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Henning Koonert (hk), Julian Wangler (jw), Christian Freitag (cf)13.10.08

"Countdown"

Mike Johnson & Tim Jones

Inhalt

Tief im romulanischen Raumgebiet zieht eine Bedrohung für die gesamte Galaxie auf. Ein Stern droht zu einer Supernova ungekannten Ausmaßes zu werden. Von ihm geschluckte Materie liefert die Energie für weitere Expansion und so würde er zunächst das Romulanische Reich und danach den Rest der Galaxie in einem gewaltigen Feuerball vergehen lassen. Der einzige Weg, die Katastrophe zu verhindern, liegt darin, mithilfe eines seltenen Isotops, das zu "roter Materie" verarbeitet wurde, ein Schwarzes Loch im Inneren des Sterns zu erzeugen und damit die Kettenreaktion zum Erliegen zu bringen.

So beschreibt Föderationsbotschafter Spock im Jahr 2387 vor dem romulanischen Senat die nahe Zukunft. Dass aber einzig der Erzfeind Vulkan über die Technologie verfügt, um die rettende rote Materie herzustellen, macht den Plan für die Politiker untragbar, sie werfen Spock Schwarzmalerei vor und verwerfen seine Prognosen.

Nero, Captain eines romulanischen Bergbauschiffes, ist fassungslos. Er hat vor kurzem eine Explosion des Sterns im Hobus-System aus nächster Nähe miterlebt und teilt Spocks Sicht der Dinge. Heimlich verbündet er sich mit dem Vulkanier, um seine Heimatwelt zu retten. Mit seinem Schiff baut er das seltene Decalithium ab, das als Rohstoff für die rote Materie dient.

Die Sonne von Hobus jedoch wird früher als vorausgesagt zur Supernova und frisst sich bis zur romulanischen Heimatwelt durchs All. Fassungslos muss Nero mit ansehen, wie Romulus explodiert und die romulanische Zivilisation auslöscht. Unter den Toten ist auch die Frau des Bergmanns mitsamt seinem ungeborenen Sohn. Dadurch in den Wahn getrieben, sinnt der Romulaner nach Rache auf diejenigen, die in seinem Denken die Vernichtung von Romulus verschuldet haben, weil sie sie nicht verhinderten: die eigene Regierung, Spock und Vulkan.

Botschafter Spock hat inzwischen die benötigte rote Materie beschaffen können. Mit einem speziell entworfenen Schiff kommt er nahe genug an die Supernova heran, um ein Schwarzes Loch zu erzeugen und den immerfort wachsenden Stern so unschädlich zu machen. Nero nähert sich ihm mit seinem schwer aufgerüsteten Raumschiff, doch noch bevor es zum Schusswechsel kommen kann, werden beide Schiffe in den Ereignishorizont des Schwarzen Lochs gesogen und verschwinden aus dem 24. Jahrhundert.

Kritik

1. Henning Koonert

Der Comic zeigt die Ursprünge von Nero, dem Gegner der Enterprise-Crew im elften "Star Trek"-Kinoabenteuer, und gewährt einen Blick in die Zukunft der "Next Generation" nach "Nemesis".
Mit "Countdown" haben sich die Drehbuchautoren von "Star Trek XI" zwei Ziele gesetzt: Der Comic soll die Vorgeschichte zum Kinofilm erzählen und gleichzeitig die Crew der "Next Generation" nach "Nemesis" noch einmal ins Rampenlicht rücken. So schlagen die Autoren gekonnt die Brücke vom alten ins neue "Star Trek".

Von einem "Abschied" für die TNG-Crew, von dem Roberto Orci und Alex Kurtzman in Bezug auf die "Countdown"-Handlung einmal sprachen, kann allerdings keine Rede sein. Die altbekannten Recken stehen mitten in neuen Aufgaben und am Ende des Comics ist die Neugier auf weitere Abenteuer im 24. Jahrhundert noch größer als zuvor. Umso besser, dass der Verlag IDW Publishing weitere Geschichten aus der Zeit nach "Nemesis" schon angekündigt hat.

