Im Review des Finales der vierten Staffel geht es um doppelte Uhuras. Wir klären im Spoiler-Review, ob wir alle doppelt sehen, oder nicht.
Es sind… Zeitreisen
Rein theoretisch hat mich die Folge ja mit der Zeitreise-Prämisse sofort am Haken – ihr wisst ja, ich bin quasi Zeitreise-Fan seit Geburt.
Das wahre Highlight dieser Episode liegt aber woanders: Ein Aurelianer ist in der Hangarszene ganz offen und live zu sehen… und im Hintergrund läuft auch noch die live Version von M’Ress (auch TAS) herum! Das dürften nur die Hardcore-Fans bemerken, aber das ist ein besonderes Gimmick, dass mein Fanherz höher schlagen lässt. Das heißt aber leider auch: wenn das das Highlight ist, dann ist es für den Rest der Folge nicht so gut bestellt. Dabei waren gerade die letzten beiden Folgen durchaus etwas, bei dem man sagen konnte, es ging wieder aufwärts. Und nun dies.
Die Prämisse ist ja eigentlich gar nicht so schlecht. Uhura trifft ihr ein Jahre älteres Ich bzw. muss mit diesem interagieren. Dabei werden sogleich einige Sachen für die Zukunft gesetzt: Kirk ist Captain, Uhuras Uniform und Frisur ist wie aus TOS und auch Chapels Auftritt, und ihr etwas kühleres Auftreten, passt nun eher zur TOS-Zeit. Man wollte hier also ein paar Verbindungen zur späteren (Nachfolge-)Serie ziehen. Zumindest optisch klappt das ja ganz gut.
Als Arzt in der Zukunft ist dann auch wieder Doktor Boyce präsent, obwohl eigentlich Doktor Piper mehr Sinn gemacht hätte, wie wir dank der User-Kommentare von vor einigen Folgen schon erfahren haben. Zwar wird erwähnt, dass Pille dann wohl nachfolgt, dass macht das Fett aber auch nicht mehr Wett, wie es so schön heißt. Immerhin wird auch Gary Mitchell erwähnt, während die Erwähnung von Roger Korby eigentlich nicht mehr passt, denn der müsste schon längst verschollen sein.
Auch ein paar andere Sachen sind noch erwähnenswert. So wird auf La’an eingegangen, die scheinbar gestorben ist (bzw. irgendetwas muss passiert sein). Wir wussten zwar, dass das kommen muss, hier scheint es bestätigt zu werden. Natürlich erfahren wir keine Details und es wird dann schnell weggewischt (man will es sich offensichtlich für Staffel 5 aufheben), aber man hat dran gedacht (oder erinnert sich wirklich keiner mehr an sie? Nun, wir werden es in einem Jahr sehen). Pike verlässt die Enterprise offenbar, nachdem er zum Admiral befördert wird, wobei ich aber meinte, er hätte diesen Rang in „Talos IV – Tabu“ gar nicht gehabt (allerdings mag ich mich hier irren, kann auch sein, dass dieser gar nicht genannt wurde).
Und dann ist da noch die Beziehung zwischen Uhura und Scotty, die eigentlich erst im fünften Kinofilm so richtig durchkam, hier aber quasi deutlich gepusht wird. Nun hat man Scotty und Uhura in TOS nicht so ekzessiv gesehen, wie eben hier in SNW, theoretisch könnten sie also auch dort zusammen gewesen sein. Dagegen spricht aber, das Scotty durchaus der ein oder anderen Liebschaft nicht abgeneigt war, siehe „Wolf im Schafspelz“. Zudem kommt es hier ein wenig aus dem Nichts – okay, das tat es genau genommen in Star Trek V auch, dort hat es aber irgendwie in den Kontext gepasst. Hier in der Folge fühlt es sich eben so an, als wolle man auf Gedeih und Verderb einen weiteren Nostalgiebezug einbauen. Da hätte einfach ein bisschen mehr subtilere Vorbereitung hergemusst, statt das hier mit dem Holzhammer durchzudrücken, wie schon so oft.
