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Thomas Götz (tg), Martin Weinrich (wc), Henning Koonert (hk)21.12.10

"Die Delta-Anomalie"

Rick Barba

Inhalt

Nach einer harten Woche in der Sternenflottenakademie lassen James T. Kirk und seine Freunde in einem der heißesten Clubs von San Francisco Dampf ab. Doch der Spaß hat ein plötzliches Ende, als einer der Kadetten von jemand angegriffen wird, der anscheinend aus dem Nichts auftaucht. Pille und sein medizinisches Team können dem Kadetten das Leben retten, aber sie entdecken die grauenhaften Folgen des Angriffs.

Währenddessen findet die Sternenflotte heraus, dass es sich bei dem Angreifer offenbar um einen brutalen Serienmörder aus der Vergangenheit handelt - ein geheimnisvolles Wesen, das man den Doktor nennt. Wer ist dieser Doktor und warum ist er 20 Jahre nach seinem Verschwinden jetzt wieder aufgetaucht? Auf Drängen von Commander Spock wird Kadett Uhura dazu geholt, um dabei zu helfen, eine geheimnisvolle Botschaft des Doktors zu entschlüsseln. Doch Spock weiß nicht, dass er Uhura dadurch direkt in den Fokus des Killers bringt. Schnell befinden sich Kirk, Uhura und Pille in einem gefährlichen Wettlauf mit der Zeit, um den Killer aufzuhalten, bevor er erneut zuschlagen kann.

Kritik

1. Thomas Götz

Start der "Starfleet Academy"-Reihe, die im neu geschaffenen Universum angesiedelt ist. Jim Kirk und seine Freunde lüften das Geheimnis um einen rätselhaften Serienkiller aus der Vergangenheit.
Auch zu J. J. Abrams' "Star Trek"-Version sollten einige Romane erscheinen, diese wurden dann wieder gestrichen, andere angekündigt ... und was kam am Ende dabei raus? Nun, die "Starfleet Academy"-Reihe, deren erster Band hiermit auf Deutsch vorliegt.

Natürlich spielt auch dieser in der Alternativversion von "Star Trek" und der Autor leistet sich hier keine groben Schnitzer. Allenfalls das Auftauchen eines hupyrianischen Ferengi-Dieners ist etwas fraglich, da aber die Ferengi selber nicht auftauchen und das Ganze in einem Nebensatz abgehandelt wird, ist es zu verschmerzen.

Die Handlung selbst spielt im Jahre 2255 und handelt von der klassischen Jack-the-Ripper-Story im neuen Gewand: Auf den Straßen der Akademie geht ein Mörder um, der einige makabre Fähigkeiten zu haben scheint. (Gabs sowas nicht schon mal in den 80ern an der vulkanischen Wissenschaftsakademie?) Natürlich müssen Kirk und Co. diesen jagen und dabei ihr volles Repertoire an Fähigkeiten einsetzen. Löblich: Das Buch liest sich perfekt zum neuen Film und auch wenn alles darauf hinarbeitet, treffen sich die Charaktere nicht - genauso, wie es sein soll. So treffen sich etwa nur Uhura und Spock (Na, wie fing das mit den beiden an?) oder Kirk und McCoy. Dennoch greifen alle Handlungen ineinander und gerade das hebt diesen Roman über die zahlreichen anderen Junior-Bücher, die es vor allem im "Star Wars"-Bereich seit der Prequel-Trilogie gab.

Auch charakterlich wird voll aus dem Fundus geschöpft, den "Star Trek" bietet. Es sind Uhura und Spock, McCoy, aber auch vor allem Kirk, die hier im Mittelpunkt stehen. Alle machen auch eine charakterliche Entwicklung durch und selbst Kirk muss erkennen, dass er nicht so perfekt ist, wie er gerne denkt, wie auch in den Tests deutlich wird, die Kirk so durchlaufen muss. Dabei wird wie schon in "Der Zorn des Khan" deutlich, dass Kirk keine Verlierersituation akzeptiert. Ein guter Schritt für seine Persönlichkeit. Der Autor schafft es überdies - durch die Bedrohung durch den Mörder für andere Nebencharaktere - auch Personen wie dem orionischen Mädchen Gaila die ein oder andere sympathische Facette abzugewinnen. Ein weiteres großes Plus.

