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    Zweitrezension: Discovery 4×08 – “All In” / “Alles oder nichts”

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    Nach gut zwei Monaten Pause kehrt “Star Trek: Discovery” aus der Mid-Season-Pause zurück. “All In” knüpft direkt an den in “…But To Connect” begonnenen Cliffhanger an. Doch anstatt das Mysterium um die DMA weiter zu erforschen, geht’s zunächst in eine galaktische Spelunke, in der Burnham und Book ihre Beziehungskrise verarbeiten. Lest hier unsere zweite Kritik zur achten Episode der vierten “Discovery”-Staffel. Vorsicht: Spoiler!

    Bild: Paramount+/©2021 ViacomCBS

    Das Drehbuch zur Episode stammt vom 36-jährigen Sean Cochran, der bereits seit der ersten Staffel zum festen Inventar der Serie gehört, dies allerdings vornehmlich als (Executive) Story Editor und Staff Writer. Cochran lieferte zudem für “Despite Yourself” (DIS 1×10), “New Eden” (DIS 2×02), “Die Trying” (DIS 3×05) sowie für die “Short Treks”-Episode “Calypso” (ST 1×02) die Story beziehungsweise das Drehbuch. “All In” ist nun sein drittes Drehbuch für “Discovery”.

    Und dieses Drehbuch ist leider wahrlich keine Offenbarung. Denn im Grunde genommen erzählt “All In” eine recht simple und wenig inspirierte Geschichte, welche die übergeordnete Staffelhandlung um die mysteriöse DMA kaum voranbringt und sich stattdessen mal wieder bevorzugt auf die Hauptfiguren und deren emotionale Befindlichkeiten fokussiert. Dies tut die Episode allerdings – das sei hier vorweggenommen – durchaus stringent und stellenweise auch unterhaltsam. Allerdings führt “All In” auch nicht viel Neues über die Charaktere zutage.

    Book im emotionalen Dilemma

    Episode 8 macht dort weiter, wo Folge 7 im Dezember aufgehört hatte: Booker (David Ajala) und der zwielichtige Wissenschaftler Ruon Tarka (Shawn Doyle) haben den Prototyp der nächsten Spore-Drive-Generation entwendet und sind damit an einen unbekannten Ort geflohen. Ihr Ziel besteht noch immer darin, die DMA zu vernichten. Und dieses Vorhaben macht beide sogleich zu Outlaws, denn die galaktische Sicherheitskonferenz unter Federführung der Föderation hatte zunächst für einen diplomatischen Ansatz votiert (DIS 4×07 “…But To Connect”).

    Booker (David Ajala) in DIS 4×08 “All In” (Bild: Paramount+)

    Beide Männer sind derweil von ganz persönlichen Motiven getrieben, wenngleich Tarkas tatsächliche Motivation dem Zuschauer noch immer nicht so ganz klar ist. Dieser Umstand hält das Spannungslevel weiter oben, denn hier darf man sicherlich mit einem ‘schockierenden’ Story-Twist rechnen, der Booker eventuell noch eiskalt erwischen könnte. Dieser hat ohnehin schon erste Gewissensbisse, schließlich musste er seine geliebte Michael hintergehen und zurücklassen. Book muss sich in “All In” zwei Grundsatzfragen stellen: Hat seine Beziehung mit Michael nach all diesen Vorkommnissen überhaupt noch eine Zukunft? Und geht es ihm wirklich nur darum zu verhindern, dass anderen Welten das gleiche Schicksal wie Kwejian erspart bleibt? Oder sind es vielleicht doch nur fragwürdige Rachegelüste, die ihn antreiben?

    Diese Fragen erforscht die Episode zunächst sehr konsequent, sodass sich “All In“ an dieser Stelle nahtlos in den Booker-Story-Arc der vierten Staffel einfügt. Dementsprechend sind Books immer mal wieder aufblitzenden Zweifel auch zu jeder Zeit nachvollziehbar. Nur leider verliert die Episode diesbezüglich im weiteren Verlauf etwas an Fahrt, weil sich Booker für meinen Geschmack etwas zu leicht von Tarka einlullen lässt und daher auch stellenweise etwas naiv wirkt. Hier hätte ich mir noch etwas mehr Konflikt zwischen beiden gewünscht.

    Ein großes Lob gebührt aber einmal mehr der schauspielerischen Performance von David Ajala, der bisher noch immer in seiner Rolle zu überzeugen wusste. Rolle und Schauspieler sind ohne Zweifel ein Gewinn für die Serie.

