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StartDaily TrekRezension: "Strange New Worlds 4x09 - Es La'an einmal"

Rezension: “Strange New Worlds 4×09 – Es La’an einmal”

Mit Folge 9 kehrt Strange New Worlds wieder auf den Experimentierpfad zurück. Ob es sich diesmal vielleicht lohnt, wird in dieser Spoiler-Review geklärt.

Zurück zum Märchen

Es hatte sich ja angedeutet, dass die Experimentalfolgen noch nicht vorbei sind, denn mit dieser Folge (und dem Drachen) war ja zuvor im Trailer geworben worden. Ging es letzte Woche zurück zur Science Fiction und etwas klassischer zu, so war denjenigen, die die Trailer gesehen hatten, schon klar, dass da „noch was kommt“ und mindestens eine der Folgen noch einmal in die Schiene der sechs anderen Folgen zurückfallen wird. Da hilft es halt nur wenig, dass diese Folge eine Fortsetzung einer Folge aus der ersten Staffel ist (die, im Rückblick, ganz okay war). Und so bleibt es leider auch hier bei dem bereits frühe gesagten: Bei einer 22-Folgen-Staffel fallen ein paar Experimente nicht ins Gewicht, bei nur 10 Folgen pro Staffel (willkommen in der neuen heilen Streaming-Welt) aber eben schon.

Aber dazu könnte es locker einen eigenen Artikel geben, daher halten wir uns damit nicht länger auf und werfen einen Blick auf die Folge. Hier entdeckt die Enterprise das besagte im All treibende Elysium und ja, offensichtlich wurde, im Nachgang der ersten Staffel, ein Schiff (wie sich später herausstellt) geschaffen, dass die Duplikate der Crew in Märchenform enthält. Größere Erklärungen braucht man hier nicht erwarten, wie immer gilt, die Prämisse muss man schlucken – aber das gibt es halt in allen Serien mal.

Selbiges gilt für die „Magie“, die hier gezeigt wird und die Spock mit dem üblichen Spruch von überlegener Technologie abtut. Gut, zumindest das passt in Bezug auf die Schiffsenthüllung dann doch irgendwie. Unten angekommen, findet man schnell besagte Märchenversionen und M’Benga muss die Crew erstmal aufklären, ist er doch der einzige, der sich noch erinnert. Und auch La’an muss erstmal überzeugt werden, ihre Rolle zu spielen, aber zu ihr kommen wir später.

Was sich anschließt, ist eine durchaus lustige Hatz durch den Märchenwald und das Schloss der Königin (Uhuras Pendant), wobei vor allem die Kostüme durchaus gut gelungen sind. Zwar bieten sich Vergleiche mit der Robin Hood-Folge aus TNG an, dort fand ich die Kostüme aber (ähnlich wie Worf) etwas affig. Und so dürfen die Schauspieler hier auch mal aus dem Vollen schöpfen und übertrieben agieren, was ihnen durchaus Spaß macht. Dass das alles vielleicht etwas kurzweilig ist, sei an der Stelle geschenkt.

Vor allem die Interaktionen der beiden unterschiedlichen, nunja, Crews vermögen hier zu überzeugen. Der Weg von Pike und Co. zum Kerker bis hin zur Konfrontation mit der Königen, der eiserne Drache (Game of Thrones-Anspielung) und sogar der Hund der Prinzessin (selbstverständlich wieder von Christina Chongs echtem Hund dargestellt) machen einfach Laune. Zugegeben, Pike und Konsorten werden schnell „aus dem Weg“ geräumt, damit mehr Platz ist für die Szenen mit den Märchenfiguren, aber das geht in dem Fall durchaus in Ordnung.

Übrigens gibt es mit Autor Benny Russell eine weitere Anspielung auf Deep Space Nine (war aber in der Folge aus Season 1 schon so), wobei selbst Pelia das zu ihrem Vorteil zu nutzen versteht – oder zumindest erstmal zurück zum kulinarischen Bäcker geht. Auch das passt irgendwie zu ihrer Art, auch wenn man bemängeln könnte, sie hat dann im weiteren Verlauf nicht mehr viel zu tun. Am Ende wird sie zu Forschungszwecken auf dem Schiff bleiben (und mit dem Koch durchbrennen), was zwar auch wieder abrupt kommt, im Gesamtkontext der Folge aber nicht störend ist. Einzig, das hier wohl nun Platz für Scotty als Nachfolger geschaffen wird, kann man hier ankreiden. Zwar war klar, dass es irgendwann soweit kommen musste, das hätte aber durchaus anders als mit einer lapidaren Off-Screen-Bemerkung passieren können.

