Im Kino gefloppt, nun bereits im Stream verfügbar: Die Abenteuer des Disney-Real-Serien-Gespanns, womit damals alles begann. In dieser Spoiler-Review gehen wir etwas exzessiver zur Sache.
Oder so
Eigentlich war gar nicht geplant, eine Review zu diesem Film zu schreiben. Nach Sichtung des Films gibt es bei mir aber einen etwas differenzierteren Eindruck. Oder anders gesagt: Haben die ganzen Reviewer, deren Videos und Rezensionen ich gelesen habe, wieder mal einen anderen Film gesehen als ich? So langsam drängt sich halt leider echt die Vermutung auf, das vieles auch auf Clickbait ausgelegt ist… oder man hat einfach den Film nicht verstanden.
Zugegeben, er ist jetzt kein großes Highlight, das ist wahr. Ein Totalausfall ist er nun aber auch nicht unbedingt. Bevor wir uns als im Detail den Film widmen, räumen wir mit ein paar Fakten auf.
Es wurde unter anderem behauptet, der Film sei einfach eine aufgeblähte Serienfolge. Nun, das ist nicht ganz von der Hand zu weisen, denn allzu tiefgründig ist die Story jetzt nicht. Allerdings können einige Szenen, vor allem die offensichtlich für IMAX gefilmten, auf der großen Leinwand durchaus punkten. Zumindest teilweise ist der Kritik aber stattzugeben, denn wenn man mit hohen Storyerwartungen rangeht, wird man enttäuscht. Andererseits war Star Wars jetzt immer schon die Thematik “Gut gegen Böse” und nicht gerade für viel Tiefgang bekannt (auch wenn es, keine Frage, auch gute Charakterszenen gab).
Man merkt genau, wo eine neue Folge endet und eine andere beginnt. Im Grunde ist der Film ein “Mando erledigt Aufträge für die Republik und das immer wieder”. Diesem Kritikpunkt kann überhaupt nicht stattgegeben werden, denn Mando jagt nur zu Anfang Imperiale, was aber relativ schnell abgehandelt wird, bevor die Story dann andere Wege beschreitet. Klar, man könnte schon “Haltepunkte” setzen, an denen die Story einer Episode beendet wäre und es dann in der nächsten weiterginge, das fällt im Verlauf des Films aber eigentlich gar nicht auf. Außer natürlich, man will diesen “Fehler” auf Gedeih und Verderb finden.
Ein weiterer Kritikpunkt war, dass die Story eigentlich mit dem Rückzug von Mando und Grogu in ihre Hütte abgeschlossen war und es keine Begründung gibt, warum sie nun wieder aktiv sind. Soweit ich mich aber erinnere, wurde in der Serie nie gesagt, dass sie nicht zurückkehren. Auch hier sind Mando und Grogu ja öfter in ihrem Heim und überlegen, eine Pause zu machen. Von daher passt das schon – und für Zuschauer, die die Serie nicht kennen, ist es eh egal.
Auch soll es angeblich keine Erklärung für die neue Razor Crest geben, aber auch das stimmt nicht, denn Sigourney Weavers Charakter erwähnt, das man das Schiff hat bergen können und man es nun dem Mando quasi schenkt. In einer späteren Szene sehen wir sogar den Raumjäger neben der Crest beim Haus der beiden. Also alles paletti – und erneut: für Zuschauer ohne Serienkenntnis auch eigentlich egal.
Man sieht also, dass zumindest diese Kritikpunkte irgendwie völlig an den Haaren herbeigezogen sind. Jsa, der Film ist nicht perfekt, es gibt Kritik, die man äußern muss, aber die Probleme des Films liegen eher an anderer Stelle, und dazu kommen wir jetzt.
Gleich in die Vollen: Hutten
Der Auftakt beginnt mit einer Hatz nach einem Imperialen und es ist schön, dass Grogu hier mehr einbezogen wird. Ja, Baby Yoda geht immer, aber es ist auch eine natürliche Weiterentwicklung. Die beiden jagen inzwischen als Team, was ganz gut funktioniert. Die Intosequenz beinhaltet dabei auch nahezu alles, was man aus den Trailern kannte, die große Story kommt “im Anschluss”. Effekttechnisch wirkt das auf der kleinen Leinwand ganz gut, wobei hier, vor allem in der viel geschmähten AT-AT-Sequenz, man durchaus den CGI-Einschlag auf der Kinoleinwand gesehen haben dürfte. Zumindest also diesen Kritikpunkt muss man gelten lassen – er wird später bei den Hutten auch nochmal wichtig, aber dazu kommen wir nachher.
