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Christoph Hühn (ch), Martin Weinrich (wc), Christian Freitag (cf)28.09.05

"Die Gesetze der Föderation"

Keith R.A. DeCandido

Inhalt

Präsident Min Zife wird nach dem Debakel auf Tezwa ("A Time to Kill") abgewählt und von Nan Bacco von Cestus III abgelöst. Sie kommt zur rechten Zeit, denn das Romulanische Imperium rutscht weiter in das Chaos ab.

Die Mühlen der Bürokratie und Staatsführung arbeiten gemächlich, selbst der Föderationsrat kommt nur langsam zu konstruktiven Ergebnissen und weniger mit Bacco zurecht als gehofft. Intrigen und Sticheleien werden hinter dem Rücken der Präsidentin abgezogen und vereinfachen ihre Arbeit nicht gerade sehr. Da kommt ihr ein katastrophaler Erstkontakt mehr als ungelegen ...

Kritik

1. Christoph Hühn

Diese Rezension bezieht sich auf das englische Original "Articles of the Federation".

Polit-Thriller im "Star Trek"-Universum: Nan Bacco wird Föderationspräsidentin und muss mit den Problemen eines Diplomaten fertig werden ...
Mit "Articles of the Federation" liefert Keith R.A. DeCandido ("IKS Gorkon"-Reihe, "A Time for War, A Time for Peace", "The Art of the Impossible") eines der innovativsten und besten "Star Trek"-Bücher, nicht nur der letzten Jahre, sondern überhaupt, ab.

Das Buch schließt an die erfolgreiche "A Time to"-Reihe der "The Next Generation" aus dem Jahre 2004 an. In den letzten drei Bänden dieses neunteiligen Zyklus' ging es darum, dass der Föderationspräsident aufgrund illegaler Waffenverkäufe zurücktreten musste und dadurch Neuwahlen für das Amt des Föderationspräsidenten nötig wurden. Als Siegerin aus dieser Wahl ging Nan Bacco, die Gouverneurin des aus einigen DS9-Folgen bekannten Planeten Cestus III hervor.

Von ihrem ersten Amtsjahr handelt nun "Articles of the Federation". Womit auch schon die erste und prägnanteste Auffälligkeit des Buches genannt wäre. Denn diesmal sind nicht die Charaktere einer der großen Fernsehserien die Protagonisten, sondern die Präsidentin, ihr Stab, die Mitglieder des Föderationsrates, das Oberkommando der Sternenflotte, Botschafter, Diplomaten und andere. Sicher, man braucht nicht auf den ein oder anderen bekannten Namen zu verzichten, doch zum Beispiel Admiral Ross und Botschafter Spock sind nur Nebenfiguren.

Die Handlung knüpft unmittelbar an "Star Trek: Nemesis" an, in dem bekanntlich die romulanische Regierung ermordet wurde. Infolge dessen befindet sich das Imperium in Chaos und Anarchie, die Zentralregierung hat kaum noch Kontrolle, die einzelnen Interessengruppen bekämpfen sich teils politisch, teils gewalttätig. Und die ehemaligen Sklavenvölker der Romulaner, allen voran die Remaner, streben nach Unabhängigkeit. Um den Frieden zu bewahren, erfordert es einen starken Präsidenten, doch Nan Bacco hat als krasse Außenseiterin die Wahl gewonnen, und das politische Establishment der Föderation steht ihr oft reserviert, teils sogar ablehnend gegenüber. Und so wird jeder Schritt zu einem Tanz auf dem Drahtseil, jeder Fehler könnte nicht nur das Ende der Präsidentschaft von Nan Bacco bedeuten, sondern den ganzen Quadranten in Krieg und Chaos stürzen.

