Mit Folge 8 bekommen wir erstmals eine reine Science Fiction-Story im alten Gewand. Im Spoiler-Review schauen wir, was noch so drinsteckt.
Das Setup muss man schlucken
Folge 8 der neuen Staffel beendet die Reihe der „Experimente“, die seit Folge 1 eigentlich im Mittelpunkt der neuen Staffel standen. Die letzten beiden Folgen hatten dabei schon vorgelegt und stark den Hommage-Faktor heruntergefahren (auch wenn er immer noch da war), nun gibt es das, was man als erstes reines Star Trek bzw. Sci-Fi-Abenteuer einer bisher extrem schwachen Staffel bezeichnen könnte.
Dabei zeigt diese Episode eigentlich, wie man Hommagen richtig macht. Hier wird zwar wieder ein Badmiral-Theme benutzt, aber auch sonst werden einige Forshadowing-Themen hier mehr subtil denn mit dem Holzhammer eingeleitet. Etwa wenn Sam und James Kirk über ihren Vater reden, oder über ihre Kinder, oder Kirk und Spock über ihre Zukunft philosophieren. Zu all dem ertönt leise im Hintergrund leicht abgewandelte Musik von „Zorn des Khan“ (da der Soundtrack zu meinen Lieblingen gehört, hab ich das gleich erkannt) – so gehen Easter Eggs und Nostalgiefeeling, ohne es zu übertreiben. Sprich: die Stimmung passt schonmal.
Ein paar Kröten muss man allerdings auch hier schlucken. So werden Pike und Una erstmal aus dem Weg geräumt (Außenmission), um Platz für Reeger und Kirk zu schaffen. Okay, ist ein Klischee, aber das war teilweise in den anderen Serien halt auch schon so, von daher kann man damit leben. Und wie schon erwähnt wird hier wieder das Badmiral-Trope bedient, also ein böser Vorgesetzter, der hinter allem steckt. Kurzzeitig dachte ich sogar, das wäre alles nur ein Test für Kirks Kommandofähigkeiten (oder warum läuft dauernd der Yeoman samt Padd hinterm Admiral her?), was vielleicht an manchen Stellen besser gepasst hätte.
Denn ja, die Enterprise-Crew und vor allem auch M’Benga, brauchen am Ende viel zu lange, um „Nein“ zu den Befehlen zu sagen und gegen den Admiral aufzubegehren. Das kommt halt wirklich erst, als er Kirk den Phaser an den Kopf hält und damit viel zu spät. Wäre es wirklich ein Test gewesen, wäre das nicht so ins Gewicht gefallen, hier ist es stellenweise leider schon unglaubwürdig.
Wer über diese beiden Schwachstellen hinwegsehen kann, der erhält hier eine durchweg gute Episode präsentiert, die allerdings, das darf man nicht verhehlen, auch von diesem konstruierten Setup abgesehen, noch ein paar andere Probleme hat.
Eisige Höhlen
Doch fangen wir zunächst mit der B-Handlung an, welche ein Außenteam um Pike (inklusive Vulkanierin A’sha) in eine Eishöhle führt, um einem Notruf nachzugehen. Prompt geraten sie in die Fänge einiger andorianischer Piraten, die sie bedrohen und Komprotokolle für Schmuggel wollen.
Und hier erhalten wir dann etwas fast schon Ungewöhnliches, denn der Bösewicht erhält Profil. Pike (und später auch Uhura) reden mit ihm, wobei durchaus auch Fragen über die Werte der Föderation aufkommen. Ja, das mag an manchen Stelen vielleicht zu oberflächlich sein, ab und an hat man dann aber doch das Gefühl, dass die Helden zu ihm durchgedrungen sind und er schwankt. Es mag nicht perfekt sein, aber damit steht er besser da als einige der anderen Bösewichter.
Okay, er verletzt dann A’sha und ist damit schnell unten durch, nichtsdestotrotz gefällt die Szenerie trotz einiger Fehler auch deswegen, weil es schließlich Uhura ist, die in guter alter Rambo-Manier en Tag rettet. Ja, auch hier kann man wieder streiten, vor allem, da jeder Schuss sitzt, während die Piraten Stormtrooper-like danebenschießen. Lediglich besagter Anführer darf am Ende dann Uhura treffen, aber statt ohnmächtig zu werden, darf sie weiter brav wach sein und ihn erledigen – ganz wie das Drehbuch es verlangt. Okay, später sagt sie, er hätte sie nur an der Schulter getroffen, so als pseudo-Erklärung. Dumm nur, das der Betäubungseffekt den ganzen Körper getroffen zeigt. Immerhin, sie scheint ein wenig Bedauern zu hegen, hat sie doch noch groß davon geredet, niemanden zu töten und hat hier keine Wahl.
