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    Rezension: Discovery 4×09 – “Rubikon”

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    Wir sehen uns Folge 9 aus der aktuellen Staffel von “Discovery” an. Wird die DMA endlich ausgehen oder ist dieser neuartige Kopierschutz doch penetrant? Anders ausgedrückt: Achtung, Spoiler!

    Die Rückkehr von Nhan

    In dieser Folge ist es endlich soweit: Nhan (Rachael Ancheril) kehrt zurück und bekommt ein paar Szenen spendiert, die tiefer blicken lassen. So ist sie jetzt bei Geheimoperationen tätig, da das mit ihrer Familie so nicht geklappt hat. Im späteren Verlauf der Folge kann man ihre Beweggründe sogar nachvollziehen. Sie kann niemandem von ihrer Herkunft erzählen und will in die Familie nicht mit einer Lüge zurück. Außerdem hat man auch nicht zum Klischee gegriffen, sie zum einzig Überlebenden ihrer Einheit zu machen.

    Tja, was soll ich sagen? In dieser einen Folge hat sich Nhan als interessanter erwiesen als Gray und Adira zusammen, die ich übrigens beide überhaupt nicht vermisse. Schon seit Staffel 2 will ich eigentlich mehr von diesem Charakter sehen, daher war ihr “Abgang” auch etwas unverständlich für mich. Leider wird es aber wohl bei diesem einen Auftritt bleiben, da sie sich am Ende wieder verabschiedet. Doppelt schade.

    Übrigens ein Lob an die Synchro: Man hat hier den Spagat hingekriegt, dass sich Nhan und Michael in privaten Szenen duzen, während sie sich auf der Brücke im Dienst siezen. Die Sache mit dem Duzen und Siezen war bekanntlich einer der Kritikpunkte bei “Deep Space Nine” und “Voyager” gewesen. Wie können sich Julian und Miles beziehungsweise Tom und Harry sieben Staffeln lang siezen, wenn sie doch beste Freunde sind? Es hat zwar 20 Jahre gedauert, aber dieser Synchro-Bug scheint endlich behoben.

    Schön ist auch die Entwicklung bei Saru – und der Fakt, dass ich mit meiner Vermutung aus Folge 4 wohl doch recht hatte: Da entwickelt sich was mit T’Rina. Natürlich hat Saru da so seine Bedenken und wendet sich an Doc-Couns Culber, der in einer schönen Szene mal ordentlich die Meinung geigt. Solche schönen Szenen wünscht man sich eigentlich öfter.

    Neben den guten Effektszenen in der DMA war es das aber fast schon wieder mit den positiven Aspekten dieser Folge. Denn leider ergeht man sich hier in einigen “Discovery”-Manierismen und Klischees, dass es nicht mehr feierlich ist. Doch dazu kommen wir gleich.

    Kehrt leider nur für diese Folge zurück: Rachael Ancheril als Commander Nhan. (Bild: “Discovery” 4×09, Paramount+)

    Action in der Anomalie

    Wie erwähnt, kommt es an dieser Stelle durchaus noch zu einigen schönen Effektszenen. Das fängt damit an, dass man Book in einem Asteroidenfeld aufstöbert und sich an dessen Schiff anschleicht. Dieses Anpirschen gipfelt dann in einem getarnten Sprung der Discovery, die daraufhin ein getarntes Shuttle losschickt, um heimlich anzudocken. Dabei dürfen dieses Mal auch zwei aus der Brückencrew mitfliegen, namentlich Rhys und…äh…? Oh Mist, muss ich immer noch den Charakternamen des anderen nachschlagen? Bryce, ja genau. 😉

    Nun ja, die Namen sitzen noch nicht perfekt, aber immerhin wird es langsam besser. Das Streitgespräch kann man jetzt allerdings nicht wirklich als Charakterentwicklung verbuchen, auch wenn es interessant ist, dass einer auf Books und der andere eher auf Burnhams Seite steht. Viel besser ist da schon Books Reaktion auf das von Tarka installierte, neue Verteidigungssystem. Hier merkt man einfach, dass ihm doch sehr viel an der Discovery-Crew liegt. Das hatte man zwar auch schon letzte Woche gesehen, doch nun bricht es sich in dieser gefährlichen Situation einfach Bahn. Wobei Tarka… Aber halt, zu dem kommen wir gleich noch.

    Nach der Flucht kommt es jedenfalls zum Showdown in der DMA, wobei schon hier der erste Fehler der Folge vonstatten geht. Denn die beiden Schiffe können in dem Ding navigieren, als wäre nichts gewesen. Und das, obwohl man vor einigen Folgen noch fast zerrissen worden wäre. Okay, inzwischen weiß man etwas mehr über das Ding, aber wenn irgendwo gesagt wurde, warum man plötzlich reinfliegen kann, ist es mir entgangen. Immerhin kommen wir hier sogar bis auf Transporter-Reichweite an den Controller heran.

