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Rezension: Lower Decks 2×02 – “Kayshon, seine Augen offen” / “Kayshon, His Eyes Open”

Auch in der zweiten Folge der zweiten Staffel von “Lower Decks” geht es trekkig zu… oder eher “lowerdeckig”. Wir sehen uns an, wo genau die Haken und Ösen liegen… oder besser die Transporterstrahlen. Aber Achtung, Spoiler-Alarm!

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Gemeinschaftsduschen, amerikanisch oder comedyhaft?

Zu Beginn darf sogleich der Neuzugang bei den Lower Decks auftreten: Jet Manhaver. Der begibt sich mit den Unterdecklern, wie sie so schön auf Deutsch heißen, in die Gemeinschaftsduschen. Auch wenn ich das Konzept durchaus verstehen kann (und sie trotz allem eher bei “härteren“ Militäreinheiten wie den Marines verorten würde), hakt es hier durchaus ein wenig an der Umsetzung. Dass die Schallduschen visuelle Filter über die Personen legen, wie mein Kollege es vermutet, glaube ich eher nicht. Hier hat man wohl, wie es so schön heißt, einen Blurr-Effekt drübergelegt, ähnlich der ersten Staffel und Boimlers dortiger Nacktsequenz. Ganz so viel Mut, wie man von “Lower Decks“ erwarten würde, gibt es also auch hier nicht zu sehen. Und das, obwohl es hier “nur” animiert und nicht “echt” wäre. Über die Nacktszenen in “Star Trek” haben wir uns aber schon an anderer Stelle ausgelassen.

Dabei hatte schon Roddenberry in seinem Roman zu “Star Trek – The Motion Picture“ einst postuliert, dass Menschen in der Zukunft mit Nacktheit keine Probleme haben (außer vielleicht einzelne Personen wie eben der hier erwähnte Boimler). Doch darüber werden wir gewiss an anderer Stelle noch sprechen. So gut die Szene also auch gemeint ist als lustiger Einstieg, so verliert sie für mich durch die Zensur auch etwas an Immersion. Nicht, dass man unbedingt hier nackte Körper hätte haben müssen. Es hätte ja auch andere Möglichkeiten gegeben, wie in “Star Trek” oft genug mit nacktem Rücken etc. umgesetzt. Nur ist es an der Stelle aber ein wenig schade. Wie es richtig geht, zeigt übrigens “Starship Troopers” (jap, der Realfilm), denn da laufen Frauen – und auch Männer – komplett ungeniert und nackt durch die Gegend bzw. die Gemeinschaftsdusche.

Doch lassen wir diesen etwas lahmen Auftakt und das Thema Nacktheit endlich hinter uns und widmen uns dem Hauptteil der Episode.

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Auf dem Weg zu den Gemeinschaftsschallduschen. Viel offenherziger wird’s allerdings nicht (Bild: “Lower Decks” 2×01, CBS/Amazon)

Arc Nummer Eins: Titan

Die Folge besticht diesmal durch zwei Handlungsstränge. Einer auf der Titan und ein anderer auf der Cerritos.

Wir wollen zunächst mit dem auf der Titan beginnen, da er für mich der schwächere Plot ist. Hier geht es quasi direkt von der Vorwoche aus weiter, denn man verfolgt die Pakleds und entwickelt einen Plan, ihnen zu folgen. Wie bereits letzte Woche angemerkt, scheinen sich die Schrottsammler zum neuen (lokalen) Bösewicht zu entwickeln. Ob Riker allerdings wirklich so einen saloppen Kommandostil pflegt – mit Fuß auf dem Captain’s Chair usw. – wage ich zu bezweifeln. Klar, “Lower Decks” ist Comedy und es ist sicher humorvoll gemeint, das war mir aber schon fast zu viel des Guten. Vor allem da Riker ja 15 Jahre unter Picard gedient hat und einiges gelernt haben dürfte.

Zugegeben, da gab es Schlimmeres und es ist jetzt nicht überbordend eingesetzt worden, ein bisschen stört mich diese Überzeichnung von Riker aber schon. Immerhin klingt Detlef Bierstedts Stimme besser als in der Woche zuvor und nicht mehr ganz so künstlich auf jung getrimmt. Von der Titan-Crew lernen wir übrigens auch den ein oder anderen kennen und – Surprise! – es ist nicht die aus dem Buchuniversum bekannte Crew (aber was nicht ist, kann ja noch werden). Allgemein erhält man aber wenig Einblicke in die Titan-Crew, von der Brückencrew mal abgesehen. Und da es das mit der Titan nach dem Ende dieser Folge auch – vorerst – wieder gewesen sein dürfte, ist das vielleicht nicht ganz so schlimm. Man wollte und will hier offensichtlich keinen Showstealer für die Cerritos produzieren – oder einfach nicht Jonathan Frakes für weitere Gastauftritte bezahlen.

