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Martin Weinrich (wc), Thomas Götz (tg)23.11.13

"Der karminrote Schatten"

Una McCormack

Inhalt

Achtung, enthält auch Spoiler zur Handlung des ersten Teils der Reihe!

Auf Cardassia Prime stehen Wahlen an. Die Wiederwahl der amtierenden Castellan Rakena Garan scheint zunächst sicher. Doch es mehren sich die Stimmen derjenigen, die sich nach über zehnjähriger Besatzungszeit durch die Föderation schlecht behandelt fühlen. Sie wollen nicht mehr für den Dominion-Krieg verantwortlich gemacht werden. Zunächst erscheint der Anführer dieser Stimmung, Evek Temet, als krasser Außenseiter. Als jedoch vor Vertragsabschluss bekannt wird, dass die Föderation Cardassia zwar verlassen, im Gegenzug das Militärbudget aber für ein weiteres Jahrzehnt beschränkt wird, regt sich öffentlicher Widerstand.

In diese aufgeheizte Stimmung kehrt Garak, der bisherige Botschafter bei der Föderation, nach Hause zurück. Er muss feststellen, dass die Gegner der Castellan keineswegs eine Splittergruppe sind. Im Gegenteil, systematisch haben sie die Strukturen der Cardassianischen Union unterwandert. Als kurz darauf die Nachricht von Präsidentin Baccos Ermordung Cardassia erreicht, befürchtet Garak zu Recht das Schlimmste ...

Kritik

1. Martin Weinrich

Die folgende Rezension bezieht sich auf das englische Original.

Cardassia am Scheidepunkt: Kurz vor den Wahlen erhält die amtierende Regierungschefin einen populären Gegenkandidaten, der das Bündnis mit der Föderation auflösen möchte. Garak ist besorgt.
"The Crimson Shadow" ist ein sehr guter, in Teilen sogar überraschender "Star Trek"-Roman. Es gelingt Una McCormack nicht nur eine spannende Handlung, die beinahe ohne Gewalt auskommt, aufzubauen. Zusätzlich enthüllt sie neue, unbekannte Seiten Cardassias und erzählt zudem einen dichten Politikthriller.

Seit zehn Jahren betreibt die Föderation auf Cardassia eine Friedens- und Wiederaufbaumission. Selbst als nach dem Borg-Angriff kaum Ressourcen zur Verfügung standen, wurden die Lebensmittellieferungen für Cardassia nicht eingestellt. Gleichzeitig tat man alles, um die politischen Strukturen auf Cardassia zu stärken: die unabhängige Polizei genauso wie das demokratische politische System. All dies scheint in diesem Roman gefährdet zu sein. Denn die reaktionären Kräfte sind viel stärker, als man bisher gedacht hat. In Verbindung mit dem Titel der Reihe ("The Fall") verheißt das nichts Gutes.

Ein Großteil des Romans erinnert an die derzeitige Situation der Nato in Afghanistan. Der Abzug der Sternenflotte steht kurz bevor. Lediglich Baccos Ermordung verschiebt ihn noch ein wenig. War die Mission zunächst ein voller Erfolg, sieht sie nun gescheitert aus. Der Leser hat das bedrückende Gefühl, dass die reaktionären Kräfte in jedem Kapitel etwas mehr an Kraft gewinnen. Sie sind überall, zunächst im Geheimdienst, dann bei den Sicherheitskräften und zuletzt ist auch der Bereich um den Castellan nicht mehr sicher. Die Schlinge zieht sich immer enger und der Leser kann Garak nur fasziniert beim Kampf um die öffentliche Meinung und einer Polizistin beim Kampf um die weiterhin neutrale Aufklärung von Verbrechen folgen.

Die harten Vertragsbedingungen erinnern ein wenig an die Versailler Verträge. Glücklicherweise wird diese Parallele nicht weiter verfolgt. Eine Reparationen verlangende Föderation wäre äußerst unrealistisch gewesen.

