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Julian Wangler (jw), Martin Weinrich (wc)10.03.06

"Die Hunde des Orion"

Christopher L. Bennett

Hinweis

Die folgenden Kritiken beziehen sich auf die englische Originalausgabe "Orion's Hounds".

Inhalt

Erinnern wir uns: "Taking Wing" und "The Red King" waren Geschichten, in denen die Nachwehen von "Nemesis" noch eine große Rolle spielten. Der dritte Roman der "Titan"-Reihe bringt das Schiff unter dem Kommando von William Riker endlich auf den von Anfang an beabsichtigten Forschungskurs.

Erster Anlaufpunkt in der weiten Ferne ist der Gum-Nebel, ein Schweif des Orion-Arms. Kaum ist die Titan auf großer Fahrt, werden die Telepathen ihrer Mannschaft - einschließlich des Diplomatischen Offiziers Deanna Troi - von einem außerirdischen Hilferuf überwältigt. Das führt die Titan im Gefolge auf die Fährte eines schockierenden Blutbads. Offenbar macht eine Zivilisation interstellarer Walfänger (Pa'haquel) Jagd auf ungewöhnliche, im All lebende Kreaturen.

Dieser Schock ist deshalb so krass, weil das ihm zugrunde liegende Wunder nicht minder intensiv ist: Lebensformen, die wie Giganten zwischen den Sternen wandeln, ohne Schiffe oder Schutzanzüge? Wie es scheint, ist der Weltraum nicht so feindselig wie bislang gedacht, sondern vielmehr ein Ökosystem der besonderen Art. Im Rahmen einer Untersuchung stoßen Riker und seine Leute sogar auf einen kosmischen Laichgrund.

Riker kann bald schon nicht verhindern, dass ihm der Kragen platzt. Entschlossen, den gejagten Wesen zur Hilfe zu eilen, nimmt er Kontakt mit ihnen auf, greift aktiv ins Geschehen ein. Ohne es zu wissen, zerstört er damit jedoch ein uraltes Gleichgewicht - was bald schon gravierende Konsequenzen nach sich zieht, die die gesamte Raumregion gefährden. Anders als die japanischen und Walfänger anderer Nationen auf der Erde, versteckte sich hinter der Jagd der Pa'haquel kein moralisch verwerflicher Sport, sondern ein Kampf um die kosmische Balance.

Als Riker seinen Fehler erkennt, ist er entschlossen, Schadensbegrenzung zu betreiben. Ihm schwebt vor, den Dialog mit Jägern und Gejagten zu suchen. Doch die Pa'haquel sind nach den jüngsten Geschehnissen alles andere als gesprächsbereit...

Kritik

Die Titan-Crew begegnet einem Volk, das eine fremde Spezies jagt. Riker will eingreifen, aber ist das richtig?
Wie oft haben wir bereits von verwegenen Sternenflotten-Captains gehört, die mutig zur letzten Grenze vorstoßen, um alles richtig zu machen? Das wurde auf Dauer etwas langweilig, zumal heute mehr denn je auch die eigene Fehlbarkeit Konjunktur hat in TV, Kino und Literatur. Das macht Charaktere und Situationen, denen sie unterworfen sind, anfassbarer, unmittelbarer.

Der Ansatz von "Orion's Hounds" ist also von vornherein sehr erfrischend. Ohne dass Riker als von einer Kurzschlussreaktion gedrängter Kommandant erscheint, begeht er doch auf Basis eines grundlegenden kulturellen Missverständnisses einen folgenschweren Fauxpas. Ein richtig gemeintes Verantwortungsbewusstsein bringt ihn erst in die Bredouille - und prompt sind wir in einer Debatte, die in unserer Gegenwart aktueller ist denn je, und zwar in ganz verschiedenen Bereichen: Wo und wann ist es richtig, sich in anderer Leute Dinge einzumischen? Auf welcher Grundlage entscheidet man sich dafür oder dagegen?

