Die Ära der ununterbrochenen Star-Trek-Produktionen scheint vorerst vorbei. Wie aus mehreren Quellen bestätigt wurde, endet „Star Trek: Starfleet Academy“ nach nur zwei Staffeln. Damit markiert die Serie nicht nur das vorläufige Aus für eine der jüngsten Inkarnationen des Franchises, sondern auch einen historischen Einschnitt: Zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt gibt es keine neuen Star-Trek-Episoden in Produktion oder Entwicklung.
Ein kurzes Kapitel: „Starfleet Academy“ wird eingestellt
„Star Trek: Starfleet Academy“ sollte eine neue Generation von Kadetten in den Mittelpunkt stellen – fernab der klassischen Brückenbesatzungen. Doch trotz einer bereits abgedrehten zweiten Staffel, die 2027 erscheinen soll, entschied sich Paramount gegen eine Fortsetzung.
Die Showrunner Alex Kurtzman und Noga Landau äußerten sich in einem emotionalen Brief an das Team: „Es war uns eine Freude und Ehre, Gene Roddenberrys visionäres Erbe mit ‚Starfleet Academy‘ weiterzuführen. Wir sind stolz auf das, was wir gemeinsam geschaffen haben.“ Die Serie teilt damit das Schicksal von „Prodigy“.
Keine neuen Serien in Sicht: Eine Ära geht zu Ende
Mit dem Produktionsstopp von „Starfleet Academy“ und dem bereits angekündigten Serienfinale von „Star Trek: Strange New Worlds“ (Staffel 5, voraussichtlich 2027) steht das Franchise vor einer ungewissen Zukunft. Zum ersten Mal seit dem Start von „Star Trek: Discovery“ im Jahr 2017 gibt es keine neuen Live-Action-Episoden in Planung. Selbst die animierten Serien „Lower Decks“ und „Prodigy“ wurden bereits eingestellt.

Das Ende für alle durch Alex Kurtzmans Secret Hideout genannten Produktionsfirma kommt nicht unerwartet, läuft doch der Vertrag zur Produktion neuer Inhalte zum Spätsommer des Jahres aus. Die Übernahme von Paramount durch Skydance dürfte der Verlängerung der Verträge im Weg gestanden haben. Die neuen Eigentümer möchten sicher maßgeblichen Einfluss auf die Zukunftsgestaltung der Marke “Star Trek” ausüben. So ist es hochgradig wahrscheinlich, dass mit der Absetzung von “Starfleet Academy” auch die Abberufung von Kurtzman an der Spitze des Franchises einhergehen wird.
Unter Kurtzmans Ägide hat sich “Star Trek” nicht zum erhofften Tentpole-Franchise entwickelt, dass im Streamingzeitalter für Paramount den erfolgreichen Gegenpol zu “Game of Thrones”, “Stranger Things”, dem “MCU” oder gar “Star Wars” gebildet hätte. Stattdessen wurde das “Sheridanverse” rund um “Yellowstone” und Spin-Offs das Zugpferd für Paramount+. Nur die letzte Staffel von “Picard” und die ersten Staffeln “Strange New Worlds” konnten Achtungserfolge erzielen.
Man darf aber davon ausgehen, dass Wirtschaftlichkeit, künstlerische Aspekte, oder gar die zunehmend schärfer geführte Auseinandersetzung über neue “Star Trek”-Serien in sozialen Medien nicht ausschlaggebend für das Ende von “Starfleet Academy” waren, sondern im Wesentlichen der Eigentümerwechsel.
Reaktionen der Community: Zwischen Enttäuschung und Hoffnung
Die Nachricht vom Ende der „Starfleet Academy“ löste gemischte Reaktionen aus. Während einige Fans die Serie als „überflüssig“ oder „zu weit entfernt vom klassischen Trek“ kritisierten, bedauern andere das vorzeitige Ende eines vielversprechenden Ansatzes. William Shatner, der legendäre Captain Kirk, äußerte sich auf X (ehemals Twitter) solidarisch mit dem Team und betonte die Bedeutung von Star Trek als „Vision einer besseren Zukunft“.