Die Hauptbedrohung – der nahende Abfall eines wichtigen Verbündeten der Föderation - erinnert stark an Andors Separation von der Föderation. Doch während sich "Zwietracht" in seichten Familiengeschichten und einer schlecht konstruierten politischen Handlung verlor, kann "The Crimson Shadow" mit einer überzeugenden Geschichte auftrumpfen. Denn die Cardassianer sind keineswegs seit Jahrhunderten an die Föderation gewöhnt. Im Gegenteil, ihr Wunsch nach einer Rückkehr zu früheren, stabileren Zeiten erscheint sehr verständlich. McCormack gelingt es zudem sehr gut, die cardassianische Gesellschaft mit ihren vielen Schattierungen für den Leser zum Leben zu erwecken. Es gelingt ihr sogar, neue Erkenntnisse über die Cardassianer herauszuarbeiten. Das Kernstück der Geschichte bildet nämlich eine Verschwörung des Wahren Weges. Garak enthüllt zum Ende auf überzeugende Art und Weise die Geschichte dieser Gruppe, die weit in die Vergangenheit der Cardassianer zurückreicht und dabei gleichzeitig zur Erhellung über das wahre Wesen des (ebenfalls grausamen) Obsidianischen Ordens beiträgt.

Doch nicht nur die Verschwörung ist spannend und überzeugend. Auch die höchste politische Ebene bietet eine clevere Geschichte. Bacco wird nach ihrer Ermordung ausgerechnet von dem bajoranischen Ratsmitglied ersetzt. Es ist kein Wunder, dass dieses einem gänzlich freien Cardassia (beschränkt lediglich nur durch eine Militärbudgetbeschränkung) äußerst skeptisch gegenüber steht. Garan hingegen entgleiten die Zügel des Handelns merklich. Sie wird auf der einen Seite von Temet und seinen geheimen Unterstützern unter Druck gesetzt. Gleichzeitig sorgt die neue politische Lage in der Föderation dafür, dass ihre Erfolge in der Allianz nicht mehr im Wahlkampf zu benutzen sind. Ihre Situation wird immer unhaltbarer, sie ist die wirklich tragische Person in diesem Roman.

Zuletzt aber trumpft der Roman mit einer völlig überraschenden Wendung auf, die gar nicht zum Thema der Miniserie ("The Fall") passen möchte. Durch kluges Handeln, viel List und sehr viel Mut gelingt es Garak, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen - indem er selbst Castellan wird. Seine Gegner sind dadurch noch nicht besiegt, doch haben sie keinen Zugang zu den Institutionen der Union mehr. "The Crimson Shadow" endet dadurch nach einer verworrenen aber klugen und spannenden Handlung deutlich optimistischer als es begonnen hat.

Die Auswirkungen der Taten des Wahren Weges sind nicht abzusehen. Es stellt sich nämlich heraus, dass sie augenscheinlich für die Ermordung Baccos verantwortlich sind. Captain Picard erfährt dies bei der Unterstützung Garaks ebenfalls. Erst einmal verbergen er und seine Vorgesetzten dies vor dem bajoranischen Interimspräsidenten. Nichtsdestotrotz ist dies eine Erkenntnis mit gewaltiger Sprengkraft für die kommenden Romane.

Das perfekte Bild des Romans wird dadurch getrübt, dass die Enterprise-Besatzung lediglich eine Statisten-Rolle erhält und die Ermittlungen der Polizei gewisse Längen aufweist. Die Polizeihandlung hätte gekürzt werden können, ist für den Spannungsaufbau aber zwingend notwendig. Denn aus ihrer Perspektive erfährt man die bedrohlichen Entwicklungen in den cardassianischen Behörden. Picard tritt hingegen meist als Retter in heiklen Situationen auf. Das ist zwar häufig unerwartet, aber ohne den "Joker" Picard wäre der Roman gelungener.

Fazit: "The Crimson Shadow" ist ein sehr überzeugender und spannender Roman, der eine kluge und folgenreiche politische Verschwörung sowie ihre Bekämpfung beschreibt. Einzig gewisse Ermittlungslängen sowie die Tatsache, dass Picard und Co lediglich Statisten in diesem Roman sind, verhindern die Bestwertung.

"The Crimson Shadow" ist unter anderem bei Amazon.de als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.

2. Thomas Götz

Die folgende Rezension bezieht sich auf die deutsche Ausgabe des CrossCult-Verlages.

Wer im zweiten Band von „The Fall“ die fulminante Aufklärung des Präsidentenmordes aus Band 1 erwartet, wird wohl schwer enttäuscht werden. Una McCormack ist ja eigentlich dafür bekannt, recht gute Bücher zu schreiben, ihre letzten ‚Besuche‘ im Trek-Universum stellten ja vor allem die Andorianer in den Mittelpunkt.

