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Melanie Brosowski (mb)06.08.10

"Mein Himmel und meine Hölle"

Autor Wolfgang Brunner über die Schreiberei und ein Leben ohne Handy und Auto

"Kim Schepper und die Kinder von Marubor" heißt das neueste Werk von Wolfgang Brunner. In diesem Interview, geführt von Melanie Brosowski, erzählt der Autor über sein neuestes Buch und mehr.

TrekZone Network: Wer ist Wolfgang Brunner?

Wolfgang Brunner: Sich selbst zu beschreiben, fällt schwer. Spontan fällt mir ein Zitat aus Schillers "Die Räuber" ein, das auf mich zutreffen könnte: "Ich bin mein Himmel und meine Hölle." Mein Himmel besteht aus vielen kleinen Dingen, wie Lesen, Musikhören und Unternehmungen mit der Familie. Meine Hölle besteht aus Schreibblockaden, die glücklicherweise eher selten vorkommen, und Überarbeitungen von Manuskripten, die lediglich als Rohfassung existieren.

TZN: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Brunner: Ich habe schon als Kind viel gelesen und da konnte es gar nicht ausbleiben, dass ich mich früher oder später an eigenen Geschichten versuchte. Mit zwölf Jahren tobte ich mich bei einer eigenen Heftchen-Reihe im Stil von "John Sinclair" aus und schrieb an einem Science-Fiction-Roman, der schon damals mehr als 200 DIN-A4 Manuskriptseiten umfasste. Lesen und Schreiben liegt nah beieinander. Als ich dann im Jahr 1989 das Glück hatte, Michael Ende kennenzulernen, hörte ich nicht mehr auf, an mir zu arbeiten, um Autor zu werden. Seine Tipps waren und sind mir bis heute hilfreich.

TZN: Wie vereinst du Familie, Beruf und Schreiberei?

Brunner: Da gibt es nicht viel zu vereinen, weil - glücklicherweise, muss ich sagen - alles nahtlos ineinander greift. Das Schreiben wurde Teil des Familienlebens und umgekehrt. Ich habe das große Glück, mit meiner Lebensgefährtin, wann immer ich möchte, über meine aktuellen und auch unausgegorenen Projekte sprechen zu können. Meine Tätigkeit in einem Reisebüro war für die Schreiberei nie hinderlich. Ich fand immer Mittel und Wege, meinem "Laster" nachzugehen.

TZN: Worum geht es in deinem neuesten Buch "Kim Schepper und die Kinder von Marubor"?

Brunner: Kim Schepper verliert ihren elfjährigen Bruder durch einen Autounfall. Es stellt sich allerdings heraus, dass der Junge nicht tot ist, sondern Teil eines geheimen Experiments war, mit dem "das Unternehmen" den Menschen zu ewigem Leben verhelfen wollte. Zusammen mit anderen Kindern, an denen ebenfalls geforscht wurde, erkennt Kim, dass die Männer des Unternehmens mit allen Mitteln Macht über die Erde bekommen wollen. Eine Kaugummi kauende Fledermaus, ein hundert Jahre altes Segelschiff, das auf dem Trockenen liegt und den Kindern als Kommandozentrale dient und weitere Überraschungen erwarten den Leser.

Es handelt sich um den ersten Band einer geplanten, fünfteiligen Reihe. Zentrales Thema ist die Gier von Unternehmen nach Macht. Unkontrolliertes Konsumverhalten der Menschen, das fast schon als Sucht bezeichnet werden kann, stellt eine immer größere werdende Gefahr für die Erde dar. Außerdem wollte ich ernste Themen wie Sterben und Tod in die Handlung mit einbauen. Meine Absicht war, anhand einer spannenden Geschichte sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene begreiflich zu machen, wie weit es führen kann, wenn man immer das Beste, Schnellste, Teuerste und Größte haben will. Ein dreizehnjähriges Mädchen nimmt den Kampf gegen solch ein Unternehmen auf, um zusammen mit ihren Freunden die Erde zu retten.

TZN: Wie bist du zu diesem Thema gekommen?

Brunner: Auslöser der Grundidee war zweifelsohne der Roman "Momo" von Michael Ende. In unserer Welt hat das Streben nach materiellem Besitz oberste Priorität. Mir macht diese Entwicklung persönlich Angst, weil Menschen die Dinge, um die es im Leben wirklich geht, nämlich Liebe, Freundschaft, Gefühle und eine innige Verbindung zu Tier, Natur und Erde, nicht mehr genügend erkennen. Die Einarbeitung von ernsten Themen wie Sterben und Tod nahm während eines Gesprächs mit einem bekannten deutschsprachigen Sterbeforscher Gestalt an. Wie er war auch ich schon immer der Meinung, dass diese Tabuthemen nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen auf enormes Interesse stoßen. Erste Meinungen zu dem Buch haben diese Wahrnehmung bestätigt.

TZN: Du besitzt weder Handy noch ein Auto? Wie ist es dazu gekommen? Wie kommt man so in der heutigen Welt zurecht? Und beeinflusst es dein Schreiben? Und was sagen andere dazu?