    Zwischen den Stühlen

    Auch Burnham (Sonequa Martin-Green) steht in dieser verqueren Situation (mal wieder) zwischen allen Stühlen. Sie muss sich zwischen ihrer Liebe zu Book und ihrer Loyalität zur Föderation entscheiden. Und natürlich lastet auch das Wohl der gesamten Galaxis wieder einmal auf ihren Schultern. Doch Michael hat Book noch lange nicht aufgegeben. Sie hofft darauf, dass es für sie womöglich einen Mittelweg geben könnte. Dieser scheint in “All In” auch tatsächlich greifbar, löst sich am Ende der Episode allerdings (vorerst) in Luft auf, sodass wir nach längerer ‘Karenzzeit’ in den kommenden Folgen womöglich wieder mit der Rückkehr von Michael “Cryham” rechnen dürfen. Die Charaktermomente zwischen Book und Burnham gehören aber zweifelsohne zu den besseren Aspekten dieser Episode. Und dennoch müssen die Autoren hier aufpassen, dass sich die vierte Staffel nicht in einer ausufernden Beziehungskiste verliert.

    Obwohl Burnham ob ihrer emotionalen Beeinflussung von Präsidentin Rillak mit einer anderweitigen Informationsbeschaffungsmission betraut wird, gibt Admiral Vance ihr hinter Rillaks Rücken den inoffiziellen Befehl, Booker ausfindig zu machen und aufzuhalten. Dass Burnham nicht umhinkann, Booker selbst zu suchen, liegt natürlich auf der Hand. An dieser Stelle hat man aber einen netten Kniff eingebaut, der sie vor einer erneuten Befehlsverweigerung bewahrt. Das wäre auch langsam wirklich etwas zu viel des Guten gewesen. Das hat der Drehbuchautor auch glücklicherweise erkannt und klug umschifft.

    Präsidentin Rillak (Chelah Horsdal, links), Admiral Vance (Oded Fehr, Mitte) und Captain Burnham (Sonequa Martin-Green, rechts) in DIS 4×08 “All In” (Bild: Paramount+)

    Interessant sind an dieser Stelle zwei Aspekte:

    Erstens entwickelt sich zwischen Burnham und Admiral Vance (Oded Fehr) gerade eine von gegenseitigem Vertrauen geprägte Admiral-Captain-Beziehung, die an die Paarung Sisko/Ross aus “Deep Space Nine” erinnert. Das gefällt mir sehr gut.

    Zweitens vervollständigt Präsidentin Rillak (Chelah Horsdal), die ihre Rolle als politischer “Commander-in-Chief” der Sternenflotte ungewöhnlich offensiv ausübt, das Duo Vance-Burnham und macht daraus ein spannendes Triumvirat. Spannend ist diese Dreierkonstellation deshalb, weil es ein Novum in der Geschichte von “Star Trek” darstellt. Politiker der Föderation haben wir nämlich in “Star Trek” bisher nur in ganz seltenen Ausnahmefällen gesehen. Und wenn dies doch einmal der Fall gewesen ist, dann waren die Föderationspräsidenten zumeist von moderater bis schwacher Autorität. Ein anderes Beispiel sind die Hochkommissare der Föderation aus der Originalserie, die aber stets als selbstherrliche ‘Sesselfurzer’ ohne praktische Expertise dargestellt wurden, wie beispielsweise High Commissioner Ferris in “The Galileo Seven” / “Notlandung auf Galileo 7” (TOS 1×13).

    Rillak bringt als drittes Glied eines aus sehr unterschiedlichen Charakteren bestehenden ‘Entscheidungstriumvirats’ jedenfalls einen völlig neuen Aspekt in “Star Trek” hinein, der viel Potenzial birgt: den Konflikt zwischen den politischen Entscheidungsträgern der Föderation und der Sternenflotte. Mal sehen, ob die relative Eintracht dieses Trios mit dem Fortschreiten der Krise noch lange Bestand haben wird.

    Schwarzmarkt-Spelunke im “Star Wars”-Stil

    Was dem Geheimdienst der Sternenflotte nicht gelingt, schafft Burnham ob ihrer Connections aus ihrem rund einjährigen Kurier-Dasein binnen kürzester Zeit: Tarka benötigt noch einen seltenen Rohstoff, um seine Anti-DMA-Waffe fertigstellen zu können. Dabei handelt es sich um Isolynium, das von Privatpersonen nur auf galaktischen Schwarzmärkten erworben werden kann. Die Spur führt sodann zum Planeten Porathia, auf dem sich – gut versteckt – die ‘Karma Barge’ befindet, eine dubiose Schwarzmarkt-Spelunke, die vom ebenso zwielichtigen Haz Mazaro (Daniel Kash) betrieben wird.

