Daily Trek Cast & Crew Focus & Background Franchise & Fandom
Star Trek Into Darkness Star Trek XI Enterprise Universum
SF-Zone Raumfahrer.net
GameZone Literatur
Trek BBS Quark's Bar Star Trek Rollenspiel

Seitenoptionen



News & StoriesSerien & FilmeScience & FictionMediaCommunity

Portal Facebook Twitter YouTube Flickr Chat Trek BBS

 
Daily Trek News
SF-Zone News

Martin Weinrich (wc), Thomas Götz (tg), Julian Wangler (jw)09.02.11

"Zwietracht"

Dayton Ward

Vorbemerkung

"Zwietracht" spielt in der zweiten Hälfte des Jahres 2382, mehr als ein Jahr nach den Geschehnissen in "Star Trek: Destiny".

Inhalt

Den Andorianern geht es schlecht. Während der Borg-Invasion wurde ihr Planet stark getroffen, viele Millionen Andorianer starben bei dem Angriff. Die Verluste bringen ein Problem deutlich zutage, das die Andorianer seit über hundert Jahren quält: Das Volk stirbt aus. Andorianer bekommen Kinder in einem komplizierten Prozess, der vier verschiedene Geschlechter beinhaltet. Fehlt ein Mitglied der "Bondgroup" bei dem komplizierten Vereinigungsprozess, passiert nichts.

Nun haben die Andorianer das Gefühl, von der Föderation im Stich gelassen worden zu sein und zwar sowohl während der Verteidigung gegen die Borg als auch bei der Lösung ihres Fortpflanzungsproblems. Um die Anti-Föderationsbestrebungen zu unterbinden, schickt die Präsidentin der Föderation die Enterprise nach Andor, um für Ordnung zu sorgen und um eine Konferenz zu unterstützen, die sich mit Möglichkeiten der genetischen Veränderung des andorianischen Fortpflanzungsmechanismus beschäftigen soll.

Doch auf Andor plant eine radikale Gruppe, die sich sowohl gegen die Föderation als auch gegen die genetische Veränderung der Andorianer wendet, eine Reihe von Aktionen mit dem Ziel, Andor aus der Föderation zu lösen ...

Kritik

1. Martin Weinrich

Achtung, die Kritik enthält starke Spoiler auf den Verlauf der Story. Als Grundlage diente die amerikanische Originalfassung des Romans.

Auf einer diplomatischen Mission nach Andor werden Picard und die Crew der Enterprise-E Zeuge der schrecklichen Konsequenzen, die die Borg-Invasion auf dem Planeten verursacht hat.
"Paths of Disharmony" ist in zwei Weisen unbefriedigend. Erstens ist der Roman als Geschichte nicht unbedingt gelungen und zweitens zeigt der Roman, dass die "Typhon Pact"-Reihe denkbar schlecht konzipiert wurde. Aus Fairness-Gründen sollte man allerdings zunächst nur den Roman bewerten und ihn danach in Zusammenhang mit der Reihe setzen.

Die Enterprise fliegt nach Andor, um eine Konferenz zu sichern. Schön und gut, eine typische diplomatische Prestige-Mission. Der Leser weiß durch die Gespräche der Sternenflotten-Offiziere mit andorianischen Offiziellen, dass eine Bedrohung besteht. Die ersten 200 Seiten liest man allerdings nichts anderes als Sicherheitsvorbereitungen der Enterprise-Crew und die Angriffspläne der Terroristengruppe.

So wird einem nicht nur vieles doppelt erzählt, sondern jedwede Spannung wird im Kern abgewürgt. Denn während die Enterprise-Crew sich etwas ausdenkt, erfährt der Leser bereits, wie die Terroristen dagegen vorgehen. So ist es dann auch keine Überraschung, dass die Terroristen letztendlich erfolgreich sind. Diese Doppelerzählstruktur hätte man sich schenken können, und schon wäre der Roman ein deutliches Stück interessanter geworden, und der langatmige Einstieg wäre spannender geworden.

Der Drehpunkt des Romans ist das Auftauchen der Tholianer. Sie enthüllen, dass die Föderation seit über 100 Jahren eine mögliche Lösung für das Fortpflanzungsproblem hatte, nämlich das Meta-Genom aus der Taurus-Region, es aber nicht den Andorianern zur Verfügung gestellt hat. Die Tholianer geben außerdem zu erkennen, dass sie das Meta-Genom einer andorianischen Wissenschaftlerin zur Verfügung gestellt haben.

