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Das Ende aller Welten, oder ein Junge sie alle zu retten

And the winner is…

Vor einiger Zeit schrieb das TrekZone-Network einen Artikelwettbewerb aus. Hier veröffentlichen wir den Gewinner-Beitrag.

Die Redaktion freut sich, Herrn Ronny Baasner als Sieger zu küren. Herzlichen Glückwunsch!

Und hier ist sein Artikel:

Das Ende aller Welten, oder ein Junge sie alle zu retten

von Ronny Baasner

Bekanntermaßen wimmelt es im “Star Trek”-Universum vor intelligentem Leben. Menschen, Klingonen, Vulkanier, Ferengi, Borg, uvm. Sie alle bevölkern die Galaxie, die wir Milchstraße nennen, und das auch nur in dem Zeitfenster, in das uns die Serien und die Filme blicken lassen, also ca. dem 21.-24. Jahrhundert, immer mal wieder mit vereinzelten Ausblicken in die Vergangenheit oder Zukunft. 

Doch auch davor gab es hoch entwickelte Zivilisationen, auf deren Spuren die Crews der verschiedenen Serien von Zeit zu Zeit gestoßen sind. Da wären z.B. die Tkon, die Voth, die Zivilisation von Tagus III, Iconianer und die Kalandaner. Und es ist davon auszugehen, dass es noch etliche mehr technologisch fortgeschrittene Zivilisationen im Laufe der Zeit gegeben hat. Sie alle kamen und gingen, oder entwickelten sich weiter.

Und dieses Entstehen und Vergehen betrifft nur die Milchstraße, also einen relativ kleinen und unbedeutenden Sternennebel in der Unendlichkeit des Universums. Unsere nächste Nachbargalaxie ist Andromeda, 2.5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt. Und selbst von dort ist bekannt, dass es Leben, sogar fortschrittliches Leben, gab und gibt, es seien hier nur die Kelvianer erwähnt. Heutzutage schätzen Wissenschaftler die Gesamtzahl der Galaxien im beobachtbaren Universum auf über 1 Billion! Bei “Star Trek” wird es wohl nicht anders sein. Geht man also davon aus, dass es sich bei der Milchstraße und Andromeda um durchschnittliche “Star Trek”-Galaxien handelt, ist die Anzahl an technologisch fortschrittlichen Spezies, die es im Universum im Verlauf von 13.8 Milliarden Jahren gegeben hat, überwältigend!

Leben heißt aber auch Bewegung. Das Bedürfnis von A nach B zu gelangen kann als Innovationsmotor angesehen werden. Somit ist es im “Star Trek”-Universum auch nicht verwunderlich, dass mehrere Spezies, wenn auch vielleicht nicht zeitgleich, aber dennoch unabhängig voneinander, das Prinzip des Warpantriebs entdeckt und nutzbar gemacht haben. Ferengis hiervon mal ausgenommen, die haben sich den Warpantrieb schließlich nur gekauft. Mit “Star Trek: Discovery” hat sich nun eine exotische Form eines Antriebssystems in den Kanon verewigt, der Sporenantrieb. Und hierdurch wurde auch die Saat des Untergangs gesät. Es ist mehr als unwahrscheinlich, in Anbetracht der gewaltigen Anzahl an Zivilisationen allein im “Star Trek”-Universum, dass es bisher nur Paul Stamets gelungen sein soll, sich das Myzel-Netzwerk in irgendeiner Art und Weise zunutze zu machen. Nun gibt es aber nicht nur das normale “Star Trek”-Universum, sondern dieses ist auch nur eines von unendlich vielen Universen im Multiversum.

Die U.S.S. Discovery in "Saints of Imperfection" (Szenenbild: CBS)
Die U.S.S. Discovery in “Saints of Imperfection” (Szenenbild: CBS)

Somit ist auch die Zahl an technologisch versierten Spezies unendlich. Selbst wenn es sich bei der Beschaffenheit des “Star Trek”-Universums um ein seltenes Kuriosum handeln sollte, sagen wir einmal eins von einer Milliarde Universen ist bewohnbar, ändert das nichts daran.  Diese Seltenheit kann jedoch angezweifelt werden, da gleich das bekannteste Paralleluniversum, in das der “Star Trek”-Kanon uns führt, das Spiegel-Universum, mit seinem Pendant in seiner Beschaffenheit quasi identisch ist. Und auch dort wurde das Myzel-Netzwerk nutzbar gemacht, nur in einer schädlicheren Weise als im normalen “Star Trek”-Universum.