Die Handlung ist facettenreich erzählt und von den Autoren Mike Johnson und Tim Jones ansprechend in Comic-Form umgesetzt. Da deren Ausgang - die Rettung des Universums - von vornherein nicht im Zweifel steht, nährt sich der Lesespaß vor allem aus dem Wiedersehen mit bekannten Charakteren und der Neugier, wie sich das Trek-Universum seit dem letzten Kinofilm entwickelt hat.

Ähnlich wie in den Romanen steht nun auch in den Comics das "Star Trek"-Universum nicht mehr still. Neun Jahre nach "Nemesis" sehen wir Picard, Geordi, Worf und als vielleicht größte Überraschung den zurückgekehrten Data in neuen Rollen, doch im Zentrum der Handlung stehen Spock und Nero.

Spocks Handeln erscheint einem durch den Comic hindurch als stringent und steht so in starkem Gegensatz zum sprunghaften Verhalten Neros, der auch vor seinem Rachewahn schon Entscheidungen vor allem aus dem Bauch heraus zu treffen scheint. "Countdown" definiert den "Star Trek XI"-Schurken als einst loyalen Patrioten, der nach dem vermeidbaren (?) Tod von Familie und Freunden das Gesetz in die eigene Hand nimmt und einen maßlosen Rachewahn auslebt.

Dabei kratzt der Comic allerdings nur an der Oberfläche von Innenleben und Gedankenwelt des Romulaners. Die Vorgeschichte des rachesinnenden Bergmanns wird wie angekündigt erzählt, ihn zu einem abgerundeten Charakter auszugestalten, vermögen die knapp 100 Comic-Seiten indes nicht in einem Maße, wie man es zum Beispiel mittels eines Prosa-Textes hätte erreichen können. Spannend zu sehen wird sein, wie sehr der Nero des Films dem im Comic gezeichneten Bild entspricht und ob sich das Versprechen der Autoren, er werde keineswegs als eindimensionaler Schurke dargestellt, bewahrheitet.

Die übrigen Charaktere sind in ihren Handlungen gut getroffen, auch wenn der Leser vergeblich auf eine Erklärung hofft, was Picard, Geordi, Data und Worf zu ihren neuen Aufgaben geführt hat. Besonders die Spock, Data und Geordi in den Mund gelegten Worte sind meist hervorragend getroffen und könnten genauso gut direkt aus einer Folge der Serie stammen. Eher lahm kommt eingangs einzig Spocks Wortspiel mit einem bekannten Shakespeare-Zitat daher.

Auch wenn der Ausgang der Geschichte kaum im Zweifel steht, gibt es auf dem Weg dahin ein paar unerwartete Wendungen: Überrascht hat mich etwa Worfs Schicksal auf der Narada, und auch die Tatsache, dass Spocks und Neros Zeitreise ins 22. Jahrhundert weit weniger geplant zustande kommt als erwartet, ist ein nettes Detail.

Schön zu sehen sind auch zahlreiche Bezüge auf Bekanntes aus dem Trek-Universum, etwa das Auftauchen der Remaner, ein Modell der Enterprise-D in Picards Büro (in das Zeichner David Messina auch einen Bad Robot in Anspielung auf das Logo von J.J. Abrams' Produktionsfirma verfrachtet hat) und Datas kubistisches Porträt von Spot, das nun seinen Bereitschaftsraum ziert. In Bezug auf den bestehenden Trek-Kanon zeigt man uns die Gesichtszüge von William Shatner, als Nero auf der Enterprise nach ihrer Geschichte und den früheren Captains forscht.

Nach wie vor mag ich den Zeichenstil anderer Comickünstler lieber als die starken, kantigen Striche, mit denen David Messina auch hier wieder die Charaktere zum Leben erweckt. Das heißt aber keineswegs, dass die zeichnerische Komponente des Comics völlig enttäuschend ist: Die gewählten Bilder und ihre Anordnung sind abwechslungsreich und Landschaften, Räume, Raumschiffe und das All sehen ordentlich aus, einzig Personen wirken bei Messina zeitweilig fremd. Allerdings erscheinen mir seine Zeichnungen in "Countdown" ein Stück nuancierter als in seinen früheren Trek-Comics und die bekannten Charaktere sind meist gut getroffen. Einzig mit Picard hat Messina kein Glück, dieser gleicht ab und an eher einer Mischung aus Armin Müller-Stahl und Louis Gallois als einem Patrick Stewart.

