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Julian Wangler (jw), Thomas Götz (tg), Martin Weinrich (wc)04.12.09

"Synthese"

James Swallow

Vorbemerkung

Mit "Synthese" beginnt ein neuer Abschnitt für die "Titan"-Romanserie. War die erste Phase der Odyssee von William Rikers Schiff noch durch allerhand Unwägbarkeiten wie romulanische Intrigen, ein außergalaktisches Intermezzo und zuletzt ein nie dagewesenes Borg-Armageddon gestört, soll der großen Forschungsreise nun wirklich nichts mehr im Wege stehen.

Inhalt

Musste die Titan in der zurückliegenden Geschichte "Stürmische See" noch kürzertreten, hat sie mittlerweile wieder Fahrt aufgenommen und die Peripherie des bislang erforschten Raums erreicht. In der sogenannten Canis-Major-Region, weit ab vom letzten Föderationsaußenposten, fängt Melora Pazlar von ihrem Kartographielabor seltsame Subraumverzerrungen auf. Riker, der im Zuge vergangener Missionen sehr wohl beherzigt hat, dass derlei Raumphänomene mit Vorsicht zu genießen sind, lässt nach einer Lagebesprechung den Kurs ändern, und kurz darauf erreicht die Titan die Quelle der Strahlung.

Noch bevor das Ziel erreicht ist, wird das Schiff aus dem Warp gerissen. Der Subraum ist zu stark beschädigt, um mit Lichtgeschwindigkeit weiterzukommen. Angewiesen auf Impuls, dringt die Titan bald darauf in ein Raumgebiet ein, das wie ein stellares Schlachtfeld anmutet. Schnell haben Riker und seine Leute die These parat, die Ursache der Strahlung gehe auf die Verwendung von Waffen zurück, die die Föderation aufs Schärfste ablehnt. Dann stößt die Titan inmitten der fremdartigen Trümmerwolke auf ein halbwegs intaktes Schiffswrack.

Begierig herauszufinden, welche Vorgänge zu diesem Inferno beigetragen haben, entsendet Riker ein Außenteam. Die Weisung lautet, den Computerkern zu bergen, um Aufschluss über die Hintergründe der allgegenwärtigen Zerstörung zu bekommen. Obwohl weder Biowerte geortet werden noch Deanna Trois Empathie etwas empfangen kann, will Riker zudem nicht ausschließen, da drüben könne noch jemand am Leben sein.

Seine Intuition gibt ihm Recht: Vales Außentrupp trifft an Bord des Raumers auf einen einzigen Überlebenden, der vorher selbst für den Computerkern gehalten wurde - eine künstliche Lebensform, robotisch und hoch entwickelt. Sie identifiziert sich selbst als White-Blue und ordnet sich der Rasse der Sentry zu, einer rein maschinellen Zivilisation.

Als wenig später ein weiteres Sentryschiff auftaucht, führt ein unglückliches Missverständnis dazu, dass man der Titan unterstellt, sie hätte sich der Entführung eines Angehörigen schuldig gemacht. Nur mithilfe von White-Blue kann der Angriff gestoppt werden. Der Schaden fällt jedoch so schwer aus, dass gleich mehrere Crewmitglieder ihr Leben dabei verlieren. Die Sentry - wenig bewandert in diplomatischen Handgriffen - erkennen ihren Fehler und sind bestrebt, die angerichteten Beschädigungen an der Titan zu beheben. Riker wird nicht nach seiner Meinung gefragt, als das Sentryschiff den Föderationskreuzer ins Schlepptau nimmt und sich auf den Weg zum Heimatkomplex der künstlichen Kultur begibt.

