In der zweiten Folge geht es wieder in einen Horroreinschlag – natürlich nicht ganz spoilerfrei, ihr seid also hiermit gewarnt.
Kein Greif
Die Folge startet gleich in die Vollen, denn ohne große Einleitung erreichen Spock, Kirk und La’an die in einem Trümmerfeld treibende Griffin. Natürlich hat man so mehr Zeit für die eigentliche Geschichte, daran ist also erstmal nichts auszusetzen. Trotzdem kann man das Review eigentlich recht schnell abhandeln, denn eigentlich ist alles nur eine Illusion… oder doch nicht?
Zumindest sind die Gänge der Griffin recht leer und schnell wird klar: dass hier wird eine Bottle Show. Das heißt wir befinden uns in den Kulissen der Enterprise und jagen durch die Gänge, natürlich schön abgedunkelt (wobei das bei den eh dunklen Sets ja kaum eine Kunst ist), und schnell wird klar, da streift noch etwas anderes dunkles durch die Gänge. Was es genau ist, wird bis zum Ende nicht geklärt werden, was per se nicht schlimm ist. Genau genommen ist es auch ein Aufhänger für das Ende und Abteilung 12, zu dem die Griffin dann geschleppt wird.
In einem klassischen Horror-Move wird dann am Ende gezeigt, dass „das Böse“ immer noch an Bord ist. Ob man davon wieder hören wird? Pike selbst sagt ja es wird nicht immer alles aufgeklärt. Nun ja, kann man sicher machen. „Strange New Worlds“ wollte ja schon immer neue Sachen ausprobieren, und die Folge fällt halt nunmal genau in das Raster.
Später erscheinen dann noch Crewmitglieder der Enterprise, wobei dem geneigten (und Horror-affinen) Zuschauer schnell klar wird, das die ebenfalls nicht real sein können. Dafür dürfen die viel zu schnell dem Bösen anheimfallen und sich selbst (mit CGI-Unterstützung) selbst verstümmeln. Trägt zum Gore-Faktor sicherlich bei, aber trotz oder gerade wegen der leichten Überhöhung hilft es nicht wirklich und auch hier sind es eher Szenen unter „ferner liefen“.
Sehen wir uns nun die einzelnen Schauermomente des Außenteams im Detail an.
Kirk und Familie
Beginnen wir dabei mit dem Schwächsten, und das ist eindeutig Kirk (der irgendwie noch immer nicht in die Shatner-Richtung geht, obwohl ihn nur noch 3 Jahre davon trennen, aber gut). Dieser redet inzwischen recht offen über seine Beziehung mit Carol und seinen Sohn David und die Schwierigkeiten, das alles unter einen Hut zu bringen. Auch hat das Dreiergespann die Beziehung zwischen La’an und Spock zum Thema, aber auch hier merkt man, wie gut die zwei oder in dem Fall drei, miteinander harmonieren. Ich nehme also durchaus ab, dass sich hier eine Art Freundschaft zu entwickeln droht.
Kleiner Fun Fact am Rande: Der Roboter, den James seinem Sohn mitbringt, ist der aus „Alarm im Weltall“ von 1957 – mit Leslie Nielsen. Na, wer hats erkannt? Bergab geht es für Kirk dann aber an Bord der Griffin. Zum einen hadert er mit seiner Beziehung zu Carol und David, denn Carol findet seinen Job nicht gut. Soweit so bekannt, schafft es diese Konstellation aber leider in keiner Weise, in irgendeiner Form mitreißend zu sein oder es zumindest so darzustellen. Vielleicht hätte es geholfen, man hätte Carol mal kurz gezeigt?
Was man immerhin positiv anrechnen muss, ist das Gespräch mit Sam. Der arbeitet genau die Punkte heraus, die Kirk später bei Carol und David wiedergutzumachen versucht. Dabei lässt die Folge etwas offen, ob es schon zu spät ist, oder eben nicht (aus „Star Trek 2“ wissen wir aber, es ist wohl zu spät). Also eigentlich doch ganz gut oder? Kirk hat hier einen Moment, der seinen Charakter weiterbringt und ihn auf David und Carol zugehen lässt. Tja, leider ist Sam aber, wie der Rest der Enterprise-Crew, eben nicht real. Kirk erarbeitet es sich an dieser Stelle aus seinem Unterbewusstsein oder, wenn man eine böse Entität unterstellt, bringt diese Kirk auf die fehlende Idee. Und das funktioniert halt nicht, denn zum einen gibt Sam hier den Löffel ab, in dem er, in einer recht blutigen Sequenz, ins All gesogen wird (womit sein Tod 4 Jahre später schon vorweggenommen wird). Wenn sich also später herausstellt, Sam war gar nicht da, muss es also die böse Entität gewesen sein, die Kirk geholfen hat, dabei will sie ihn eigentlich töten? Uff. Da kommt eben das es hier keine vernünftige Erklärung gibt der Folge eben nicht zugute.
Übrigens, die oben erwähnte nicht reale Enterprise-Crew vermag zu keinem Zeitpunkt, irgendwie geartete Spannung zu erzeugen, da man eben weiß, dass sie nicht real ist und zum anderen eben ein Splatter-Klischee nach dem anderen abgefeuert wird. Besser schnell weiter.