Die Auflösung des Ganzen ist dann allerdings ein Manko, denn der Bösewicht entpuppt sich ... als Borg. Und auch wenn die Borg nicht explizit erwähnt werden, sind die Hinweise mehr als deutlich: Assimilierung, Nanosonden, Spezies 5618 (Menschen) und ein würfelförmiges Schiff in grünem Licht ... tja, was soll man dazu mehr sagen, außer sich zu fragen, warum es ausgerechnet die Borg haben sein müssen? Am Ende bleiben Fragen über Fragen: Allein schon, wo die Borg-Nanosonden herkommen und wie sie ihr Bewusstsein entwickeln oder was die Studie soll ... Dabei funktioniert der Handlungsstrang bis kurz vor Ende noch recht gut, Borg hin oder her, und selbst mit dem Borgaspekt wird deutlich, was man noch alles im "neuen" Trek-Universum machen kann.

Leider hapert es, wie erwähnt, an der Auflösung der Story. Diese kommt zum einen derart überhastet daher, dass man sich, nachdem man auf über 200 Seiten das Finale aufgebaut hat, fragt, was das nun wieder soll, und zum anderen bleiben derart viele Fragen offen, dass es einfach nur ärgerlich ist. Gerade hier hätte man noch mehr herausholen können (vor allem da bezweifelt werden kann, dass es eine Fortsetzung zu dem Buch gibt).

Nichtsdestotrotz überzeugt das Buch trotz des versauten Endes immer noch durch die erwähnten guten Charakterszenen und das Zusammenspiel eben jener - auch wenn das natürlich ein Schlag ins Gesicht für alle ist, die mit dem neuen "Star Trek" noch immer nichts anfangen können.

Fazit: Ein enttäuschendes Finale - davon aber abgesehen ein durchaus gutes Buch, das von "Star Trek"-typischen Charakterszenen lebt und diese auch gut umzusetzen vermag.

2. Martin Weinrich

Die Serie ist für ein jugendliches Publikum geschrieben. Das merkt man dem Roman an. Nicht nur die große Schrift, auch die kurzen Sätze deuten daraufhin, dass dem Leser nicht zu viel zugetraut werden sollte. Oder- positiver formuliert - dem Leser wird durch kurze Sätze ein hohes Lesetempo ermöglicht, das die Lektüre leicht wirken lässt. Das ist angesichts vieler Jugendlicher, die Bücher konsequent ignorieren und sich wohl auch nicht durch E-Books überzeugen lassen, ein netter Ansatz.

Für ein Jugendbuch ist der Inhalt überraschend. Natürlich wird hier ganz, ganz stark Highschool-Atmosphäre verbreitet. Natürlich müssen alberne Hahnenkämpfe und Liebschaften präsentiert werden. Und natürlich findet man auch in diesem Roman einen stereotyp bösen Gegenspieler für Kirk.

Außerdem dreht sich die Handlung nicht um einen actiongeladenen Raumkampf, woran manch ein Jugendlicher bei einer Science-Fiction-Serie wohl als Erstes denkt. Stattdessen erlebt man in "Die Delta-Anomalie" eine Kriminalgeschichte mit starkem medizinischen Anteil. Die wird zwar mit Kämpfen aufgelöst, aber ein Großteil der Handlung dreht sich um die medizinische und linguistische Arbeit von McCoy und Uhura.

Darüber hinaus gelingt es auf dem engen Raum die Charaktere Kirk, Spock, McCoy und Uhura ganz gut darzustellen. Die Freundschaft zwischen Kirk und McCoy wirkt glaubwürdig. Und auch die etwas merkwürdige Verbindung zwischen Spock und Uhura aus dem letzten "Star Trek"-Film erscheint nach diesem Roman in einem sinnvolleren Licht.

Überaus gelungen ist der sternenflottenkritische Blickwinkel, der durch Kirks Romanze zu der Biologin Hannah in die Handlung eingebracht wird. Diese antimilitaristische Position tut gut, wird aufgrund der "jugendlichen" Handlung freilich aber nicht weiter ausgebaut.