Betrachtet man Uhura hier, ist es natürlich schade, dass sie in der „Nachfolgeserie“ TOS nur noch Stichwortgeberin ist – das übliche Prequel-Problem eben. Dementsprechend ist die Beförderung hier am Ende aber redlich verdient. Was hingegen etwas sauer aufstößt ist A’sha, die nun alles hinschmeißt und nach Vulkan zurückkehrt. Klar, man kann sagen nach so einem Trauma vielleicht verständlich, auf der anderen Seite weiß man aber, dass das Leben in der Flotte kein Zuckerschlecken ist. Ich hatte ja bereits in den letzten Folgen erwähnt, dass ich in der Figur Potential sehe und gern mehr von ihr sehen würde, das ist damit wohl gestorben. Leider fühlte es für mich aber eher nach „Wir biegen es uns mal wieder hin“ an, da Spock ja der erste und einzige Vulkanier (zu TOS-Zeiten) in der Flotte sein soll (zumindest, wenn ich das noch richtig im Kopf habe).
Der tobende Badmiral
Und damit zurück zur Haupthandlung um Reeger, der hier ein flüchtendes Schiff verfolgt, dass getarnt ist. Die Anleihen an „Spock unter Verdacht“ sind recht nett, scheinbar lernt Kirk hier einiges für die Zukunft, auch wenn es sich um ein Klingonenschiff handelt. Wobei man zugeben muss, dass das Katz- und Mausspiel, dass Kirk hier betreibt (vor allem mit La’an) durchaus Spaß macht.
Wenn Jim durch die Korridore wetzt, La’an umnietet, bei Scotty ist und sich heimlich aus der Krankenstation wegbeamt, dann macht das Spaß und erinnert sicher nicht von irgendwoher an Datas Kaperung der Enterprise in „Die ungleichen Brüder“. Ich habe hier in der Tat Shatners Kirk in Ansätzen gesehen und zum ersten Mal war die Rolle nicht mehr als derart unpassend dargestellt, wie sie es vielleicht früher in manch anderen Folgen war. Und natürlich werden hier auch weitere Weichen für die Zukunft gestellt: Die Zusammenarbeit mit Spock und Scotty etwa und natürlich das Gespräch zwischen den beiden Brüdern.
George Kirk hat man offiziell im Kanon ja nur im Film von 2009 (und das in einer anderen Zeitlinie) gesehen, in den Büchern gibt es aber ein paar mehr Szenen mit ihm (vor allem in der Anfänge-Reihe) und die Darstellung passt in der Tat. Erwähnenswert auch, dass zu dieser Zeit die Constitution das Flottenflaggschiff ist und eben nicht die Enterprise, diese Ehre verdient man sich erst später – das passt auch. Und so wird schnell deutlich, dass mit dem Mann etwas nicht stimmt.
Eingangs erwähnte ich es bereits, aber die Crew der Enterprise hätte natürlich viel schneller reagieren und den Mann absetzen müssen. Vor allem nach Kirks Nachforschungen und vor allem, weil M’Benga eben damals dabei war, als die große Täuschung um Kirks Vater gemacht wurde. (Frage am Rande: Wo war M’Benga eigentlich nicht dabei? Klingt fast so als wäre er in jedem Schlachtfeld gewesen). Das zu schlucken war stellenweise durchaus schwer, aber Kirk in Action hat das dann immer wieder rumgerissen.
Dabei ist natürlich auch die Diskussion, ob die Auslöschung eines Planeten gerechtfertigt ist, durchaus interessant. Auch hier natürlich wieder: Sie wird auf Strange New Worlds-Niveau geführt, sprich: recht oberflächlich und ja, ich erwähne es hier nochmal, die Crew schaut viel zu lange tatenlos zu und ist bereit, die Befehle umzusetzen. Wäre nicht Kirk als „moralischer“ Apostel hier mitten drin gestanden, hätten die vermutlich einfach den Knopf gedrückt, und das nur, weil Reeger (erinnert mich immer an Möbel Rieger in Erfurt) „ihr Held“ ist. Das passte nicht ganz und wertete stellenweise einzelne Charaktere durchaus ab.