Ab hier wird die Story zwar spannend, aber auch endgültig unsinnig und ärgerlich. Denn auch hier wurde der Leser schon viel früher mit einem dicken Hinweis versehen. Gleich zu Beginn der Romans gibt es einen Hinweis darauf, dass die Wissenschaftlerin ihre Ergebnisse nicht selbst erarbeitet hat, sondern von einer mysteriösen und unbekannten Quelle bezogen hat. Selbst der einfältigste Leser kann sich da blitzschnell eins und eins zusammenzählen, und der tholianische Auftritt ist dann schon keine Überraschung mehr.

Zweitens ist die Verwendung des Meta-Genoms zwar eine interessante Sache, da damit die "Vanguard"-Serie in Kontext mit der "The Next Generation"-Zeit gesetzt wird; Sinn macht die Aktion aber nicht wirklich. Denn der Leser weiß noch nicht einmal über die Verbrechen, die die Föderation in der Taurus-Region begangen hat, schließlich ist die "Vanguard"-Serie ja noch gar nicht abgeschlossen. So werden hier zwar uralte Akten aus ihrem Versteck geholt, und es stellt sich heraus, dass die Föderation gar nicht mehr über das Meta-Genom Bescheid wusste, da es irgendwie mit dem Genesis-Projekt in Verbindung stand. Super, viele Andeutungen, keine Erklärungen. So wirkt die Verbindung mit dem Meta-Genom nur wie ein extrem konstruiertes Argument, um Zwietracht zwischen Andor und der Föderation zu sähen.

Drittens ist die Rhetorik der Föderationsgegner spätestens seit der Ankunft der Tholianer irrsinnig. Die beiden Forderungen der Terroristen sowie ihrer gemäßigten im Parlament vertretenen Abgeordneten waren ja, dass die Föderation sich zurückzieht und die Genforschungen eingestellt werden. Jetzt bietet jemand Hilfe bei der Genforschung an, und auf einmal sind dieselben von den Tholianern begeistert. Insofern ist die Hinwendung Andors Richtung Typhon-Pakt sehr merkwürdig. Stattdessen hätte sich Andor bemühen müssen, "blockfrei" zu werden. Der Roman wird also durch die Ankunft der Tholianer spannender, aber nicht unbedingt besser.

Im Verlauf gelingt es Picard und der Enterprise-Crew die Pläne der Terroristengruppe in letzter Sekunde zu vereiteln. Nützen tut das trotzdem nicht. Das Parlament Andors entscheidet sich, die Föderation zu verlassen und beginnt mit dem Typhon-Pakt zu verhandeln. Der Knaller wird in den letzten vier Kapiteln enthüllt und kommt nach all dem Einsatz der Enterprise-Crew doch etwas überraschend. Der Roman endet also mit einem großen Sieg für den Typhon-Pakt und dem Verlust eines Gründungsmitglieds für die Föderation. Der regelmäßige Hinweis darauf, dass die Entscheidung gegen die Föderation extrem knapp war, macht das auch nicht besser. Auch die große Enttäuschung der Andorianer darüber, dass die Föderation die Genetikergebnisse verborgen hat, ist unverständlich, schließlich waren die Forschungsergebnisse ja selbst der Präsidentin unbekannt.

Man muss allerdings erwähnen, dass Dayton Ward sich wenigstens bei der Darstellung der Enterprise-Crew viel Mühe gibt. Leider übertreibt er es damit beinahe ein bisschen. Denn in diesem Roman werden unglaubliche vier Beziehungen vertieft. Picards und Crushers Eheleben ist ja aus den vorherigen Romanen bekannt, Worfs Liaison mit der neuen Sicherheitsoffizierin auch. Neu hinzu kommen jetzt La Forges Beziehung mit der zweiten Ärztin an Bord und Chens Beziehung mit einem Vulkanier aus der Ingenieursabteilung. Es wirkt beinahe so, als versuche Dayton Ward dem Verhängnis auf Andor ganz besonders viel Liebe auf der Enterprise gegenüberzustellen, was etwas überzogen wirkt.

