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Martin Weinrich (wc), Julian Wangler (jw), Thomas Götz (tg)16.11.12

"Risiko"

Una McCormack

Inhalt

Die Venette Convention hat sich viele Jahre darum bemüht, der Föderation beizutreten. Dieses friedliche, strukturierte und höfliche Volk wäre eine große Bereicherung für den Planetenverbund. Doch aufgrund der vielen Konflikte der vergangenen Jahre kamen die Beitrittsverhandlungen ins Stocken. Bei den Venetanern entstand der Eindruck, von der Föderation abgewiesen zu sein. Das wäre eine äußerst unhöfliche Tat, die der Kultur der Venetaner zutiefst wiederspricht.

Während sich die Föderation von der Borg-Invasion erholt und sich gleichzeitig gegen den aggressiven Typhon-Pakt verteidigen muss, ist die Venette Convention schlicht vergessen worden. Das ändert sich schlagartig, als die Venetaner ein Bündnis mit den Tzenkethi schließen. Das Abkommen beinhaltet unter anderem die Übergabe von drei Stationen der Venetaner an die Tzenkethi.

Die Sternenflotte erkennt rasch, dass es sich um militärstrategisch wichtige Stationen handelt. Die erste liegt im Grenzbereich der Föderation, die zweite nahe der Ferengi-Allianz und die letzte in Schussweite zu den Cardassianern. Damit wären drei Mächte des Khitomer-Abkommens in der Reichweite eines Typhon-Pakt-Mitgliedes.

In dieser Situation wird die Enterprise zu der Heimatwelt der Venetaner geschickt, um das Schlimmste zu vermeiden. Gemeinsam mit diplomatischen Delegationen der Ferengi und der Cardassianer sollen die Venetaner davon überzeugt werden, dass ihr Pakt mit den Tzenkethi keine gute Idee ist.

Derweil inspiziert Captain Dax die den Tzenkethi übergebene Station nahe der Föderation. Dafür erhält sie die Unterstützung eines ehemaligen Akademiekommilitonen, Peter Alden, der nun bei Starfleet Intelligence arbeitet und als Tzenkethi-Spezialist gilt. Seine Arbeit hat ihn jedoch gelehrt, die Tzenkethi zu hassen. Das bringt Dax bei dem Kontrollbesuch mehrfach in Schwierigkeiten, denn die Venetaner haben keinerlei Verständnis für Hass.

Ganz andere Gefühle bringt eine cardassianische Agentin auf der Heimatwelt der Tzenkethi der dortigen autoritären und totalitären Gesellschaft entgegen. Sie fühlt sich richtig wohl. Ihre Lebensgrundlage wird zerstört, als sie einen menschlichen Agenten enttarnt und von diesem enttarnt wird.

Kritik

1. Martin Weinrich

Kuba-Krise im Kalten Krieg zwischen der Föderation und dem Typhon Pact! Die Tzenkethi haben ein Bündnis mit den Venetanern geschlossen und haben nun Waffen in Föderationsnähe. Picard muss durch Verhandlungen einen Krieg verhindern.
Keine Frage, mit "Brinkmanship" erhält der kalte Krieg zwischen den Khitomer-Mächten um die Föderation und dem Typhon-Pakt seine Kubakrise. Die Ausgangssituation versucht gar nicht die Ähnlichkeiten zu kaschieren. Der Roman beginnt nämlich mit dem Hinweis auf einen Konvoi, der sich auf die Stationen zubewegt. Zu Beginn jedes Kapitels wird die Entfernung dieses Konvois bekannt gegeben. Es ist nicht hundertprozentig sicher, dass sich Waffen auf dem Konvoi befinden, die Tzenkethi behaupten nämlich das Gegenteil. Angesichts des bisherigen Verhaltens der xenophoben Tzenkethi ist davon jedoch auszugehen.