Fazit: Trotz kleiner Schwächen macht "Countdown" Lust auf mehr. Der Comic erläutert Hintergründe zur Kinofilmhandlung und lässt den Leser mit der Neugier zurück, mehr darüber erfahren zu wollen, wie es nun im 24. und im 22. Jahrhundert weitergeht.

2. Julian Wangler

Inhaltsangabe von Julian Wangler

Derzeit scheint man nichts gegen den allgemeinen "Star Trek"-ist-wiedergeboren-Hype unternehmen zu können. Und vielleicht sollte man das auch gar nicht. Denn Paramount versucht offenbar, nicht nur neue Fans mit dem kommenden Film an das Franchise heranzuführen, sondern es auch alteingesessenen schmackhaft zu machen. Ein Beispiel hierfür wäre der Comic "Countdown", der die Vorgeschichte zum Film erzählt, mit besonderem Fokus auf den Antagonisten Nero. Dabei ist es vor allem unter Kanongesichtspunkten brennend, herauszufinden, warum Romulaner plötzlich tätowiert sind - um nur den auffälligsten Widerspruch zu nennen. Aber auch das Auftauchen des alten Spock im neuen Film bedarf wohl einer ausholenden Erklärung, so zumindest entschieden es die Verfügungsgewaltigen des "Star Trek"-Kommerz.

Bequem für den eingefleischten Trekker: Alles fängt da an, wo "Nemesis" aufhörte. Gut, ein paar Jährchen mögen vergangen sein, aber alles in allem fällt es einem doch nicht schwer, sich wieder im "Star Trek"-Universum zurechtzufinden, mögen auch Ränge und Posten gewechselt haben und selbst ein gewisser Androide wieder zum Leben erweckt worden sein. Da die Geschichte von vorneherein schwer Romulaner-lastig ist, erfahren wir vor allem, was sich im Sternenimperium verändert hat seit der unrühmlichen Shinzon-Ära. Scheinbar nicht so wahnsinnig viel: Denn trotz der Anerkennung der Vereiniger durch Prätor und Senat, hat Spock keinen allzu leichten Stand bei der romulanischen Politik. Sogar, als eine nie dagewesene Supernova wächst und die Heimatwelt des Imperiums bedroht, misstrauen Prätor und Senatoren dem alten Mann, der Vulkan einzuschalten gedenkt, welches über die entsprechende Technologie verfügt, die Nova zu "entschärfen".

Hier kommt Nero ins Spiel. Selbst Kommandant eines Bergbauschiffes, steht er der Gilde der romulanischen Erzschürfer vor - und nimmt Spocks düstere Prophezeiungen und Imperative in Bezug auf die Supernova als einer der wenigen Romulaner ernst. Das geht so weit, dass er bereit ist, Spock zu helfen, selbst, wenn ihm dafür auf Romulus die Todesstrafe winken könnte. Fast scheint sich eine Beziehung zwischen beiden Männern zu entwickeln. Doch die Zeit steht gegen sie: Die Supernova geht früher als erwartet hoch. Romulus wird vernichtet, samt Neros Familie.

Dies ist die Geburtsstunde des Nero, wie man ihn aus dem neuen Filmstreifen kennen wird. Der Untergang seines geliebten Romulus zerfrisst ihn, lässt ihn verbittern und Rache schwören. Rache vor allem an dem, der in ihm die Hoffnungen auf Rettung, ja auf eine gedeihliche Zukunft näherte: Spock und damit Vulkan und seine Föderation. Wie man ahnt, wird Nero erst im anderen "Star Trek"-Universum zum Zug kommen, im Universum von J.J. Abrams. Das Ende des Comics zeigt dann, wie es dem alten Spock gelingt, die fatalistische Nova ein für allemal mit einem Spezialschiff zu neutralisieren. Doch dafür werden er und Neros Schiff in die Anomalie gezogen - in die Vergangenheit, und doch in eine neue Zeit.