Zu allem Überfluss wird auch noch angedeutet, dass Picard demnächst sesshaft werden möchte, da er um sein Kind fürchtet. Damit wäre neben "Deep Space Nine" auch der "The Next Generation"-Relaunch de facto am Ende, schließlich wären dann von den bekannten Charakteren nur noch Worf und La Forge auf der Enterprise. Und bei aller Liebe zu den beiden, dürften die zwei dann doch nicht allein in der Lage dazu sein, eine Geschichte zu stemmen.

Mühe gibt sich der Autor auch bei der Schilderung der politischen Vorgänge. Er erwähnt Parteien auf Andor und politische Institutionen. Das ist sehr gut, schließlich wird das bei "Star Trek" häufig einfach ignoriert. Leider bleiben die Beschreibungen extrem platt und stereotyp. Auch dass er ständig von "ally" im Verhältnis zu der Föderation redet, ist komisch. Schließlich ist Andor ein Mitglied der Föderation, da redet man nicht von Verbündeten. Die Föderation ist kein Verbündeter Andors, sondern Andor ist ein Stück Föderation, die Verbündeten sind die anderen Völker. Obwohl der Autor das hier gut meint, versagt er in der Wortwahl.

Insgesamt macht der Roman so den Eindruck, als wolle er gar nicht besonders viel Spannung aufbauen. Dadurch, dass der Leser vor jeder Aktion der Gegenseite immer schon vorgewarnt ist, liest man eigentlich nur ungläubig und beinahe etwas gelangweilt mit, wie die Föderation in ihr Unheil schliddert. Der Sinn des Ganzen ist nicht klar. "Paths of Disharmony" ist der vorläufige Abschluss der "Typhon Pact"-Reihe. Was ist jetzt also das Fazit der vier Romane? Dass sich die Föderation langsam auflöst?

Hier kommt man zu dem Punkt, wo man sich die ganze Reihe angucken muss. "Paths of Disharmony" wäre ein besseres Buch, wenn es das zweite von vieren wäre.

"Nullsummenspiel" und "Feuer" haben sich beinahe ausschließlich mit dem Erforschen bisher beinahe unbekannter Zivilisationen beschäftigt. So wurden einem auf recht unterhaltsame Weise die Breen und die Gorn vorgestellt.

"Bestien" verließ diesen Weg, sprang in der Handlung wieder ein Jahr zurück, ohne das zu vermerken ("Paths of Disharmony" verzichtet in der US-Ausgabe übrigens auch auf Zeitangaben), und schilderte die Vereinigung der beiden romulanischen Imperien, tendenziell eine Niederlage für die Föderation. Den Abschluss bildet jetzt "Paths of Disharmony".

Die vier Romane bilden keine Einheit, sie hätten auch prima als Einzelromane ihrer Serien laufen können. Dann wäre auch deutlicher geworden, dass die Reihe nebenbei noch den bisher in weiten Teilen gelungenen "Deep Space Nine"-Relaunch zerstört (wo "Paths of Disharmony" übrigens auch eine Rolle spielt, weil Shar jetzt endgültig auf Andor geblieben ist und nicht mehr an Prynn denkt).

So fragt sich der Leser nach der Lektüre der Reihe, was das alles sollte; zumal noch nicht einmal eine Fortsetzung angekündigt wurde. Zwei Völkererforschungsromane und zwei "Die Föderation bekommt in den letzten vier Kapiteln etwas auf die Mütze"-Romane. Ursprünglich sollte die Reihe wohl mal sechs Romane umfassen. In diesem Fall hätte man die ersten zwei Romane auch noch weglassen können, obwohl sie ganz gute, aber nicht überragende Geschichten erzählt haben. Stattdessen hätte man an "Paths of Disharmony" noch zwei Romane setzen sollen, in denen die Föderation zum Schluss ein wenig in die Offensive kommt. So bleibt nur durchschnittlicher, unverbundener und vor allem unbefriedigender Brei übrig.

"Paths of Disharmony" bringt viel in Bewegung - in den letzten vier Kapiteln. Bis dahin ist es ein zäher, sich teilweise selbst im Weg stehender Roman, der sich oft nur gut lesen lässt, weil man sich freut, dass es mit "The Next Generation" endlich mal wieder weitergeht. Und selbst das Ende ist unbefriedigend, weil nicht klar ist, was die Aktion bezwecken sollte. Setzt man den Roman dann noch in Verbindung mit der kompletten "Typhon Pact"-Reihe, ist die Enttäuschung endgültig komplett. Es mag sein, dass "Paths of Disharmony" ein wichtiges und durchschnittliches Buch gewesen wäre, wenn es für sich alleine stünde. Aber im Kontext mit der vierbändigen Reihe wird einfach deutlich, dass Konzept und Inhalt nicht wirklich stimmten und dass man zwei verschiedene Konzepte verfolgt hat. Hier hätte man sich für eins entscheiden müssen.