Und auch diesmal schwenkt die Geschichte in Richtung Cardassia und präsentiert ein politisches Geschehen auf dieser Welt. Es geht in diesem Buch also recht ruhig zu und es stellt sich erneut als Charakterstudie heraus. Dabei kann man aber immerhin die politischen Strömungen auf Cardassia und die Charaktere nachvollziehen. Denn die Geschichte selbst ist durchaus interessant gehalten und das man etwas über Cardassias derzeitige Lage erfährt war längst überfällig.

Im Mittelpunkt stehen dabei allerdings Garak und eine Polizeiermittlerin, die man vorher noch nicht kannte. Dies ist auch gleich ein Manko des Bandes, denn bis man mit dieser Heldin warm wird, vergeht einige Zeit, auch bedingt dadurch, das sie zunächst keine Lust hat, in einem Mordfall an einem Föderationsoffizier zu ermitteln. Hier braucht sie immer wieder Anstupser, meist in Kombination mit Szenen mit Garak oder anderen bekannten Charakteren und gerade diese Szenen verhindern, das Mhevet in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Andere Charaktere bleiben indes etwas blass oder kommen gleich gar nicht vor. Picard darf noch ein bisschen in Erscheinung treten und auch der ein oder andere Enterprise-Offizier bekommt noch einen Auftritt spendiert, sie bleiben aber eher Randerscheinung. Lediglich Dygan, der Cardassianer der Enterprise, bekommt später noch eine etwas größere Rolle.

Bleiben noch die Kastellanin und ihr Konkurrent, um die es ja auch in diesem Band geht. Die politischen Szenen sind sogar recht interessant gehalten, benötigen aber auch einige Zeit, um sich komplett zu entfalten und sind erst gegen Ende richtig interessant. Immerhin schafft es McCormack auch beim Leser Antipathie gegen die Kastellanin zu wecken, verhält diese sich doch gegenüber Garak immer abweisender. Da ist es schon fast eine Befriedigung, das sie am Ende auch etwas Dreck am Stecken hat. Auch ihr Nachfolger dürfte versierten Lesern schnell klar sein, passt aber durchaus wie die Faust aufs Auge.

Und auch der neue Föderationspräsident schafft es sogleich, ein paar Antipathiepunkte zu sammeln und steht seiner cardassianischen Kollegen in nichts nach – die Welt von Star Trek ist in der Tat um einiges düsterer geworden und man fragt sich auch hier, was dahinterstecken mag.

Auf Actionszenen wird fast komplett verzichtet, kommt es etwa zu Unruhen, werden diese in wenigen Sätzen abgehandelt. Eine Schockszene gibt es, nämlich die Ermordung eines bekannten Charakters, die einen kurzzeitig aus der ruhigen Lethargie zu reißen vermag, die aber bereits wenige Seiten später relativiert wird, als sich herausstellt, das dem doch nicht so ist. Auch wenn man als Leser bereits etwas geahnt hat ist dies an der Stelle verschenktes Potential, was natürlich schade ist.

Auch etwas schade ist, das quasi im Vorbeigehen der Mörder bzw. die Hintermänner von Bacco gefunden (respektive ‚erwähnt‘) werden. In Anbetracht dessen, das man dies im ersten Band noch groß aufgebaut hat ebenso eine herbe Enttäuschung.

Als Politthriller, dessen Spannung sich vor allem erst gegen Ende aufbaut, funktioniert der Roman also recht gut, im Gesamtkontext von „The Fall“ ist er allerdings eine Enttäuschung, konzentriert er sich doch zu sehr auf die Nebencharaktere und einen anderen Schauplatz. Diese Geschichte hätte eher als B-Story in den ersten Band gepasst, hätte man dort auf die Kira-Handlung verzichtet.

Fazit: „The Fall 2“ erweist sich erneut eher als gemächlicher Abstieg, dessen Schockelemente nicht wirklich zünden und dessen Politstory zwar interessant ist, sich aber für das große ganze zu sehr in Nebenschauplätzen verstrickt, so das die Auflösung der Hintermänner des großen Anschlages leider zu blass und unbedeutend bleibt. So passt die Geschichte eher in einen Einzelroman als in den Gesamtkontext.

Bewertung

1. Martin Weinrich
2. Thomas Götz

Weitere Infos


Titel "The Fall 2: Der karminrote Schatten"

Originaltitel "The Fall - The Crimson Shadow"

Buchreihe Post-'Nemesis'

Autor Una McCormack

Übersetzer Christian Humberg

Preis 12,99 Euro

Umfang 297 Seiten

Verlag CrossCult

ISBN 978-3-86425-779-7

(wc, tg - 25.12.15)


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