Die Venetaner sind ein äußerst interessantes Volk. Sie halten nichts von Geheimnissen, ihr Regierungshandeln ist völlig offen. Aufgrund ihrer Kultur vertrauen sie grundsätzlich jedem. Die Grundidee der Föderation gefiel ihnen sehr, die gefühlte Ablehnung durch den langen Beitrittsprozess empfinden sie also große Schmach. Daher wenden sie sich den Tzenkethi zu, die ihnen in Sachen Transparenz zwar überhaupt nicht ähneln, jedoch eine ähnliche Vorliebe für Stabilität und Formalitäten hegen.

Schnell kristallisiert sich heraus, dass der offene Stil der Venetaner für die diplomatischen Gepflogenheiten der Khitomer-Mächte äußerst schwierig ist. Hier basiert Diplomatie nämlich zu einem großen Teil aus Geheimhaltung. Natürlich wird das auch in diesen Verhandlungen nicht geändert. Das gibt in der ersten Hälfte des Romans den Tzenkethi einen großen Trumpf in die Hand. Strategisch klug lassen sie immer wieder Informationen über geheime Föderationsoperationen durchsickern. Jedes Mal sind die Venetaner schockiert und stehen kurz davor, die Verhandlungen abzubrechen. Die Reaktion der Föderationsdiplomatie auf diese offene und ehrliche Einstellung, die sich jedoch kritiklos manipulieren lässt, ist sehr interessant zu verfolgen.

Nach einer Weile wäre es der Föderation sicherlich gelungen, die Intrigen der Tzenkethi ins Leere laufen zu lassen. Doch die cardassianische Delegation verhindert dies. Sie tritt außerordentlich aggressiv auf und sorgt für viele Eklats. Der Leser merkt hier leider sofort, dass dahinter ein Plan stecken muss. Denn selbst wenn man denkt, die Cardassianer könnten wieder in ihre alte aggressive Art zurückfallen, so würden sie es niemals durch Geprotze tun, das den Klingonen ähnelt. Stattdessen würden sie die Tzenkethi an Intrigen überbieten und den Sieg damit davontragen. Die Strategie, die sie in den Verhandlungen in "Brinkmanship" pflegen, ist so plump, dass sie einfach Teil eines Plans sein muss.

Daher ist es schade, dass die cardassianische Agentin auf der Heimatwelt der Tzenkethi bereits im ersten Kapitel eingeführt wird. Ihr Handlungsstrang ist außerordentlich interessant. Durch sie lernt man die Lebensweise der bisher recht unbekannten Tzenkethi kennen. Angesichts der Totalität auf der Heimatwelt der Tzenkethi und den unglaublichen Gen-Experimenten, die für ein striktes Kastensystem sorgen und Widerstand sowie eigene Gedanken und Freiheit unmöglich machen, ist der Leser außerordentlich beeindruckt. Von dem menschlichen Agenten, der panische Angst vor den Tzenkethi hat und mit seinem unprofessionellen Verhalten sein Leben und das der cardassianischen Agentin gefährdet, ist man hingegen nicht beeindruckt. Seine Unprofessionalität wirkt absolut unglaubwürdig. Denn um sich in ein so striktes System wie das der Tzenkethi einzuschleusen, muss man äußerst fähig sein. In dem Fall hört man nicht beim ersten Anzeichen von Gefahr auf, seine Tarnung aufrechtzuerhalten.

Leider deutet der Agentenhandlungsstrang bereits an, dass er Teil einer Lösung der Krise ist. So kommt es am Ende auch. Das ist schade, nimmt es dem Roman doch Möglichkeiten, mehr Spannung aufzubauen.

Die ist ansonsten nämlich durch die vielen vergeblichen Bemühungen Picards und seiner Diplomaten, die Krise zu entschärfen, durchaus gegeben. Auch Ezris Kontrollmission ist äußerst interessant. Ezri kommt mit den Venetanern sehr gut zurecht. Obwohl sie keine Cardassianer in der Nähe hat, macht jedoch auch ihr Team einen schlechten Eindruck. Denn der Starfleet Intelligence Agent Peter Alden verhält sich äußerst paranoid. Alles deutet darauf hin, dass er einige Zeit als Gefangener der Tzenkethi festgehalten wurde. Die Erfahrung muss traumatisch gewesen sein. Sobald die Tzenkethi ins Spiel kommen, ist er nicht mehr in der Lage, logisch zu denken. Stattdessen wird er aggressiv und somit zu einem Risiko für die Mission.