"Paths of Disharmony" ist ein Roman, in dem die Enterprise-Crew nie wirklich in die Offensive gehen kann. Stattdessen liest der Leser beinahe ohnmächtig, wie die Föderation ins Verderben schliddert. Dies ist ein guter Zustand für die Mitte einer Reihe, nicht für das Ende. Positiv zu vermerken ist, dass der Autor Verbindungen zu Handlungssträngen aus dem "Deep Space Nine"-Relaunch (Fortpflanzungsproblem) und aus "Vanguard" (Meta-Genom) zieht. Beides ist jedoch nicht wirklich zufriedenstellend.

Fazit: Insgesamt ist das Problem bei "Paths of Disharmony", dass man sich die ersten 200 Seiten langweilt und dann, wenn der Roman anfängt spannend zu werden, zwar etwas mitgerissen wird, aber sich schon während des Lesens über die Handlung ärgert. Das ist während des Lesens nicht gut und im Nachhinein wirklich ärgerlich. Das ist schade, denn aus der "Typhon Pact"-Reihe hätte man eine Reihe spannender Politik-Thriller machen können, die ohne einen Übergegner wie die Borg auskommen und trotzdem genauso spannend sind wie "Destiny". Diese Chance hat man verpasst.

2. Thomas Götz

Die folgende Rezension bezieht sich auf die deutsche Ausgabe des Cross Cult Verlages.

Wer die Bände des "Typhon Pact" verfolgt, der weiß, dass jeder Band eines der Völker in den Vordergrund stellt, die dieses Bündnis bilden. Das waren zum einen die Breen in Band 1, die Gorn in Band 2 sowie die Romulaner (und genau genommen die Tzenkethi - da man die Bände ursprünglich kürzen wollte, wurde dieses Volk dort mit eingebracht) in Band 3. Die Kinshaya bekommen ihre Hauptrolle im E-Book-Ableger, bleibt also nur noch ein Volk für diesen Band übrig. Findige Fans werden nun lautstark "Tholianer" schreien. Sollte man meinen ... denn es ist nicht alles Gold, was glänzt. Eine Erfahrung, die man auch schon bei den ersten "Typhon Pact"-Romanen machen musste.

Die Story an sich greift dabei Elemente aus vielen verschiedenen Serien auf, etwa dem "Deep Space Nine"-Relaunch, der "Destiny"-Trilogie und natürlich den anderen "Typhon Pact"-Büchern. Damit wird eine Kontinuität (innerhalb des Buchuniversums) erreicht, die für jeden Leser ein wahrer Genuss ist und die früher so nicht möglich gewesen wäre. Allerdings wird, ähnlich wie bei "Destiny", ein einschneidendes Ereignis stattfinden, das die "Star Trek"-Welt erneut in ihren Grundfesten erschüttert. An dieser Stelle sind also leider Spoiler nicht zu vermeiden und wer die Überraschung behalten will, sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen.

Die Geschichte geht nämlich um die Krise auf Andor, und wie in jeder Krise gibt es auch hier Stimmen, die einen kompletten UFP-Abzug fordern. Federführend bei dieser Mission ist natürlich die Enterprise, deren Geschichte also nach "Den Frieden verlieren" endlich fortgesetzt wird. Allerdings sind seit dieser Story anderthalb Jahre ins Land gestrichen, wir befinden uns nämlich im Oktober 2382. Zwar mag es realistisch sein, dass an dieser Stelle noch nicht alles wiederaufgebaut ist und es noch Flüchtlingscamps gibt, dass aber ein harter Hund wie Choudhury noch immer dem Bild der verbrannten Erde nachhängt, verwundert dann doch. Auch ihre Beziehung mit Worf ist fast so, wie wir sie am Ende von "Den Frieden verlieren" verlassen haben und es kommt einem so vor, als wäre sie immer noch im Entstehen (immerhin ist es für das Schiff immer noch ein Novum - schwer zu glauben nach anderthalb Jahren). Hier wäre eine zeitliche Einordnung kürzer nach "Destiny" sicher nicht verkehrt gewesen, denn so wirkt das Ganze schon etwas unglaubwürdig. In der Tat kann man sogar den Eindruck haben, dass das späte Datum einfach so eingefügt wurde, um mit der restlichen "Typhon Pact"-Saga konform zu gehen, doch dazu später mehr.