Nun muss man ja bei Strange New Worlds öfter mal die ein oder andere Kröte schlucken, und wenn es nur diese Punkte gewesen wären, hätte man ja darüber hinwegsehen können. Die restliche Folge schleppt sich aber leider auch noch ein wenig dahin.
Charaktermomente?
Abgesehen von Scotty und Uhura ist es mit den Charaktermomenten etwas rar gesät. Es gibt zu Beginn noch ein Gespräch mit La’an über Zeitreisen, was sogar ganz gut funktioniert, gefolgt von der Interaktion der beiden Uhuras. Es ist hier schön, dass man sogleich auch bei der Crew (Pike wird später Uhura gleich mit Zeitreisen konfrontieren) auf dieses Thema zu sprechen kommt und es nicht abtut oder man es erst ewig entwickeln muss, und keiner den Helden glaubt. Es wäre auch etwas seltsam, dass man die veränderte Frisur einfach mit der Energiewelle aus dem Loch abgetan hätte. In den Details punktet die Folge hier also durchaus.
Aufgrund der eingangs erwähnten kleineren Unstimmigkeiten, hätte es aber genau genommen sogar eine andere Zeitlinie sein können oder ein Paralleluniversum, aber abgesehen von Scottys Tod (den man am Ende dann eben verhindern muss), ist wohl alles so, wie man es kennt. Ziemlich schnell kommt Uhura zu der Gewissheit, dass sein Tod nicht hätte sein sollen (warum eigentlich?). Das definiert also nicht nur die Mission, sondern auch die Gespräche mit Scotty und eben dann Pike und Kirk. Hier sind durchaus einige Dynamiken der später spielenden TOS-Serie spürbar, ein weiterer Pluspunkt.
Und es ist ja nicht so, dass die Ausgangslage nicht irgendwie Spaß macht. Uhura redet mit Spock, muss einen Kristall züchten, den sie sich quasi in der Zukunft selbst schickt, hängt sich ebenso in der Zukunft ein Notenblatt an die Wand, um das Rätsel eben lösen zu können. Uns insgesamt sind die Interaktionen der beiden Uhuras auf den jeweiligen Enterprises ja auch ganz nett.
Irgendwann während dieses ganzen Hin und Hers verliert sich die Folge aber wieder in einer Art Beliebigkeit, die man leider aus den Strange New Worlds (und anderen NuTrek)-Folgen kennt. Der anfängliche Spaß verpufft irgendwie ganz schnell und an seine Stelle tritt Belanglosigkeit und Langeweile. Irgendwie war das alles schon mal da, das kennt man schon und glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass Scotty sterben wird? Dabei hat die Folge, während die letzten beiden mit 45 Minuten eher klassische Länge hatten, mit 60 Minuten nochmal ordentlich an Laufzeit draufgelegt.
Und dabei wurde der größte Elefant im Raum noch gar nicht erwähnt…
Weltraumbabies
Das ist nicht nur der Titel der ersten Doctor Who-Folge in der neuen (inzwischen wieder beendeten) Ära (und die war leider auch schlecht), sondern auch das, worum es in dieser Folge eigentlich geht. Denn die Anomalie ist eine Art Lebewesen in den Wehen. Das hatte man bei TNG auch schon (das entsprechende Wesen heftete sich an die Enterprise) und ja, ich muss es an dieser Stelle nochmal erwähnen: Ich bin kein Fan der Kosmozoane, der Weltraum-Lebewesen, wie sie in Star Trek genannt werden. Das betrifft etwa die Quallen aus der TNG-Pilotfolge, als auch das Kristallwesen. Später, bei Titan, wurde dem ein ganzes Buch der Reihe gewidmet. All das war eher langweilig.