Auf fast 400 Seiten beschreibt DeCandido politische Intrigen und Machtspiele, Alltägliches aus der Regierung der Föderation, aber auch epochale Ereignisse aus einer gänzlich ungewohnten Perspektive. Hier werden die Schlachten nicht zwischen stolzen Raumschiffen und ihren Kapitänen ausgefochten, sondern von Redenschreibern und Diplomaten, Abgeordneten und Sekretären. Als Kontrapunkt zur dieser Haupthandlung gibt es immer wieder Abschnitte, in denen die Ereignisse aus der Sicht der Einwohner der Föderation gezeigt werden, indem diese sich das 24. Jahrhundert - Äquivalent der heutigen Polittalkshows - angucken.

Der ein oder andere wird jetzt vielleicht denken: Und wo bleibt der spannende Teil des Buches?

Nun, diejenigen, für die Raumschlachten und Phaserkämpfe der Höhepunkt in "Star Trek" sind, sollten einen großen Bogen um dieses Buch machen, denn davon werden sie hier nichts finden. Das Buch lebt von teils seitenlangen Dialogen, von interessanten Charakteren und dem DeCandido-eigenen Schreibstil, der es schafft, jede an sich noch so dröge Szene lebendig und unterhaltsam wirken zu lassen, das Ganze gepaart mit einem bitterbösen, zynischen Humor.

Fazit: Ein Meilenstein innerhalb der "Star Trek"-Bücher, DeCandido setzt hiermit einen neuen Maßstab, was Handlungstiefe und Charakterentwicklung betrifft. Unbedingte Kaufempfehlung!

Die folgenden Rezensionen beziehen sich auf die deutsche Übersetzung "Die Gesetze der Föderation".

2. Martin Weinrich

Das Buch beschreibt das erste Amtsjahr der neuen Föderationspräsidentin Nan Bacco mit allem, was der politische Betrieb der Föderation mit sich bringt. DeCandido schildert Ratssitzungen, diplomatische Verhandlungen, Intrigen und das Alltagsgeschäft. Gerade das Letzte ist das, was den Roman so besonders macht. Obwohl eigentlich relativ normale Dinge beschrieben werden und es zu keinen großen Krisen, wie einem Krieg, kommt, entwickelt er viel Dynamik. Das liegt vor allem daran, dass es in der Politik ja meistens darum geht, Krisen einzudämmen, also das Schlimmste zu vermeiden. Mehrmals steht also ein Krieg oder eine andere Katastrophe kurz bevor, kann aber noch verhindert werden.

Durch den Roman merkt man, dass es wirklich Zeit war, mal ein Blick auf die Politik in der Föderation zu werfen. DeCandido wirft zu Beginn eines Monats immer ein Auge auf die normale Bevölkerung. So sieht man, wie die Politik die Zivilisten betrifft. Mal sind es Politikstudenten, mal einfache Kneipenbesucher, aber immer wirken die Szenen authentisch.

Die größte Stärke des Romans ist, dass er sich nicht auf eine Handlung oder eine große Krise konzentriert. Stattdessen agiert er an vielen Fronten, was realistisch ist. Schließlich kümmert sich eine Regierung nie nur um eine Sache, sondern verfolgt mehrere Ziele. Dadurch bewegen den Leser gleichzeitig verschiedene Fragen und das Lesetempo wird erhöht.

Der Roman erinnert ein wenig an die amerikanische Politikserie "The West Wing". Denn auch dort sind die Hauptfiguren die Mitarbeiter des Präsidenten. Das ist eine kluge Wahl. DeCandido hätte auch die verschiedenen Minister Baccos in den Fokus des Romans rücken können, stattdessen hat er die "kleinen" Leute des Politikbetriebs gewählt. Also die, die zwar eher unbekannt sind, aber dennoch enorm viel Einfluss haben, weil sie direkt für die Präsidentin arbeiten. So ist der Kontakt mit der Präsidentin immer da und es können sich trotzdem verschiedene Leute um verschiedene Themen kümmern. Das ist weitaus interessanter als eine große Ministerriege.

Hinzu kommt noch, dass die Charaktere rundum sympathisch sind. Sie alle sind mit ganzem Herzblut bei der Sache und ihr Engagement färbt beim Lesen so ab, dass man automatisch mitfiebert. So kommt es, dass man sich zum Schluss nur noch wünscht, dass es eine Fortsetzung gibt.