Schön ist, dass nicht nur Picard und Worf - und selbst Geordi - ihre angedachten Rollen erfüllen und sich weiterentwickeln, sondern dies auch für eine Vielzahl von Nebencharakteren gilt, die erst durch die Buchreihen eingeführt wurden. So gibt es etwa ein Wiedersehen mit Shar aus dem DS9-Relaunch (dessen Bündnispartner/Familie von dort aber mit "beim Borg-Angriff gefallen" etwas lapidar abgetan werden und auch eine Erwähnung von Prynn gibt es nur am Rande, anstatt diesen Strang fortzusetzen) und selbst einfache Nebencharaktere (Beispiel: Sh'Anbi) vermögen es, zum Leser durchzudringen und man kann mit ihnen mitfühlen. Das ist eine ordentliche Leistung, die vor allem im letzten Drittel noch einmal ebenso gut zum Tragen kommt. Denn dort zieht die Spannung noch mal so richtig an. Dümpelte der Roman vorher mit politischen Intrigen fast schon etwas vor sich hin - wobei Dahindümpeln zu viel gesagt ist, denn es sind genau diese politischen Verwicklungen, die ihn interessant zu lesen machen - so wird am Ende noch mal der Actiontrumpf gezogen und es kracht ganz ordentlich.

Schlecht ist das, wie erwähnt, alles nicht und die Sezession Andors am Ende kommt nicht ganz so überraschend, wie man vielleicht erwartet hätte und wurde glaubwürdig im Roman aufgebaut, um dann in ihrem Gipfel zu kulminieren. Und nicht nur die Charaktere stehen ohnmächtig daneben, auch der Leser fühlt sich genauso hilflos - und genauso verschlungen von diesem Roman. Aber wer weiß, vielleicht gehört das ja alles zu einem geheimen Plan?

Doch wo sind jetzt die Tholianer? Tja, die tauchen leider kaum auf. Auf Seite 130 werden erstmals geheimnisvolle Gönner erwähnt, von denen der Leser schon ahnt, dass damit die Tholianer gemeint sind. Vor allem die Verbindung zu Vanguard ist hierbei auch ein Hinweis (hinter den der geneigte Fan ebenso schnell blickt) - aber auch schön zu sehen, dass auch diese Reihe damit quasi fortgesetzt wird beziehungsweise nicht vergessen ist. Dennoch dauert es fast noch mal so lange, nämlich bis fast zur Seite 300 (von nur 480, die der Roman hat) bis die Tholianer in Erscheinung treten und sich wenig überraschend als neue Heilsbringer Andors ausgeben. Das ihnen noch geglaubt wird ist, natürlich Wasser auf die Mühlen des Typhon-Pakts und ein Schlag ins Gesicht der UFP. An der Stelle hätten auch andere "Typhon Pact"-Bücher ansetzen können, um richtig gut werden zu können.

Sei es wie es sei, die Tholianer sind wenige Seiten später schon wieder verschwunden und tauchen bis zum Ende nicht mehr auf. Schade. Einblicke in ihre Kultur wie in den anderen "Typhon Pact"-Bänden bei den anderen Völkern, gibt es nämlich nicht, obwohl die kristallinen Lebensformen dazu eigentlich prädestiniert wären. Überhaupt hat man den Eindruck, die Tholianer wären nur ergänzend eingefügt worden, um die Verbindung zum Typhon-Pakt herzustellen, denn die Geschichte hätte auch ohne sie funktioniert. So versagt dieser Roman als Band der "Typhon Pact"-Reihe leider etwas, steht aber als gutes Einzelabenteuer dafür umso besser da. So oder so ist er dennoch von vorne bis hinten überaus gelungen. Hier hätten sich einige andere "Typhon Pact"-Bände durchaus eine Scheibe abschneiden können.

Fazit: Ein sehr gut geschriebener und gelungener Band, der erneut einen tiefen Einschnitt im "Star Trek"-Universum vornimmt und Lust auf mehr macht.