Im Zentralsystem der Sentry angelangt, eröffnen sich der Titan-Besatzung faszinierende Erkenntnisse: Nicht nur nutzen die robotischen Wesen offenbar einen riesigen Planeten der Dämon-Klasse als unerschöpfliche Energiequelle, auch bringen Riker und Co. in Erfahrung, dass es die Sentry offenbar schon seit Jahrtausenden gibt. Nach eigener Aussage haben sie ihr ganzes Tun und Wirken auf den Kampf gegen Das Null ausgerichtet, wobei sie sich aber ausschweigen, um was es sich dabei handeln könnte. Immerhin gehen sie so weit zu behaupten, dieser besagte Kampf sei der Grund ihrer Existenz, und daher sehen sie die unglückliche Einmischung der Titan in ihre Angelegenheiten nur äußerst ungern.

Riker allerdings hat die Neugier ergriffen; für ihn ist es ausgeschlossen, einfach weiterzuziehen. Trotz reichhaltiger Vorbehalte aus seiner eigenen Crew, die mit der zurückliegenden Borg-Invasion in Zusammenhang stehen, ist er bestrebt, mehr über die Maschinenzivilisation und die Gründe ihres Agierens herauszufinden. Doch kaum lässt er sich auf das Spiel ein, muss er zusehen, wie White-Blue - die Einheit, zu der er noch den besten Draht geknüpft hat - einen robotischen Freiheitskodex seines Volkes an seinem eigenen Schiff umsetzt - und dem Computer der Titan Leben, ja eine eigenständige Identität einhaucht. Ausgerechnet in der Gestalt einer holographischen Frau, die Riker aus seiner Vergangenheit bekannt ist.

So muss der gerade Vater gewordene Titan-Captain nicht nur unvermittelter Dinge einem flügge gewordenen Computer die Hand halten - als Das Null erscheint, wird klar, dass es dieser Jahrtausende alte Feind der Sentry ist, der die Vernichtungen im Subraum hinterlässt. Und das Potential hat, eines Tages vor den Grenzen der Föderation zu stehen, wenn die Roboter nicht ihr Misstrauen überwinden und mit der Titan gegen die Bedrohung kooperieren ...

Kritik

1. Julian Wangler

Diese Kritik bezieht sich auf die englische Originalausgabe.

Die Titan stößt auf auf die Sentry, eine ganz besondere Spezies. Sie haben ihr ganzes Tun und Wirken auf den Kampf gegen Das Null ausgerichtet. Was hat es damit auf sich?
Man durfte gespannt sein, auf welche Fährte die Titan nach der Borg-Zäsur aus "Destiny" geschickt würde. Da "Over A Torrent Sea" eine Art Übergangsroman war, um Rikers Schiff wieder auf die Schiene der Erforschung zu setzen, lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass "Synthesis" der erste wirkliche Post-"Destiny"-Roman der Reihe ist.

"Synthesis" ist (trotz des abschreckenden Covers mit der allzu amerikanischen Pose) wohl das erste "Titan"-Buch, das die Schilderung crewinterner Abläufe und Beziehungen zugunsten der globalen Handlung deutlich auf Sparflamme hält. Dies könnte eine Konsequenz aus den zurückliegenden Romanen sein, die sich immer mehr in zwischenmenschlichen Belanglosigkeiten beziehungsweise der Präsentation irgendeines neuen unglaublichen Mannschaftsmitglieds verstrickt hatten. Obwohl der Vorgängerroman "Over A Torrent Sea" das Private in "Titan" wieder auf ein annehmbareres Niveau hob, ist das Zücken der Multikultikarte mittlerweile ebenso verbraucht wie ständig lang und breit Rikers Anderssein gegenüber Jean-Luc Picards Kommandostil auf die Goldwaage zu legen.

So gesehen ist "Synthesis" ein erstaunlich schlicht konstruiertes Buch, bei dem man niemals den Überblick verliert. Autor James Swallow verschreibt sich dezidiert der Handlung rund um die Sentry. Obgleich man sich vor dem Hintergrund der Borg-Invasion vielleicht gewünscht hätte, dem Kreativpark der Maschinenwesen eine Pause zu gönnen, gelingt es Swallow, den Sentry eine authentische Note einzuhauchen und sie klar von den kybernetischen Unterdrückern aus dem Delta-Quadranten zu differenzieren.

