Michael Wilkens (mw)
11.03.07
"Science-Fiction als Social-Fiction"
Torben Schröder
Inhalt
Verändert Science Fiction unsere Wirklichkeit? Inwiefern
beeinflusst sie unser Bild von Technologie und Wissenschaft? Kann Science-Fiction dazu
beitragen, soziale Sachverhalte zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen?
Steckt in der Science-Fiction ein utopisches gesellschaftliches Potential?
Um diese und ähnliche Fragen dreht sich die vorliegende Studie, welche anhand
zahlreicher filmischer und belletristischer Beispiele das Potential eines Genres
untersucht, das sich am Ende des Millenniums einer wachsenden Beliebtheit
erfreut. "Faszinierend!" würde Mr. Spock sagen...
Kritik
 |
 Beeinflusst Science-Fiction unser Bild von Technologie und Wissenschaft? |
Mitte des Jahres
1998 erschien im Lit-Verlag Münster dieser erste Band einer kleinen Reihe von besonderen Buchveröffentlichungen aus der "Philipps Universität" Marburg.
Schwerpunkt der Reihe liegt im programmatischen Titel: "Studien zur Science
Fiction". Wie heute (
2005) rückblickend konstatiert werden kann, hatte
"Star Trek" 1998 den Zenit seiner Popularität erreicht. Als Folge davon befasste
sich eine Reihe von Universitäten, nicht nur aus dem Ausland, sondern auch aus
Deutschland mit dem Thema der sozilogischen Betrachtung von Science-Fiction in
den Medien. In dem in Rede stehenden ersten Band der Buchreihe, die unter der
herausgebenden Ägide von Dr. Achim Bühl (Marburg) betreut, und hier verfasst von
Torben Schröder, vorliegt, geht es um die Darstellungsform der Science-Fiction
verschiedenster "Subtopoi" innerhalb eines Genres. Trotz einiger unumgänglicher
Exkurse in die internationale Literatur, steht hier die Science-Fiction im Film
- insbesondere im TV - im Vordergrund. Dabei wird immer wieder Science-Fiction
als gegenwartsbezogenes Genre in ganz unterschiedlichen Ausprägungen
ausformuliert und fundiert dargestellt. Für alle, die auch einmal hinter die
Funktionsweise der Science-Fiction blicken und sie nicht bloß konsumieren
wollen, ist der Band ein ausgezeichneter Einstieg. Er schärft den Blick des
Rezipienten auf das Wesentliche innerhalb der Science-Fiction. Er stellt
plausibel dar welche Formen und Elemente die moderne Science-Fiction im Film
(Literatur) ausmacht, und hilft zugleich Rückbezüge auf die Gegenwart
konstruktiv her zu stellen.
Dabei nimmt "Star Trek" zwar nur im vierten Kapitel (Unterkapitel 4.3) auf den
Seiten 82 bis 88 einen vergleichsweise kleinen Teil der Gesamtbetrachtungen ein.
Immerhin jedoch wird deezediert innerhalb eines eigenen Kapitels auf die
Besonderheiten der Serie hingewiesen und so in einem größeren Kontext zum Topos
der Science-Fiction als wesentliches Medium der Moderne gezeichnet. Dazu ein
Auszug aus der Einleitung:
"(...) Betrachtet man die Popularität und die Verbreitung des
Genres, stellt sich die Frage, welchen Einfluss Science-Fiction auf die
Gesellschaft hat, beziehungsweise welchen Einfluss sie haben kann. Es sollte
daher von sozialwissenschaftlicher Seite gefragt werden, ob die Science-Fiction ein
gesellschaftliches Potenzial besitzt, das heißt ob sie in spezifischer Form mit
der Gesellschaft in Wechselwirkung steht und potentiell gesellschaftsrelevant
wirksam werden kann. Kann die Science-Fiction dazu beitragen, gesellschaftliche Zusammenhänge
aufzudecken, bestimmte Sachverhalte sozial zu vermitteln, aus ungewohnter
Perspektive zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen? (...)