Nach besagter Intro-Sequenz (ja, man könnte sagen, die ist wie ein klassischer Serien-Teaser aufgezogen und geht immerhin über 10 Minuten) kommt dann endlich der Titel, zum dröhnenden Mando-Theme von Ludwig Göransson. Das zieht durchaus (und auch in den Film), denn die Musik ist (und war) in der Serie schon immer gut. Womit sogleich der nächste Punkt abgehakt wäre.
Sigourney Weavers Charakter erhält hier ihren kurzen Auftritt und wird diesen später noch ein- bis zweimal haben. Natürlich setzt man sie nicht zu ausufernd ein, das wäre vielleicht zu teuer geworden, sie darf aber immerhin am Ende noch in einem Luftkampf auftreten. Gefilmt wahrscheinlich rein vor Greenscreen, tut das aber der Action keinen Abbruch und insgesamt macht die Figur durchaus Laune. Selbiges gilt für den aus den Animationsserien bekannten Seb, der vor allem bei den beiden Jagden zu Beginn sehr präsent ist. Auch den hatte man schon kurz in der Serie gesehen, hier ist er also nun mal länger im Einsatz. Als Alien-Rasse geht es hier halt nicht ohne CGI, auch hier muss man sehen, wie störend das für jeden Selbst empfunden wird. Auf jedenfall sieht es ganz so aus, als wäre er die Nummer Drei in dem Gespann und als würde er mitjagen. Auch wenn er in der zweiten Filmhälfte etwas kürzer tritt, kann man das Argument, er erhalte nicht genug Raum, so nicht stehen lassen.
Der nächste Auftrag lässt nicht lange auf sich warten, denn die Hutten-Zwillinge, bekannt aus dem “Book of Boba Fett” kennen den Aufenthaltsort eines weiteren Imperialen. Auf Nal Hutta (zum Planeten kommen wir gleich noch), erfährt der Mando, dass die erstmal Rotta angekarrt haben wollen. Den kleinen kennen wir aus dem (Pilot-)Kinofilm der “Clone Wars” von 2009. Seither hatte er sich rar gemacht, aber er ist eben der letzte Erbe von Jabba. Jedenfalls eine klassische Quest, zugegeben, aber auch nicht zwingend Selbstzweck.
Rotta ist schnell auf seinem Planeten gefunden (der Snychronsprecher des hilfreichen Händlers ist übrigens Lutz Riedel – den würde ich überall erkennen ;)). Er ist Arenakämpfer, aber auch das wussten wir ja schon aus dem Trailer. Interessanterweise will er gar nicht gerettet werden bzw. hat ein paar Enthüllungen zu den Zwillingen parat. Der Hutte wird im Laufe des Films ein Kamerad von Mando und Grogu werden und eine schöne Charakterentwicklung erleben. Wie wir nämlich erfahren, will er so gar nicht wie Papa Jabba sein, was in mehr als einer Hinsicht mehr als verständlich ist. Also ja, auch Rottas Entwicklung zu verfolgen macht Spaß.
Aber nun kommt das große Aber, womit wir wieder bei den ebenso von vielen angemeckerten CGI-Effekten wären. In den Kinofilmen waren die Hutten noch Puppen und sahen dementsprechend lebensecht aus, waren aber in der Bewegung eingeschränkt. Hier nun wollte man die Hutten voll beweglich zeigen, auch was sie so drauf haben, denn Schnecken können durchaus mal schnell über den Boden schlurfen. Und das geht halt nur mit vollanimierten Charakteren. Und die sehen… sagen wir es mal vorsichtig, extrem künstlich aus. Bei den Zwillingen geht es noch, da man diese nur am Ende voll (in Action) zeigt, bei Rotta sieht es anders aus. Wer meine Reviews verfolgt, der wird sich an die Rezension zu einem Hutten, der auf einem Pferd reitet, erinnern. Was damals lächerlich klang (oder bestenfalls in Animationsserien umsetzbar) erhält hier wieder Relevanz, denn nun sieht man es hier halt umgesetzt. Und wie erwähnt, das sieht halt wirklich so naja aus.