3. Julian Wangler

Achtung, die Kritik enthält starke Spoiler auf den Verlauf der Story. Als Grundlage diente die amerikanische Originalfassung des Romans.

"Hey, Dayton, ich will, dass du das vorläufig letzte 'Typhon Pact'-Buch schreibst. Hör zu, da muss wirklich etwas Dramatisches passieren. Die Föderation muss so richtig erschüttert werden durch die Machenschaften des antagonistischen Blocks. Diesmal muss er zeigen, wozu er fähig ist ..." So oder so ähnlich könnte die Unterhaltung zwischen Margaret Clark und Autor Ward abgelaufen sein, als letzterer den Zuschlag für "Paths of Disharmony" erhielt. Nachdem die ersten drei Romane eher den Pakt – auch im Hinblick auf interne Intrigen – vorstellten, aber weniger dramatische Auswirkungen auf die Grundfesten der Föderation zeigten, soll Nummer vier also endlich aus dem Vollen schöpfen. Etwas nie Dagewesenes muss passieren, ein Präzedenzfall geschaffen werden, der einen Wendepunkt in der Entwicklung der Föderation markiert – diesem Prinzip wird in "Zwietracht", wie der Titel bereits erahnen lässt, alles untergeordnet. Leider gilt dies auch für Logik und Aufbau der ganzen Geschichte, die zudem völlig überhastet geschrieben worden zu sein scheint.

Wards Plotstruktur offenbart frühzeitig einen Hang zur Redundanz. Diese ist nicht einfach nur störend, weil aus unterschiedlichen Perspektiven häufig dasselbe erzählt wird (man denke an das Präludium zur Sicherheitskonferenz: Vorbereitungen aus Sicht der Enterprise-Crew mit bösen Vorahnungen, wiederum böse Angriffspläne der Terroristengruppe) und gerade die Einleitung extrem langatmig wird, nein: Die Handlung nimmt durch frühzeitige Vorwegnahmen und planerische Schlampigkeiten schlichtweg Schaden, weil das weitere Geschehen vorhersehbar wird.

Das zentrale Manko des Romans ist indes ein anderes. Es hat weniger mit schriftstellerischem Handwerk als der grundsätzlichen Story zu tun. Man merkt, dass von vorneherein die Absicht bestand, eine Gründungswelt mit Pauken und Trompeten aus der Föderation austreten zu lassen - durch fleißige Intervention des Paktes natürlich. Ein einmaliger Vorgang und Schockeffekt am Ende der Reihe. Wenigstens scheint das die Inspiration hinter dem Buch gewesen zu sein. Um ihr Genüge zu tun, hat man eine Geschichte aufgezogen, die auf den ersten Blick zwar spannend anmutet (endlich geht es einmal wieder um Andoria), bei näherer Betrachtung aber nur so vor Ungereimtheiten und Unschärfen strotzt.

Nachdem sich der Leser durch die Hälfte des Wälzers gekämpft hat – und ich lege Wert auf diese Bezeichnung –, kommt mit dem Auftauchen der Tholianer zunächst tatsächlich so etwas wie Nervenkitzel auf. Von ihnen erfährt man, dass die Föderation nicht ganz ehrlich zu den Andorianern war, ihnen eine mögliche Lösung ihrer Fertilitätskrise offenbar seit mehr als 100 Jahren vorenthält. Die Tholianer jedoch haben dies in einem Akt der Nächstenliebe, wie sie propagandistisch vorgeben, natürlich vor kurzem getan – und der andorianischen Chefforscherin nichts Geringeres als das Taurus-Meta-Genom an die Hand gegeben. Dies würde den Leser wohl aufhorchen lassen, hätte er Gedächtnisschwund. Doch schon am Anfang des Buches wurde eröffnet, dass die Dame ihre Ergebnisse nicht selbst erarbeitet, sondern von einer anonymen Quelle zugestellt bekommen hat.