Durch dieses Vorgehen entzieht sich der Roman den üblichen Klischee- und Feindbildern. In "Orion's Hounds" gibt es keinen wahren Feind, höchstens das Nichtwissen und das vermeintliche Verstehen einer Situation, werden fremde Maßstäbe zugrunde gelegt. Was über den Klappentext angerissen wird, ist auf den gut 380 Seiten säuberlich und strukturiert entwickelt. Dabei lässt sich das Buch grob in zwei Teile separieren.

Der erste Teil behandelt die Entscheidung Rikers, in die Jagd der Pa'haquel einzugreifen und jene Kreaturen, die sie erlegen (Star-Jellies genannt) vor ihnen zu schützen. Der Dialog mit seinem Ersten Offizier, Christine Vale, ist dabei das zentrale Moment und spannt den diskursiven Rahmen für die spätere Moral aus der ganzen Erzählung. Vale nimmt von vornherein eine grundsätzlich andere Position ein als Riker. Vehement argumentiert sie dafür, die Finger von dem hiesigen Verhältnis des Fressens und Gefressen-Werdens zu lassen. Vale pocht auf die Einhaltung der Obersten Direktive, welche die Nichteinmischung in die Abläufe fremder Kulturen diktiert. Riker indes wird von seinem normativ-moralischen Kompass getrieben und kann es nicht mit seiner Ethik vereinbaren, die scheinbar unschuldigen Star-Jellies den inhumanen Praktiken der Pa'haquel ausgesetzt zu wissen. Die Frage, die sich der Leser hier stellt, ist spannend: Wer wird am Ende Recht haben, Riker oder Vale?

Autor Bennett macht eine verdammt gute Figur, anders kann man es nicht nennen. Ohne mit dem erhobenen Zeigefinger daherzukommen, entfaltet er eine gewaltige Geschichte, die für sich selbst spricht: Einmischungen können fatal sein. Wenngleich der Roman an manchen Stellen in die Langatmigkeit abzudriften droht, kriegt er immer die Kurve, sodass sich das Gesamtwerk als äußerst farbenreich, schön und fundiert beschreiben lässt - ein geschlossenes System wie das, welches die Titan im Gum-Nebel vorgefunden hat.

Bennett knüpft bei der Darstellung der Weltraumkreaturen in vorbildlicher Weise an die Serien an (insbesondere TNG und "Voyager"), und nach dem Lesen von "Orion's Hounds" scheint es, als hätten wir in einer Vielzahl von Episoden immer nur Versatzstücke einer Wahrheit kennen gelernt, die niemals enthüllt wurde. Jede wie spekulativ auch immer gemachte Andeutung aus dem Kanon weiß der Autor zusammenzutragen, um seinem Werk noch mehr Tiefe und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Wissenschaftliche Ansprüche kommen beim studierten Physiker Bennett ebenfalls nicht zu kurz. Zu empfehlen sind die Anmerkungen des Autors, die auf seiner Webseite zu finden sind. Ansehnlich sind auch die Skizzen dreier Titan-Crewmitglieder.

Jenseits der eigentlichen Rahmenhandlung passieren auch noch einige andere Dinge: In erster Instanz sollte man vermutlich auf die Reibungen zwischen Vale und Troi in diesem Buch hinweisen. Erstere sieht sich durch Trois Verhältnis zu Riker in ihrer Rolle und Autorität des XO ausgestochen, und es bedarf mehr als nur einiger Zusicherungen von Seiten Deannas, ihr dieses Gefühl wieder zu nehmen. Die Tatsache, dass Riker und Troi - so wie Calhoun und Shelby in "Die Neue Grenze" - als Captain und Führungsoffizier eine Liebesbeziehung führen, verändert die Binnenstruktur der Kommandokette. In "Orion's Hounds" wird das nicht pauschal verurteilt, aber deutlich gemacht, dass es gewisser Anpassungen bedarf. An zweiter Stelle möchte ich herausheben, dass Riker und Troi am Ende des Romans den Plan ins Auge fassen, ein Kind zu bekommen - ein moralisch sauber eingefädeltes Ergebnis dieses Abenteuers. Anschaulich wird gezeigt, dass es gerade das Vertraute zwischen beiden Figuren ist, das den Reiz ihrer Beziehung ausmacht.