Leider erinnern sie dafür viel zu sehr an eine Abart der Zylonen aus "Battlestar Galactica" - ein Eindruck, der übrigens durch bestimmte Ausdrucksformen, die sich seltsam fremdartig und nicht "Star Trek"-artig durch den Roman ziehen ("copy that", "end of line" etc.), verstärkt wird. Wie auch im Sci-Fi-Remake treten die Sentry als eine artifizielle Lebensform in Erscheinung, die evolutionär mittlerweile so weit gediehen ist, dass sie Emotionen erlernt hat und insofern menschliches Verhalten nachahmt. Wohl kein anderer "Star Trek"-Roman hat bislang so klar aufgezeigt, dass der alte Widerspruch zwischen künstlichem und biologischem Leben aufgelöst werden kann und die Grenzen zwischen beidem vielmehr fließend sind. In dieser Hinsicht ist das Franchise nun auf der Höhe der Zeit. Bedauerlicherweise wecken eben allzu viele Szenen und Schilderungen Assoziationen zu den Gegenständen, die Swallow höchstwahrscheinlich als Vorlage gedient haben. In diesem Zusammenhang verweise ich auch auf den Plot um Tuvok und Dakal, die die große Maschine auf der Sentrywelt besuchen und sich dabei geradewegs in die Steuerkammer eines Zylonen-Basisschiffes verirrt zu haben scheinen (nur eine gewisse Frau in der Badewanne fehlt).

Wo wir beim Thema "Anleihen" wären: Für "Synthesis" heißt es nicht nur, "'Star Trek' goes BSG", sondern genauso "'Star Trek' goes Farscape". Eine verblüffende Parallele eröffnet sich da nämlich, als plötzlich der Bordcomputer zum Leben erweckt wird. Entgegen meiner anfänglichen Erwartungen ist ihm zwar nur eine kurze Existenz beschieden, aber diesmal ist mir die Nähe zu anderen Serienvorlagen einfach zu groß, als dass ich mich unvoreingenommen auf den kompletten Stoff einlassen könnte. Swallow mag es als eine konsequente Weiterentwicklung desselben Themas ansehen, das auch schon den Aufstand der Holodeckfiguren behandelte, bei mir hingegen hat es ein Geschmäckle, auf das das Wort "Inspiration" nicht mehr ganz passt.

Die Involvierung einer zweiten neuen Lebensform - Das Null - erinnert mich wiederum an einen "Spider-Man"-Streifen, in dem es nicht schlimm ist, wenn gleich drei Schurken auf einmal die Gegend unsicher machen. Es ist einfach zu viel des Guten: Da musste der Leser sich in der ersten Hälfte des Buches so sehr mit den Sentry befassen, dass er im Prinzip nicht mehr aufnahmefähig ist für eine zweite, gänzlich fremde Spezies. Entsprechend dünn fallen dann auch die Informationen aus, die der Autor über Das Null einstreut. Swallow bemüht sich schon, diesen Gegner so primitiv wie möglich zu machen, ihm selbst das Spezies-Hafte abzusprechen, aber das nimmt auch Spannung weg - umso mehr, da die Bekämpfung des Jahrtausende alten Feindes der Sentry zuletzt übertrieben einfach erscheint. Vermutlich hatte den Novelisten im letzten Viertel des Romans bereits die Motivation verlassen.