Als eine Bombe auf der Station der Venetaner auftaucht, deutet daher alles darauf hin, dass Alden diese platziert hat. Bis zum Schluss bleibt offen, ob dieser die Bombe platziert hat oder die Tzenkethi. Die Indizien sprechen eher für die Tzenkethi, dennoch zeigen die Zweifel bereits, dass Alden keinesfalls ein vertrauenswürdiger Mitarbeiter Ezris ist.

Alden ist das beste Beispiel dafür, wie sich die Föderation unter dem Einfluss des Typhon-Pakts verändert. Wurden im letzten Titan-Roman bereits alle andorianischen Offiziere gezwungenermaßen von ihren Posten entfernt, so kommen hier die aggressiven Züge der Föderation zum Tragen. Alden hält nichts von Verhandlungen. Er fühlt sich bedroht. Er sieht die Föderation bedroht. Und so geht es vielen Offizieren, die sich noch gut an die Borg-Invasion erinnern können. In der Föderation gibt es somit durchaus Kräfte, die sich einen Krieg wünschen, um die Gefahr zu beseitigen. Die Idee eines Erstschlages, einst in der Föderation als unmöglich angesehen, scheint durchaus gegeben.

Das Finale ähnelt daher der wahren Kubakrise. Die Tzenkethi-Verbände mit Waffen sind nahe der Grenze, der Föderation bleibt nichts anderes als eine Blockade aufzubauen. In der Situation kann es leicht zu Gefechten kommen, die aufgrund der Bündnisverpflichtungen den ganzen Quadranten in einen Krieg ziehen würden. Verhandlungen sind beinahe nicht mehr möglich, auf beiden Seiten gibt es Kräfte, die sich sogar einen Krieg wünschen würden. Das ist dramatisch, aber eben zu nah an einem realen Vorbild. Es ist nett, dass man mit dem Typhon-Pakt den Kalten Krieg noch einmal im "Star Trek"-Universum erfahrbar machen möchte, wirklich nötig ist das jedoch nicht.

Die Venetaner, das zeigt vor allem Ezris Zugang zu ihnen, hätten auch Stoff für eine andere Handlung geboten. Die Anleihen an die Kubakrise hätten weniger deutlich sein können. Trotzdem ist die Auflösung äußerst gelungen. Nachdem man sich von den Tzenkethi mehrfach in Verhandlungen ausstechen ließ, gelingt es mit Geheimdienstinformationen zum Schluss Zweifel der Venetaner an ihrem Bündnispartner zu wecken. In geheimen Verhandlungen, bei denen Dr. Crusher eine große Rolle spielt, wird zudem deutlich, dass die Tzenkethi trotz allem doch vor einem Krieg zurückschrecken - wie auch noch immer der Großteil der Föderation. So kann die Situation schließlich ohne einen Schuss entschärft werden.

Fazit: Insgesamt ist "Brinkmanship" trotz einiger Schwächen ein sehr guter Roman. Die Verhandlungen sind äußerst lebhaft, da sie vor allem aus der laienhaften Perspektive Dr. Crushers beschrieben werden, und nehmen einen Großteil des Romans ein. Ezris Erfahrungen mit den Venetanern sind sehr sympathisch, ihr Kampf mit dem fanatischen Peter Alden sehr bezeichnend für die derzeitige Mentalität der Föderation. Durch die Spione auf der Heimatwelt der Tzenkethi erhält man zudem einen faszinierenden Eindruck in deren totalitäre Kultur, wodurch die Reaktionen dieses Volkes und vor allem ihre Ablehnung der Föderation besser zu verstehen sind.

Das Ganze hätte sich weniger stark an historischen Ereignissen orientieren können. Obwohl der Leser den Verlauf der Geschichte daher bereits voraussagen kann, sorgen viele gelungene Dialoge trotz allem für sehr gute Unterhaltung.