    Haz Mazaro (Daniel Kash, Mitte) in DIS 4×08 “All In” (Bild: Paramount+)

    Während die Figur des Haz mich nach anfänglicher Skepsis am Ende doch noch überzeugen konnte, gefällt mir das Setting und die Handlung auf Parathia nicht wirklich. Viel zu generisch kommt mir dieses Weltraum-Casino daher, das eher an “Star Wars” erinnert als an “Star Trek”. Hier jagt leider ein Klischee das nächste. Das fängt schon bei der “Wir haben nicht genug Geld und müssen noch eine größere Summe auftreiben”-Story an, geht mit dem obligatorischen Spielkasino-Betrüger (ein Wechselbalg – was für ein Abstieg!) weiter und hört mit dem absolut vorhersehbaren Pokerspiel auf.

    Auch hier bleibt die Serie ihrer Linie leider treu: Probleme werden bevorzugt mit gewaltlegitimierender Action gelöst, während Wissenschaft, Diplomatie oder List nur von sekundärer Bedeutung sind. Zumindest der Umstand, dass Burnham am Ende einen Peilsender am Isolynium anbringt (“Star Trek VI” lässt grüßen!), schafft diesbezüglich ein wenig Kompensation.

    Die Kampfszenen von Owosekun (Oyin Oladejo) wären vielleicht noch zu verschmerzen gewesen, wenn diese nicht so dermaßen stereotyp geschrieben worden wären. Erst wird sie zweimal ordentlich verprügelt, nur um dann im dritten und letzten Fight (“all in”!) ihrem Kontrahenten nicht den Hauch einer Chance zu lassen. Klar, man könnte argumentieren, dass “Owo” zunächst dessen Kampftaktik entschlüsselt hat und ihn daher nun recht leicht besiegen kann. Mir war das aber irgendwie viel zu vorhersehbar und unglaubwürdig. Hier fehlt einfach das Überraschungsmoment. Burnhams überzogenes Gehabe (“Oh wow-Owosekun!“) zieht die Szene dann leider gänzlich ins Lächerliche.

    Joann Owosekun (Oyin Oladejo) in DIS 4×08 “All In” (Bild: Paramount+)

    Im Gegensatz zu Tom kann ich bei Owosekun hier auch leider keine nennenswerte Charakterentwicklung erkennen. Zum Vergleich: Das Charakterprofil eines Reginald Barclay (TNG) war nach einer Episode schon umfangreicher als das von Joann Owosekun nach dreieinhalb Staffeln. Daran kann leider auch ihr nicht unbedeutender Dialog mit Tarka nichts mehr ändern. Hier wurde bedauerlicherweise eine weitere Chance vertan, “Owos” Persönlichkeitsprofil zu schärfen. Denn auch Owosekun definiert sich hier eigentlich nur über ihren Mut, ihre Opferbereitschaft, ihr Pflichtbewusstsein und ihre grenzenlose Loyalität zu Burnham und der Föderation. Diese ‘preußischen Tugenden’ sind aber irgendwie auch bei allen anderen Nebencharakteren zu finden, sei es Detmer, Rhys oder auch Bryce. Gibt es in dieser Crew denn nicht noch andere, individuellere Charakterwerte, die von Bedeutung sind? Mir ist das alles einfach viel zu uniform und irgendwie auch zu kollektivistisch. Über den Menschen Joann Owosekun weiß ich auch nach “All In” leider noch immer so gut wie nichts.

    Man dreht sich im Kreis

    Die übrigen Haupt- und Nebencharaktere der Serie spielen in “All In” leider nahezu keine Rolle. Rhys, Bryce, Linus, Pollard und Nilsson sind nicht oder nur kaum zu sehen. Gleiches gilt auch für Adira und Reno. Die Rolle von Saru (Doug Jones) beschränkt sich leider auch nur darauf, Burnhams Vorgehen mal wieder ohne größere Diskussion mit gesenktem Kopf abzunicken. Dieser spannende Charakter wurde in der dritten Staffel leider zugunsten von Burnham sukzessive demontiert. Ich sehe derzeit leider nur sehr wenige Ansätze (und keine wirklichen Ambitionen), das große Potenzial von Saru erzählerisch auszuschöpfen.