Kritik

Es gab einige, durchaus hitzige Diskussionen, seit bekannt wurde, dass Paramount das klassische Trio Infernale relauncht. Soviel scheint ausgemacht: "Countdown" ist eine Geste. Eine Geste an jene Fans, die durch die "Next Generation"-Ära sozialisiert wurden. Frei nach dem Motto "Ihr habt nichts zu befürchten; seht selbst, wie gut sich die neue Geschichte in das Bisherige fügt", zeigt "Countdown" mit einer Story, die durch verschiedene Schauplätze des 24. Jahrhunderts jagt, Hintergründe auf.

Doch schon bevor ich "Star Trek XI" gesehen habe, kann ich sagen, dass "Countdown" nicht so vielversprechend ist, wie die schwülen Verheißungen geklungen haben. Man fragt sich doch: Wenn dieser Comic eine Aussöhnung zwischen altem und neuem "Star Trek" sein soll, warum wird dann schon nach nicht einmal 20 Seiten Romulus geopfert wie Kanonenfutter? Und auch der Umgang mit den TNG-Protagonisten spricht Bände: Sie haben reine Statistenfunktion. Von den vielen Metzeleien, insbesondere der brutalen Szene mit Worf ganz zu schweigen. Einzig Spock und Nero stechen ein wenig mehr hervor.

Neros Motive selbst werden dagegen nicht hinreichend erklärt, und das sollte wohl das zweite Argument für diesen Comic gewesen sein. In der Theorie. Warum will er sich gerade an dem Mann - an Spock - rächen, der als einziger die Gefährdung von Romulus durch die Nova frühzeitig erkannte? Die Logik dieser Denkweise leuchtet nicht ein. Man kann nur mutmaßen, dass Nero durch seinen Verlust vollkommen irrational wird. Aber solche Gegner hatten wir schon in "Star Trek", und sie sind beileibe nicht so interessant wie jene, die noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind - und trotzdem von Grund auf böse. Die einzigen Stellen in "Countdown", die Interpretationsspielraum über Neros Rachesinnen auf Spock lassen, sind ihre Zwiegespräche und ihr gemeinsamer Besuch auf Vulkan. Nero scheint zu erkennen, dass er eine andere, gute Person werden kann, wenn er sich Spock zuwendet, doch die Ironie des Schicksals verkehrt ihn ins Gegenteil. Aber für derlei Spekulationen bleibt die Erzählung viel zu dünn und zu flach. Und letztlich bedarf es keiner Vorgeschichte für einen Antagonisten, der einzig und allein zügellosem Rachedurst erlegen ist. Auch das Stöbern in der historischen Datenbank der Sternenflotte über James T. Kirk ist nicht mehr als eine klitzekleine Andeutung.

Vor allem in dieser Hinsicht erscheint "Countdown" arg konstruiert: Die ganze Geschichte rattert geradezu gebetsmühlenartig Gehabtes herunter, ohne dass es Früchte trägt. Ein Beispiel hierfür wäre das Auftauchen der Remaner - oder die Schlacht der Narada gegen General Worfs Birds-of-Prey. Viele Szenen kommen mehr oder minder überflüssig daher. Auf mich wirkt es eher so, als würde man im 24. Jahrhundert noch einmal alles verheizen wollen, um dann endlich Schluss zu machen mit dem alten Trek - und das neue beginnen zu lassen. "Forget everything you know", hieß doch ein Trailerspruch nicht umsonst. Unter diesem Label könnte ich "Countdown" deutlich besser subsumieren.

Als jemand, der herzlich wenig Ahnung von Comics hat, möchte ich mich nicht zu viel über den Zeichenstil von David Messina auslassen. Abgesehen von einem schrecklich missratenen Picard hat er es eigentlich ganz gut hinbekommen. Vor allem das Panorama der romulanischen Hauptstadt und andere Szenen auf der imperialen Heimatwelt haben mir gut gefallen. Sicherlich zählt Messina zu jenen Zeichnern, die Landschaften besser gestalten können als Personen. Letztere haben nicht in jedem Bild den gleichen Wiedererkennungswert.