Halli Galli auf dem Schiff

Auch dass die Gegenstücke von Pike und Spock (in Form des Feiglings und Pollux, dem Zauberer) auf das Schiff gelangen, wirkt ein klein wenig konstruiert (und erklärt vielleicht, warum Kirk desöfteren Beamcodes benutzt hat), aber wenn die beiden dann auf dem Schiff sind, geht es halt richtig ab, wenn man so will.

Es ist einfach herrlich lustig und unbeschwert, den beiden zuzuschauen. Wenn sie etwa die Rollen von Spock und Pike annehmen und dann erstmal einen saufen gehen – herrlich.  Hinzu kommt dann eine selten überzogene Darstellung von Pike auf der Brücke, der sich sogar wieder an Una ranwirft. Mag man über Nahlas Fläzen im Kommandostuhl bei „Starfleet Academy“ lachen, hier passt es einfach wie die Faust aufs Auge in die Szenerie.

Beim Drachen (wie eingangs erwähnt, eine weitere Game of Thrones-Hommage?) muss man allerdings wieder ein Auge zudrücken. Mag man die Transformation der bösen Königin vielleicht noch hinnehmen (Magie, bzw. eine Art Transmutationstechnik, sie kann ja immerhin auch Leute in Bilder versetzen) so ist dann ganz ohne Luft im All wieder fragwürdig. Spätestens wenn sie am Ende wieder zurückverwandelt ist, wäre das ein schneller Tod gewesen. Und ob Feuer gegen Schilde so effektiv sind? Klar, auch hier kann man wieder die Technikerklärung aus dem Ärmel ziehen, aber man muss schon zugeben: der Raumkampf sieht schon beeindruckend aus. Allerdings schießt die Enterprise hier so schlecht, wie Sturmtruppen, wobei man eigentlich davon ausgehen sollte, dass ein direkter Treffer oder spätestens ein Torpedo das Problem auch gelöst hätte. Aber lassen wir das.

Die Episode geht hier nur die klassischen 45-Minuten, daher ist auch der Kampf eher nette Kurzweil, trotzdem hatte ich auch hier nach dem Schauen das Bedürfnis, mehr davon oder von den Interaktionen der beiden Crews zu sehen, und das ist ja immerhin ein gutes Kompliment.

La’ans Sternenreise

Das Hauptaugenmerk der Folge, neben all dem Spaß, den man mit der Märchenwelt hat, liegt aber auf La’ans Seelenreise. Denn die hadert immer noch mit ihrer dunklen Seite und wird von der Crew etwas widerwillig dazu genötigt, bei dem Szenario mitzuspielen.

Am Ende wird für La’an die Erkenntnis stehen, das sie auch mit ihrer bösen Seite leben kann bzw. muss und das für ihre Freunde keinen Unterscheid macht. Kann man machen, ist aber halt für einen jeden nach wenigen Minuten (bzw. eigentlich schon die letzten Folgen) über klar, weswegen diese Selbsterkenntnis am Ende fast schon redundant wirkt. Da hätte La’an schon lange selber drauf kommen können, aber sie ist eben erst jetzt dran. Das war dann in der Tat der Aspekt, der etwas weniger gefällt, denn besagte Erkenntnis hätte La’an schon früher haben können.

Dafür ist der Weg dorthin aber ebenso wie der Rest der Märchenwelt, einfach super umgesetzt. La’an darf in Badass-Manier Wachen verprügeln, Weinen vortäuschen und sogar eine Version von Kirk übertrumpfen (bei dem übrigens ziemlich schnell klar ist, dass er der Werwolf ist). Das ist teils herrlich übertrieben schräg gespielt, das es, ähnlich der Szenen auf dem Schiff, einfach schön anzuschauen ist.