2. Julian Wangler

In den mittlerweile zahlreichen zurückliegenden Bänden wurde der Typhon-Pakt als neuer (Dauer)Feind der Föderation und ihrer Alliierten etabliert. Wir erlebten die Entstehung des neuen Machtblocks, erhielten Einblicke in die komplexe innere Tektonik, wurden Zeuge erster und sich steigernder Intrigen und Ränkespiele, die der Typhon-Pakt gegen die Planetenallianz zu spinnen begann. Doch in die unmittelbare Nähe eines richtigen Kriegs kam man – ausgenommen die Ereignisse in David Georges Zweiteiler "Plagues of Night"/"Raise the Dawn" - nur selten. Mit "Brinkmanship" wird jetzt eine weitere Eskalationsstufe gezündet - und möglicherweise die letzte.

Denn der Roman aus der Feder von Una McCormack macht von vornherein deutliche Anspielungen auf die historisch brisante Kubakrise - einen entscheidenden Wendepunkt im Kalten Krieg zwischen USA und Sowjetunion. Im Mittelpunkt steht dabei ein massiver Tzenkethi-Konvoi, der sich den drei genannten Stationen in Reichweite der Khitomer-Grenzen nähert. Dabei schießen Spekulationen ins Kraut, was sich an Bord dieser Schiffe befindet. Das Wesen der feindseligen Tzenkethi und die bisher so schlechten Erfahrungen mit ihnen lassen jedoch nichts gerade Erfreuliches vermuten.

Während diese ungewisse Bedrohungslage rund um den sich weiterhin nähernden Konvoi weiter schwelt, beginnt die Enterprise-Mannschaft den Verhandlungsmarathon mit den Venetanern. Dabei wird rasch ersichtlich, dass nicht nur die venetanische Art, Diplomatie zu betreiben, äußerst speziell ist, sondern auch die Tzenkethi immer wieder geschickt Intrigen streuen, die dazu führen, dass das Vertrauen der Konvention in die Föderation stets aufs Neue untergraben wird. Dann schließlich beginnt das politische Engagement der Khitomer-Staaten unter vermeintlich hausgemachten Problemen zu leiden: Die cardassianische Delegation sorgt mit dezidiert aggressivem Auftreten für mehrere Eklats, die in einen Abbruch der Gespräche zu münden drohen.

Bedauerlicherweise ist hier mit die schwächste Stelle des Buches - der Leser kommt recht schnell dahinter, dass irgendetwas anderes außer Paranoia oder verletztem Stolz das auf den ersten Blick grob fahrlässige Verhalten der Cardassianer bestimmen muss, dass die Cardassianer vielmehr eine ganz bestimmte Strategie fahren. Diese Vorhersehbarkeit hängt unmittelbar mit einem zusätzlichen Plot zusammen, der bereits zu Anfang von "Brinkmanship" einsetzt und eine cardassianische Agentin auf der Tzenkethi-Heimatwelt begleitet. Jener Handlungsbogen, über den an dieser Stelle nicht mehr verraten sei, wird sich im weiteren Verlauf der Geschichte auch zur Lösung des allgemeinen Dilemmas entwickeln. Hier hätte McCormack nicht ganz so offensichtlich agieren und den Leser mehr im Ungewissen lassen können.

Was mir persönlich am Buch, das sicherlich durch die Bank grundsolide geschrieben ist, besonders gefallen hat, ist der schleichende Wandel im Agieren der Föderation und ihrer Aktanten. Man merkt, da ist etwas in Bewegung geraten. Versuchte die Planetenallianz in den vergangenen Romanen noch, den Typhon-Pakt eher einzudämmen und durch die Herstellung eines breiten Defensivbündnisses (Ausweitung der Khitomer-Verträge) auszubalancieren, gibt es nun Politiker und Sternenflotten-Offiziere, die durchaus bereit scheinen, einen bewaffneten Konflikt mit dem Pakt zu riskieren. Das mag verschiedene Gründe haben. Nach beinahe zwei Jahren der ständigen Konfrontation mit dem neuen Gegner mögen manche Nerven blank liegen, aber es brechen auch wieder Eigenschaften an die Oberfläche, die der Dominion-Krieg und die spätere Borg-Invasion der Föderation haben angedeihen lassen. Die Gefahr eines Erstschlags besteht damit über weite Teile des Romans tatsächlich, und es ist durchaus als bezeichnend zu sehen, dass diese Gefahr vor allem deshalb Gestalt annimmt, weil die Föderation einen Bewusstseinswandel erfährt.

