Martin Weinrich (wc)
22.04.11
"Dieser graue Geist"
Heather Jarman
Inhalt
Auch der zweite Teil des "Mission Gamma"-Minizyklus spielt wieder sowohl im Gamma- als auch im Alpha-Quadranten.
Im Alpha-Quadranten drängen sich die Cardassianer kurz vor Bajors Aufnahme in die Föderation quasi Friedensgesprächen auf. Während Kira alle Händevoll zu tun hat, die Station zu leiten und unter anderem mit den Bündnispartnern Shars zurechtzukommen, stocken die Friedensverhandlungen. Der Grund ist eine merkwürdig starr agierende Verhandlungsführerin.
Im Gamma-Quadranten wird die Defiant durch ein automatisches Verteidigungssystem schwer beschädigt. Die Crew kann sich zu dem Planeten der Yrythny retten. Die Gesellschaft der Yrythny ist gespalten: Auf der einen Seite gibt es die Hausstämmige, Yrythny, die einem Haus angehören und die Wanderer, Yrythny, die ohne Hauszugehörigkeit geboren wurden. Es droht ein Bürgerkrieg. Während sich die Defiant um Commander Vaughn auf den Weg macht, Ersatzteile zu besorgen, bleibt Ezri mit ein paar Sternenflottenmitgliedern auf dem Planeten und versucht zu vermitteln und einen Bürgerkrieg zu verhindern.
Kritik
Diese Kritik bezieht sich auf die deutsche Übersetzung des Romans aus dem Cross Cult Verlag.
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 "Mission Gamma 2:" Mit der Ankunft von Gul Macets Kriegsschiff wachsen politische Spannungen auf DS9, während die Defiant im Gamma-Quadranten zu stranden droht. Eine Rezension von Martin Weinrich.
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Überzeugte der Vorgänger noch durch gut gezeichnete Charaktere, vereint der zweite Teil der Mini-Serie eine gute Story mit guten Personensträngen.
Die Handlung auf dem Planeten Yrythny ist sehr überzeugend. Ezri glaubt mittlerweile, eigentlich alles zu können. Den Warnungen, sie sei noch nicht ganz mit sich und ihrem Symbionten im Reinen, glaubt sie nicht. Sie muss bei der Problemlösung jedoch feststellen, dass sie immer wieder auf die Erfahrungen ihrer Vorgängerwirte zurückgreift. Durch ihr neugewachsenes Selbstbewusstsein ist sie nicht mehr empfänglich für Lösungsvorschläge von anderen Seiten.
Shar, der mit ihr auf Yrythny geblieben ist, möchte über genetische Forschung nachweisen, dass es eigentlich keinen Unterschied zwischen Wanderern und Hausstämmigen gibt. Letztendlich zeigt sich, dass genau dieser Ansatz eine mögliche Lösung mit sich bringt. Ezri behindert diese Forschungen jedoch, da sie andere, nämlich ihre, Ansätze für wichtiger hält. So ist die Yrythny-Handlung nicht nur angesichts der Bedrohung spannend, sondern gleichzeitig auch noch ein wichtiges Lehrstück für Ezri.
Anders die Suche der Defiant nach Ersatzteilen: Diese Handlung ist eigentlich wichtig, denn die Defiant wäre ja auf Yrythny gestrandet, sollte es ihr nicht gelingen, Ersatzteile zu beschaffen. Aber irgendwie plätschert dieser Handlungsstrang vor sich hin. Nog zeigt in einer Situation, dass er Vaughn die Lösung nicht zutraut. Er handelt eigenmächtig und möchte Fremden Technologie im Austausch für Ersatzteile anbieten. Dabei hat Vaughn bereits einen Plan entwickelt, kann nur niemanden darüber informieren. Lediglich die Tatsache, dass Nog entführt wird, rettet ihn vor Strafmaßnahmen. Dennoch ist es merkwürdig, dass er zum Schluss nicht noch einmal auf sein Vergehen angesprochen beziehungsweise gemaßregelt wird. Dafür hätte trotz des bereits mächtigen Umfangs des Buches noch Platz sein können.