In der Discovery Folge “Auftakt zur Vergangenheit” wird nun explizit erwähnt, dass eine Schädigung des Myzel-Netzwerks zum Ende allen Lebens im gesamten Multiversum führen kann. In dieser Feststellung liegt nun aber auch das ganze Dilemma, mit der die Macher der Serie das gesamte “Star Trek”-Multiversum zu Grabe getragen haben. Zwar gelingt es der Discovery den Reaktor der ISS Charon zu zerstören, aber das sollte eigentlich irrelevant gewesen sein. Dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit nach, sollte jedes Ereignis, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit größer Null ist, irgendwann auch eintreten. Dass die Wahrscheinlichkeit, das Myzel-Netzwerk nutzbar zu machen und es zu schädigen größer als Null ist, ist durch die Arbeiten von Stamets und Spiegel-Stamets nun mal Fakt. Zu jedem gegebenen Zeitpunkt sollte es im Multiversum unendlich viele Gelegenheiten gegeben haben, dass irgendwer irgendwo das Myzel-Netzwerk so sehr geschädigt hat, dass es zu den befürchteten Folgen gekommen ist, d.h. endgültiger Exitus allen Lebens.

Damit haben sich die Macher von “Star Trek: Discovery” natürlich ein riesiges Ei gelegt, und es ist zu befürchten, dass sie sich dessen noch nicht einmal sonderlich bewusst sind. Man beerdigt immerhin nicht alle Tage ein ganzes Franchise. 

Somit liegt es natürlich wieder mal beim Fan selbst, wie er mit dieser Information umgehen möchte. Denn Fakt ist ja immerhin auch, dass das Multiversum augenscheinlich nicht zerstört wurde, was uns sämtliche wunderbaren Serien und Filme beweisen, die seit 1966 über Bildschirm und Leinwand gelaufen sind.

Ignorieren ist natürlich die einfachste, aber auch die langweiligste Form dies zu tun. Aber Fiktion wäre nun mal keine Fiktion, wenn sie nicht auch schon eine Lösung parat hätte! So wie ein Fauxpas Multiversen zerstören kann, kann ein anderer Fauxpas Universen erschaffen. Hierzu muss man in das Jahr 1988 zurück gehen. In jenem Jahr setzte NBC die Krankenhausserie “St. Elswhere” ab, in Deutschland lief diese Serie unter dem Titel “Chefarzt Dr. Westphall”. Am Ende der letzten Folge sieht man, wie ein Junge namens Tommy Westphall, der Sohn des Chefarztes Dr. Westphall, auf dem Boden sitzt und fasziniert in eine Schneekugel schaut. Dort sieht er eine Miniaturversion des Krankenhauses, in dem sein Vater arbeitet. Besagter Vater beugt sich jedoch in dieser Szene zu ihm herunter, und bedauert, dass er den Autismus seines Sohnes leider nicht verstehen, und dass sein Sohn in seiner eigenen Welt leben würde. Zudem fragt er sich, was sein Sohn wohl in der Kugel sieht.

Tommy Westphall (Chad Allen) in "The Last One." (Szenenbild: "St. Elsewhere" 6x22, MTM)
Tommy Westphall (Chad Allen) in “The Last One.” (Szenenbild: “St. Elsewhere” 6×22, MTM)

Diese Szene impliziert, dass die gesamte Serie sich nur im Kopf von Tommy Westphall abgespielt hat. Das hat jedoch weitreichende Konsequenzen. Es kam zu Crossover und Verweisen mit anderen Serien. So besuchten Charaktere aus “St. Elsewhere” die Bar in “Cheers”. “Cheers” hat Einfluss auf “Frasier” usw. So können über 450 Serien in Verbindung mit “St. Elswhere” gebracht werden, sie gehören sozusagen zu ein und demselben Serienuniversum. Zu diesen Serien gehören unter anderem Akte X, Doctor Who, Lost, Alf, Knight Rider, Diagnose Mord, Red Dwarf, NCIS, CSI und jetzt kommt es: Auch “Star Trek”! Geht man nun auf diesen zugegeben recht nerdigen Ansatz ein, ist die einzige Hoffnung für das “Star Trek”-Multiversum ein Junge namens Tommy Westphall, der in seinem Verstand alle Fäden zusammenhält.

 

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