Wie bereits angedeutet, ist die Charakterzeichnung diesmal außergewöhnlich schmalspurig, was ich als Abwechslung für die Reihe betrachte. Weniger kann tatsächlich manchmal mehr sein: Dem Leser werden lange Tiraden über Rikers und Trois Elternrolle und ihr Kind (das symbolisch Tasha genannt wurde) erspart, ebenso ist der Dinodoktor Ree nach seinem größeren Auftritt im letzten Buch in "Synthesis" kaum präsent. Selbst ausufernde Debatten zwischen Riker und Vale über Moral versus Direktive sucht man diesmal vergeblich. Dafür spielen Pazlar und Xin Ra-Havreii eine verhältnismäßig prominente Rolle.

Im Gegensatz zu früheren Romanen der Serie scheint der Titel diesmal goldrichtig gewählt: In der Quintessenz der Story geht es tatsächlich um so etwas wie ein Zusammenwachsen durch Zusammenwirken. Wie ein roter Faden schlängelt sich das Bestreben Rikers durch den Roman, eine Vertrauensebene zu den Sentry zu erreichen. Oft gibt es dabei Rückschläge, aber am Ende führt die gemeinsame Anstrengung dazu, dass nicht nur Vorurteile überwunden, sondern die Maschinen ihre alte Aufgabe erfüllen und dadurch wahrhaft frei werden können. Die Titan darf sich auch darüber freuen, wird sie doch am Ende um ein Crewmitglied reicher.

Fazit: Bedenkt man, wie wenig befriedigend die letzten beiden Romane geschrieben waren, liest sich "Synthesis" erstaunlich solide. Leider spricht nichts dagegen, dass es sich hierbei bloß um ein Zwischenhoch handelt. Jetzt, da so viele Wiesen abgegrast wurden, fragt es sich, welche Ansätze die Reihe in Zukunft noch verfolgen soll. Dass "Synthesis" an mancher Stelle Assoziationen mit anderen Sci-Fi-Produkten weckt, ist da kein besonders hoffnungsvolles Zeichen. Ob es wohl an der Zeit ist, die Titan allein weiterziehen zu lassen?

2. Thomas Götz

Die folgenden Kritiken beziehen sich auf die bei Cross Cult erschienene deutsche Übersetzung.

Der bereits sechste "Titan"-Band - und erneut muss sich die Crew um Captain Riker mit großen Naturphänomen und einer außergewöhnlichen neuen Spezies auseinandersetzen. War es dereinst noch ein großer Kritikpunkt der Romanreihe, dass es zu viele verschiedene Sachen auf einmal gäbe, zu viele Spezies etc., so findet sich dies auch im vorliegenden Band bestätigt und manchmal hat man wirklich den Eindruck, dass weniger mehr gewesen wäre.

Die Titan trifft auf eine Maschinenrasse, deren Antrieb das Gefüge des Alls schädigt und so einer fremden Naturmacht aus einer Art Anti-Universum Zutritt in unsere Realität gewährt. Man sieht also schon: erneut eine große Bedrohung, wie eigentlich alles in den "Titan"-Romanen immer groß sein muss; das waren in den Bänden davor die Kosmozoane, der Quasi-lebendige-Planet oder andere die Realität bedrohende Phänomene und auch im vorliegenden Band ist es wieder so. Ebenso wie bei der Crewvielfalt wäre hier wohl wirklich weniger mal mehr gewesen.

Immerhin darf es auch Charakterszenen geben, betreffen diese Ranul oder Pazlar. Lediglich Riker und Troi bleiben mit ihrem Baby etwas im Hintertreffen. Sicher gibt es einen guten Auftakt und Riker wird erneut mit Minuet konfrontiert (mal davon abgesehen, das der Enterprise-Computer ihr Abbild damals nicht mehr herstellen konnte und es jetzt, nach zirka 20 Jahren In-Universe-Time plötzlich wieder möglich ist) und muss sein Misstrauen gegen die Maschinen ablegen - wie es den beiden (bzw. dreien) in der Familie aber nun geht, gerät ins Hintertreffen.

