Die Vorgeschichte zu Midnight.
Inhalt (Klappentext)
Schon mehrfach haben die Dämonenhorden der Brennenden Legion verucht, die Lande Azeroths an sich zu reißen. Doch bislang gelang es den Champions von Allianz und Horde stets, die Gefahr in letzter Sekunde abzuwenden, nicht zuletzt dank legendärer Helden wie Hochexarch Turalyon und Alleria Windläufer, die dem Wohl der Welt alles untergeordnet haben – auch ihren eigenen Sohn Arator. Mittlerweile selbst ein Paladin wie sein Vater, trägt der junge Arator nicht bloß schwer an der Entfremdung von seinen Eltern, sondern gleichermaßen an der Bürde seines Vermächtnisses. Als sich in der Scherbenwelt Meldungen über vermeintliche Teufelsmagie- Vorfälle häufen, sieht Arator seine Chance gekommen, sich zu beweisen. Anfangs glaubt niemand wirklich, dass mehr hinter den Berichten steckt, doch bald gibt es in der Gegend rings um die Teufelsseelenbastion immer mehr Opfer zu beklagen. Wer ist der Dämon, der die Seelenmaschine in der alten Festung wieder zum Laufen bringen will? Warum ist er Arator, Turalyon und Alleria stets drei Schritte voraus? Droht womöglich sogar eine neue Invasion der Legion? Bei dem Versuch, den Geschehnissen auf den Grund zu gehen, kommen Arator und seine Eltern einem Geheimnis auf die Spur, das nicht bloß ihre Familie bedroht, sondern ganz Azeroth.
Kritik
Pünktlich zu “Midnight”, der neuen Erweiterung von World of WarCraft, erscheint auch der obligatorische Einleitungsroman. Mittlerweile ist man ja von Belletristik-Publikationen bei Blizzard eher weggerückt, bei WOW erscheint zumindest so ein Prequel-Buch noch regelmäßig. Leider macht es das ganze nicht besser, denn genau genommen muss man dieses Buch nicht gelesen haben, um der Midnight-Story zu folgen. Klar, man will die Spieler ja eben auch zur Story des Spiels locken, aber es ist schon bezeichnend, wie bedeutungslos unterm Strich dieser Roman letztlich bleibt.
Nun ist Christie Golden eine der Stammschreiberinnen von WarCraft, die schon seit 25 Jahren (oder so) Geschichten zum Universum beisteuert. Sie kennt sich also in der Materie bestens aus und hat auch einige gute Romane abgeliefert, bisher zumindest. Liest man sich die Danksagung durch, dann erfährt man, dass Autorin Golden den Roman während einer schweren Zeit geschrieben hat, wofür man sicher Verständnis haben sollte. Allerdings soll an dieser Stelle ja die Story des Bandes bewertet werden, und die hat halt leider so einige Mankos.
Dabei dreht sich alles um die Familie von Alleria und Turalyon und ihrem Sohn Arator. Die waren ja in der Lore lange getrennt und bestreiten hier eine gemeinsame Mission, um die letzten Dämonen zu besiegen. Da die Geschichte zwischen “War within” und “Midnight” angesiedelt ist, muss man sich als geneigter Fan natürlich schon fragen, wann genau diese Story denn stattfindet. Denn eigentlich ist Alleria ohne Unterlass auf der Jagd nach Xal’atath, da wirkt es schon etwas seltsam, ein paar Tage (oder gar Wochen) eine Pause einzulegen. Andererseits tut man das im Spiel ja auch. Klar, man kann jetzt argumentieren, dass die Wartezeit auf nächste Patches nicht automatisch heißt, dass auch in der “World of WarCraft” Wochen vergehen und man auch hier die Geschichte reinquetschen kann, dem widerspricht aber, das auch im WarCraft-Kanon seit Erscheinen des Spieles 20 Jahre vergangen sind (glaubt man den offiziellen Chronicle-Büchern und der Homepage). Theoretisch könnte die Story sogar noch vor “Midnight” spielen, wo sie besser passt, aber dann wäre das Midnight-Logo auf dem Cover schon irreführend.
