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Meinung: Gedanken zum alten und neuen “Star Trek”

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Seit einer Weile muss ich im September immer an “Star Trek” denken. Klar, mag sein, dass der “Star Trek Day” damit zu tun hat. Da wird man ja quasi daran ‘erinnert’, dass es “Star Trek” gibt. Außerdem habe ich im September Geburtstag. Letztes Jahr machte ich mir den Spaß, mir alle möglichen Merchandises rund um ‘mein Star Trek’ zu wünschen.

Was ist “mein Star Trek”?

Mein ‘Star Trek'” ist das der ersten Stunde – die Originalserie. Dabei achte ich “The Next Generation” sehr, denn diese Serie nahm die losen und teils recht kurzen Fäden der ersten aller “Star Trek”-Serien auf und webte daraus einen wunderschönen Teppich.

Am Anfang war alles recht ‘roh’: ungeschliffen, nur wenig formuliert. Mehr angedacht als zu Ende gedacht. Zum Beispiel die sogenannte ‘Prime Directive’, die Kirk zum Albtraum für das Department of Temporal Investigations machte. Die Masken gaben mehr eine Ahnung davon, dass wir es mit Aliens zu tun haben. Es gab eben nicht so viel Geld und Möglichkeiten. Da musste teils auch die Fantasie des Zuschauers ran. Und ‘Horta’ ist – aus der Sicht eines heutigen, jungen Fernsehzuschauers – lediglich ein hässlicher Teppich, unter dem sich jemand versteckt, der herumkrabbelt. Aus damaliger Sicht war Horta jedoch ein fremdartiges, eigentümliches Alien. Bedrohlich auf den ersten Blick, bemitleidenswert auf den zweiten Blick.

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Das Horta-Lebewesen in TOS 1×25 “The Devil in the Dark” (Bild: © Paramount, 1967)

Die Serie drehte sich zwar immer um irgendeine außerirdische Rasse, Zeitanomalie oder dergleichen, jedoch ging es dabei stets um zutiefst menschliche Themen, die “jedermann” betrafen. Das machte die Serie aus. Schon in den ersten Stunden und nicht erst seit “TNG”. Freilich musste man stets “zwischen den Zeilen lesen” können.

Übrigens fand ich letztes Jahr tatsächlich ein paar Sachen, die ich mir zu meinem Geburtstag zusammen-wünschen konnte. Figuren von MEGO; und Diamond Select hatte, obschon nicht auf deren Website vertreten, abermals den “TOS”-Communicator herausgegeben, der übrigens innerhalb eines Jahres vergriffen und mindestens doppelt so teuer geworden ist. Der Diamond Select-Tricorder ist seit Langem ausverkauft. Naja, außer man zahlt rund 200 EUR dafür! Das zeigt deutlich, wie kultig, wie beliebt und gefragt Merch um die erste Serie ist. Es sind keine Ladenhüter!

Mein Problem mit dem unterhaltsamen, neuen “Star Trek”

CBS beziehungsweise Paramount Plus konzentriert sich vor allem auf das jugendliche Publikum. Wenn ich mich alt fühlen will, sehe ich mir an, was heute als “Star Trek” gezeigt wird, allen voran “Lower Decks“. Dreimal unternahm ich den Versuch, die erste Folge komplett zu sehen. Drei Mal scheiterte ich. Geht es wirklich nur mir so, dass dieser schrille, stark selbstironische Humor wenig unterhaltend ist, dafür aber eine Spur zu weit gegen die “Star Trek-Ehre” geht? Humor ist natürlich Geschmackssache. In anderen Kontexten habe ich teils tief schwarzen Humor, aber hier versagen meine ‘Humor-Programme’.

Sicherlich muss nicht jedem/jeder auch alles gefallen. Schade ist es aber trotzdem, denn obwohl ich seinerzeit “Deep Space Nine” bereits für eine Abkehr von reinem “Star Trek” hielt (bekanntermaßen kamen generell mehr Krieg und Konflikte in die “Star Trek”-Handlungen, nachdem Rick Berman den verstorbenen Gene Roddenberry abgelöst hatte), gefiel mir die Serie als spannende Erweiterung des “Star Trek” Kosmos dann aber doch. Gleiches gilt auch für die Nachfolgerserien, von denen “Enterprise” zu Unrecht als eine der schlechteren gilt. “Lower Decks” jedoch liegt für mich zu weit fern ab von dem, was ich noch als “Star Trek” durchgehen lassen kann. Just my two cents. (Niemand soll denken, ich hätte keinen Humor: “Galaxy Quest” ist meiner Ansicht nach die gelungenste und witzigste Persiflage auf “Star Trek”, die es gibt!).

