Folge 4 von Strange New Worlds geht neue Wege… schon wieder. Wohin es uns diesmal führt, klärt Tom in seiner Spoiler-Review.
Noir
Auch die vierte Folge von Strange New Worlds ist als Experiment zu sehen, dass diesmal ganz im Zeichen des Film Noir steht. Deswegen ist sie auch in schwarz-weiß gedreht. Ja, es war im Vorfeld groß angekündigt worden, dass diese Staffel mehr Einzelfolgen und mehr Experimente beinhaltet, aber nach vier Folgen „Experimente“ ist es auch mal wieder gut. Denn in gewisser Weise hat man die Prämisse guter SciFi-Stories diesem Gusto untergeordnet. Da noch mindestens eine Experimentalfolge kommt (Muppets) hat man damit 5 Folgen und damit über 50% der Staffel für derartiges verschwendet. Okay, bei Folge 1 kann man sicherlich diskutieren, inwieweit diese ein „Experiment“ war. Und grundsätzlich ist ja nichts schlimm daran, wenn man mal neue Wege ausprobiert. Wenn man aber nichts anderes mehr tut… nunja.
Aber hey, vielleicht tue ich den Autoren auch unrecht. Die Muppet-Folge bei „Angel“ hat ja in den 90ern bzw. 2000ern schon Spaß gemacht, vielleicht wird es ja hier genauso. Die letzten Jahre bzw. die Geschichten der Kurtzman-Ära sprechen hier aber nicht unbedingt für sich, aber das ist natürlich noch Zukunftsmusik.
Noir soll es also diesmal werden , erklärt mit einem Strahlenspektrum des Sterns. Deswegen ist alles in schwarz-weiß, wobei die Strahlung natürlich auch die Schiffswände durchdringt und man in Gängen, die keine Fenster zum All haben (oder eben später das Shuttle mit geschlossenen Fenstern) immer noch der Schwarz-Weiß-Welt anheimfällt. Vielleicht etwas dürftig, aber offenbar hat jemand „Dune“ geguckt, wo das auf Giedi Prime ja ähnlich gehandhabt wurde, und wollte das hier einbauen (oder es ist wirklich nur Zufall). Dass dieser Stil nicht jedermanns Sache ist, versteht sich von selbst, persönlich ist Noir auch nicht gerade meins. Indes, allzu störend ist es dann auch wieder nicht, wenn man mal drin ist.
Übrigens, auch das Intro ist wieder angepasst worden (war es schon die letzten Folgen über) und zeigt nun neben Dinos z.B. auch eine kurze Schwarz-Weiss-Sequenz.
Die großen Probleme der Folge liegen, wie so oft, an anderer Stelle und nicht am Schwarz-Weiß-Schema. Doch bevor wir uns der Hauthandlung auf dem Planeten widmen, sehen wir uns die etwas schwächere B-Handlung an.
Auf dem Schiff
Während das Außenteam nämlich auf dem Planeten werkelt, geht La’an einigen Sachen auf der Enterprise nach, bzw. namentlich einer gelöschten bzw. manipulierten Aufzeichnung. Dabei treten einige interessante Sachen zutage. So sind Ortegas und Scotty augenscheinlich noch dicker, eine Entwicklung, die nach der letzten Folge verständlich ist und von der wir hoffentlich noch mehr sehen. Sollte es wirklich in die Pärchen-Richtung gehen, dann lässt man sich das, wie bereits letzte Woche erwähnt, hoffentlich organisch entwickeln und präsentiert uns keine ad-hoc-Lösung. Leider befürchte ich, da nicht mehr allzuviele Folgen der Serie bleiben, an der Stelle fast schon das Schlimmste.
Viel wichtiger ist aber, das es Chapel war, die die Aufzeichnungen manipuliert hat (um Kollegen zu schützen, die quasi dem Feind helfen) und La’an gebeten wird, sie zu decken – und dies auch tut. Ja, natürlich wirft das die Frage auf, wieweit man für Freundschaft zu gehen bereit ist und wann man die Werte, nach denen man lebt, beugen sollte. Statt das ganze hier auszudiskutieren, wird es aber, wie üblich bei den neueren Trek-Serien, einfach übergangen bzw. weggewischt. Ich verstehe ja, dass man damit darauf hinauswollte zu zeigen, dass das Gute in La’an noch nicht ganz weg ist. Ihr Augment-Gene schlagen also noch nicht durch – oder, um mal ein anderes Franchise zu zitieren: „Man spürt das gute in ihr, und ihren Konflikt!“
Auch hier, wie bei Scotty, sehe ich also, wo das hinführen soll. Es passt halt leider nicht ins Gesamtgefüge. Denn was ich mich die ganze Zeit gefragt habe, mal ehrlich: Sie hätte es Pike ruhig sagen können, denn Pike hätte es genauso wenig weitergesagt, wie La’an, das hat er in der Vergangenheit immer wieder gezeigt. Man mag dies nun dadurch begründen, dass man im TOS-Zeitalter noch nicht so weit ist wie Hundert Jahre später bei Picard, oder man unterstellt, wie meine Kollegen, inkonsistente Charakterentwicklung bzw- Demontage. Es wäre vielleicht aufgewertet worden, hätte man intensiver über die Sache gesprochen, aber wie üblich wird das halt schnell weggewischt. Im Grunde also nur eine Prüfung für die Freundschaft für La‘an? Hier macht man es sich leider allzu leicht. Nur weiter zum nächsten Schauplatz, zur nächsten Folge und ja keine tiefe Auseinandersetzung damit, was im Endeffekt auch für die Planetenhandlung gilt, aber dazu kommen wir gleich.