Abgerundet wird das Ganze dadurch, dass DeCandido auch viele Einzelereignisse schildert. So besucht Bacco eine Verhandlung, in der geklärt wird, ob B-4 wie Data als Lebewesen anerkannt oder als Maschine deklariert wird. Solche Details bringen den dynamischen Roman zusätzlich zum Leben.

Fazit: DeCandido gelingt das, was heute eigentlich als unmöglich gilt: Er macht Politik zu einer spannenden, interessanten und sympathischen Sache. Besser geht es nicht.

3. Christian Freitag

"Föderationsbeistand! Föderationsverfahren! Föderationsregeln! Schauen Sie in den Spiegel Admiral. Die Föderation ist alt! In den vergangenen zwei Jahren wurde sie von jeder bedeutenden Macht im Quadranten herausgefordert. Den Borg, den Cardassianern, dem Dominion ...! Sie alle nehmen den Geruch des Todes der Föderation wahr." Wenn man sich diesen Roman so anschaut, könnte man meinen, Ahdar Ru'afo hat Recht. Da wird diskutiert und lamentiert, dass sich die Balken biegen. Natürlich ist die Ausgangssituation des Romans recht originell. Wo erfährt man denn so vieles über die "Heimatfront"?

"Star Trek" war schon immer "von der Erde weg". Hier werden die Erde und ihr näheres Umfeld gezeigt. Deswegen hatte ich mich eigentlich darauf gefreut, habe aber gleichzeitig auch befürchtet, dass es schlimm kommen könnte. Vielerorts vergleichen einige Rezensenten den Roman mit "The West Wing". Man kann allerdings eine Politikserie, die in den gegenwärtigen USA spielt, nicht auf eine SF-Serie übertragen, die in knapp 370 Jahren spielt. Da "Star Trek" aber auch des amerikanischen Geistes Kind ist, ist leider genau das passiert. So kommt man dann auch nicht um das Flaggefalten bei einem Begräbnis bei rum und natürlich wird das als Tradition akzeptiert, weil das in den Staaten ja auch Gang und Gäbe ist. Im 24. Jahrhundert werden Politiker dann Vorhaltungen aus dem 20. Jahrhundert um die Ohren gehauen, beispielsweise dem betazoidischen Botschafter, er sei wie der Reparationszahlungen fordernde Premierminister, sodass Deutschland in einen neuen Krieg schlittern musste. Nan Bacco nervt zuweilen in den unpassendsten Situationen mit ihrem Baseball, bei den Presseterminen mit ihren Reportern erwarte ich jedes Mal, dass Bill Clinton mitteilt, er habe keine sexuelle Beziehung mit dieser Frau gehabt und die "Schlaglichter-Sendung" könnte auch ein US-Diskussionsforum sein. Nicht zu vergessen, die JAG-Abteilung der Sternenflotte. Einfach lächerlich.

Der Roman krankt aber auch an etwas ganz entschiedenem: Nämlich der Handlung. Abgesehen von der schlicht und einfach falschen Aussage in DeCandidos Roman, dass die Föderation mit der Sternenflotte 2161 entstanden ist (wie man an "Enterprise" gesehen hat, ist sie das gerade nicht, sondern die Sternenflotte war schon einige Jährchen eher da), passiert aber auch rein gar nichts in dem Roman, was nicht bekannt oder gar interessant wäre. Folgende Kritik enthält einige Spoiler. Allerdings, wenn ich jetzt fies wäre, würde ich behaupten, wenn der Roman keine Handlung hat, kann ich auch nichts Entscheidendes vorwegnehmen ... Vor allem ist er mit seiner Zeigefinger-Moral und teilweise auch Charakterbeschreibungen etwas daneben.