“Discovery” & “Picard”

Neben “Lower Decks” kamen dann noch die Serien “Discovery” (jene sogar als erste neue Serie seit “Enterprise”) und “Picard” in diverse Streaming-Angebote. Dazu will ich auch noch ein paar Worte verlieren: Ich fand es immer gut, wenn zwischen den herkömmlichen Spezies homosexuelle Beziehungen ganz natürlich dargestellt wurden. Oder – ganz anderer Lebensbereich – Menschen im Rollstuhl als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft angesehen wurden und auch psychisch beeinträchtige Menschen (z.B. Reginald Barclay) ihre Stärken in die Crew einbringen konnten. Oder wenn mit Geordi La Forge ein Blinder Chefingenieur werden konnte. Es war in der von Roddenberry erdachten Zukunft einfach selbstverständlich, dass niemand mehr aufgrund seiner Veranlagung oder Beeinträchtigung diskriminiert wird. Im “Star Trek”-Universum war einfach für wirklich alle Platz!

Das Gute daran war diese Selbstverständlichkeit. In “Discovery” werden jedoch die gleichgeschlechtlichen (und andere) Persönlichkeiten zum Aushängeschild der Serie erhoben. Während der eine oder andere Kuss zwischen Dr. Culber und Paul Stamets in den ersten beiden Staffeln noch natürlich wirkte und zum Reflektieren über Homosexualität einlud, so wurde das Einbeziehen von Trans-Charakteren ab Staffel 3 so dermaßen demonstrativ in den Vordergrund gestellt, dass die oben gelobte Natürlichkeit leider verloren ging. Das ist sehr schade, denn es ist grundsätzlich eine gute Sache, diese Gesellschaftsgruppe in die Serie zu integrieren. Es riecht und schmeckt nur leider etwas nach der “politischen Korrektheit” des heutigen Amerikas – und nicht mehr nach dem fortschrittlichen Umgang mit diversen Charakteren in der besseren Welt der Roddenberry’schen Zukunft! Paramount scheint mehr auf den mutmaßlichen Zeitgeist zu setzen, um fortschrittlich zu wirken statt es einfach zu sein. Aber das ist nur die Ansicht des Autors dieser Zeilen, der vielleicht auch einfach nur zu alt für das neue Star Trek ist. 😉

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Während “Lower Decks” wohl darauf abzielt, dass wir “Star Trek” zwar lieben, aber nicht zu ernst nehmen (sollen), bereitet “Discovery” einen Weg für ein “Star Trek”, in dem Minderheiten überrepräsentiert sind. So jedenfalls nehme ich das wahr. Ich finde es spannend, wenn die vulkanische Lehre des IDIC bzw. UMUK (Infinite Diversity in Infinite Combinations / Unendliche Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination) auf “Star Trek” Anwendung findet. Ich finde es aber schade, dass ich den Eindruck habe, dass meine Themen (ich bin ein Durchschnittsmensch) hier nicht mehr abgebildet werden. “Star Trek” und speziell “The Next Generation” waren für mich seinerzeit inspirierend für den Alltag, was ich von den neuen Serien bisher leider nicht sagen kann.

Picard“, speziell die zweite Staffel, vermochte mich zwar sehr gut zu unterhalten, jedoch fragte ich mich in Staffel 2,  wo Robert, der Bruder vom jungen Picard, geblieben ist. Und zudem dachte ich mir immer, Jean-Luc Picard hätte eine unberührte, heile und ‘geerdete’ Kindheit gehabt. In Roddenberrys Zukunft gibt es nicht nur Heilung für körperliche Probleme, sondern auch für psychische! Wie konnte es da soweit kommen? Wieder erhalten wir hier eine Handlung mit guten, unterhaltsamen Ansätzen, jedoch geschrieben von Leuten, die wohl das TV-Business, aber nicht “Star Trek” verstehen: Sie sind vermutlich in ihrem Geist nie in La Barre gewesen, haben sich nie mit dem jungen Picard und dessen Bruder unterhalten, ehe sie sich daran setzten, die Kindheit von Picard so gruselig wie spannend, in Szene zu setzen.