Spock und die Logik
Der zweite Handlungsstrang ist der um Spock, der wohl am ehesten irgendwo im Mittelfeld rangiert. Spock muss hier wieder damit kämpfen, ob er „unwürdig“ ist oder nicht, bzw. ein echter Vulkanier oder nicht, wobei ihm eine Version von T’Pring zu Hilfe kommt. Auch die scheint zunächst zu helfen und schwenkt später dann um, um Spock zu verstümmeln – wobei sich später herausstellt, er war es selbst.
Auch das bleibt halt leider recht blass, vor allem da auch Spock hier schnell mit der Vision redet und eben sagt, dass sie nicht real sein kann. Auch hier werden zu keiner Zeit neue Impulse gesetzt sondern nur übliche Klischees bedient. Ja, man kann argumentieren, dass sich Spock mit der Logik dann eben aus seiner Misere befreien kann und er damit quasi eine Charakterentwicklung spendiert bekommt. Allerdings fühlt sich das wie bei Kirk halt nunmal auch nicht organisch an. Und wieder könnte man argumentieren, dass die Entität ihm am Ende mehr hilft, als sie ihm schadet. Irgendwie mag es nicht so richtig horrormäßig zugehen bzw. kann sich die Folge, trotz der Splattereffekte, nicht entscheiden, in welche Richtung die Kerbe ausschlagen soll – so zumindest der Eindruck.
Chapel besucht Spock am Ende dann sogar und redet mit ihm, wobei hier wieder durchschlägt, dass sie vielleicht doch noch was für ihn empfindet (und waren Hautregeneratoren auf diesem Niveau nicht erst später verfügbar?). Roger Korby sollte inzwischen ja verschwunden sein, sofern er überhaupt nochmal thematisiert wird. Zumindest diese Szene deutet die Entwicklung der Classic-Serie an und ist sozusagen ein kleiner Lichtblick in der düsteren Episode, wobei man aber auch hier anmerken kann, es wirkt etwas zu aufgesetzt und soll das künftige Scheitern mit La’an vorbereiten.
Nun, wir werden es am Ende ja sehen, aber wie bereits letzte Woche bemerkt, wird irgendwas mit La’an wohl passieren (müssen).
La’ans Mördertour
Und damit sind wir auch schon bei La’an, deren Entwicklungen mir hier noch am Besten gefallen haben. Okay, insgesamt hat es genauso wenig Tiefgang wie die der beiden anderen, auch hier kommt nicht wirklich Spannung auf. Das Harper die ganze Crew getötet hat, wird in den Gesprächen schnell deutlich, man darf sich aber auch hier getrost wieder fragen, ob sie nun real ist oder eben nicht oder inwieweit der Einfluss der Entität auch hier reicht.
Allerdings ist der obligatorische Zombie halt auch an dieser Stelle nicht dazu geeignet, einen Spannungsbogen zu erzeugen. Das liegt nicht daran, dass es hier mal wieder um Zombies geht (hatten wir auch erst in der zweiten Folge der letzten Staffel), sondern eben daran, dass auch besagte Harper keinen allzu gut ausgebauten Charakter verliehen bekommen hat. Dass sie La’an anspricht und auf ihre Seite zu ziehen versucht, mag ja noch irgendwie interessant sein, dass dann aber die ganze halbtote Crew (analog Spocks Leichen in der KS) erscheint, ist eben wieder das obligatorische Horror-Klischee abklappern. Das kennt man halt schon anders und besser.
Gut ist, das Uhura und Ortegas auftauchen, und es eine Art Frauenrunde gibt. Ortegas Transporterunfall erinnert frappierend an den ersten Star Trek-Kinofilm und gefällt daher, Uhuras angstvolles Weglaufen dann halt auch. Leider aber ist eben auch das nicht real, so dass sich auch hier wieder (bestenfalls) eine Entität-getriggerte Weiterentwicklung ergibt. Wie bei den anderen beiden zuvor, will es nicht so recht in den Kontext passen und wirkt ebenso angedichtet. Auch hier: verschenktes Potential.
Dann ist da halt noch das Messerattentat auf Kirk und der geneigte Zuschauer weiß schon, dass er überleben wird, es ist ja immerhin die Prequel-Serie. In anderen Serien wäre der Betroffene nach so einer Verletzung übrigens gleich abgenippelt. Aber hier lebt er eben, so lang das Drehbuch (und die Nachfolgeserie) es erfordert. Spannend wird sein, wie die beiden künftig miteinander umgehen – etwas, dass hier bewusst offen bleibt.
Pike darf La’an dann am Ende auch noch ins Gewissen reden und Kirks Verletzung verschweigen. Nicht das erste Mal und ja, das haben schon andere Captains gemacht, Pike sollte nun aber zumindest ein Auge auf La’an haben (wie dereinst in Discovery Season 2 zu Michael) und es sollte in den kommenden Episoden nicht vergessen werden. Nun, sehen wir mal, wohin das ganze führt, zumindest ist eine gewisse Konsequenz in Bezug auf die erste Folge und La’ans Sorgen vorhanden.