Überhaupt weist der Roman sehr viel verschenktes Potential auf. So wäre es etwa schön gewesen, Lwaxana einzubauen und der Riker-Familie einen kleinen Charakterzug mehr zu verpassen. Stattdessen gibt es aber altbekannte Borgdiskussionen und Vertrauensfragen bezüglich der Maschinen. Auch wenn die Ängste der Crew verständlich sind, nachdem bereits in den letzten Romanen (auch TNG) darüber so viel geredet wurde, wirkt es stellenweise einfach langweilig.

Auch Minuet, der lebende Titan-Computer selber, hätte unendlich mehr Möglichkeiten geboten. So hätte er zum Beispiel am Ende Mitglied der Crew sein können, sich in einem der Folgebände ähnlich Data mit menschlichen Gefühlen auseinandersetzen können und auch sonst jede Menge Potential geboten. Aber diese Storyline endet, wie sie enden muss: Der Computer wird auf den alten Stand zurückversetzt, der Status Quo wieder hergestellt. Sicher, eines der Maschinenwesen schließt sich am Ende der Crew an, aber Minuet hätte hier sicher viel mehr Potential geboten und gerade bei einer weiterführenden Buchreihe, die eben nicht an einen Status Quo gebunden ist, wäre sowas doch eine nette Option gewesen.

Alles in allem ist der Roman nicht schlecht geschrieben, man hat nur manchmal, wie eigentlich schon bei den Vorgängern, das Gefühl, der Autor hätte zu schnell zu viel gewollt. Ein etwas gemäßigteres Herangehen hätte sicher zu besseren Charakterszenen und einer etwas anders gearteten Naturgewalt geführt, gegen die man schon wieder antreten muss.

Fazit: Ein Roman, der ganz okay ist, aber viel Potential verschwendet, da einige Sachen durchaus ausbaufähiger gewesen wären. Auch der erneute Kampf gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner bietet wenig Neues. Immerhin bleibt gutes Mittelmaß zurück.

3. Martin Weinrich

Die Grundidee des Romans ist erst einmal sehr gut. Die Titan muss sich zum wiederholten Male mit einer Lebensform auseinandersetzen, die der eigenen Besatzung fremd ist. Das hat schon bei "Die Hunde des Orion" sehr gut geklappt. Doch während man damals auf Weltraumlebewesen traf, geht es nun um intelligente Computer. Diese Idee ist fast noch etwas schöner, die Umsetzung trägt jedoch keinen ganzen Roman.

Die Titan rettet den Computer Weiß-Blau. Von ihm wird sie nach anfänglichen Missverständnissen in ein System gelotst, das von Computern kontrolliert wird. Diese wurden vor Urzeiten erschaffen und arbeiten mit relativ primitiven Ressourcen. So haben sie weder die Möglichkeit zu beamen noch zu replizieren. Ihre einzige Aufgabe besteht darin, das System vor der Null zu schützen. Das tun sie bereits seit vielen tausend Jahren und ihre Arbeit hat sie sehr engstirnig gemacht. Zumindest bringen sie natürlichem Leben sehr wenig Vertrauen entgegen.

Das beruht jedoch auf Gegenseitigkeit. Denn auch die Sicherheitsfraktion auf der Titan arbeitet erst einmal Verteidigungskonzepte aus, bevor sie sich daran macht, die neu entdeckten Lebewesen zu verstehen. Der anfängliche Vorwurf des Computers Weiß-Blau, die Titan-Crew hege rassistische Einstellungen gegenüber Computerwesen, ist also gar nicht mal so unberechtigt.

Und das ist leider auch der Moment, wo die Titan-Besatzung nicht wirklich überzeugt. Mal wieder sind es die Sicherheits- und Waffenoffiziere, die sich zu viele Sorgen machen. Es ist ja verständlich, dass das eine Berufskrankheit ist. Natürlich bringt der Job viele negative Erfahrungen mit sich. Aber es ist traurig, dass dies in "Star Trek"-Romanen nie thematisiert wird. Schließlich müsste es doch auch mal einen Sicherheitsoffizier geben, der seinen Job gewissenhaft erfüllt, ohne jedem Neuen gegenüber sofort feindlich aufzutreten.