Die Tholianer schlachten ein moralisch bedingtes Verhalten der Föderation gegenüber einer ihrer Mitgliedswelten als Schwachstelle zum Nutzen des Typhon-Pakts aus. Die Idee, da das Meta-Genom hineinzubringen, tut dem Ganzen jedoch nicht unbedingt gut. Denn ohne, dass die "Vanguard"-Reihe schon zu Ende erzählt worden wäre, wird hier mit plakativem Halbwissen umhergeworfen, ohne dass das Kind beim Namen genannt wird – man will ja nicht das Finale von "Vanguard" vorwegnehmen. Insgesamt, muss ich sagen, erscheint es mir ziemlich unlogisch, dass die Föderation – trotz manch ethischer Bedenken aufgrund der Vergangenheit – einer so zentralen Mitgliedswelt wie Andoria wichtiges Wissen vorenthält, das helfen könnte, das Aussterben eines ganzen Volkes zu verhindern. Scheinbar will Ward auf Teufel komm raus unbedingt einen Bruch zwischen den Antennenträgern und der Planetenallianz provozieren, so künstlich dieser auch wirken mag.

Ganz und gar in Schwachsinn gleitet die Geschichte aber ab, als Andoria sich zuletzt (wenn auch mit knappem Entscheid) dem Typhon-Pakt zuwendet. Gerade die Position der Terroristen ist nicht mehr nachvollziehbar, wenn sie zuerst gegen die Föderation kämpfen, weil sie Genmanipulation am andorianischen Erbgut verhindern wollen, dann jedoch die Tholianer mit offenen Armen empfangen, um eben dies zu ermöglichen. Das – vorhersehbare – politische Erdbeben am Schluss ist dann auch mit so viel Biegen und Brechen erkauft worden, dass es seine intendierte Wirkung nicht entfalten kann: Andorias Austritt aus dem interstellaren Völkerbund verkommt zu einer matten Blähung der Geschichte.

Noch eine Bemerkung: Völlig aus dem Rahmen fällt im Kontrast zur düsteren Handlung diesmal die Stimmung an Bord der Enterprise. Je schlimmer die interstellare Großwetterlage zu werden scheint, desto mehr scheinen Picard und Mannen intern auf Schmusekurs gehen zu wollen. Ich glaube, in bislang keinem Roman gab es solch eine Liebes- und/oder Familiengeschichte hoch vier. Ward schafft es hier tatsächlich, wahnsinnig viel zu schreiben, ohne irgendetwas Interessantes oder Lustiges auf all den Seiten anzufangen. Dies verstärkt bei mir den Eindruck, dass die Gesamtkomposition von "Zwietracht" misslungen ist.

Fazit: War's das jetzt mit der Föderation? Ich jedenfalls habe als Leser, mit dem "Destiny"-Inferno im Rücken, nur noch die Achseln gezuckt. Es gab bereits so viel Verwüstung im "Star Trek"-Universum, ohne dass irgendetwas Sinnvolles bislang daraus erwachsen ist – mal abgesehen von neuer machtpolitischer Belauerung. So verkommt in der langen Linie, die gerade der TNG-Relaunch seither genommen hat, das vorläufige Ende der "Typhon Pact"-Reihe zu einem eher müden Versuch, eine neue markerschütternde Bombe hochgehen zu lassen ... auf dem Weg zu einem Battlestar-Trek. Ich jedenfalls habe mich im besten Fall gelangweilt. Und nebenbei: Der Hinweis, dass Picard bald seinen wohl verdienten Ruhestand antreten möchte, lässt einen wenig hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

"Zwietracht" ist unter anderem bei Amazon.de als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.

Bewertung

1. Martin Weinrich
2. Thomas Götz
3. Julian Wangler

Weitere Infos


Titel "Typhon Pact 4 - Zwietracht"

Originaltitel "Typhon Pact: Paths of Disharmony"

Buchreihe Post-'Nemesis'

Autor Dayton Ward

Preis 14,80 Euro

Umfang 386 Seiten

Verlag Cross Cult

ISBN 978-3-86425-2-839

(wc, tg, jw - 23.10.13)


Nach oben

Alle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht. Für Anfragen betreffend Artikel- oder Newsübernahme wenden Sie sich bitte an den Redaktionsleiter.

"Star Trek", "Star Trek: The Next Generation", "Star Trek: Deep Space Nine", "Star Trek: Voyager", "Star Trek: Enterprise" und alle verwandten Markennamen sind eingetragene Handelsmarken von Paramount Pictures. Kopierrechtlich geschütztes Material wurde ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke genutzt. Dies gilt auch für alle Materialien, die aus anderen Franchises stammen und im Rahmen der TZN SF-Zone genutzt wurden.

Mitarbeit Kontakt Impressum

© TrekZone Network, 1999-2017