    Fast noch ärgerlicher ist jedoch, was die Autoren für Stamets (Anthony Rapp) und Culber (Wilson Cruz) zusammenschreiben. In “All In” bekommen wir nämlich den binnen 50 Folgen gefühlt hundertsten Stamets-Culber-Jammer-Dialog vorgesetzt. Entweder Stamets heult Culber seine Problemchen vor oder eben – wie hier – in umgekehrter Konstellation. Das Resultat ist aber immer gleich: Beide versichern sich in schnulzigen Szenen ihre gegenseitige Unterstützung und beteuern ihre unerschütterliche Liebe. Ganz ehrlich: Wie viele Szenen dieser Art wollen die Autoren eigentlich noch schreiben? Merken die denn nicht, dass es jetzt seit mehr als vier Jahren nahezu immer dieselben Stamets-Culber-Szenen sind? Ich denke schon, dass diese Botschaft mittlerweile mehr als deutlich beim Publikum angekommen ist.

    Dr. Culber (Wilson Cruz) in DIS 4×08 “All In” (Bild: Paramount+)

    Es ist also höchste Zeit, diese Figuren auch mal anderweitig zu fordern. Das gilt insbesondere für Culber, den man eigentlich nur in Ausnahmefällen auf der Krankenstation antrifft. Kann man diesen beiden Figuren nicht endlich mal was anderes zu tun geben?! Schickt sie – wie einst Worf und Dax – gemeinsam auf eine wichtige und gefährliche Mission. Lasst sie mal richtig streiten, ohne dass sie sich gleich wieder versöhnen. Fordert sie heraus. Lasst sie ihre fachliche Expertise einbringen. Hievt diese Beziehung auf ein anderes, facettenreiches erzählerisches Niveau. Aber bitte hört auf, diese Figuren ständig im Dauerjammer-Modus verharren zu lassen. Es nervt! Es langweilt! Es wird weder den Schauspielern noch ihren Rollen gerecht. Es dreht sich einfach nur im Kreis. Und das ist wirklich sehr ernüchternd.

    Casino de l’espace

    Das als Episoden-Klimax angedachte leonianische Pokerspiel entpuppt sich dann leider auch als Reinfall. Ob so etwas nun zu “Star Trek” passt oder nicht, sei mal dahingestellt. Die Umsetzung ist hier aber mehr als unbefriedigend. Das fängt schon mit den lächerlichen Kontrahenten und deren unfassbar uninspirierten, viel zu zeitgenössischen Make-up an. Hätte man hier nicht wenigstens einen aggressiven Nausikaaner (“Dom-Jot spiiiiieleeeen!!!”) in die Runde setzen können? Dann wäre es wirklich “Alles oder nichts” geworden! Des Weiteren ist das Resultat auch einfach viel zu vorhersehbar. Und auch Burnhams überdrehte Art ist hier mal wieder einfach nur nervtötend. Lediglich Haz legt auf den letzten Metern noch einmal einen ordentlichen Sprint hin und erweist sich schlussendlich als ambivalenter, aber nicht unsympathischer “Antagonist”.

    Die Pokerrunde in DIS 4×08 “All In” (Bild: Paramount+)

    Visuell gibt es hingegen nichts zu meckern. Das Pokerspiel ist szenisch toll umgesetzt worden, aber die Regisseure Christopher J. Byrne und Jen McGowan können am Ende eben nur das umsetzen, was das Drehbuch auch hergibt. Und dieses ist, wie bereits erwähnt, viel zu einfach gestrickt und vorhersehbar.

    Darf’s noch etwas DMA sein?

    In den letzten Minuten der Episode geht es dann doch noch mal um die DMA. Die Daten, die Burnham von Haz erhalten hat, ermöglichen eine weitere Analyse des Raumphänomens. Und so wird ersichtlich, dass die DMA keine Waffe ist, sondern eine Art Weltraum- Bagger, der Boronit von Planeten sammelt. Das Problem: Wenn die DMA nur für den Bergbau verwendet wird, welche Zerstörungskraft hätten dann erst die Waffen von Spezies 10-C ? Und was sind die Motive dieser Spezies? Handelt sie bewusst destruktiv oder eben doch nicht? Eines ist aber sicher: Eine gewaltsam herbeigeführte Unterbrechung dieser Bohraktivitäten durch Book und Tarka könnte als feindlicher Akt betrachtet werden. Der Erstkontakt muss daher zunächst friedlich erfolgen. Books und Tarkas Plan sind somit eine noch größere Bedrohung für die Galaxie als bisher angenommen…

    Fazit

    In “All In” ist handlungstechnisch leider nicht allzu viel drin. Der Story-Arc um die DMA tritt weiter auf der Stelle. Das weckt unangenehme Erinnerungen an den Red Angel-Arc in Staffel 2, der sich stellenweise auch wie Kaugummi hinzog…und dessen Auflösung am Ende enttäuschte. Episode 8 erzählt eine recht generische Scifi-Spielkasino/Schwarzmarkt-Geschichte, die auch aus jeder anderen Science-Fiction-Serie hätte stammen können. Man müsste nur die Sternenflotte respektive Föderation aus der Gleichung nehmen.