Auch die Schauspieler der Serie zeigten sich bewegt. Raoul Bhaneja, der Commander Kelrec spielte, schrieb auf Instagram: „Es ist ein harter Tag. Aber wir sind stolz auf das, was wir geschaffen haben – und die Fans werden die zweite Staffel lieben.“
Was kommt jetzt? Die Zukunft von Star Trek
Paramount hat zwar betont, weiterhin an Star Trek festhalten zu wollen, doch konkrete Pläne fehlen. Keine Serie oder Kinofilm ist konkret in Vorproduktion:
- Ein neuer Kinofilm steckt seit einem Jahrzehnt in der Produktionshölle fest. Zahllose Autoren und Regisseure kamen und gingen wieder. Darunter Quentin Tarrantino und Josh Hawley. Zuletzt schrieben Jonathan Goldstein und John Francis Daley („Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben“) an einem Skript.
- „Star Trek: Legacy“, ein Spin-off von „Picard“ mit Seven of Nine (Jeri Ryan) als Captain der USS Enterprise-G – ein Projekt, das “Picard”-Showrunner Terry Matalas gehyped hat, und von Fans sehnlichst erwartet wird, aber von vorn herein als unrealistisch galt.
- „Star Trek: United“, eine Serie mit Scott Bakula als Präsident Jonathan Archer, ist ein weiteres von enthusiastischen Kreativen getriebenes Projekt, das der “Star Trek”-Veteran Mike Sussman mit Unterstützung von Scott Bakula und John Billingsley an das Studio herangetragen hat, mit wenig Aussicht auf Erfolg.
CEO David Ellison betonte zwar, dass Star Trek zu den „wichtigsten Marken“ des Unternehmens gehört, doch ob dies zu neuen Serien oder eher zu einer Konzentration auf Kinofilme führt, bleibt offen.
Auch sollten Fans sich auf eine ggf. dramatische Neuausrichtung des Franchises gefasst machen. Die Ellison-Familie macht kaum einen Hehl daraus, die ideologische Ausrichtung ihres neuen Medienimperiums, zu dem bald auch Warner Discovery gehören soll, nach den Vorlieben des amtierenden US-Präsidenten auszurichten.
Der Nachrichten-Organisation CBS wurde mit Bari Weiss ein neue Chef-Redakteurin verordnet, die sich wohl hierzulande als “Querdenkerin” bezeichnen würde. Noch zweifelhafter ist der Rauswurf von Stephen Colbert (in “Starfleet Academy” die Stimme des “Digital Dean”), der die Nummer Eins des US-Late-Night ist, und fast jeden Abend heftig gegen das Weiße Haus austeilt, aber auch das korrupte Gekungel im Umgang zwischen Politik und dem eigenen Medienkonzern genommen hat.
Vor diesem Hintergrund dürfte eine humanistische, progressive und liberale Prägung, der man sich auch unter Kurtzmans Führung noch verpflichtet fühlte (wenn auch mit gemischten Ergebnissen), nicht ganz oben auf der Ellison-Wunschliste für die Neupositionierung des Franchises stehen. Auch sollte man sich nicht wundern, wenn die Marke bald zur Sandkiste für KI-Experimente herhalten muss. Das Vermögen der Ellison-Familie hängt wesentlichen am Wert von Oracle, und dessen Zukunft ist nach milliardenschweren Investitionen unumkehrbar mit der Rentabilität von generativer künstlicher Intelligenz verknüpft.
Fazit: Eine Pause – oder ein Neuanfang?
Es gibt wie gesagt keinen klaren Weg nach Vorne. Im Besten Fall sorgen das Ende von “Starfleet Academy” und der zu erwartende Abgang von Kurtzman für eine Neubesetzung und Neuausrichtung der kreativen Köpfe hinter dem Franchise, dass an alter Tugenden und Erfolge anknüpfen, und “Star Trek” wieder zu einem kulturellen Eckpfeiler der Popkultur wie in den 90er-Jahren aufsteigen lässt.
Realistischer ist, dass die Marke dafür herhalten muss, möglichst schnell, möglichst viel Geld für geringen Einsatz zu erwirtschaften, damit die sagenhaften Kredite, die Skydance für die Übernahme von Paramount und Warner aufbringen muss (und für die die Ellison-Familie persönlich haftet), bedient und getilgt werden können. Wer die Experimente rund um NFT mit “Star Trek”-Branding unappetitlich fand, könnte bald schon von anderen “Innovationen” unangenehm überrascht werden.
Auf jeden Fall dürfen die künftigen Kreativen hinter und vor der Kamera davon ausgehen, dass sie aus dem Skydance-Konzern keine Rückendeckung genießen können, wenn sie provokante oder unbequeme Geschichten erzählen möchten. Dass das der Qualität künftiger “Star Trek”-Geschichten zuträglich sein wird, darf man wohl skeptisch sehen.
Quellen: TrekMovie.com, TrekCore.com, FILMSTARTS.de, Variety