    Aber gut gemacht ist das Katz- und Mausspiel inklusive Feuergefecht schon, das muss man an der Stelle zugutehalten. Hier schafft man es, eine durchaus interessante Schlacht mit zwei Schiffen darzustellen. Wobei das “Books Schiff ist undurchdringlich”-Narrativ fast schon wieder zu viel des Guten war. Damit geht ja genau genommen auch eine “Unzerstörbarkeit” einher. Doch zum Glück hat Nhan dafür einen Plan parat, denn sie hat an Books Schiff eine neue Schwachstelle ausgemacht. Aber halt, soweit sind wir noch nicht…

    Sprechen wir an dieser Stelle noch kurz über Michael und ihren Versuch, Book aufzuhalten. Okay, Michael macht mal wieder eine Art Alleingang. In diesem Fall kann man es aber verstehen, denn als Partnerin von Book ist sie vermutlich die einzige Person, die wirklich zu ihm durchdringen kann.

    Man kann an dieser Stelle mal wieder monieren, dass wir uns erneut über Books Trauer unterhalten. Aber wie schon zu Beginn der Folge gezeigt, ist er zumindest geneigt, Burnham und der Föderation zuzuhören. Es ist ja auch anzurechnen, dass Michael versucht, mit Book in Kontakt zu treten und die Daten mit ihm teilt. So langsam sollte man aber von dieser Thematik wieder etwas wegschwenken. Nichtsdestotrotz kann man nachvollziehen, warum Book auf den Kompromiss eingeht.

    “Wie ist das nochmal mit dem Interspezies-Sex?” – “Naja, Klingonen haben neuerdings zwei und Centauri sechs.” – “Hä?” – “Sorry, falsches Universum.” (Bild: “Discovery” 4×09, Paramount+)

    Rückfall in alte Gewohnheiten

    Das war es dann aber schon mit dem Positiven zu dieser Folge. Denn leider tritt man im Grunde auch hier wieder auf der Stelle und kommt bestenfalls marginal voran.

    Das fängt damit an, dass Admiral Vance Michael eben Nhan zur Seite stellt, damit diese im Notfall eingreift, da sie mit Book nicht so eng befreundet ist. Von einem gewissen Standpunkt aus ist das sicher nachvollziehbar. Als “Discovery”-Zuschauer weiß man aber, dass Michael am Ende wieder Recht behalten und die Lösung aus dem Hut zaubern wird. Da kann man noch so oft betonen, dass sie es diesmal durchziehen wird.

    Immerhin hat sie am Ende soviel gelernt, dass sie Rhys anweist, die Waffen abzufeuern, wenn Nhan den Befehl dazu gibt. Und zwar ohne Wenn und Aber! Dass es dazu aber nicht kommt, dürfte jedem klar sein, denn man wird kaum die Hauptfigur der Serie umbringen.

    Ja, ich weiß. Gerade ich hatte in den Reviews zu den letzten Folgen immer wieder gesagt, dass man über die “Discovery”-Manierismen (bzw. -Klischees) hinwegsehen sollte und man dann mit Staffel 4 auch richtig Spaß haben kann. In dieser Folge werden die aber derart wieder rausgehauen, dass es schon fast wie ein Rückfall in alte (schlimme) Zeiten wirkt.

    Dass es ein Feuergefecht gibt, ist da schon fast das kleinere Übel. Auch dass Michael hier Book verteidigt (“Das waren nur Warnschüsse.”), ist ja noch okay und hätte auch zu TNG-Zeiten so passieren können. Welche Konsequenzen das allerdings für Book haben wird, das werden wir vielleicht künftig noch sehen – oder eben auch nicht.

    Nachdem Tarka zuvor aber schon heimlich sein Verteidigungssystem angebracht hat und er auch unverhohlen zeigt, dass ihm die Discovery-Crew eigentlich am Allerwertesten vorbeigeht, lag es eigentlich auf der Hand, dass Tarka nicht aufgeben wird und stattdessen weiterfeuert. Zwar sagt Book zunächst noch, Tarka habe durch diese Aktion sein Mitspracherecht verloren. Doch spätestens hier wäre für mich an Books Stelle eben einfach Schicht im Schacht gewesen und ich hätte seinen Zugang zu den Schiffssystemen blockiert. Dass er dann nämlich einfach seine Waffe in den Controller beamen kann, war sowas von vorhersehbar und klischeehaft, dass es schon nicht mehr feierlich ist.