Nehmen wir den Roman mal auseinander. Das Ganze spielt 2380. Und so verwundert es doch, dass lieber auf langweiligen Beispielen herumgeritten wird, wie den 29 Remanern, die nach drei Monaten Selbstmord begehen, der dahinplätschernde Erstkontakt, die Aufdeckung von Tezwa sowie die kurzerhand eingeschobene Not-OP an einem Tzenkethi-Kind und nicht auf tatsächliche Beispiele zurückgegriffen wird, mit denen sich der Föderationsrat bestimmt ebenfalls auseinandersetzen musste! So wie ich mich gefragt habe, wird sich mancher Leser fragen, wo die beiden Borgangriffe geblieben sind, die 2380 stattgefunden haben ("Widerstand", "Heldentod") oder was ist mit der Q-Geschichte gewesen, die der Autor ja noch selbst verfasst hat? ("Quintessenz"). Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass sich weder die Präsidentin noch der Föderationsrat mit der Angelegenheit nicht befasst haben und eine Notsitzung abgehalten hätten.

Die Antwort liegt nicht sofort auf der Hand und ich wurde vom TZN-Literatur-Kollegen Martin Weinrich freundlicherweise darauf hingewiesen, dass der Autor nicht die Schuld daran trägt, sondern dass der TNG-Relaunch "Die Gesetze der Föderation" überholt hat. Der TNG-Relaunch erschien im Original 2007, "Die Gesetze der Föderation" jedoch 2005. Insofern hat der Autor relativ gut daran getan, dass er nichts Bombastisches in die Waagschale geworfen hat, sondern sich eher mit belanglosen Nebenhandlungsfäden herumschlägt, mit denen sich die Föderation befasst. So kann sich der geneigte Leser erklären, dass etwaige Notstandssitzungen stattgefunden hätten ...

Die Remaner. Mit einem alten, ionisierten Schiff lahmt ein Grüppchen Remaner zu einer entfernten Sternenbasis. Es dauert einige Monate, bis sie dort ankommen. Mit Warp wären die in Nullkommanix da. Sie behaupten, Asyl zu suchen. Jeder teilt mit, dass sie etwas im Schilde führen, kann aber nicht sagen, was es ist. Ein Föderationsschiff ist auch bei der Station. Es wird diskutiert, lamentiert, Spock dazu geholt, wieder diskutiert und lamentiert und siehe da: Die Remaner von Shinzons Gnaden sind tatsächlich doll böse und starten einen Kamikazeangriff. Mit der Geschwindigkeit dürften sie wie bei "Futurama" gewirkt haben, als Fry versuchte, seinen Großvater von einem im ersten Gang herannahenden Jeep zu retten, der jedoch einige Meter vorher abbog und ihn Gott sei Dank nur in einen Bajonetthaufen geworfen hat. Dennoch gelingt es nicht, den Angriff ganz abzuwehren und es kommen außer den 29 Remanern an Bord noch drei Sternenflottenoffiziere um. Darunter ein klischeebehafteter, der der erste seiner Spezies in der Flotte war und der noch klischeereichere, der kurz vor der Rente stand. Wie wir alle wissen, gibt es immer schön Opfer in US-Filmen/Serien unter den Beinahe-Rentnern. Die Beispielsliste ist lang dafür, wird unter anderem auch in "Die Simpsons" bei einem McBain-Attentat schön aufs Korn genommen.

Der Erstkontakt in dem Roman ist auch mehr als peinlich. Ohne den Roman zu kennen, habe ich zunächst aufs Essen getippt, dass die Trinni/ek so griesgrämig werden ließ. Offenbar konnten die Spezialisten nicht alles erforschen, da man nicht danach suchte. Die dortige Sonnenstrahlung ist es, was die Bewohner brauchen und wenn sie da bleiben, wo sie herkommen, sind sie auch wieder alle brav und artig und ein Musterbeispiel von Tugend, der in der Föderation benötigt wird.