    Schlussendlich hängt das Urteil über diese Episode also einmal mehr davon ab, ob man das Serienkonzept von “Discovery” nun für gut befindet oder doch eher kritisch sieht. Denn eines kann man nach nun mehr 50 Episoden keinesfalls mehr bestreiten: “Star Trek: Discovery“ ist deutlich mehr eine Drama- denn eine klassische Science-Fiction-Serie. Während in allen fünf ‘klassischen’ Trek-Inkarnationen vor “Discovery” ganz klar der Science-Fiction-Aspekt im Vordergrund stand, ist dieser in “Discovery” eigentlich nur Beiwerk. An Raumanomalien, Forschungsexpeditionen oder auch an Gesellschaftskommentierung zeigen die Autoren dieser Serie in meinen Augen nur geringfügig Interesse. Im Zentrum dieser Serie stehen ganz eindeutig die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Emotionen der Protagonisten sowie deren verschiedenen Identitätskrisen. Und das ist im Jahr 2022 natürlich legitim.

    Ich frage mich nur, warum mir als Science-Fiction-Fan eine “Science-Fiction-Serie” gefallen soll, in der Science-Fiction eigentlich nur die zweite Geige spielt. Mir fehlt aber nach wie vor der typische “Star Trek“-Esprit. Das “Discovery”-Universum ist mir zu dunkel und auch kleiner, als es im 32. Jahrhundert eigentlich sein sollte. Und die Geschichten der Serie sind mir zu sehr am Mainstream orientiert. Einfach zu durchschnittlich. Und das gilt leider auch wieder für “All In”.

    Was könnte man hier doch für coole Storys erzählen: Mit dem Sporenantrieb und den technischen Möglichkeiten des 32. Jahrhunderts wären Reisen in andere Quadranten oder gar andere Galaxien die normalste Sache der Welt. Heute im Delta-, nächste Woche im Gamma-Quadranten…und übernächste in der Galaxie M33 (siehe TNG 1×05 “Der Reisende”). Aber was macht “Discovery”? Die Serie führt uns in eine 08/15-Weltraum-Spelunke, was ich jeder Zeit auch in “Star Wars“ sehen kann. Und nebenbei zitiert man auch noch “007: Casino Royale”. Darüber hinaus erzählt man uns leider auch die x-te Geschichte über Verlustgefühle, Rachegelüste, Identitätskrisen oder Beziehungsprobleme.

    Dass man ein solch enormes erzählerisches Potenzial – nämlich wirklich mutig dorthin vorzudringen, wo noch keine “Star Trek“-Serie zuvor gewesen ist – einfach so brachliegen lässt, das lässt mich Woche für Woche ratlos zurück. Ist es wirklich Ideenlosigkeit oder doch die Angst vor der eigenen Courage? Die Geschichten, die man in Season 4 erzählt, hätte man nämlich weitestgehend auch im 23. Jahrhundert erzählen können.

    Bewertung

    Handlung der Einzelepisode 1 out of 5 stars (1 / 5)
    Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs 2.5 out of 5 stars (2,5 / 5)
    Charakterentwicklung 2 out of 5 stars (2 / 5)
    Action & Effekte 4 out of 5 stars (4 / 5)
    Spannung 1.5 out of 5 stars (1,5 / 5)
    Humor 1 out of 5 stars (1 / 5)
    Intellektueller Anspruch 1 out of 5 stars (1 / 5)
    Gesamt 2 out of 5 stars (2 / 5)

    Episoden-Infos

    Episodennummer 50 (Staffel 4, Episode 8)
    Originaltitel All In
    Deutscher Titel Alles oder nichts
    Erstausstrahlung USA Donnerstag, 10. Februar 2022
    Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 11. Februar 2022
    Drehbuch Sean Cochran
    Regie Christopher J. Byrne, Jen McGowan
    Laufzeit 50 Minuten
    Matthias Suzan
    Matthias Suzan
    Seine Leidenschaft für "Star Trek" begann 1994 mit "The Next Generation". Es sind vor allem die anthropologischen, gesellschaftlichen und politischen Themen des Trek-Universums, die ihn faszinieren. Seit 2017 ist Matthias Teil der TZN-Redaktion.

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