    Zwar hat man sich bemüht, Tarka durch seine Erklärungen und seine Verzweiflung noch etwas glaubhafter zu halten. Trotzdem war halt schon seit einigen Folgen klar, dass mit ihm vielleicht etwas nicht stimmt. Und da lasse ich den dann aber doch nicht allein hantieren…

    Auge zu Schiff: Michael muss es wieder richten. (Bild: “Discovery” 4×09, Paramount+)

    Dass die ganze Aktion von Burnham am Ende aber nicht klappen wird, konnte man sich als Zuschauer auch ausrechnen. Denn sonst wäre die Staffel mit dieser Episode ja schon vorbei. Wobei die Sache mit der DMA sich langsam zäh wie Kaugummi anfühlt. Da fast sofort eine zweite DMA auftaucht, darf man immerhin an der Stelle gespannt sein, wie es nächste Woche weitergeht.

    Doch zurück zum Text. Wie gesagt: Book hätte hier genug Zeit gehabt, Tarka doch noch aufzuhalten. Immerhin reden Burnham und Nhan in der tiefsten Krise auch erstmal noch darüber, wie man nun weiter verfährt und warum Michael zu Book fliegt. Hätte andererseits nicht auch Tarka an dieser Stelle dann schon Zeit gehabt, um zu handeln? Nun ja…

    Der blanke Hohn ist jedoch das letzte Gespräch zwischen Michael und Nhan, in dem Letztere bekräftigt, nun auch mal Michaels Mittelweg zu probieren. “Messias” Michael hat wieder mal recht gehabt und alle überzeugt. Das war selbst mir hier zu viel, da es praktisch von Minute 1 an vorhersehbar war. Und genau deshalb ist einfach nicht gut geschrieben. Es zieht die Folge an dieser Stelle leider deutlich nach unten.

    Fazit

    Wieder einmal kommt man mit der Staffelhandlung nur marginal voran. Zwar gibt es ein paar gute Charakterszenen, die reichen aber nicht aus, um die Folge aufzuwerten, da hier einfach wieder in viel zu viele alte “Discovery”-Manierismen verfallen wird. Bis zu einem gewissen Grad ist das sicherlich noch auszuhalten. In dieser Folge hat man es aber mal wieder völlig übertrieben und so weckt “Rubikon” leider Erinnerungen an die schlechteren “Discovery”-Tage. Auch Nhans One-Off-Auftritt wirkt hier stellenweise wie verschenkt. Vor allem deshalb, weil diese Figur nach wie vor mehr Potential als einige andere Charaktere aufweist. Bleibt zu hoffen, dass dies nur ein einmaliger Ausrutscher war und man auf den letzten Metern nicht wieder alles versaut. So wie schon in den Staffeln zuvor. Bis hierhin war die vierte Staffel nämlich ansonsten durchweg solide.

    Bewertung 2.5 out of 5 stars (2,5 / 5)

    Episoden-Infos

    Episodennummer 51 (Staffel 4, Episode 9)
    Originaltitel Rubicon
    Deutscher Titel Rubikon
    Erstausstrahlung USA Donnerstag, 17. Februar 2022
    Erstausstrahlung Deutschland Freitag, 18. Februar 2022
    Drehbuch Allan McElroy
    Regie Andi Armaganian
    Laufzeit 44 Minuten
    Thomas Götz
    Thomas Götz
    Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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    Ui, da hat wohl jemand eine ganz andere Wahrnehmung an die Folge als ich: Denn für mich war die Folge: Woaaaah… Diese Folge hat mich ja mal so richtig gefalsht ! Hier hat ja echt mal wirklich ALLES gestimmt (für Discovery Verhältnisse) !!! Meiner Ansicht nach war dies die vielleicht beste Folge der 4ten Staffel bisher ! Dramatik, Humor, Action, Diplomatie, Vertrauen, all das was Star Trek ausmacht war hier enthalten… Das Cmdr. Nahn wieder an Bord kam war eine echte Überraschung ! Und ihre neue Position hat mir gut gefallen, als drastischer Gegenpol zu Michael. Auch wie man hier… Weiterlesen »

    Ach ja und ich akzeptiere eure andere Betrachtungsweise der Folge… Geschmack ist ja relativ 🙂 liebe Grüße und danke für das Review 🙂

    Ui, da hat wohl jemand eine ganz andere Wahrnehmung an die Folge als ich: Denn für mich war die Folge: Woaaaah… Diese Folge hat mich ja mal so richtig gefalsht ! Hier hat ja echt mal wirklich ALLES gestimmt (für Discovery Verhältnisse) !!! Meiner Ansicht nach war dies die vielleicht beste Folge der 4ten Staffel bisher ! Dramatik, Humor, Action, Diplomatie, Vertrauen, all das was Star Trek ausmacht war hier enthalten… Das Cmdr. Nahn wieder an Bord kam war eine echte Überraschung ! Und ihre neue Position hat mir gut gefallen, als drastischer Gegenpol zu Michael. Auch wie man hier… Weiterlesen »

    Ach ja und ich akzeptiere eure andere Betrachtungsweise der Folge… Geschmack ist ja relativ 🙂 liebe Grüße und danke für das Review 🙂

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