Was bleibt übrig von "Countdown"? Leider nicht viel. Die TNG-Ära endet meiner Meinung nach noch unrühmlicher als "Nemesis", mit einem beklemmenden Gefühl in der Magengegend. Und Neros Beweggründe leuchten zumindest mir nicht hundertprozentig ein, mindestens sind sie aber nicht wirklich interessant. "Countdown" ist auf jeden Fall ein ausgeklügeltes PR-Instrument, das den Staffelstab symbolisch an die neue neue, jetzt aber wirklich neue Generation abgibt. Es bleibt indes abzuwarten, was sie tatsächlich damit anfängt.

3. Christian Freitag

Inhaltsangabe von Christian Freitag

Zirka acht Jahre nach "Star Trek: Nemesis" und fast ebenso viele Jahre vor der Zukunftsära von "Gestern, Heute, Morgen".

Tief im romulanischen Raum: Das Hobus-System ist eines der ältesten der Galaxis. Der Stern in diesem System droht zur Supanova zu werden. Der mittlerweile offiziell agierende Botschafter der Föderation auf Romulus Spock warnt den Senat davor. Laut seinen Berechnungen ist es wahrscheinlich, dass der Stern nicht nur das Hobus-System bedroht, sondern das ganze Romulanische Reich. Eine Erkenntnis, die den Senat an dem gesunden Verstand des alten Vulkaniers zweifeln lässt.

Unerwarteten Rückhalt bekommt Spock jedoch von Nero, einem Captain der Minengilde. Dieser hat die Aktivitäten des Hobus-Sterns aus nächster Nähe beobachten können. Spock bittet den Senat um Herausgabe des seltenen Materials Decalithium. Hieraus könne man auf Vulkan rote Materie bilden, um damit ein künstliches Schwarzes Loch zu erzeugen, das die Gefahr beseitigen könne. Doch man traut Spock nicht. Ein seltener Rohstoff soll in die Hände eines für die Föderation arbeitenden Botschafters übergeben werden, damit dieser es nach Vulkan schafft und dort gegebenenfalls eine Bedrohung für das Reich schafft? Unmöglich.

Aber man verspricht die Debatte. Da in erster Linie die romulanische Wissenschaft zu einer wenigen destruktiven Erkenntnis gekommen ist, ist abzusehen, dass der Vorschlag Spocks verworfen wird. Nero widersetzt sich mit Unterstützung seiner hochschwangeren Frau gegen den Willen des Senats und sucht Spock auf. Er verspricht ihm, Decalithium zu besorgen.

Neros Schiff wird jedoch aufgehalten. Drei remanische Kreuzer greifen es an und lassen ein Enterteam auf das Schiff beamen. Kurz bevor man jedoch tatsächlich ernsthaft tätlich gegen Nero und seine Crew wird, greift ein Raumschiff der Föderation ein und kann die Bedrohung ausschalten. Es handelt sich um die Enterprise unter dem Kommando von Captain Data. Data, der das fehlende Decalithium von den Remanern konfisziert, und Spock bringen Nero nach Vulkan, um dort die rote Materie zu erschaffen. Der vulkanische Rat sieht jedoch das romulanische Schiff und den abtrünnigen Spock als Bedrohung. Erst durch Einschreiten des Botschafters Picard lässt man beide nach Vulkan einreisen. Nero und Spock stoßen jedoch auf Missgunst. So ist es nicht verwunderlich, dass sich der vulkanische Rat nach verschwendeter Zeit und endlosen Debatten gegen die Herstellung der roten Materie ausspricht. Nero überlässt enttäuscht und wütend Spock Decalithium, damit es diesem doch noch gelingt, den Rat zu überzeugen, teilt aber mit, dass er ihn dafür verantwortlich macht, wenn es ihm nicht gelänge und seine Heimat vernichtet wird.