Um nach dem vielen Lob nun auch die Schattenseiten dieses Wälzers anzusprechen: Viele der Figuren abseits des Führungstrios hat Bennett eher schlecht als recht getroffen. Szenen wirken grotesk überzogen (man denke an solche mit dem bekennenden Karnivoren Doktor Ree) oder nachgerade belanglos. Besonders der Vulkanier Tuvok geriert sich nicht gerade als Sympathisant der Geschichte, und die Begründung, wieso seine Gattin T'Pel in die Rolle des Heimchens schlüpfen soll, ist allenfalls dürftig. Überhaupt scheint die Idee mit dem multikulturellen Schiff abseits blumiger Beschreibungen dahingehend abzuschweifen, dass alle der exotischen Besatzungsmitglieder irgendwie gleich herüberkommen. Und sollte - im Sinne des UMUK-Motives - eigentlich nicht genau das Gegenteil erreicht werden? Auch frage ich mich, wieso die Menschheit willentlich dermaßen aus dem Fokus gerückt wurde. Um sie sollte es doch in erster Linie gehen. Das alles bildet bei "Orion's Hounds" aber lediglich Hintergrundgeschehen.

Fazit: Ist man hingegen bereit, sich auf die Forschungsreise einzulassen, wird das Buch den Leser nachhaltig beeinflussen - denn das All lebt. Und "Star Trek" wird um eine Seite bereichert, die es bislang selber nicht an sich gekannt hat. Bestnote und Meisterwerkprädikat verfehlt Bennetts Kreation nur äußerst knapp.

2. Martin Weinrich

Die Titan bricht nach ersten Startschwierigkeiten nun also endlich auf ihre eigentliche Mission auf. Und die hat es gleich in sich. Denn mit Waffengewalt ist das Problem zwischen den Raum-Giganten und den Walfängern nicht zu lösen. Schnell wird klar, dass die Titan-Besatzung die Situation sowieso gar nicht richtig begreift. So ist es dann auch sehr interessant, wie die Sympathien während des Romans hin und her schwenken. Wirken die Walfänger zunächst noch wie eine böse Jagdrasse, wird bald klar, dass sie eigentlich auch nur Gutes im Sinn haben. Da sie gar nicht wissen, wie empfindlich die Raum-Giganten eigentlich sind, kann man ihnen auch gar keinen richtigen Vorwurf machen.

Und eigentlich müsste es Riker und seiner Crew ja auch verboten sein, in den Konflikt einzugreifen. Zumindest schreibt die Erste Direktive der Sternenflotte dies ja vor. Nur ist es mit so vielen Telepathen an Bord halt schwierig, einen Konflikt mit telepathisch veranlagten Wesen einfach zu ignorieren.

Letztendlich kann der Konflikt dann zur Zufriedenheit aller gelöst werden. Bis dahin ist es allerdings ein langer Weg. Währenddessen wird deutlich, wie schwierig es eigentlich ist, die Erste Direktive einzuhalten. Gerade zu Beginn ist Riker sehr gewillt, auf Seiten der Raum-Giganten einzugreifen, um diesen einen Vorteil zu verschaffen. Diese Entscheidung wird ihm irgendwann durch eine telepathische Beeinflussung der Weltraumlebewesen abgenommen, daher bleibt unklar, wie Riker sich letztendlich entschieden hätte.

Das folgende Ringen um die Herstellung des Gleichgewichts des Ökosystems ist dann auch sehr gut beschrieben. Nur widerwillig lassen sich die Walfänger auf Veränderungen ein. Verständlich, schließlich müssen sie kurzfristig herben Verlust erleiden, was nicht gerade dazu beiträgt, dass sie Riker, dem sie diese Verluste zu verdanken haben, vertrauen. Es gelingt der Titan-Crew jedoch, die Walfänger davon zu überzeugen, dass sie ihren Lebensstil ändern müssen. Hier stellt sich auch die Frage, ob sie damit nicht in die Entwicklung einer anderen Rasse eingegriffen haben. Da dadurch aber der Frieden innerhalb des Ökosystems der Region gesichert ist, wird der Eingriff wohl gerechtfertigt gewesen sein.