Zuletzt weigert sich dann eine Ärztin, ein Kind zu operieren, kann aber durch einfaches Überlabern von Bacco umgestimmt werden, was Dutzende andere, die sie wirklich kannten, vorher nicht vermochten. Ach ja, irgendwann wird noch gegen den Wiederaufbau Cardassias gestimmt. Es stimmte mich eher verdrießlich, dass man den Betazoiden überreden konnte. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie es sein kann, dass sämtliche Ressourcen in einen Kriegsgegner gesteckt werden (hier wird dann auch Cardassia mit Deutschland verglichen), gleichermaßen aber ein Verbündeter am ausgestreckten Arm darben muss. So löblich auch eine Versorgung Cardassias ist, darf man doch nicht Betazed sich selbst überlassen. So kommts hier aber rüber. Anstelle Cardassia und Betazed zu versorgen (wir sprechen hier immerhin von 150 Mitgliedswelten), soll Betazed lediglich für den Wiederaufbau Cardassias stimmen. Außerdem wärmt man das Verfahren wieder auf, was menschlich ist und bittet den Doktor der Voyager um gefällige Einsicht in das Thema B4.

Ich habe nichts Wichtiges vergessen ... Ach ja, außer vielleicht den Aufreger des Buches: Tezwa. Die "geheime" Verschwörung ist keine mehr. Jeder Hans und Franz in dem Buch kennt die geheime Story und will sie der breiten Allgemeinheit verheimlichen. Dieses Mal erfährt eine Journalistin rein zufällig davon, als sie die Ex-Geliebte eines Majors des bescheuerten Kinchawns interviewt, der in Liebesnächten damit hausieren ging. Der hat wie weiland Patrick Star aus "Spongebob" natürlich gleich unter "Meine geheimen Geheimnisse, die geheim bleiben sollen" unter der kleinen Sparte "Wie war ich im Bett" eine große Sparte mit der "geheime Ankauf geheimer Nadion-Impuls-Kanonen" in seiner Geheimnisschachtel, äh, in seinem Tagebuch gehabt.

Damit gerät sie in den Fokus des Orion-Syndikats. Selbst wenn zwei noch so grobe Grobiane jemanden entführen, dürfte doch zumindest einer hinschauen, wenn das Entführungssubjekt eine attraktive, nackte Frau ist. Der zuständige Schurke vom Dienst erzählt ihr dann noch brühwarm, wie das Ganze abgelaufen ist, auf dass sie die Story unter einer Bedingung schön weitererzähle und zwar jedem, der sie noch nicht kennt (was ziemlich schnell gehen dürfte). Schade, dass er keinen Schnäuzer hatte, den er hätte zwirbeln können. Aber im dunklen Keller, wohin die Entführte verbracht wurde, konnte man das vermutlich eh nicht sehen.

Wie jeder weiß, der die "A Time To…"-Reihe gelesen hat, hat auf Geheiß des damaligen Strategen Koll Azernal, rechte Hand des Föderationspräsidenten Min Zife, in den Wirren um die Auflösung des Khitomer-Abkommens und die Panik vor den Wechselbälgern (die sogar unter dem unfähigen Föderationspräsidenten Jaresh-Inyo zum Militärputsch der nicht-militärischen Sternenflotte geführt hat) Nadion-Impulskanonen durch den damaligen antedianischen Verteidigungsminister Quafina durch das Orion-Syndikat (oh Mann) auf die blockfreie Welt Tezwa liefern lassen.

Das sehen bereits viele als verwerflich an. Aber: Nan Bacco darf ihren Zeigefinger nicht so schnell schütteln. Das waren andere Zeiten. Die Föderation befand sich in höchster Alarmbereitschaft. Die alleinige Anlieferung und Installation von Föderationswaffen auf Tezwa ist noch nicht kritikwürdig. Die Schweinerei ging erst da los, wo man den Klingonen nichts davon erzählt hat und sie in ihr Unglück fliegen ließ. Selbst die Klingonen hätten die Vorbereitung für einen Krieg zu schätzen gewusst. Stattdessen werden - die nie benutzten - Waffen nunmehr dazu genutzt, den Klingonen den Garaus zu machen. Hätte man die lieber mal wieder abgebaut. So verstrickte man sich dann in Lügengeschichten, wollte den unliebsamen Tholianern die Schweinerei in die nicht vorhandenen Schuhe schieben und fingierte sogar Beweise! Davon bekam die Sternenflotte Wind und Admiral Ross (unter anderen) drohte Zife, er und Konsorten sollen zurücktreten. Das hat natürlich viel mehr Aufsehen erregt, da die Amtszeit von Zife eh vorbei war.

