Wir nähern uns mit Folge 4 bereits wieder der Halbzeit – oder, in diesem Fall, der Spoiler-Review. Was diesmal so los ist, im 32.Jahrhundert, schaut sich Tom an.
Der Elefant im Raum: Klingonen
Gleich zwei Dinge fallen zu Beginn der Folge auf: Man verlässt endlich die Erde. Das wurde genau genommen auch Zeit, geht es ja auch darum, Anisha zu finden. Leider wird dieser Handlungsstrang aber hier nicht weiter verfolgt. So oder so, die Idee, die Akademie mobil zu machen, hat was. Es muss ja nicht immer alles und jeder zur Erde kommen.
Zum anderen erfahren wir hier nun mehr über Kraag (oder Jay-Den, um ihn mal beim Vornamen zu nennen) und seine Vergangenheit, sowie zum aktuellen Status der Klingonen. Während man bei Jay-Den durch Rückblenden in die Vergangenheit mehr erfährt, wird die aktuelle Lage der Klingonen schließlich Voraussetzung für den Debattierclub der Folge. Und da liegt der erste Haken an der Sache.
Denn auch Qo’noS ist beim Brand explodiert. Okay, genau genommen ist nicht der Planet in die Luft geflogen, sondern nur die Dilithiumreaktoren auf der Oberfläche. Das Resultat ist aber das gleiche, die klingonische Heimatwelt ist unbewohnbar, das Volk steht am Rande der Auslöschung. Und das sind Tatsachen, die für die vielen Fans der Klingonen da draußen (ich gehöre, wie ihr ja sicher wisst, nicht dazu) schwer zu schlucken sind.
Genau genommen ist es auch für mich schwer zu schlucken. Zuerst wird Romulus zerstört und die Romulaner damit an den Rand des Aussterbens gebracht (ok, vielleicht nicht so explizit), dann wird Vulkan zerstört und die Vulkanier an den Rand des… ups, achso, das war ja zum Glück eine alternative Zeitlinie. Na und nun haben wir mit den Klingonen eben die nächste Großmacht, die vom Antlitz der Erde verschwunden ist. Das ist nicht nur etwas einfallslos, sondern hat auch ein gewisses Geschmäckle. Fast so, als wollte Kurtzman, bevor er nächstes Jahr abdanken muss, noch möglichst viel von Star Trek zerstören.
Das ist zumindest eine Interpretationsweise, die bei dem Shitstorm, dem die Serie zuhauf ausgesetzt ist, von vielen geteilt wird. Fakt ist natürlich auch, dass es die Paramount-Oberen nicht zu interessieren scheint, was da auf dem Bildschirm zu sehen ist, solang „das Geld fließt“ (oder eben nicht und man „Prodigy“ einfach abschafft). Aber das trifft halt auch auf viele andere Studios zu.
Ob an der Rache-Theorie nun was dran sein mag oder nicht, es gibt natürlich noch eine andere Erklärung (oder einen Versuch). Man wollte nicht, dass irgendeine Macht nach dem Brand dominant ist. Die Romulaner konnten nicht, da zu geschwächt (wobei, nach 800 Jahren, also bitte!), die Föderation lag in Trümmern und die Klingonen hätten den Alpha-Quadrant einnehmen können. Diesen Eindruck wollte man vermeiden und klarstellen, dass es eben JEDEN erwischt hat und keiner eine Vormachtstellung aufbauen konnte (wobei das unter dem Gesichtspunkt auf der anderen Seite sicher auch eine nette Idee gewesen wäre – Menschen unter Klingonenherrschaft). Kann man machen, aber wie gesagt, auch ich bin absolut nicht glücklich damit, wie man es hier gelöst hat.
Natürlich ist das im Endeffekt auch blanker Hohn, denn bei Discovery hatten sich die Fans aufgeregt, dass nichts vom Zustand der restlichen Galaxis gezeigt wurde, und nun macht man das endlich und wieder regen sich alle auf. Ob das jetzt an den Trekkies liegt oder an den faulen Drehbuchautoren, die einfach ein altbekanntes Trope wiederholen… nun, das zu beurteilen überlasse ich nun jedem Selbst.
Die Klingonen-Story endet jedenfalls damit, dass die Krieger eine neue Welt erhalten. Dabei tritt federführend ein alter Freund von Nahla auf, der inzwischen sowas wie eine Art Vorreiter bei den Klingonen ist. Das geht soweit in Ordnung, am Ende wird ein Kampf inszeniert, der die Klingonen dazu bringt, wirklich nach Fenn Alpha umzusiedeln. Unterlegt natürlich mit dem Klingonen-Thema, das hier etwas Nostalgie wecken soll, angesichts des Szenarios aber, zumindest für mich, ein klein wenig unpassend.