Deshalb ist es an und für sich auch so brisant, dass McCormack eine deutliche Analogie zur Kubakrise aufbaut: Der Tzenkethi-Konvoi nähert sich der Föderationsperipherie, und auch nur ein kleines Scharmützel könnte schlagartig beide antagonistische Bündnissysteme aktivieren – mit der Folge eines umfassenden Kriegs, der sich über Alpha- und Beta-Quadrant erstrecken würde. Hier wird der kalte Krieg vielleicht so erfahrbar wie nie zuvor im "Star Trek"-Universum, obgleich sich McCormack die Kritik wird gefallen lassen müssen, dass eine Konfrontation der Blöcke nichts mehr ist, was uns in unserer gesellschaftlichen Gegenwart noch groß beschäftigt. "Star Trek" aber hat sich stets Mühe gegeben, unsere soziale und politische Realität zu reflektieren. Von daher hätte es dem Roman sicher gut getan, wenn die Anspielungen auf den Kalten Krieg an der einen oder anderen Stelle nicht ganz so plakativ ausgefallen wären; selbiges gilt für den Ausgang der Handlung. Dass man auch andere Möglichkeiten gehabt hätte, die Story interessant zu gestalten, zeigt zum Beispiel Ezri Dax' besonderes Verhältnis zu den Venetanern.

Fazit: Nichtsdestotrotz ist "Brinkmanship" eines der besten "Typhon Pact"-Bücher, die bislang erschienen sind. Das liegt nicht nur an den schwierigen und plastisch geschilderten Verhandlungen sowie vielfach unterhaltsamen Dialogen, sondern auch an einer parallelen Spionagestory auf Ab-Tzenketh, deren Stärke es ist, uns die totalitäre Gesellschaft der Tzenkethi noch ein wenig näher zu bringen und damit ganz auf Linie der bisherigen "Typhon Pact"-Bände bleibt, die stets die Völker des antagonistischen Blocks beleuchteten. Vor allem aber zeigt "Brinkmanship", dass Freiheit und Denken viel mit indirektem Sprechen zu tun haben. Somit ist dies - womöglich der Höhepunkt im Ringen zwischen Föderation und Pakt - vor allem ein Buch über den Zusammenhang von Politik und Furcht.

"Typhon Pact: Brinkmanship" ist unter anderem bei Amazon.de als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.

3. Thomas Götz

Die folgende Rezension bezieht sich auf die deutsche Ausgabe des CrossCult-Verlages.

Dr. Brinkmann ist zurück und führt mit unglaublicher Effizienz sein Krankenhaus, in dem alsbald Tzenkethi einlaufen... Nein, natürlich nicht, aber ein kleiner Seitenhieb auf den englischen Titel "Brinkmanship" musste sein, auch wenn dieser so rein gar nichts mit irgendwelchen Kliniken in irgendwelchen Wäldern zu tun hat. Denn bei "Risiko", so der deutsche Titel, handelt es sich um den mittlerweile siebten Band der Typhon Pact-Reihe, der erneut von Una McCormack geschrieben wurde. Und das die Dame es beherrscht, fremde Kulturen dem Leser näher zu bringen, wurde nicht zuletzt durch ihre Bände über die Andorianer mehr als eindrucksvoll bewiesen.