Hutten waren ja immer schon beleibter, Rotta wird am Ende auf eine Streckbank gelegt und sieht dabei eher wie ein Würmchen aus. Okay okay, wir wollen fair sein, vielleicht gibt es ja Hutten, die “dünner” sind, immerhin bekommen wir einige Varianten in diversen Höhlen zu Gesicht. Es fühlt sich aber halt alles nicht gerade organisch oder natürlich an – und das zieht sich bis zum Ende, wenn Rotta von Grogu aus dem Loch gehoben wird. An der Stelle also ein definitives: Ja, diese Kritikpunkte sind gerechtfertigt. Eine kleine Lanze muss man an der Stelle aber noch brechen, denn die große weiße Schlange sieht dann doch recht gut aus. Ach ja, apropos Schlange, natürlich ist das Star Wars und alles läuft unblutig ab. Das ist von besagtem Schlangen-Mampf bis hin zur Arena oder wenn man dann doch mal jemanden einen Stab reinschiesst. Vor allem bei der Schlange ist halt das auch nicht ganz passend – aber hey, Kinderfreundlichkeit und so…
Der zweite Kritikpunkt an den Hutten betrifft die Sprache. Zunächst sprechen sie wie gewohnt mit Untertiteln (bis auf einen kleinen Aussetzer eines Zwillings). Ab dem Treffen mit Rotta reden unsere Würmchen aber zunehmend englisch (bzw. deutsch) und auch das wirkt halt leider unpassend und verstörend. Überdies klingen auch die wenigen Sätze in Huttese nicht wirklich fremdartig, da oft Worte wie Mando fallen, die auch in Huttese genauso klingen wie in Englisch/Deutsch. Klar kann man jetzt argumentieren, dass frühere Hutten oder Jabba einfach nicht normal bzw. in ihrer Sprache sprechen wollten, es nimmt aber viel von der Immersion weg und trägt vor allem dazu bei, die Künstlichkeit bzw. dessen Gefühl zu erhöhen. Wie schön wirkt retrospektiv da der Jabba aus der Special Edition?
Und dann zu Grogu
Und das Thema Künstlichkeit geht noch weiter. Wenn man bei den Hutten zumindest verzerrte oder lachende Gesichtszüge zeigt, auch wenn sie CGI sind, dann weiß man immerhin, was dem Charakter durch den Kopf geht. Gerade bei einem der Hauptmarketingargumente – nämlich Grogu aka. Baby Yoda – versagt gerade diese emotionale Komponente. Wie die ebenfalls auftauchenden kleinen Babu Friks (die Reparateure aus Episode IX) hat man bei Grogo auf Puppeneffekte gesetzt und wenig CGI eingesetzt. Eigentlich löblich, denn vom Grunde her sieht Grogu damit besser aus als Rotta. Allerdings ist sein Gesicht derart starr, dass man die Puppenherkunft nicht verleugnen kann. In keinen Szenen ist Grogu in der Lage, echte Freude oder Emotionen auszudrücken. Ein Lächeln, weil Mando geheilt ist? Fehlanzeige. Das ist besonders schade und zerstört halt leider auch an dieser Stelle die Immersion. Immerhin macht Grogu eine Entwicklung durch und darf am Ende endlich endlich mit den Knöpfen im Raumschiff spielen. Hier zumindest jauchzt der Serienfan.
Doch zurück zur Rotta-Arena. Natürlich wird hier dem geneigten Zuschauer schnell klar sein, dass unser lieber Mando dort landen wird (man hat es ja auch im Trailer gesehen). Und so wird er denn auch betäubt und zum Kämpfen gezwungen. Zumindest in der folgenden Kampfszene schlägt dann wohl das Herz jedes Star Wars-Fans der ersten Stunde höher, denn die Monster, gegen die Mando und Rotta (die sich schnell zusammenraufen, auch das ein bekanntes Trope) kämpfen, sind keine geringeren als die Monster aus dem Dejarik-Spiel auf dem Holotisch in Episode IV. Grüße gehen raus an den mantellianischen Savrip. Daraus wird kein Hehl gemacht, denn der Kampf wird als Dejarik-Kampf betitelt, aber er lässt halt Fanherzen, die tiefer in der Materie sind, höher schlagen. Klar, die Kampfszene erinnert an Episode II und auch hier kommen die Monster dann raus und es folgt das obligatorische Gemetzel – wie gesagt, ohne Blut, auch wenn das an der Stelle halt eigentlich keinen Sinn ergibt (nicht, das ich unbedingt Blut bräuchte).
Rotta befreit, Imperialer geschnappt, das verzeiht sogar Bishop (Weavers Charakter und zeitgleich eine Anspielung auf ihre Rolle bzw. ihren Partner in “Aliens”). Lediglich die Zwillinge finden das nicht so pralle und hetzen einen Kopfgeldjäger auf Mando, der in das frisch gestrichene Heim eindringt und es sogleich zerstört. Hat ja nicht lang gehalten. Immerhin sehen wir, dass die Siedlung auf Nevarro eher klein ist, so das es durchaus logisch erscheint, dass man diese binnen einen Jahres aufgebaut habt. Ihr wisst nicht wovon ich spreche? Na davon, dass die in jeder Mando-Staffel anders ausgesehen hat und sich immer erweitert hatte. Eigentlich dachte ich ja, mit der Serie würden, wie in anderen Produktionen, pro Staffel ein Jahr vergehen, so dass Season 3 dann halt 11 NSY spielt. Aber die Produzenten (und die Serie Ahsoka, die danach spielt) machten deutlich, dass wir immer noch 9 NSY sind. Wovon ich rede und wen das interessiert? Ruhe jetzt, das sind halt Gedanken, die jedem Chronisten durch den Kopf gehen.