T. Schröder
(Seite 1 bis 5)
In der Darstellung der Grundmotive der Science-Fiction schlägt der Autor in
textuellen Einschüben immer wieder eine Brücke von den verschiedenen Formen der
Science-Fiction zu "Star Trek", da dort in "besonders variabler Weise" (Schröder) eben alle
diese Grundmotive postuliert und damit auch (fast unendlich) variiert werden.
Über die Frage nach dem "utopischen Denken als 'Social Fiction'" wird zudem
festgestellt, dass negative Utopien (so genannte "Dystopyen") im Verhältnis zum positiv
gezeichneten Bild der Zukunft überwiegen. "Star Trek" nimmt hier eine
Ausnahmestellung ein. Es wird deutlich gemacht, dass "Star Trek" sowohl eine
Verknüpfung von technischen Utopien als auch Sozialutopie ist. Die dargestellte sozial-evolutive Weiterentwicklung der Menschheit geschah in Folge von
technologischen Innovationen. Sie befördere, so Schröder weiter, in seiner
stichhaltigen Analyse, den Altruismus der "Star Trek"-Gesellschaft, der
seinerseits die Aussage beinhaltet, die Menschheit besäße das Potential über sich
(heute) hinauszuwachsen und (positiv) weiterzuentwickeln. Fazit ist; die
Science-Fiction
im Allgemeinen und "Star Trek" im Besonderen biete erkenntnisorientierte
Denkmodelle.
Torben Schröder gelingt es auch dem interessierten Laien Einblicke über
nachvollziehbare und überaus lesbare Texte zu vermitteln, die über den bloßen
Konsum der Science-Fiction in all ihrer derzeitigen Ausprägungen hinausgehen. Außerordentlich
empfehlenswert und immer wieder lesbar!
Der zweite Band der Reihe (ebenfalls 1998 erschienen) befasst sich
ausschließlich mit "Star Trek" unter dem Titel "Star Trek - Sozialutopie - Mythos
- Kult". Rezension an dieser Stelle folgt demnächst. Dazu noch eine
abschließende Anmerkung in eigener Sache:
Wer in den zurückliegenden zwei Jahren die Reihe der Rezensionen zu
Sekundärthemen auf der Basis von "Star Trek" aus meiner Feder regelmäßig verfolgt
hat, wird bereits festgestellt haben, dass wir in den Veröffentlichungsjahren der
jeweiligen Titel nun schon rückwärtsschreitend am Ende der 90-er Jahre des
vorigen Jahrhunderts angekommen sind. Das bedeutet, die Zahl der aktuellen Titel
aus den letzten Jahren haben keine weiteren nennenswerten Titel hinzukommen
lassen. Nun, wo "Star Trek: Enterprise" nach der vierten Staffel eingestellt, der
totale "Star Wars"-Hype die internationalen Kinos erschüttert, ist das Interesse
an "Star Trek" merklich zurückgegangen, und auch der Sektor der unterschiedlichsten
Buchveröffentlichungen zu "Star Trek" hat nicht mehr sehr viele Titel zu bieten
- schon gar nicht aus dem deutschsprachigen Raum. Aus diesem Grund bitte ich um
Nachsicht, wenn die Aktualität der Titel nachlässt und nicht mehr die weiterhin
notwendige und befruchtende wissenschaftliche Diskussion um alle denkbaren
Aspekte von "Star Trek" erkennbar auf neuere Gedanken erweitert. Es liegt in der
Natur der Sache, um die abnehmende Neuheit des "Star Trek"-Gedankens, der ganz
offensichtlich für ein paar Jahre eine Pause braucht.
Bewertung
Weitere Infos
|
| Titel |
"Science-Fiction als Social-Fiction - Das gesellschaftliche Potential eines Unterhaltungsgenres" |
|
| Buchreihe |
Sachbücher |
|
| Autor |
Torben Schröder |
|
| Preis |
Ursprüngl. Ladenpreis:
15,90 Euro

Antiquarisch: 30 bis 40 Euro
 Dieser Roman ist nur noch antiquarisch erhältlich.
|
|
| Umfang |
118 Seiten |
|
| Verlag |
Lit-Verlag Münster |
|
| ISBN |
3-8258-3820-X |
|
|
(mw - 18.03.07)