Wieder ist die Handlung im Alpha-Quadranten am interessantesten. Zwar steht hier nicht so viel auf dem Spiel wie bei den Yrythny, aber dafür sind einem Bajor und Cardassia einfach näher als ein neu entdecktes Volk im Gamma-Quadranten. Außerdem ist die Darstellung Kiras auch in diesem Roman sehr gelungen. Sie leidet darunter, dass sie von den Bajoranern aufgrund ihrer Exkommunizierung nicht mehr akzeptiert wird und gleichzeitig all ihre Freunde auf der Forschungsmission im Gamma-Quadranten sind. Sprich: Kira fühlt sich sehr allein. In diesem Roman muss sie dabei eine merkwürdige Entdeckung machen: Nicht die Cardassianer stehen einem langfristigen Frieden im Weg, sondern ihr eigenes Volk. Die Schuldige ist schnell gefunden, die Chefunterhändlerin der Bajoraner blockiert bei den Verhandlungen jeden ernsthaften Vorschlag der Cardassianer. Im Laufe des Romans muss Kira jedoch feststellen, dass die Chefunterhändlerin selbst nur Befehle von einer übergeordneten Stelle erhält und sich selbst eigentlich anders verhalten würde. Diese Entdeckung ist leider nicht ganz glaubwürdig, denn vorher verteidigt die Bajoranerin ihre Position sehr gekonnt.
Ansonsten bietet die Handlung auf Deep Space Nine eine Weiterentwicklung der Romanze zwischen Ro und Quark. Es ist faszinierend, wie es den Autoren gelingt, eine zunächst indiskutabel wirkende Beziehung als möglich zu gestalten. Zwar sind die beiden auch am Ende dieses Romans nicht zusammen, aber der letzte Schritt würde nun kaum noch verwundern.
Außerdem sorgen Shars Bündnispartner wieder für Ärger. Diesmal allerdings nicht, weil sie ihn an der Reise in den Delta-Quadranten hindern wollen, sondern weil die Gemeinschaft zwischen ihnen immer unstabiler wird. Vor allem Trish hat spürbare Probleme, ohne Shar auszukommen. Das wiederum sorgt nicht nur für einige Zwischenfälle auf der Station, sondern auch für einen vielbeschäftigten Counselor. Es ist gelungen, dass man das tragische Ende dieses Handlungsstranges zwar ahnt, aber nicht voraussieht.
Der Roman lebt neben den Charakteren von zwei gelungenen Intrigen. Zwei Überraschungen sorgen dafür, dass der Roman etwas anders ausgeht als zunächst angenommen. In der ersten müssen sowohl Shar als auch Ezri feststellen, dass die Leute, mit denen sie zusammengearbeitet haben, gar nicht so verfeindet sind wie zunächst angenommen. Gesellschaftlich bekriegen sich die beiden Gruppen, doch die beiden Repräsentanten, die den Sternenflottenoffizieren zugeteilt wurden, führen eine Beziehung und leiden sehr unter dem Paarungsverbot zwischen den Klassen. So etwas kann bekanntlich zu einer Reihe von Verzweiflungstaten führen, was zu einem spannenden Schluss führt.
Kira muss feststellen, dass es ihr Ex-Geliebter Shakaar ist, der höchstpersönlich den Friedensprozess aufhält. Seine Argumente sind lediglich vorgeschoben, seine Motivation bleibt unklar. Shakaar wird immer unberechenbarer. Kira muss in dem Roman zudem feststellen, dass sie mit den anwesenden Cardassianern beinahe besser zurechtkommt als mit den Bajoranern. Sogar mit Gul Macet, der Gul Dukat sehr ähnlich sieht, kann sie sich anfreunden. Mit Shakaar verliert sie ihren letzten Fürsprecher in der Regierung und zieht sich zum Schluss zu Kassidy nach Bajor zurück. Daher ist zum Schluss offen, in welche Richtung sich Bajor bewegt.
Fazit: "Dieser graue Geist" übertrifft seinen Vorgänger noch in zwei Punkten. Die Handlung im Gamma-Quadranten ist nicht so spinnert wie in "Zwielicht" und durch die interessantere Handlung kommt mehr Dynamik in den Roman. So vergehen die 500 Seiten des Romans wie im Wind. Lediglich kleinere Schwächen wie das Tolerieren von Nogs Insubordination und die etwas unglaubwürdige Enthüllung, dass die bajoranische Unterhändlerin eigentlich auf Kiras Seite stand, stören. Ansonsten ist "Dieser graue Geist" aber sehr gelungen.
"Dieser graue Geist" ist unter anderem bei Amazon.de erhältlich.
Bewertung
Weitere Infos
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| Titel |
"Mission Gamma 2 - Dieser graue Geist" |
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| Originaltitel |
"Mission Gamma II: This Gray Spirit" |
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| Buchreihe |
DS9-Relaunch |
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| Autor |
Heather Jarman |
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| Übersetzer |
Christian Humberg |
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| Preis |
14,00 |
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| Umfang |
507 Seiten |
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| Verlag |
Cross Cult |
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| ISBN |
3-9412-4856-1 |
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(wc - 22.04.11)