In diesem Band geht es aber nicht um die Andorianer - was, in Anbetracht der letzten Entwicklungen in den vorhergehenden Typhon Pact-Bänden, sowie dem siebten Titan-Band, etwas schade ist. Denn gerade der Andorianer-Storybogen schreit geradezu nach Auflösung und es bleibt zu hoffen, das sich dieser nicht in einem Nebensatz in einem der Folgebände in Nichts auflösen wird. Im vorliegenden Band geht es vorrangig um die Tzenkethi, aber auch um die Venetaner, welche ein komplett Neues erfundenes Volk darstellen. Dabei versteht es McCormack wieder meisterhaft, sowohl die Tzenkethi als auch die Venetaner gut in Szene zu setzen und ihre Kultur zu vermitteln. Die Venetaner schätzen Ehrlichkeit, die Tzenkethi sind eher xenophob. Allein die besagten Einblicke in die Kulturen dieser Völker könnten eigene Bände füllen und vor allem über die Tzenkethi dürfte noch so einiges ungesagt sein.

Dabei geht es in diesem Buch auch gar nicht um Action, auch wenn ein drohender Krieg seine Schatten wirft. Die ganze Story ist eine Charakterstudie par excellence, bei der vor allem Picard, Crusher und Dax im Mittelpunkt stehen. Vor allem bei Letzterer sieht man, wie gut sie sich als Captain gemacht hat, aber auch, wie schwer dieses Amt bisweilen sein kann. Auch Picard und Beverly werden gut in Szene gesetzt und dürfen in der politisch angehauchten Story glänzen. Dabei wird treffend beschrieben, wie gut die Föderation, und vor allem Picard, in Diplomatiefragen ist. Die Story selbst ist von einigen Irrungen und Wirrungen und vor allem dem politischen Tauziehen geprägt, so das man an dieser Stelle vielleicht nicht allzu viel spoilern sollte, auch wenn riesige Überraschungen ausbleiben.

Selbst die Nebencharaktere bekommen genug Entfaltungsraum, etwa die anderen Diplomaten der Föderation, ein UFP-Agent, der nun bei Dax ist oder auch Ferengi- und Cardassianer-Diplomaten. Ansonsten taucht allerdings keiner der bekannten Star Trek-Charaktere auf, aber das ist in diesem Fall auch nicht weiter hinderlich, denn auch die neuen Charaktere sind gut beschrieben, um Mitgefühl beim Leser auszulösen. Etwas blass bleiben an der Stelle lediglich die Tzenkethi, allerdings ist das mitunter gewollt, um die Verhandlungen undurchschaubarer erscheinen zu lassen. Immerhin, das Stilmittel funktioniert, die Story bleibt durchweg spannend und man erwischt sich mehrfach dabei, wie man händeringend ebenso wie Picard nach Lösungen sucht, während man aber beide Seiten durchaus verstehen kann.

Schön ist auch, das es am Ende keine eindeutige "schöne" Lösung gibt, was das etwas dunkel angehauchte, neue Star Trek-Universum unterstreicht. Die UFP steht hier aber nicht als der glänzende Sieger dar sondern muss erneut einen Kompromiss schlucken. Gut, die Feinde auch und vielleicht wäre es angesichts der Entwicklungen in den letzten Bänden besser gewesen, der UFP mal nicht mehr eine auf die Nase zu geben, andererseits ist die Story in diesem Band durchaus auch dafür passend, auch wenn das 'vergessen' der Veneta etwas seltsam erscheint, denn zwischen Dominion-Krieg und Destiny liegen satte 6 Jahre.

Aber gibt es bei diesem ganzen Lob auch ein paar Schattenseiten über dieses Buch zu erzählen? Ja, die gibt es in der Tat, denn es gibt auch einige Dinge, die nicht so ganz funktionieren. Dies ist zum Einen die Story um die Agenten auf Tzenketh. Sicher, die sind wichtig und werden es im Laufe des Bandes auch noch, aber vor allem am Anfang hat man eher den Eindruck, dieses Element diene eher dazu, den Lesern die Kultur der Tzenkethi näher zu bringen. Unter dem Gesichtspunkt funktioniert die Story auch ganz gut und auch das sich Agenten in ihrer Rolle verlieren ist nicht neu. Das Ganze verwässert aber zusehends und wird gegen Ende dann doch etwas unglaubwürdig. Die cardassianische Agentin hat also das wichtige Puzzlestück aufgeschnappt, auch wenn sie es nicht weiß, und damit kann man die ganze Krise lösen? Um die Korruption bei den Tzenkethi aufzudecken, nimmt man also verärgerte Delegationen und fast einen Krieg in Kauf, nur um eine Lösung zu erreichen, die man eh beinahe so auch schon erreicht hätte bzw. deren Ausgang eh kurz bevorstand? Dies erweckt eher den Eindruck, das hier auf Gedeih und Verderb versucht wurde, die beiden Handlungen zu kombinieren, was aber überhaupt nicht nötig gewesen wäre.