Allerdings machen die Computer es der Titan-Crew auch nicht einfach. Der interessanteste Aspekt an der Geschichte ist die "Synthese". Denn durch einen Unfall erweckt Weiß-Blau den Computer der Titan zum Leben. Dadurch wird das Schiff quasi intelligent. Es ist noch immer an die Befehle seiner Erschaffer gebunden, verbindet aber Eigenschaften von natürlichem und künstlichem Leben, weil es eben nicht nur an einen Computer gebunden ist, sondern alle Systeme des Schiffes nutzen kann.

Im Roman durchläuft dieses Bewusstsein, das immer in Form eines Avatars auftritt, einen Reifeprozess. Verhält es sich am Anfang noch kindlich naiv, lernt es mit der Zeit und orientiert sich dabei am menschlichen Aufwachsrhythmus. Dieses Bewusstsein macht Captain Riker natürlich Sorgen. Denn der absolute Albtraum eines Captain ist es natürlich, einen Befehl zu geben und dann zu hören, wie das Schiff "Nein" sagt. Aber auch hier geht die Crew mit relativ vielen Vorurteilen an die Sache heran. Man ist unglücklich, dass neues Leben entstehen konnte, anstatt es zu erforschen. Der Auftrag der Titan wird dabei völlig vergessen. Denn eigentlich soll sie ja forschen.

Natürlich gelingt es zum Schluss, einander zu vertrauen. Das Bewusstsein der Titan wird auf heldenhafte Art und Weise aus der Serie geschrieben und durch eine Zusammenarbeit von künstlichem und natürlichem Leben kann die Null für immer besiegt werden. Das alles liest sich gut, ist aber nichts Besonderes. Stattdessen wirkt der Roman in der zweiten Hälfte etwas routiniert. Es ist klar, dass die Null nicht gewinnen darf und es ist auch unwahrscheinlich, dass das Bewusstsein an Bord der Titan gelassen wird. Daher verwundert der Verlauf der Handlung nicht.

Dabei kann der Roman zum Schluss ein ordentliches Maß an Spannung aufbauen, das ein wenig über die etwas maue Geschichte hinwegtäuschen kann.

Positiv ist zum Ende noch zu vermerken, dass man sich weiterhin Mühe mit den Charakteren auf der Titan macht. Das Ehepaar Riker klärt seine Differenzen mit dem Schiffsarzt und auch sonst bekommen wieder viele Charaktere aus den vorherigen Romanen kleine Szenen, in denen sie zumindest wieder ins Gedächtnis gerufen werden und sich manchmal sogar etwas weiterentwickeln. Das ist gut.

Fazit: Die Idee, die sehr durchmischte Titan-Crew auf eine ihr unbekannte Lebensform treffen zu lassen, ist sehr gut. Leider ist der Kampf der Computerwesen gegen die Null etwas lahm, auch die Aufklärung über den Hintergrund der Null überzeugt nicht wirklich. Durch ein paar Wendepunkte und ein ordentliches Maß an Tempo kann genug Spannung aufgebaut werden, um das Buch zusammen mit der guten Grundidee auch gut wirken zu lassen. Aus der Begegnung der Titan mit einer Computerzivilisation hätte man aber weitaus mehr machen können.

Bewertung

1. Julian Wangler
2. Thomas Götz
3. Martin Weinrich

Weitere Infos


Titel "Synthese"

Originaltitel "Synthesis"

Buchreihe Titan

Autor James Swallow

Übersetzer Stephanie Pannen

Preis 12,80 Euro

Umfang 384 Seiten

Verlag Cross Cult

ISBN 3-9412-4867-7

(jw, tg, wc - 02.01.12)


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