Aber ja, am Ende wird er dann endlich für Dienstunfähig erklärt und der Angriff verhindert. Das wirft die von Reeger interessante Frage auf, ob Kirk für weitere Angriffe des Schiffes verantwortlich ist, wenn es wieder auftaucht. Erst dachte ich ja, die meinen damit besagte „Spock unter Verdacht“-Folge, aber dort sind es ja die Romulaner. Also mal sehen, ob dies in der Serie selbst in anderen Folgen noch weiter aufgegriffen werden wird – hier ist es aber nichtmal so schlimm, wenn nicht, da das Schiff quasi nur der Aufhänger für die Story ist.
Ja, und dann kommt wieder etwas, was die bis hierhin wirklich (und endlich mal wieder) gute Folge abwertet und ihr mal wieder den Boden unter den Füßen wegzieht, weil die Autoren wieder mal nicht konsequent zuende gedacht haben. Stellt sich nämlich heraus, der gute Reeger ist von Kirk unter Drogen gesetzt worden. Als weitere Verbindung zur Classic-Serie wird hier das frisch eingeführte Cordrazine erwähnt. So schön das Easter Egg auch ist, bleibt am Ende nur eine Frage: Was zur Hölle sollte das denn?
Ich sehe ja noch ein, dass Kirk Reeger als Bösewicht überführen muss, aber wie in aller Welt sollen Drogen dabei helfen? Im Gegenteil, es beschleunigt eher noch seinen Verfall und macht ihn unberechenbarer, er hätte also noch Schlimmere Sachen oder einen noch größeren Genozid viel früher anordnen können. Auch wenn man der Crew die Augen öffnen will, dann doch sicher nicht, in dem man einen Wahnsinnigen noch wahnsinniger macht, um die Metapher hier mal zu verwenden. Zumal man den Admiral sicher auch so hätte überführen können, denn er hätte ja aus Rache für seine Familie so oder so gefeuert. Kirk spielt hier also bewusst mit den 5000 Leben auf dem Planeten – und sorry, das passt dann wiederum so gar nicht zu dem Jim, den wir kennen.
Zumal Reeger ja, selbst nach diesen Ereignissen, anscheinend in Amt und Würden bleibt. „So bin ich eigentlich gar nicht“, meint er lapidar und geht seines Weges. Im Ernst? Was, wenn er morgen wieder ein Radarecho sieht und beschließt den nächsten Planeten anzugreifen? Der Mann hat ja offensichtlich Probleme – und wenn er keine hat, war Kirks ganze Aktion total überflüssig und passt nicht zusammen. Und was ist mit Kirks Vater? Wird die „Heldentat“ endlich richtig aufgeklärt, oder bleibt auch das unter Verschluss? Hier fällt die Folge leider in alte SNW-Tropen zurück und liefert keine tiefergehende Auseinandersetzung oder Auflösung der Thematiken. Schade.
Der größte Abschuss kommt aber gleich im Anschluss. Denn M’Benga opfert sich für Kirk und nimmt die Schuld auf sich. Bis dahin dachte ich wirklich noch, der Admiral will eine Ausrede für sein Verhalten finden, später, vor allem, als Kirk auf die Krankenstation kommt, wird aber bestätigt, dass er hier wirklich dem Admiral das Mittel eingeflößt hat (dazu wurde ja oben schon alles gesagt). Mag ja sein, dass M’Benga sich wirklich schuldig fühlt, vielleicht auch, weil er nicht eher eingegriffen hat und er „das Gute“ in Kirk erkennt. Wie bei A’sha wirkt aber leider auch das hier nur wieder wie ein billiger Trick, um zu erklären, warum M’Benga später Platz für McCoy machen muss. Das hätte einfacher eleganter gelöst gehört (und vor allem hätte einem da sicher was anderes einfallen können). Immerhin, Chapel darf noch lapidar einwerfen „So machen sie jetzt also ihren Weggang“ (siehe letzte Folge). Zumindest das sorgt noch für einen kleinen Schmunzler, weil es halt irgendwie total zutreffend ist.