Immerhin, die vor zwei Folgen eingeführte Vulkanirin darf wieder auftauchen und mit purer Logik ihre Frau stehen. Die Szene gefällt, davon gern mehr.
Der Planet
Und damit sind wir bei der Handlung auf der von Klingonen besetzten Welt. Una, M’Benga und Uhura müssen einer D7 ausweichen und sind daher gezwungen, dort zu landen. Kann man machen, wurde in anderen Serien ja auch schon gemacht und es gibt sicher schlechtere Aufhänger, die ebenso konstruiert wirken. Konstruiert sind dann aber leider ein paar andere Sachen, bei denen es deutlich schwerer wiegt.
So sieht Una wie Nevette aus, die Widerstandsanführerin, in deren Rolle sie sich dann gleich, zugegebenermaßen recht schnell, einfindet. Dabei hat das Szenario ja so einige Probleme, denn sie trifft z.B. auch recht früh auf Nevettes Mörder. Da der mit den Klingonen im Bunde steht, darf man sich hier durchaus die Frage stellen, warum er sie nicht früher „verpfeift“ (klar, weil der Zuschauer es an der Stelle noch nicht weiß, trotzdem funktioniert das Konstrukt an der Stelle leider nicht). Hinzu kommt, das er Nevettes Leiche in einer Stasiskapsel (oder ist es ein Kühlschrank?) aufhebt. Warum? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, sie zu desintegrieren? Hier wollte man halt auch wieder einen Schockmoment für Una schaffen, ob es Sinn ergibt oder nicht, sei an dieser Stelle dahingestellt. Drehbuch zurechtgebogen, wie so oft. Dabei hätte gerade die Szene, in der Una die Widerstandskämpferin verhört, Basis für mehr geboten. Wie weit geht sie? Wie brutal ist sie? Stattdessen begeht die Frau Suizid und gibt einen kryptischen Hinweis. Spätestens hier dürfte der letzte Zuschauer schnallen, dass Una was mit dem Widerstand zu tun hat und wichtig wird, was leider zusätzlich viel Spannung aus dem Rest der Folge nimmt.
Und ja, auch an der Stelle bin ich bei meinen Kollegen, wenn es darum geht, dass man aus der Thematik „Widerstand vs. Besatzungsmacht“ viel mehr hätte machen können. Das nicht wirklich darüber gesprochen wird, ob man sich einmischen soll oder nicht. Auf der anderen Seite müsste eine derartige Folge aber ziemlich ziemlich brutaler zugehen. Hier ist es eher so, als wirken die Klingonen als Besatzungsmacht gar nicht so übel. Ein paar Repressalien, Ressourcen eintreiben aber allzu unterdrückt sieht es an vielen Stellen einfach nicht aus. Der Fakt, das der Planet dann zufälligerweise wie die Erde in den 1920ern aussieht, tut ein Übriges. Erinnerungen an „Epigonen“ werden wach…
Hier weigert man sich wieder einmal konsequent, die angefangenen Storylines bis zum Ende zu gehen und umschifft unangenehme Dinge, schade. Moment, werden jetzt einige sagen, Uhura wird doch gefoltert, das ist doch unangenehm. Richtig, also, das wäre es, wäre die Szene für mich an der Stelle nicht einfach nur lächerlich gewesen. Es war viel zu offensichtlich, dass hier einfach ein paar Scheinwerfer an der Seite angemacht werden, und sich Celia Rose Gooding ein paar mal ekstatisch hin- und herwirft. Nun mag man sagen, das war bei TOS doch auch nicht anders und es soll halt eben die schmerzhafte Szene darstellen. Der Unterschied ist nur, dass ich es den Darstellern in TOS abgenommen habe, die Szene hier aber irgendwie unfreiwillig komisch wirkt. Vielleicht liegt es an dem Schwarz-Weiß, wer weiß?
Und was ist das überhaupt für ein holperiger Rettungsplan? Wir machen einfach einen Ausweis für Uhura und sie kommt frei? Das mag zwar in Anbetracht der Konstellation auf dem Planeten funktionieren, unterstreicht an der Stelle aber eigentlich, dass es nur eine Füllerszene war. Wobei, eigentlich ja auch nicht, weil Uhura ja wichtige Infos von den Klingonen erhalten hat.
