellschaftlichen und menschlichen Themen des Trek-Universums, die ihn faszinieren. Aber auch die vielen, tollen Raumschiffe haben es dem passionierten Modellbauer angetan. Matthias ist seit 2017 Teil der TZN-Redaktion.

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Wäre wirklich schade. So ganz klar finde ich die Aussage nicht im Netz.
Trekzone: Könnt ihr das bestätigen?

Nein, können wir nicht, und halten wir aktuell auch für ein Clickbait-Gerücht. https://www.youtube.com/watch?v=4gpCOa9KMRY

MfG Christopher

Oh ja bitte, laßt mich auf ein Gerücht reingefallen sein. Ich wäre darüber sogar superglücklich…

Schlechte Nachrichten: The Orville wird nach der 3. Staffel eingestellt… heul…

Gute Rezension, kann der in weiten Teilen zustimmen. Vor allem ausgewogen. Mir gefällt Orville als „Oldstyle“-SF Serie sehr gut. Einzelfolgen mit Problemlösung und ggf. Kuscheleinheit. Breites Spektrum an Themen, wie ja angesprochen. Der Konflikt mit den Kryll gut gelöst und die Zeitreiseabenteuer einfach spitze. Crew passt auch, manchmal zu „platt“ albern. Hat sich ab er in der zweiten Staffel gebessert. Vor allem die Frauenrollen stimmig und überzeigend gespielt. Macht eben einen typischen Sternenflotten? – Eindruck die Crew. Bleibt aber eben eine (manchmal billig wirkende) Kopie von Star Trek. Da sollte wie angesprochen, mehr „Orville-Identität“ dazu. Cpt. Mercer eher schwach von… Weiterlesen »

Tolle Rezension. 100% Zustimmung.
Schade nur, daß es die Serie nicht auf Blu-ray gibt. DVD kommt mir bei SciFi nicht mehr ins Haus.

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