Als Nero im romulanischen System eintrifft, ist der Stern bereits zur Supernova geworden. Die Schockwelle erreicht Romulus und der Planet wird vor den Augen Neros vernichtet. Er und seine Crew lassen sich alte Zeichen der Trauer in die Stirn tätowieren. Nero empfindet aber eine seltsame Ruhe. Eine Flotte von drei medizinischen Starfleet-Kreuzern erscheint und fragt nach, ob Unterstützung vonnöten ist. Wahrheitswidrig behauptet Nero, dass er Verletzte an Bord habe, man solle die Schilde senken. Vertrauenswürdig, wie die Föderation ist, wird dies sofort veranlasst. Stattdessen beamt er Minengerätschaften hinüber, die als Sprengsätze eingesetzt worden sind und vernichtet die drei Schiffe.

Schließlich erscheint ein romulanisches Schiff, das den hohen Senat und den Prätor an Bord hat. Ihm und seinen Politikern ist die Flucht gelungen, aber er hatte sich zu spät zu einer Evakuierung entschlossen. Mit der Waffe seiner Vorfahren, die der Prätor selbst mitbringt, tötet Nero den Prätor und fragt die übrigen Senatoren nach dem Zielort, wohin sie hätten gebracht werden sollen. Danach entledigt er sich ihrer.

An dem Bestimmungsort angekommen, stellt er fest, dass sich dort ein riesiges getarntes romulanisches Zentrum, die Vault, befindet. Die Kommandantin will Nero helfen, seine Rache wahrzumachen und stattet die Narada, Neros simples Minenschiff, mit einer weiterentwickelten Waffentechnologie aus, die man von den Borg gestohlen hat. Naniten und ähnliches Wunderwerk der Technik sollen Nero unbesiegbar machen.

Indes hat man die Leichen des romulanischen Senats im All gefunden. Sie wurden unweit von der letzten Position der vermissten Flotte entdeckt, die man aber nicht gefunden hat. Auch die Todesursache des Prätors konnte man feststellen. Picard ist sich sicher, dass Nero seine Hand im Spiel hat.

Allerdings geht es jetzt auch um das Wohl Vulkans. Die Schockwelle ist auf den Weg und kann Vulkan und die Erde in den nächsten Tagen zerstören. Und sie wird stärker. Spock macht sich mit der Jellyfish, einem von Commander La Forge entwickelten Prototyp, auf den Weg, um die rote Materie doch noch freizusetzen.

General Worf vom Klingonischen Imperium versucht vergeblich, Nero mit einer gewaltigen Streitmacht aufzuhalten. Es gelingt ihm jedoch nicht, die Schilde zu durchdringen. Stattdessen verlangt Nero von Worf, er solle sich mit einem Shuttle auf die Narada begeben. Worf willigt ein. Anstatt sich zu ergeben, greift er jedoch mit seinem Enterteam an und tötet einige Besatzungsmitglieder Neros. Dieser ist jedoch gewarnt und lässt Worf von einer Art Roboterarm durchbohren. Daran hängt der Klingone noch halbtot, als die Enterprise ankommt. Nero macht Data einen Vorschlag. Er möchte, dass der Androide die Schilde senkt, dann würde er Worf übergeben. Dies tut Data auch. Daraufhin greift die Narada an und richtet gewaltigen Schaden auf sämtlichen 26 Decks an. Unerwarteterweise wird das Flaggschiff der Föderation aber nicht vernichtet. Nero lässt die Enterprise gewähren und bereitet sich darauf vor, mit Spock abzurechnen. Danach will er sich Vulkan vornehmen.

Spock ist mittlerweile im Hobus-System angelangt. Mit der dort ausgesetzten roten Materie gelingt es tatsächlich, das schwarze Loch zu erzeugen. Er wird jedoch in dieses hineingezogen und auch die Narada, die versucht, Spock zu vernichten, wird mit in die Singularität gezogen. Dafür ist die Galaxis sowohl von der Schockwelle als auch Nero befreit. Picard ist sich sicher, dass Spocks Opfer nicht umsonst war...