Brunner: Vor langer Zeit besaß ich sowohl Auto als auch Handy. Ersteres habe ich abgeschafft, als ich erkannte, dass ich alle Orte, die ich erreichen möchte, auch ohne eigenes Auto erreichen kann. Im Gegensatz zu vielen Menschen sah ich in einem Fahrzeug niemals ein Statussymbol sondern nur einen Nutzgegenstand. Ein eigenes Auto ist für mich mittlerweile ein Luxus, den ich nicht benötige. Zum Handy: Ich habe die erste Hälfte meines Lebens ohne Handy verbracht, also werde ich die zweite auch ohne schaffen. Seit es Mobiltelefone gibt, habe ich das Gefühl, dass die Leute leider unzuverlässiger und unpünktlicher geworden sind. Auch wenn Viele meinen, Handys seien kommunikativ, aus meiner Sicht haben sie die Welt unpersönlicher gemacht. Die bedeutenden Dinge gehen unter, es wird über alles Mögliche geplaudert und geschrieben, das Gespräch von Angesicht zu Angesicht bleibt jedoch auf der Strecke. Es ist die Anonymität, die mir Sorgen bereitet: Heutzutage werden sogar Beziehungen per SMS beendet. Läuft da nicht etwas falsch?

TZN: Du siehst auch nicht fern, wie ich gelesen habe. Dafür viel DVD und Kino. Ist das nicht ein Widerspruch?

Brunner: Ich sehe da in keiner Weise einen Widerspruch. Meine Abneigung gegen das Fernsehen entstand in einer Zeit, als die Privatsender das Regime übernahmen. Das Fernsehprogramm setzt in den meisten Fällen Priorität auf Werbung und anderweitige Beeinflussungen des Zuschauers. Die Medien DVD und Kino hingegen widmen sich ganz und gar dem Film. Schon vor langer Zeit verging mir die Lust, vier Stunden vor dem Fernsehgerät zu verbringen, um einen Zweieinhalb-Stunden-Film anzusehen, bei dem ich am Ende feststellen musste, dass er dann doch gekürzt war, um die entsprechenden Werbeblöcke unterzubringen.

Mittlerweile besuche ich auch selten ein Kino, weil sich das Verhalten des Publikums in den letzten Jahren bedauernswerterweise gravierend geändert hat. Während früher die Menschen ihre Aufmerksamkeit dem Film auf der Leinwand widmeten, wird sich heute mit Chipstüten und SMS-Schreiben beschäftigt. Der Film ist nur noch Beiwerk.

TZN: Inwieweit beeinflusst Musik dein Schreiben?

Brunner: Ohne Musik gäbe es wahrscheinlich keine einzige meiner Geschichten. Ich mache mir zu jedem Projekt einen eigenen "Soundtrack", der mich während der gesamten Zeit, in der ich an dem Roman arbeite, über Kopfhörer begleitet. Es ist schwer zu erklären, aber diese Musikstücke werfen mich, je länger ich sie höre, immer wieder in die gleiche Stimmung zurück, die über der Geschichte liegt und ja auch liegen soll. Ich beschreibe die Bilder, die ich in meinen Gedanken sehe, und die dafür zusammengestellten CDs sind sozusagen die Filmmusik dazu.

TZN: Du hast viele unveröffentlichte und angefangene (Ideen) Geschichten. Schreibst du parallel in verschiedenen Werken oder sammelst du erst einmal nur, was dir durch den Kopf geht?

Brunner: Das ist verschieden. In der Regel schreibe ich konsequent an einem Projekt, nur hin und wieder - wenn der Handlungsfluss stockt - schiebe ich eine Kurzgeschichte ein, die mich nicht in Ruhe lässt. Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen: Wenn mir zum Beispiel eine Idee in den Kopf schießt, die förmlich danach verlangt, sofort niedergeschrieben zu werden, füge ich mich diesem Drang. So entstanden zu ein paar Romanprojekten bereits einige Seiten oder Kapitel, währenddessen ich das damals aktuelle Projekt kurzzeitig ruhen ließ. Gedanklich schreibe ich jedoch meistens an mindestens fünf verschiedenen Projekten gleichzeitig...

TZN: Warst du jemals an einem Punkt, wo du gedacht hast, du schmeißt die Schreiberei hin?

Brunner: Dieser Zeitpunkt kommt mit erschreckender Regelmäßigkeit alle sechs bis acht Wochen, manchmal sogar früher. Meine Lebensgefährtin kann ein Lied davon singen, was es bei mir heißt, die Schreiberei hinzuschmeißen. Ich denke, diese Anwandlungen hat jeder Schriftsteller. Wieso sollte er sich diese Freiheit aber nicht herausnehmen dürfen? Jeder Angestellte erlebt solche "Ich habe keine Lust mehr auf diesen Mist"-Phasen. Ein Autor zweifelt von einer Sekunde auf die andere an seiner Arbeit und möchte am liebsten alles vernichten oder für immer verschwinden lassen. Doch meist sind solche Anfälle von kurzer Dauer - so schnell gibt ein Schreiberling nicht auf, dafür ist das Jucken in den Fingern zu groß und die Gedanken im Kopf zu überwältigend.

TZN: Noch einige abschließende Worte?

Brunner: Wer regelmäßig Neues über mich erfahren will, kann sich für den Newsletter auf meiner Homepage registrieren, dort berichte ich von aktuellen Veröffentlichungen, Leseterminen und sonstigen interessanten Neuigkeiten. Da ich einen Kontakt zu Leserinnen und Lesern sehr schätze, findet man mich sowohl bei Facebook als auch bei MySpace.

Ich bedanke mich herzlich für das Interview und wünsche dem TrekZone Network weiterhin noch viel Erfolg.

(mb - 06.08.10)

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