Natürlich könnte man an der Stelle einwenden, warum ausgerechnet Jay-Den die Lösung findet und alle darauf hören. Aber derartige Diskussionen sind viel zu mühselig, denn da könnt man bei jeder Trek-Serie fragen, warum gerade die Enterprise immer die Missionen ausführt, die die Galaxis verändern. Natürlich weil der Zuschauer eben hier bei unseren Helden ist, ganz klar.
Trotzdem war mir das einen Ticken zu weit konstruiert an der Stelle, auch weil wir erst mit Betazed zwei Folgen vorher eine ähnliche Situation hatten (damals hat Caleb „die Lösung“ gebracht). Etwa doch Ideenlosigkeit im Writers Room?
Immerhin erhält Jay-Den mit seinem Bogen eine Art Erlösung für seinen Characterarc.
Die Charaktere
Und damit sind wir schon beim nächsten Punkt der Folge: den Charakteren. Natürlich steht vor allem Jay-Den im Vordergrund, aber auch Darem zeigt hier, dass er durchaus auch auf Freundschaft zu setzen vermag.
Die Szene mit den Atemübungen wirkt zwar stellenweise etwas lächerlich (oder sind da Anziehungsvibes im Spiel?), zeigt aber immerhin, dass auch Reymi langsam auftaut und sich einfügt. Er ist also nicht mehr ganz der Arsch vom Beginn und hat inzwischen auch eine Entwicklung hingelegt. Mal sehen, ob wir auch zu ihm noch was erfahren.
Über Jay-Den erfährt man vor allem in Rückblenden etwas, die teilweise aber ein wenig störend sind, auch wenn sie ihm natürlich mehr Tiefe verleihen. Dass er drei Eltern hat – geschenkt. Schön wird indes erklärt, warum er eben kein Krieger ist und auch bei Klingonen muss es Ärzte und ähnliche Berufe geben. Das war schon immer so, deswegen ist Jay-Den nicht weniger klingonisch als andere seiner Art. Lediglich die Namensherkunft bleibt man uns an der Stelle aber schuldig.
Auch Thok darf dann nochmal auf ihn einwirken, und wir erfahren mehr über ihre Herkunft. Was viele, die an ihr rummeckern vergessen ist, das sie alle auf dem Stand des 24.Jahrhunderts sind. Ja, es gab nur männliche Jem’Hadar, aber wer sagt, dass die 800 Jahre später sich nicht fortpflanzen können? Von daher finde ich diese Kritik an Thok übertrieben, da muss man an der Stelle einfach offen sein. Was allerdings nicht geht ist ein Drill-Instruktor mit dieser Körperstatur, und das soll jetzt keine irgendeine geartete Anspielung sein.
Jedenfalls ist sich Jay-Den beim Debattierclub total unsicher und muss das mit eben diesen Schritten im weiteren Verlauf der Folge überwinden. Das klappt ganz gut, wobei man auch hier sicherlich wieder streiten kann, dass genau jetzt das Klingonenthema auf den Tisch kommt. Aber der Debattierclub ist sowieso eine Sache für sich.
Der Debattierclub
Ja, es soll hier geübt werden, was die Föderation groß gemacht hat: Diplomatie. Und so schön es ist, unter Moderation des Doktors (und ich denke immer noch an Doctor Who) hier ein paar altbekannte Ereignisse der Star Trek-Welt durchzukauen (und natürlich auch ein paar unbekannte)… so ganz gepackt hat mich das nicht.
Das geht damit los, dass Caleb hier wieder jeden abhängt und voranprescht. Entweder ist der Junge ein Supertyp à la Wesley, der einfach alles weiß (man denke hier an seine Verbrechervergangenheit) oder eben ein Streber, der von der Akademie überzeugt ist und alles schnell durchpaukt. Wohlwollend will ich mal für Letzteres sein, konsequenterweise gewinnt Caleb am Ende auch die Debattierrunden. Schöner wäre es für mich hier gewesen, wenn jemand anderer, z.B. Genesis oder Sam, den Preis abgestaubt hätte, statt schon wieder Caleb. Und natürlich gewinnen, wenn „unsere“ Kadetten gegen No-Names antreten, auch immer sie, ist doch klar.
Nein, mitgenommen hat mich das leider nicht, ich fand es stellenweise leider etwas langweilig. Auch, weil es halt im Endeffekt keinerlei Auswirkungen hat. Es ist nur eine Übung und auch wenn die Prämisse ist, Kadetten in Ausbildung zu zeigen, war mir das dann doch etwas repetitiv. Und da hilft halt auch nicht, dass man am Ende so auf die klingonische Lösung kommt.
Die Folge geht wieder 60 Minuten, in Anbetracht des Settings hätten es diesmal aber die obligatorischen 40 Minuten auch getan, da sie doch an einigen Stellen etwas zäh war.