So oder so, was man von der Titan-Crew sehen kann, vermag zu gefallen. Auch deswegen, weil hier durchaus gute Charaktermomente durchkommen. Das geht mit den Referenzen an die Enterprise-D im Shuttle los (die vor allem Fanherzen höher schlagen lassen dürfte) und endet mit einer Rede von Boimler, die alle daran erinnert, warum man bei der Sternenflotte ist. Und die in der Tat tausendmal besser funktioniert als jedwede Rede von Burnham bislang – hier gehe ich durchaus konform mit meinem Kollegen.

Das war dann aber der gute Teil an diesem Story-Arc, denn ein paar Sachen haben mir hier eher weniger gefallen. Die Undercover-Mission an sich ist ja noch recht interessant, ebenso wie die witzigen Einlagen (“Eure Hände sind zu sauber, ihr seid definitiv Sternenflotte!“). Mit dem Ende tue ich mich allerdings etwas schwer. Das geht damit los, dass nach der Rettung der Crewmitglieder Riker postuliert, man hätte ja alle gerettet, wer käme denn da noch. Musste da nur ich an die armen Minenarbeiter denken, die in der Gefangenschaft zurückgelassen wurden? Burnham hätte hier sicher alle befreit (bzw. hat es in Season 3 im orionischen Gefangenenlager ja auch). Klar, der Plan sieht vor, die Pakleds zu verwanzen, daher wäre das eventuell kontraproduktiv. Aber bei der ganzen pathetischen Rede von zuvor hätte man da durchaus agieren können.

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Der Außeneinsatz (Bild: “Lower Decks” 2×01, CBS/Amazon)

Was aber noch viel schwerer wiegt, ist Boimlers Transporter-Klon. Eigentlich hätte man es erahnen können, so oft wie der Vorfall aus “TNG” zuvor erwähnt worden ist. Es wird mir an der Stelle aber leider zu inflationär genutzt. Ja, es gab Transporterunfälle in bislang allen “Star Trek”-Serien. Auch in “TOS” wurde Kirk bekanntlich schon ziemlich zu Anfang in eine gut und eine böse Version aufgesplittet (TOS 1×05 “Kirk:2=?”). Trotzdem war es immer irgendwie etwas Besonderes und Einzigartiges, wenn so ein Vorfall stattfand – selbst in “Enterprise”. Hier wird es nicht nur quasi schon mit Absicht herbeigeführt (“Wir verstärken mit zweitem Strahl”), sondern es ist auch so ziemlich jedem hinterher egal.

Im Umkehrschluss heißt das aber, dass man wild Leute klonen kann. Eine Armee von Rikers, Picards oder anderen Personen, die ein Schiff oder gar eine ganze Schiffsflotte bemannen? Inklusive Transporter-Verjüngung und vielleicht noch einer Geschlechtsumwandlung, damit es nicht ganz so einsam wird. (Genau genommen könnte man darüber einen eigenen Artikel schreiben). Zwar ist der Humor an der Stelle passend (“Es ist schon ohne doppelte Crewmitglieder kompliziert genug”), so richtig zünden will es aber nicht. Das Ganze ist halt nun einmal allzu konstruiert, um Boimler auf die Cerritos zurückzuschicken. (Und welcher geht nun? Die Kopie oder das Original? Fragen über Fragen…).

Und wann genau wurde Boimler denn nun geklont? Er sagt nämlich, nachdem er an Bord ist, die Pakleds hätten die Tür noch nicht durchbrochen. Dies impliziert, dass er schon früher dupliziert wurde, was aber nicht wirklich passt, da er ja während des Angriffs rausgebeamt wurde. Und wie hat er es dann überhaupt so schnell ins Shuttle zurückgeschafft? Ja gut, ihr werdet jetzt sagen, das ist halt Comedy, da sollte man nicht so viele Fragen stellen. Aber bei einer “Star Trek”-Kanon-Serie stelle ich mir diese Fragen eben bzw. fallen mir die Logiklöcher halt leider auf.