Auch die Auflösung der Agentenstory wirkt etwas konstruiert, auch wenn, wie erwähnt, Agenten durchaus mal in ihrer Rolle festgefahren bleiben können. Das Schicksal der weiteren Agenten wird dann auch lapidar in einem Nebensatz abgehandelt: wir haben die Tzenkethi-Agenten geschnappt, die unsere, irgendwann, nachdem die Tzenkethi unsere eine Zeitlang gefoltert haben, gibt’s einen Gefangenenaustausch, das war's. Sicher, die Agenten waren gesichtslos, diese 'Nebenherlösung' mag, aufgrund der sich auf dem Planeten aufgebauten Handlung, aber auch nicht so recht überzeugen. Und damit sind wir auch schon beim letzten großen Manko: dem Ende. Auch dieses funktioniert nur teilweise und wirkt stellenweise sehr konstruiert. Sicher, die Ausgangslage des Buches ist spannend, und selbst der Leser ahnt, das die UFP nur ein Spiel spielt. Das ganze Trara aber wie erwähnt, nur für eine Agentin, während man auf diplomatischem Wege kurz davor war, eine Lösung zu finden (Stichwort: Alizome)? Sicher, das Ganze mag Lug und Trug gewesen sein, das Zurückrudern der Tzenkethi auch und aufgrund der letztlich vorgebrachten Beweise wirkt allerdings, wenn man sich die Handlungsweise in den letzten Bänden ansieht, auch hier nicht stimmig.

Waren die Tzenkethi in den vorhergehenden Bänden eher daran interessiert, einen weiteren Krieg vom Zaum zu brechen, so ziehen sie sich hier wieder zurück. Entweder steckt ein Plan dahinter oder es ist Absicht, das die Tzenkethi nicht mehr die "Urböse" Macht im Typhon Pact sidn, als die sie in den Vorgängern dargestellt wurden. Fast hat man den Eindruck, das Frau Cormack den Band noch viel interessanter weiter gestalten bzw. auflösen hätte können, wenn, ja wenn ihr mehr Seiten zur Verfügung gestanden hätten. So muss man leider sagen: Mrs. McCormack, das konnten Sie aber schon besser.

Dem Lesevergnügen tut das natürlich keinen Abbruch und man muss zugute halten, das der Roman ein durchaus interessanter Band ist, auch wenn das Ende etwas enttäsucht.

Fazit: Ein spannender Roman, der ganz auf Charakterszenen setzt und mit seiner Politstory durchaus auch interessante neue Akzente zu setzen vermag, auch weil einem einige der auftretenden fremden Kulturen schön näher gebracht werden. Enttäuschend ist lediglich das nach dem großartigen Auftakt schwer abfallende Ende. Wen das nicht stört, der kann allerdings bedenkenlos zugreifen - und auch sonst kann man einen Blick riskieren.

Bewertung

1. Martin Weinrich
2. Julian Wangler
3. Thomas Götz

Weitere Infos


Titel "Typhon Pact 7 - Risiko"

Originaltitel "Typhon Pact: Brinkmanship"

Buchreihe Post-'Nemesis'

Autor Una McCormack

Übersetzer Christian Humberg

Preis 12,80 Euro

Umfang 295 Seiten

Verlag Simon & Schuster Pocket Books

ISBN 978-3-86425-286-0

(wc, jw, tg - 01.10.14)


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