Was früher besser war…

Überhaupt frage ich mich, warum es seit einer Weile nur noch darum geht, die Welt oder den Weltraum zu retten. Wohin sind die kleinen, menschlichen Geschichten verschwunden? Hätte etwa ein Reginald Barclay bei “Discovery” überhaupt noch das Vermögen, Aufmerksamkeit zu erringen? Hätte man ein Ohr für seine Probleme und Wahrnehmungen?

Ich erinnere mich an die Schlägerei zwischen Picard und Robert, seinen Bruder, in jener Folge, in der es einfach nur um Familie und das Bewältigen von Vergangenheit geht. Eine der besten “TNG”-Folgen, in der es nur um kleine, menschliche Themen ging und die genau deshalb so gut war.

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Robert (Jeremy Kemp, links) und Jean-Luc Picard (Patrick Stewart, rechts) in TNG 4×02 “Family” (Bild: © Paramount)

Wenn ich eingangs die erste Serie – “TOS” – erwähnte, dann denke ich gerne an die unendlichen Schlagabtäusche zwischen Kirk, Spock und Pille zurück. Wobei Spock stets die Ratio repräsentierte und McCoy das Gefühl, während Kirk sich beider Sichtweisen zu unzähligen Herausforderungen annahm, um den goldenen Mittelweg zu gehen. Ein Vorbild, auch für das Leben eines durchschnittlichen Fernsehzuschauers. Nicht nur in der “TOS”-Folge “Weltraumfieber”, auch in “Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock” und vielen anderen Folgen werden die Werte wahrer Freundschaft und Menschlichkeit gelobt.

Das ist “mein Star Trek”!

Hoffnung

Im Gespräch mit befreundeten “Star Trek”-Fans verteidige ich in der Regel auch das neue “Star Trek”. Weil ich es lieben will! Weil “Star Trek” mir in meinem Leben so viel Gutes gab und ich es ablehne zu klagen. Es gibt genug Dinge im Leben, über die man klagen kann.

Dennoch kann ich den Argumenten meiner Kontrahenten im Gespräch teilweise nur Recht geben, wenn ich es recht bedenke. Das neue “Star Trek” ist perfekter denn je, aber die Seele fehlt – wenigstens zum Teil. Bisher jedenfalls.

Strange New Worlds” wird uns die Abenteuer mit Captain Pike, dem Vorgänger von Kirk, präsentieren und ist für mich, der ich fast so alt bin wie “Star Trek” selbst, zum ‘Rettungsanker’ geworden. Diese Serie wird für mich entscheiden, ob ich mich noch dem aktuellen “Star Trek” in gleicher Weise verbunden fühle, wie in den letzten mehr als 50 Jahren.

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Kirk (William Shatner, links) und McCoy (DeForest Kelley, rechts) sinnieren über das Älterwerden (Bild: “Star Trek II: Der Zorn des Khan”, 1982 © Paramount)

Als ich kürzlich “Star Trek II: Der Zorn des Khan” in der Director´s Cut Version im Kino sah (im Rahmen des Filmfests), berührte mich das zutiefst. Ich hatte diesen Film erstmals gesehen als ich etwa dreizehn Jahre alt war, das war 1982. Damals beschäftigten mich mehr die Ceti-Aale und die Raumschlacht im Mutara Nebel als die sonstige Handlung. Heute mit 53 Jahren erkannte ich, warum “Star Trek” seinerzeit wieder zu sich gefunden hatte! Neben der Verfolgungsjagd durch die Galaxis zwischen Khan und Kirk ging es um zutiefst menschliche Themen. Um Freundschaft etwa und um das Älterwerden. Menschliche Themen sind ein wichtiger Bestandteil der “Star Trek”-Formel.

So wenigstens ist “mein Star Trek”, für das ich in der Tat nie zu alt sein werde…

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