Lediglich das Duell am Ende gegen sich selbst, wobei quasi die Emotionen mit ihrem Gegenstück getauscht werden, fällt wieder ein wenig ab. Wie gesagt, dass hätte es alles viel einfacher bzw. schon viel früher geben können. Aber die Szenen sind gut gemacht, so dass man nicht merkt, wann Chong mit einem Double agiert und wann nicht bzw. es wirklich so aussieht, als kämpfe sie mit sich selbst. Und nicht nur hier, sondern auch bei den Tanzszenen mit dem Kirk-Double vorher darf die Darstellerin erneut zeigen, dass sie eigentlich aus der Tanzwelt kommt, daher sieht das halt einfach gut aus. Ja, selbst der Werwolf, auch wenn man ihn nur kurz sieht, sieht hier gar nicht so schlecht und gar nicht so sehr nach CGI aus.

Am Ende steht eben die erwähnte, wenig neue Selbsterkenntnis, aber La’an bekommt einen Hund geschenkt (also schenkt sich Chong quasi selbst ihren eigenen Hund). Mal sehen, ob wir den noch öfter sehen werden, auch wenn die Serie kurz vor ihrem Ende steht. Was dann nicht ganz so gefällt, ist aber ihre Anbiederei an Kirk.

Ja, sie hat auch auf ihrer Reise Kirk, bzw. sein Gegenstück, schätzen gelernt, das war ja auch in der Zeitreisefolge in Staffel 2 schon der Fall. Genau genommen hatte man damals gedacht, zwischen den beiden könnte sich was entwickeln, nur um dann quasi den Boden unter den Füßen weggezogen zu bekommen, denn Kirk hat ja grad Carol. Hier wirkt es nun so, als wolle sie, nach der Trennung von Spock, wieder zu Kirk zurück. Genau genommen hätte man sie hier aber auch, wie noch einigen Folgen zuvor angedeutet, in Spocks Arme zurückschicken können. Klar, man könnte meinen, das ganze hier ist nur der Freundschaft der beiden geschuldet, trotzdem drängte sich mir hier beim Schauen auf, dass man wieder den Pärchenansatz verfolgt. Dabei ist Kirk gerade mal frisch von Carol getrennt, oder ist er? So richtig ist das ja noch nicht geklärt… wobei, off-Screen vermutlich schon. Ja, wir wissen, das passiert irgendwann , trotzdem wäre es schön, das auch deutlich gezeigt zu bekommen.

Und ich sehe schon wieder die Memes vor mir. Wer erinnert sich noch an die, als Spock und La’an zusammen kamen? Also den Meme mit TOS-Kirk, Spock und Khan, in der beide sagen sie haben noch nie von ihm gehört aber Spock dann meint „Aber ich war mit deiner Nachfahrin im Bett“ (etwas abgeschwächter Ausdruck hier). Tja, wenn das so weiter geht kann Kirk bald das Gleiche sagen, und das passt für mich halt inzwischen nach der Figurenentwicklung überhaupt nicht mehr. Aber wie gesagt, vielleicht tue ich den Autoren hier ja unrecht und das entwickelt sich komplett in eine andere Richtung.

Bewertung

Gerade La’ans Charakterreise, die eigentlich das tragende Element der Folge sein soll, verpufft für mich etwas. Das wäre viel früher und viel leichter auch anders gegangen. Zum Glück ist das hier nur das I-Tüpfelchen, denn der Märchenplot macht, obwohl die Folge damit wieder in die Experimentierphase schlägt, erstaunlich viel Spaß und es ist herrlich, der Crew bei den Interaktionen zuzusehen, inklusive eines gut aussehenden Kampfes Drache vs. Schiff. Solche Ausreißer gehen in Ordnung und machen Lust auf mehr. Ob die Staffel auf dem Endspurt aber nochmal das Ruder herumreißt, kann erst die nächste Folge zeigen.

Bewertungsübersicht

Bewertung
Seriestrange-new-worlds
Bezug
Episode
Thomas Götz
Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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Gerade La’ans Charakterreise, die eigentlich das tragende Element der Folge sein soll, verpufft für mich etwas. Das wäre viel früher und viel leichter auch anders gegangen. Zum Glück ist das hier nur das I-Tüpfelchen, denn der Märchenplot macht, obwohl die Folge damit wieder in die Experimentierphase schlägt, erstaunlich viel Spaß und es ist herrlich, der Crew bei den Interaktionen zuzusehen, inklusive eines gut aussehenden Kampfes Drache vs. Schiff. Solche Ausreißer gehen in Ordnung und machen Lust auf mehr. Ob die Staffel auf dem Endspurt aber nochmal das Ruder herumreißt, kann erst die nächste Folge zeigen.Rezension: "Strange New Worlds 4x09 - Es La'an einmal"
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