Dafür gibt’s noch die ein oder andere Anspielung auf der Titan (wie romulanisches Ale). Das reißt das Ruder aber auch nicht mehr herum, wie man so schön sagt. Und zu den Anspielungen kommen wir jetzt.

Arc Nummer Zwei: Cerritos

Die Handlung auf der Cerritos ist da schon interessanter. Dies fängt zum einen mit dem titelgebenden Lt. Kayshon an, der neu zur Besatzung dazustößt. Als Tamarianer hat er die übliche wirre Sprechweise drauf, die sein Volk ausmacht. Wie schon in den Büchern hat man es hier nicht übertrieben und er spricht nur ab und zu in Redewendungen, wenn der Universalübersetzer nicht alles so genau hinbekommt. Sehr schön – so fügt sich der Neue hier perfekt ein.

Auch hier gibt es natürlich wieder Anspielungen auf vergangene Serien, angefangen mit der Sammlergilde. Kivas Fajo (aus TNG 3×22 “Der Sammler”) war also nicht der einzige Sammler. Eine durchaus gelungene Referenz. Und vor allem später im Museumsschiff strotzt es nur wieder so vor Referenzen. Sicher werden einige Fans hier ihren Spaß haben, alles zu suchen. Das Ganze war für mich jetzt auch nicht aufdringlich und hat sich, wie schon in Folge 1, harmonisch eingefügt. Lediglich die ‘Puppifizierung’ von Kayshon wirkt hier etwas zu viel des Guten. Ja, das gab es in “TOS” oder “DS9” auch schon so ähnlich (TOS 2×07 “Das Spukschloss im Weltraum” mit der Spielzeug-Enterprise oder DS9 6×14 “Das winzige Raumschiff“ mit geschrumpften Schiffen), ist aber auch hier wieder konstruiertes Mittel zum Zweck, damit Mariner und Manhaver über die Führerschaft streiten können. Zudem ist es auch irgendwie aus “Angel” geklaut. Erinnert sich noch jemand an die Plüschfigurenfolge 5×14 “Angriff der Mörderpuppen”?

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“Komm lass uns den Helm des Hexenkönigs von Angmar klauen!” (Bild: “Lower Decks” 2×01, CBS/Amazon)

Trotzdem müssen Mariner und Manhaver in der Folge dann zeigen, was sie so drauf haben. Und sie müssen einsehen, dass sie auch mal die Führung des Außenteams an Tendi und Rutherford abgeben müssen. Teamwork ist hier nämlich die Lösung!

Das sind schöne Charaktermomente und auch der Excalbianer-“TOS”-Bezug war an der Stelle gelungen. Auch der Humor um den zweiten Sammler hat bei mir gezogen (“….einen Tentakel reichen…”), auch wenn der Helm mich an den des Hexenkönigs aus “Herr der Ringe” erinnert hat und ich ihn nicht wirklich mit Klingonen in Verbindung bringen konnte (ja ich weiß, es gab ähnlichen Kopfschmuck schon früher).

Dafür wissen aber auch Szenen wie “Angriff der Staubsaugerroboter” zu gefallen. Insgesamt zweifellos der bessere Arc der Story, wobei man am Ende wieder monieren könnte, dass die “Rückverwandlung” von Kayshon wieder so lapidar abgehandelt wird (Zukunftstechnik, wie oben erwähnt).

Zum Schluss wieder vereint

Am Ende wird die “Lower Decks”-Truppe dann wieder vereint, was sehr gut funktioniert. Vor allem merkt man hier auch den Zusammenhalt, der sich in der ersten Staffel aufgebaut hat. Und Manhaver ist somit auch gleich wieder raus. Boimler darf sogar ein kurzes Statement zur serialisierten Action abgeben.

Das Ganze ist “Lower Decks”-typisch aber eben mit genug Herz umgesetzt. Ein rundes Ende.

Fazit

Die Folge macht einen kleinen Schlenker nach unten, vor allem die Titan-Handlung enttäuscht etwas. Dafür gibt es aber schöne Referenzen, ebenso schöne Charaktermomente und – zumindest meist – den typischen Humor. Auf diesem Kurs kann es trotz aller Kritik weitergehen.

Bewertung: [usr 4 max=”6″]

Thomas Götz
Thomas Götz
Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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