Nun muss das natürlich an und für sich nicht per se schlecht sein, wenn es gut gemacht ist. Aber genau da hapert es an dieser Folge eben gewaltig. Das besagte Weltraumbaby gibt es nämlich gar nicht zu sehen. Die Anomalie bleibt eben das: ein Flickern aus hellem Licht, selbst nachdem Uhura eintaucht. Hier hätte man noch etwas spektakuläres zeigen können, oder es zumindest nach der Geburt mit besagtem Baby kurz tun können, wenn man die Anomalie an sich schon als Gebärmutter sieht. Aber nein, außer Spesen nichts gewesen.
Damit ist die Episode leider ein Paradebeispiel dafür, wie schnell ein anfängliches Momentum verpuffen kann. Das Ganze ist hier weder spektakulär noch interessant in Szene gesetzt worden. Statt das Lebewesen mit einzubeziehen, konzentriert man sich auf die beiden Uhuras, was sich eben schnell abnutzt. Wenn man auf die Uhr schaut, und sich fragt, wann das Lichterschauspiel endlich vorbei ist, ist das halt leider kein Anzeichen für eine gute Folge. Dementsprechend kann die Lichtershow eben nicht mal ansatzweise irgendetwas wecken und verpufft genauso wirkungslos, wie die Entwicklung der Uhuras.
Und damit endet die vierte Staffel von Strange New Worlds leider auf einer genauso schwachen Note wie die gesamte Staffel.
Fazit
Die anfänglich gute Ausgangssituation verpufft irgendwie recht schnell in der Belanglosigkeit und weicht erdrückender Langeweile. Das ist auch zu einem Großteil dem Setting um ein Weltraumbaby geschuldet, das man aber gar nicht sieht und nur aus einer Lichtershow besteht. Demzufolge können auch teils nette Anspielungen und Szenen der Charaktere in der Zukunft nur noch wenig retten. Die Folge schleppt sich schnell nur noch dahin und beendet die Staffel leider auf einer schwachen Note. Insgesamt ist die Folge damit eher zwischen 2.5 und 3 Sternen angesiedelt, mit der eindeutigen Tendenz zu 2.5.
Staffelreview
Im Überblick der gesamten vierten Staffel muss man leider festhalten, dass diese bislang die schwächste aller Strange New Worlds-Staffeln ist. Es gibt nur wenige echte Highlights mit einem Peak nach oben, sondern sehr viele „Experimente“ mit anderen Formaten, die man getrost als nach hinten losgegangen bezeichnen kann. Eine einstmals starke Serie hat also konsequent abgebaut und wurde demontiert.
Bei 22 oder mehr Folgen pro Staffel wären diese Experimentierfolgen nicht weiter ins Gewicht gefallen, bei einer 10-teiligen Staffel mit 7 Folgen reiner Experimente fällt es aber extrem auf. Klar, dass ist das neue Streaming-Zeitalter, aber – auch das erwähnte ich schon öfter – mit nur 10 Folgen alle zwei Jahre baut man langfristig keine Fanbase und kein Franchise auf. Serien wie „The Rookie“ gelingt eben das erfolgreicher, weil sie eben ständig präsent sind und man auch quasi ein ganzes Jahr drüber reden kann, da es schnell neuen Nachschub gibt.
Hinzu kommt natürlich auch, dass die Produzenten jüngst in einem Interview zwar gesagt haben, dass sie sich der Reviews zu den Experimentalfolgen bewusst sind, aber deswegen nicht damit aufhören wollen. Das ist ja fast schon wie in der deutschen Politik. Schön an der Realität vorbei regieren und nur die eigene Sichtweise als die einzig wahre hinstellen. Unter solchen Voraussetzungen kann das Ende der Kurtzman-Ära in der Tat nicht schnell genug kommen (und wir dürfen vermutlich alle froh sein, dass es kein „Year One“ geben wird). Es lässt aber leider auch schlimmes für die fünfte Staffel SNW befürchten.