Da Ross aber mit Sektion 31 zusammenarbeitet und diese in "A Time To" aufgrund einiger Aussagen und Befehle, die bereits Kirk kannte, durchaus den Status einer geheimen, aber wohl legitimierten, Abteilung der Sternenflotte zu haben schien, hieß Rücktritt nichts Weiteres als Rücktritt in die ewigen Jagdgründe! So murkste Sektion 31 Zife, Azernal und Quafina ohne mit der Wimper zu zucken ab. Damit war Sektion 31 so eine Art fiese NSA der Sternenflotte, die geheime Organisation der USA, von den ja auch niemand so recht weiß, was sie wirklich tut und deren Mitglieder stets als Filmbösewicht herhalten, wenn es um Verschwörungen geht, beispielsweise in "The Mercury Puzzle".

Bis auf das Abmurksen waren Bacco sämtliche Fakten bekannt und alleine diese reichten ihr mit "Du, Du". Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Und nicht nur Ross hat den Rücktritt erzwungen. An der Besprechung in "A Time To" nahmen Admiral Nechayev, Admiral Jellico und auch Admiral Janeway teil und sogar ein gewisser Jean-Luc Picard nebst Führungsstab. Und bei diversen Aussagen musste man eigentlich bereits vermuten, dass zumindest einer der Beteiligten vermutete, dass die Reise ins Nirvana für unsere feigen Freunde geht. Wenn man es genau nimmt, müsste sich Bacco nebst Konsorten gleich mit absägen! Sie trug eine Mitschuld, als sie erfahren hatte, was auf Tezwa vorging und nichts getan hat und spätestens mit Kenntnis am Abmurksen vergrößerte sie ihre Mitschuld. Aber da lamentiert sie sich mit derselben Ausrede aus wie alle anderen, nur dass diese Ausrede für sie ja jetzt gilt und für die anderen eben nicht - hinterher ist man immer schlauer: Es waren ja andere Zeiten, man hatte Stress und den ganzen Kokolores. Die einzige Neuerung im Roman ist also, dass der altbekannte Kriegsveteran Admiral William Ross seinen Ruhestand einreicht.

Und: Wen juckt es, ob Präsidentin Bacco anders als die Vorgänger Gardinen im Büro hat, oder ob der Transporter ausgefallen ist, wer welchen Himbeer-Eistee wie trinkt, wie welcher Raum heißt und wo das "Brücke über einen Teich mit Seerosen"-Gemälde dieses Mal hängt? Das bläht den Roman richtig schön auf, viel Sinn macht es trotzdem nicht.

Es sollten noch einige Worte zu den Charakteren verloren werden. Diese sind teilweise durch die Bank recht pampig zueinander, aber sehr sympathisch dargestellt, zu sympathisch! Den ehrlichen, guten, bärbeißigen Politiker vom Lande, der für jeden Bürger einzeln da sein will, stets auf dem Boden und sich selbst treu bleibt, selbst wenn er Präsident ist ... das ist selbst in 368 Jahren die Fiction an der Science ... das hätten die Amerikaner wohl gerne ... und nicht nur die.

Fazit: Völlig vermurkste Chance endlich mal vernünftig den Hintergrund der Föderation zu zeigen. Einen Gnadenstern für den Versuch und dass man altbekannte Gesichter wiedersehen darf, die aber nichts zur Handlung beitragen ...

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Bewertung

1. Christoph Hühn
2. Martin Weinrich
3. Christian Freitag

Weitere Infos


Titel "Die Gesetze der Föderation"

Originaltitel "Articles of the Federation"

Buchreihe Post-'Nemesis'

Autor Keith R.A. DeCandido

Übersetzer Anika Klüver

Preis 14,00 Euro

Umfang 451 Seiten

Verlag Cross Cult

ISBN 3-9412-4850-2

(ch, wc, cf - 09.04.12)


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