Die sind hier zwar die Schurken, aber anscheinend ist man bemüht, sie doch nicht allzu schlecht darzustellen. Das liegt zum einen an Kor, der hier in einer Szene mit Una deutlich macht, für wie stark er sie hält. Das passt zu den Klingonen und ist zweifellos eine starke Szene, ebenso wie man beim Verhör mit Uhura eben merkt, das er eben doch nicht so brutal bzw. offen für vernünftige Gespräche ist. So gesehen wurde vom Darsteller also wirklich das Beste aus dem Charakter herausgeholt. Wäre da nicht…
Kor. Ja, offenbar soll es sich um den gleichen Kor handeln, der drei Jahre später Organia besetzt hält. Die Namensähnlichkeit ist mir natürlich beim Schauen aufgefallen, ich konnte aber die Verbindung zunächst nicht ziehen. Für mich war es einfach ein weiterer Typ namens Kor, kennt man ja, gibt ja auch viele gleiche Vornamen in echt. Unter der Prämisse hat der Charakter mit oben genannter Begründung auch ganz gut funktioniert. Es mag jetzt nicht überbordend gewesen sein, aber es war zumindest etwas Tiefe drin. Ist es aber der Collicos-Kor wertet das die Folge gleich nochmal etwas ab, denn dazu gibt es ein paar Ungereimtheiten mit der späteren Darstellung (Stirnwülste?) die halt nicht so recht passen mögen. Hier wollte man wieder, auf Gedeih und Verderb, eine Referenz einbauen und mit Nostalgie in der Noir-Folge punkten, was aber leider nach hinten losging. Das gleiche könnte man für den berühmten Klingonen-Song sagen, der an der Stelle aber immerhin noch schön umgesetzt war.
Das Finale
Immerhin. M’Benga kann hier den guten Geist spielen und steht mit Rat und Tat zu Spionagetätigkeiten beiseite. Das hilft Uhura später, aber allgemein ist mir M’Benga angesichts der Tatsache, sich unter Klingonen zu befinden, fast schon zu brav. Es wurde ja in den letzten Staffeln ein gewisser Hass aufgebaut, den der gute Doktor zu hegen scheint, der hier aber dafür dann zu wenig durchschlägt.
Ja, man könnte hier sagen er ist der gute Geist, der immerhin Una ins Gewissen reden darf und kurz einwenden darf, ob es klug ist, sich einzumischen. Die Oberste Direktive vernachlässigen wir an der Stelle mal. Schon Kirk hat sich eingemischt, wenn die Klingonen Welten besetzt haben (nicht nur einmal) und die Bewohner sind sich ja auch des Weltraums bewusst bzw. haben, wie wir später sehen werden, durchaus Raumschiffe, sie greift also nicht. Die Diskussion hätte eher in die Richtung „Mischen wir uns ein und riskieren einen neuen Krieg bei Entdeckung“ denn über die Direktiven gehen müssen. Aber auch das wird wieder zu schnell weggewischt und Una darf in ihrer Rolle aufgehen. Laufzeit und Folgenzahl mögen hier ein höheres Tempo vorgeben, dem wird die Folge aber auch hier nicht gerecht.
Immerhin gibt es einen kleinen Twist am Ende, den ich so nicht habe kommen sehen. Una lässt Roman nämlich leben. Was zuerst daherkommt wie etwas, dass sie macht, weil sie eben der Sternenflotte angehört, erweist sich später als Kalkül, denn er ist der Joker, der die Verteidigungsanlagen der Stadt deaktiviert. Erst als sie in der Bar erwähnt, alles läuft wie es soll, hat es da Klick gemacht. Allerdings werden die Klingonen letztlich doch vollführt haben, was sie nicht getan hat, aber da wir uns kurz vor dem Ende der Folge befinden, wird darauf nicht weiter eingegangen.
Stattdessen fliehen die Bewohner nun fleißig ins All (und auch das AT kann zurückkehren). Zwar wird am Ende kurz diskutiert, wieviele man habe retten können (also eigentlich zuwenige bei Millionen Einwohnern) aber auch das wird zu schnell abgehandelt und vermutlich in der nächsten Folge wieder vergessen werden. Stattdessen hätte man hier durchaus noch zeigen können wie es weitergeht oder auch Vergeltungsmaßnahmen der Klingonen zeigen. Der erwähnte düstere Toch, der in der Folge an vielen Stellen fehlt. Stattdessen wird kurz wieder auf Farbe umgestellt (wohl um neue Hoffnung zu zeigen) bevor die Folge im Abspann verschwindet.
Immerhin, einer der Flüchtenden hat es nach Nevarro geschafft, um Mando sein Neues Schiff zu geben… Was? Ist keinem aufgefallen, dass die Flüchtenden Schiffe alle wie die Razor Crest aussehen?