Aber gut, gehen wir mal davon aus, die Familie findet sich wirklich zu einer Kampfpause zusammen und erlebt hier dieses Abenteuer. An und für sich ist das ja dazu gedacht, die Familie zusammenzuführen, aber vom Fleck weg leidet die Mission unserer Helden unter dem Gefrotzel, das die drei untereinander beständig ablassen. Das mag vielleicht wirklich bei Familien so sein, wirkt aber nach einiger Zeit (es zieht sich durch den ganzen Roman) mehr als störend. Ähnliche Probleme haben übrigens auch die Marvel-Superhelden-Romane. Immerhin, so ganz verloren ist man an der Stelle nicht, denn ein klein wenig wächst die Familie schon im Verlauf der Story zusammen. Wobei man auch hier am Ende quasi alles wieder in Trümmern legt.
Um das an weiteren Beispielen zu illustrieren: Alleria und Turalyon entscheiden sich endlich, zu heiraten, was ja immer noch offen ist. Am Ende kommt es nicht dazu (mehr dazu gleich), die beiden trennen sich wieder und gehen wieder auf die Jagd. Damit ist die Story wieder genau auf dem Status Quo, den die Handlung am Ende von “War within” hatte. Keine Statusänderung, nichts, was leider absolut nicht dazu beiträgt, den Füllerstatus dieses Romans zu drücken und die Geschichte weiter in der Bedeutungslosigkeit verschwinden zu lassen. Hinzu kommt, dass das Ende halt auch nicht zum Beginn von Midnight passt, wo Turalyon und Arator eher zerstritten bzw. von zuviel Pflichtbewusstsein getrieben sind. Ein klein wenig wird in die Richtung gebogen, aber nicht so, dass es den Übergang zur Midnight-Geschichte verständlich machen würde. Denn eigentlich war Turalyon noch kurz zuvor stolz auf seinen Sohn. Ein derartiger Patzer sollte halt eigentlich nicht passieren.
Hinzu kommt ein etwas schwacher Bösewicht in Form von Sarothar (muss noch jemand an Sarotti-Schokolade denken?). Der will die verbleibenden Dämonen der Legion zu einer weiteren Invasion vereinigen, was an und für sich zwar ein altbekanntes Klischee ist, aber als Ausgang für die Story jetzt nicht so verkehrt. Außer heißer Luft kann der gute alte Saro aber nichts, trotz gestaltwandlerischen Fähigkeiten, die er an den Tag legt und die viel Potential haben. Zu Beginn übertölpelt er die drei Helden sogar, aber statt sie zu töten, haut er ab mit den bedeutungsschwangeren Worten, ihn in Ruhe zu lassen. Klar dass die Helden das – NICHT – tun.
Später, beim Entscheidungskampf, wird der Bösewicht in wenigen Worten besiegt (getötet). Es schließt sich eine Feier und besagte Hochzeit an, nur hat das Buch zu diesem Zeitpunkt noch ganze 100 Seiten zum weglesen, so dass selbst der dümmste Leser weiß, dass es das noch nicht war und da noch was kommt. Zwar vermuten das auch die Charaktere, das hilft aber nicht die spätere Enthüllung (und konsequente Hochzeitssprengung) durch Saro abzufedern. Es kommt zu einem weiteren – diesmal etwas Längerem – Kampf, an dessen Ende Saro aber erneut zugrunde geht, wieder nur mit einigen wenigen Sätzen – seufz. Diesmal aber angeblich endgültig, was sicher wie zuvor wieder angezweifelt werden könnte. Leider schafft es der Bösewicht aber, nicht zuletzt wegen dieser Konstellation, nicht, auch nur im Ansatz mitreißend zu sein und über den Status als hohler Sprücheklopfer hinaus im Gedächtnis zu bleiben.
So dümpelt die Geschichte leider von einem langweiligen Höhepunkt zum nächsten vor sich hin und das Weiterlesen wird stellenweise eine Qual.