Mando wird also geschnappt und die kleinen Wesen eilen zur Rettung. Das sorgt zumindest für einige Lacher, auch während des Rückflugs, wenn Frik zu Mando entkommt oder der Mando später nicht mit dem kleinen Schiff entkommen kann. Freilich kann man an der Stelle meckern, warum Frik “zufällig” genau da rauskommt, wo seine Kollegen landen, aber das ist Meckern auf hohem Niveau und gibts in anderen Filmen auch (man kann natürlich argumentieren, dass sich alles in der Nähe der Zwillinge abspielt).
Mando wird übrigens der Helm entfernt, weswegen er postuliert, dass er die Zwillinge nun alle töten müsse. Warum? In Season 3 haben sich die strikten Mandos den eher “offeneren” (sprich: helmlosen) angenähert, so dass es eigentlich kein so großes Sakrileg mehr sein dürfte. Man könnte hier wieder argumentieren, dass die Ereignisse der Serie nicht aufgegriffen bzw. ignoriert werden, allerdings macht es für Mando wohl wenig Sinn, den Hutten vom religiösen Umdenken bei den Mandalorianern zu erzählen. Insofern kann ich damit leben.
Wie zuvor erwähnt ist der Kampf gegen die Schlange (samt Begleiter) gut gemacht und geht auch dank (oder trotz) der CGI in Ordnung. Die Flucht auf der Oberfläche von Nal Hutta entspricht zudem dem, wie der Planet auch im Erweiterten Universum beschrieben worden ist, auch hier können sich Fans freuen. Nal Hutta war schon immer eine Sumpfwelt, in der man sich kaum bewegen kann, ohne von Tieren angeknabbert zu werden. So ergeht es, nachdem er umgekippt ist, ja auch Mando, zumindest bis Grogu (mit einem Happs) eingreift. Warum dann aber, als Mando stundenlang rumliegt, kein weiteres Vieh versucht, sich an ihm zu vergehen, wird wohl ein Mysterium bleiben. Ein Erklärungsversuch ist hier möglicherweise, dass hier Grogu mit der Macht eingegriffen hat, aber nunja, auffällig ist es trotzdem.
Schneckenclash im Finale
Natürlich darf Grogu im Dschungel auf einen hilfreichen Alten treffen, der, man ahnt es schon, das Gegengift für Mando hat. Der war übrigens zuvor von Grogu geheilt worden, eine Fähigkeit, die in Episode IX eingeführt wurde und die ich schon fast wieder vergessen hatte. Passt zwar stimmig, aber zumindest ein klein wenig kann man schon den Eindruck erhalten, dass der Einsatz der Macht auch vom Drehbuch abhängt. Und wenn man sich schon mit dem Kerl im Dschungel anfreundet, warum lässt man Mando dann noch eine Nacht liegen, bevor man wegen des Gegengifts redet? Mag ja sein, dass Grogu noch nicht reden kann, aber da hätte es sicher Wege gegeben. Aber macht ja nix, er ist ja nur vergiftet… und so ein richtiger Schutz ist die improvisierte Hütte ja genau genommen gar nicht. Schön ist aber immerhin, dass sie wie eine kleine Version von Yodas Hütte aus Episode V aussieht.
Zum Glück geht dann aber alles gut und Mando wird geheilt und geht erstmal einen abseilen… ja was? Er erhebt sich neben der Hütte aus dem Dschungel, war ich der einzige der dran denken musste, dass er bestimmt kacken war? Sah verdächtig danach aus. Dann gilt es aber, Rotta zu befreien und es kommt zum Finalkampf.
Wie erwähnt treten dieser auch Bishop und ein paar andere Charaktere, wie Dave Filoni in einem kurzen Cameo (war auch zu Beginn an der Bar zu sehen) bei. Das funktioniert soweit ganz gut, ist aber irgendwie weit von den etwas rasanteren Schlachten der anderen Filme entfernt. Man fragt sich zudem, warum die zuvor so groß gezeigte Verteidigung plötzlich so schwach ist und keiner der Bösewichter noch etwas trifft, während die Schüsse der Helden halt treffsicher sind. Aber gut, auf der einen Seite sind es nur Hutten und kein Imperium, auf der anderen ist Star Wars nicht das einzige Franchise, in dem Bösewichte doof agieren.
Unterm Strich ist die Kampfsequenz schön anzuschauen und das gilt auch für den Huttenrumble im Palast selbst. Der ist vergleichsweise kürzer gehalten, vermutlich auch wegen der hohen CGI-Kosten. Und natürlich hat jeder Hutte eine Falltür, das ist ja klar – und da finden die Zwillinge dann auch ihr Ende. Rotta schließt sich der Republik an, Ende gut, soweit alles gut.