"Die Delta-Anomalie" zeigt zudem, was mit dem alternativen Universum alles möglich wäre. So werden einmal zum Beispiel die Ferengi erwähnt. Mit diesem Volk gab es während der Zeit der Originalserie noch keinen Kontakt. Zuerst möchte man also denken: Fehler! Andererseits kann in der alternativen Zeitlinie vieles anders verlaufen sein. Die Föderation erscheint militärischer. Daher haben Autoren in dieser Zeitlinie viel mehr Freiheit, sie müssen nicht auf einen riesigen Kanon Rücksicht nehmen. Leider wird dieser Aspekt in dem Roman sehr vernachlässigt.

Etwas schade ist, dass San Francisco als Verbrecher- und Ganghochburg dargestellt wird. Es scheint auf den Straßen nachts nicht sicher zu sein. Das wirkt etwas unglaubwürdig. Die Polizei sollte auch in dieser Zeit gut genug gerüstet sein, um so viel Gewalt zu verhindern. Dieser Teil ist ganz und gar nicht überzeugend.

Die größte Schwäche des Romans dürfte es aber sein, dass er die Stärken der Serie nur oberflächlich anspricht. Spock wirkt als einzige Person etwas fremdartig, aber nur weil man über seine vulkanischen Eigenheiten bereits informiert ist. Gilt dies auch für ein jugendliches Publikum, das sich mit der Serie zuvor kaum auseinandergesetzt hat? Andere Außerirdische, wie zum Beispiel der Tellarit, der Kirk und McCoy in Bars folgt, wirken kaum spezifisch. So hätte man mit der Schnodderigkeit der Tellariten durchaus eine witzige Situation herbeiführen können. Das Potential bleibt aber ungenutzt. So verstreichen viele Möglichkeiten etwas Fremdartiges in den Roman einzubringen. Dabei lebt "Star Trek" nun einmal von der Konfrontation mit dem Unbekannten.

Fazit: "Die Delta-Anomalie" ist eine kurze und leichte Lektüre. Die Handlung ist solide, die Herangehensweise für einen Jugendroman bemerkenswert, die Auflösung etwas zu actionbetont. Bemerkenswerterweise werden interessante Themen zumindest angerissen. Insgesamt lässt der Roman aber viel Potential verstreichen und wirkt eher wie ein Highschool-, nicht wie ein "Star Trek"-Roman.

3. Henning Koonert

"Die Delta-Anomalie" ist als Auftakt für die "Starfleet Academy"-Reihe nur bedingt gelungen. Dieser und der nachfolgende Band "Die Grenze" wurden von unterschiedlichen Autoren etwa zur gleichen Zeit verfasst und sind in den USA auch kurz hintereinander erschienen. Dabei war zunächst der nun zweite Roman "Die Grenze" als erstes Buch geplant, bis man sich später dazu entschied, die neue Romanreihe für ein jugendliches Publikum mit "Die Delta-Anomalie" zu beginnen.

Im Ergebnis hat man nun diesen Auftaktband, der zirka sechs Monate nach der Aufnahme von Kirks Studium an der Akademie angesiedelt ist und lässt ihm eine Geschichte folgen, deren Handlung wenige Wochen nach Kirks Ankunft auf dem Campus in San Francisco spielt. Zeitlich ist "Die Grenze" also vor "Die Delta-Anomalie" angesiedelt. Da aber in diesem Roman eine Person auftaucht, die nach den Geschehnissen aus "Die Grenze" nicht mehr zugegen sein sollte, bleiben beide Bücher in der Kontinuität verquer zueinander stehen.

Für das Lesevergnügen dieses Romans hat das, betrachtet man ihn für sich, natürlich erst mal keine Konsequenzen. Da das Buch sich auch an ein jugendliches Publikum richtet, geht es in Ordnung, dass die Handlung nicht allzu komplex daherkommt. Anders als die "Starfleet Kadetten"-Jugendbücher aus den 1990er-Jahren, die für ein noch etwas jüngeres Publikum geschrieben wurden, richtet sich diese Reihe an Leser ab 14, sodass auch unkindliche Themen wie zum Beispiel exzessiver Alkoholkonsum dargestellt werden.