Kritik

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Es ist nahezu alles anders, als man es bisher kannte. Fangen wir mal mit dem eher offensichtlichen an, den Zeichnungen, gehen dann über zur Technik und den Änderungen und schließlich der Story selbst. Da hier ziemlich viel geändert worden ist, kann man einiges nur zusammen abhandeln.

Die Zeichnungen können sich nicht mit denen aus den besten Zeiten von DC und Marvel messen. Während man in einigen Ausgaben von DC bereits detaillierte und nahezu lebensechte Zeichnungen der Darsteller machte, wirken die Charaktere hier jedoch mehr als künstlich gezeichnet, und fast jeder rennt herum, als habe er einen Schminkstift zu viel genutzt. Aber das ist ein allgemeines Problem bei IDW. Nur selten kann man die Darsteller auch tatsächlich erkennen und dann nicht nur, weil Picard eine Glatze hat oder Data weiß geschminkt herumläuft. Ganz besonders schlimm hat es dann die Enterprise-Besatzung getroffen. Hippe, coole, neue Typen ohne Namen, die in die neuen Uniformen gequetscht wurden und - wenn man sich die Zeichnungen am Ende des Bandes so ansieht - eher in das Superheldenuniversum gedrückt werden könnten. Nicht einmal Datas Nummer Eins hat einen Namen.

Die Technik sowie die Änderungen fallen sofort ins Auge: Während die Enterprise noch dieselbe wie aus "Nemesis" ist - außer, dass sie mal wieder 26 Decks hat - wurden neue Hologrammschalttafeln eingeführt. Wie dämlich ist das denn? Die sind nämlich auch auf den Bildschirmen des Gegners sichtbar, wenn man eine direkte Kom-Leitung erstellt. So kann man natürlich schön sehen, welches Kommando als Nächstes eingegeben wird. So stumme Kommandos wie in "Nemesis" dürften damit der Vergangenheit angehören. Dann versucht das Abrams-Universum mit der Tradition der "First Contact"-Uniformen zu brechen und nutzt - die meiner Ansicht nach hässlichen und viel zu überzogenen - Fankreationen des "Star Trek"-Online-Spiels, das nicht einmal gestartet wurde. Merchandise, ich hör dir trapsen.

Schön ist jedoch, dass man bei den ganzen Änderungen jedoch einige Sachen einbezogen hatte, die auch in der letzten "The Next Generation"-Episode "Gestern, Heute, Morgen" zu sehen waren, wie die neueren Schiffe der Daedalus-Klasse, zu der auch die Pasteur gehörte. Eines der Schiffe heißt sogar Galen...

Auch was den Charakter des Picard angeht, hielt man sich offenbar eher an "Gestern, Heute, Morgen" anstatt die Aussage des Captains aus den letzten Filmen beizubehalten, in denen er mitteilte, dass er noch nicht daran denke, den Stuhl in der Mitte zu räumen. Es sind ja jetzt auch einige Jahre vergangen, und man kann dann verstehen, dass er dann sich doch dazu entschlossen hat, die Brücke für eine neuere Generation zu räumen. Ich hätte aber wie mit der Tradition Kirks erwartet, dass er die Enterprise-E noch bis zuletzt kommandiert.

La Forge ist in Würden sichtlich ergraut und scheint mittlerweile normale Augen zu haben. Die wohl lachhafteste Entwicklung ist die, dass Data unter den Lebenden weilt. "Nemesis" zeigte, dass seine Gedächtnisengramme in die von B-4 geflossen sind. Da Data und B-4 aber vollkommen andere Persönlichkeiten waren und Data ethische Vorstellungen hatte, ist es doch eher unwahrscheinlich, dass sein Programm das von B-4 einfach überschreibt und verdrängt. Viel wahrscheinlicher wäre es doch gewesen, dass dies nicht zulasten von B-4 passiert, sondern dass dieser einfach als Zwillingsbruder agiert, mit eigenen Erfahrungen.