Gut gelungen ist dieses Mal auch die Darstellung der Titan-Crew. Das Besondere des Schiffes ist ja, dass sich Vertreter so vieler verschiedener Spezies an Bord befinden. Dass das Zusammenleben dabei nicht ganz einfach ist, ist verständlich. Nie wurde das aber so schön dargestellt wie in "Orion's Hounds". So wird zum Beispiel auf das Problem eingegangen, das auftaucht, wenn Lebewesen, die tote Nahrung bevorzugen, mit Lebewesen, die lebendige Nahrung bevorzugen, zusammenleben. Oder auf ein Tentakellebewesen, das sich nicht aus seiner Kabine heraustraut, weil sie sich in den Gängen eingeengt fühlt. Da ist es dann auch gerechtfertigt, dass sich so viele Psychologen an Bord der Titan befinden. Zunächst ist es nämlich verwunderlich, dass auf einem relativ kleinen Schiff so viel mehr Psychologen sitzen als zum Beispiel auf einem großen Sovereign-Schiff. Doch bei der Vielfalt an Lebewesen scheint das dann doch berechtigt zu sein.

Interessant ist aber, dass trotz der großen Vielfalt an Bord, schnell rassistische Neigungen ausbrechen. Denn natürlich gibt es auch Jäger an Bord der Titan. Je mehr der Konflikt zwischen den Walfängern und der Titan eskaliert, desto skeptischer werden diese von der Crew beäugt. Auch hier haben die Psychologen alle Händevoll zu tun, gegen solche Neigungen sofort anzugehen.

Nebenbei werden die Charaktere auch konsequent weiterentwickelt. Riker und Troi müssen sich noch immer ein wenig einrenken, um ihre Beziehung auf der Brücke professionell zu handhaben. Der Erste Offizier der Titan macht sich dann auch zeitweise berechtigte Sorgen, ob Rikers Urteil wirklich ungetrübt ist. Schließlich wird Troi ja telepathisch beeinflusst und leidet mit den Raum-Giganten mit. Kein Wunder, dass Riker versucht, ihr diese Leiden zu nehmen. Aber wie schon erwähnt, mangelt es diesem Roman auch nicht an vielen kleinen zwischenmenschlichen Situationen - wobei die meisten Situationen sich natürlich gar nicht zwischen Menschen ereignen.

Leider startet das Buch ein wenig langsam. Zu phantastisch wirkt es dann doch, dass auf einmal so viele Lebewesen, die im Weltraum leben, entdeckt werden. Doch der Roman nimmt immer mehr Fahrt auf. Obwohl er zu keinem Zeitpunkt wirklich actionreich wird, fesselt er doch ungemein durch die vielschichtigen Probleme, die gelöst werden müssen. Denn die friedliche Konfliktbewältigung ist ja eigentlich einer der Kernpunkte der Sternenflotte. Und wenn man mit den Luna-Schiffen schon zu den Ursprüngen zurückkehren möchte, dann ist diese Art der Krisenbewältigung eigentlich vorprogrammiert. Und da ein vielschichtiges Problem ja erst einmal aufgebaut werden muss, ist der langsame Anfang des Romans durchaus zu verzeihen.

Fazit: Nach einem langsamen Start entwickelt sich das Buch zu einem echten Highlight, indem es keine wirklich gute oder schlechte Lösung zu geben scheint. Auch die Darstellung der verschiedenen Spezies an Bord der Titan ist sehr gelungen. Ein schönes Abenteuer, das wohl der Maßstab für die zukünftigen Forschungsexpeditionen der Titan sein wird.

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Bewertung

1. Julian Wangler
2. Martin Weinrich

Weitere Infos


Titel "Die Hunde des Orion"

Originaltitel "Orion's Hounds"

Buchreihe Titan

Autor Christopher L. Bennett

Übersetzer Stephanie Pannen

Preis 12,80 Euro

Umfang 400 Seiten

Verlag Cross Cult

ISBN 3-9412-4803-0

(jw, wc - 28.12.09)


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