Leider bleibt die Figurenzeichnung des Autors Rick Barba oberflächlich. Die späteren Enterprise-Offiziere Spock, Uhura, Kirk und Pille wirken wie Abziehbilder aus dem Kinofilm. Hier hat der Autor für meinen Geschmack zu viele Details aus "Star Trek XI" wiederverwendet, statt auf sie hinzuarbeiten oder die Figuren auszubauen. Uhura? Spricht alle drei romulanischen Dialekte. Check. Pille? Sagt seinen Satz "Ich bin Arzt, kein ..." Check. Kirk kommt als Protagonist etwas besser weg. Er darf in einer außergewöhnlichen Prüfung seine Führungsqualitäten aufblitzen lassen. Diese Szenen in einer Station im Erdorbit sind schön geschrieben und lassen beim Leser echtes Sci-Fi-Gefühl aufkommen.

Leider fehlt genau das an den meisten anderen Stellen. Rick Barba hat es nicht geschafft, seine Handlung in eine Welt einzubetten, die als "Star Trek" erkennbar ist. Zu viele Details bleiben in der Gegenwart verhaftet: Da kommt Putzmittel in einer Sprühflasche zum Einsatz, um das Fenster eines Cafés sauber zu wischen, Uhura und andere gehen an klingelnde Telefone, Kirk bekommt eine sms auf den Kommunikator, der Polizist von der Mordkommission schlägt seinen Notizblock auf - man malt sich geradewegs aus, wie er in einem Trenchcoat dastehen muss.

Die Erde erscheint in "Star Trek XI" rauer als in den früheren Ablegern, aber dass im 23. Jahrhundert noch tätowierte Jugendliche sich in Banden zusammenrotten und manche Gegenden San Franciscos unsicher machen, bewaffnet mit Teppichmessern? Ich weiß nicht so recht ...

Dass die Sternenflottenakademie aufgrund des dort vorhandenen Sachverstands für außerirdische Sprachen in die Untersuchungen der Mordfälle einbezogen wird, ist stimmig - dass man dann aber zwei Erstsemester losschickt, um den Verursacher zu fangen, ist ein ähnliches Phänomen wie später die Enterprise, die immer dann in der Nähe sein wird, wenn irgendwo etwas Außergewöhnliches passiert. Die finale Konfrontation mit "dem Doktor", wie der unbekannte Mörder getauft wurde, schildert Barba ein Stück weit zu hektisch und actionbetont. Dadurch wird das Geschehen unübersichtlich.

Ungeklärt bleibt am Ende, weshalb die Borg in diesem Trek-Universum viel weiter fortgeschritten sind als in der ursprünglichen Zeitlinie - die hier gezeigte Technologie geht weit über das hinaus, was man in der Trek-Ära aus dem 24. Jahrhundert gesehen hat. Kurz dachte ich, dass man vielleicht eine Brücke zur Narada schlägt, die im Comic "Countdown" ja mit experimenteller Borg-Technologie ausgestattet wurde, aber ein solcher Verweis lässt sich nicht finden - vielleicht nimmt ja ein künftiger Roman oder Comic diesen Handlungsfaden wieder auf.

Fazit: Obwohl sich die "Starfleet Academy"-Reihe auch an Jugendliche richtet, ist "Die Delta-Anomalie" kein Kinderbuch. Doch verharrt die Welt, wie sie im Roman mit ihren Details beschrieben wird, zu sehr in der Gegenwart, so dass beim Lesen keine durchgängige Sci-Fi-Stimmung aufkommt. Wer in die Abenteuer von Kirk und Konsorten an der Sternenflottenakademie einsteigen will, sollte besser zum nächsten Roman der Reihe greifen.

"Die Delta-Anomalie" ist unter anderem bei Amazon.de als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.

Bewertung

1. Thomas Götz
2. Martin Weinrich
3. Henning Koonert

Weitere Infos


Titel "Die Delta-Anomalie"

Originaltitel "The Delta Anomaly"

Buchreihe Classic

Autor Rick Barba

Übersetzer Stephanie Pannen

Preis 9,90 Euro

Umfang 246 Seiten

Verlag Cross Cult

ISBN 978-3-86425-018-7

(tg, wc, hk - 02.03.13)


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