Es wäre eine Unverschämtheit gewesen, Worf in einem Comic und sei es noch so offiziell, das Zeitliche segnen zu lassen. Das haben sie sich auch nicht getraut, auch wenn es so aussah. Unwahrscheinlich sagte man stattdessen, dass noch ein Funken Leben in ihm stecke, aber die weitere Entwicklung wurde dann verschwiegen.

Die Story ist so hanebüchen und an den zitronenausquetschenden Haaren herbeigezogen, dass es schon fast offensichtlich ist, was Abrams, Orci und Kurtzman vorhaben: Gebt mir so viel Geld wie möglich beziehungsweise wie viel kann man noch aus dem Fan rausholen. Eine Supernova, die ein mehrere Lichtjahre entferntes System vernichtet und dann noch mit jedem System stärker wird und die gesamte Galaxis - oder waren es doch nur die wichtigen Welten, vielleicht fliegt sie ja um einige Systeme rum - bedroht? Remus wurde nicht gezeigt, wie es vernichtet wurde. Wer hat denn da zu tief in die Flasche geschaut? Und dann hat man noch die Technik, ein künstliches schwarzes Loch zu erzeugen? Und man kann nicht gegen die Narada ankämpfen, obwohl man bereits Weiterentwicklungen in der eigenen Technik hatte und bereits schon mal gegen Borg-Technologie erfolgreich gewonnen hatte? Also wirklich sehr, sehr konstruiert.

Für meinen Geschmack viel zu konstruiert, da war mehr Fiction in der Science drin... Nicht mein Ding, und nach Lesen des Comics habe ich noch einen faderen Beigeschmack, wenn der Film erst mal erscheinen soll... Wir werden sehen, ob er das noch herausreißen kann. Aber in einem Nachwort betonten die Autoren einmal zu oft, dass sie erneut das Ganze für neue Fans gemacht haben. Wenn man damit den alten nicht vor den Kopf stößt ... ist vor allem ein ständiges Hin und Her. Einmal für die neuen Fans und nur für die, dann versucht man einige Tage zuvor noch die alten Fans zu beschwichtigen, und dann wird das Ruder wieder rumgerissen... Unglückliche Strategie.

Auch die klischeehafte Handlung. Wieder mal bringt eine verstorbene Ehefrau das Schlechte in einem Mann hervor: Rache. Und dann ist diese Ehefrau auch noch hübsch, hochschwanger und unsterblich in ihn verliebt. Nur gut, dass sie nicht noch einen klischeehaften Jungen hatten, der immer schon mal Football spielen wollte und im Rollstuhl saß. Dann hätte es noch ein Junge werden sollen, der in die Fußstapfen des Papas tritt... Jeder, der in einen amerikanischen Film etwas vorhatte, kommt nicht mal bis zur nächsten Hauswand. Davon mal abgesehen: Nero hat auch keine eigene Persönlichkeit. Selbst bei der Gedankenverschmelzung - und ich muss beteuern: es ist schön zu lieben oder geliebt zu werden - kann er an überhaupt nichts mehr anderes denken als an seine schwangere Frau.

Obendrein: Die beste Technik ist doch nur so gut, wie derjenige, der sie bedient: Wie einer von Neros (Nomen est Omen, der setzt die ganze Galaxis in Brand oder will das zumindest so) Kumpeln mal sagte: Wir sind keine Soldaten. Aber als Minenarbeiter voll die Ahnung haben von Strategie und erfahrene Soldaten austricksen, die seit über 20 Jahren mit dabei sind... Was man so alles aus Rache in zwei Minuten lernt...

Bewertung

1. Henning Koonert
2. Julian Wangler
3. Christian Freitag

Weitere Infos


Titel "Star Trek: Countdown"

Originaltitel "Star Trek: Countdown"

Comicreihe Star Trek

Autor Roberto Orci, Alex Kurtzman, Tim Jones, Mike Johnson

Zeichner David Messina

Lettering Chris Mowry, Robert Robbins, Neil Uyetake

Übersetzer Christian Langhagen

Preis 19,80 Euro

Umfang 98 Seiten

Verlag Cross Cult


ISBN 978-3-941248-07-6

(hk, jw, cf - 29.12.09)


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