StartLiteraturRezension: "Die Autobiografie von Kathryn Janeway"

Rezension: “Die Autobiografie von Kathryn Janeway”

Das Leben von Kathryn zusammengefasst. Wir werfen einen Blick rein.

Deutscher TitelDie Autobiografie von Kathryn Janeway
OriginaltitelThe Autobiografy of Kathryn Janeway
Buchautor(en)Una McCormack
ÜbersetzerKathrin Gieße
VerlagCross Cult
Preis28
VerfügbarkeitRegulär erhältlich
Veröffentlichungsjahr2020
ISBN978-3-96658-948-2

Das Leben von Kathryn zusammengefasst. Wir werfen einen Blick rein. Achtung, Spoiler!

Inhalt (Klappentext)

Kathryn Janeway enthüllt ihre Karriere in der Sternenflotte, von ihrem ersten Kommando bis zu ihrer epischen Reise durch den Delta-Quadranten, die zu ihrem Aufstieg zum Vice Admiral im Sternenflottenkommando führte. Entdecken Sie die Geschichte der Frau, die weiter gereist ist als je ein Mensch zuvor, Jahrzehnte von zu Hause entfernt gestrandet war und neue Welten und Zivilisationen kennengelernt hat. Erfahren Sie, wie sie die Sternenflotte und den Maquis zu einer Mannschaft zusammenbrachte, neue Allianzen mit Spezies in der ganzen Galaxis schmiedete und eine der größten Bedrohungen der Sternenflotte – die Borg – in ihrem eigenen Territorium besiegte. Außerdem erhalten Sie Einblicke in Janeways Beziehungen zu den wichtigsten Figuren wie Seven of Nine, ihrem Freund Tuvok, Neuankömmlingen wie Neelix und ihrem Stellvertreter Chakotay.

Kritik

“Die Autobiografie von Kathryn Janeway” liegt im schmucken Hardcover auf Deutsch vor. Im Englischen ist sie sogar schon Band 3 in der Autobiografiereihe. Geschrieben hat sie Star Trek-Veteranin Una McCormack, die also eigentlich in der Materie drin steckt.

Rezension: "Die Autobiografie von Kathryn Janeway" 1

Allerdings fangen die Probleme damit erst an. Das Buch behandelt die Zeit von Janeways Geburt bis etwa 2380 (auch wenn ein einzelnes Foto auf 2395 datiert). Zu Janeways frühen Jahren gab es ja vorher schon Bücher, namentlich “Mosaik” und “Schicksalspfade”, von Jeri Taylor. Die waren in den 90ern sogar mal kurzzeitig als Canon-Werke bezeichnet worden (also so ähnlich, wie man es beim ersten Picard-Buch gemacht hat, wenn es Paramount in den Kram paste – oder um die Verkäufe anzukurbeln).

Das ist zwar inzwischen nicht mehr der Fall, seit dem Ende der 2000er Jahre wurde aber eine Romankontinuität aufgebaut, an die sich alle Bücher gehalten haben. Nun ja, dieses Buch ignoriert ALLE anderen erschienenen Bücher, und das ist mehr als ärgerlich. (Was es bedeutet, vor allem die frühen Jahresangaben in einer Chronologie unterzubringen, könnt ihr auf Games and Timelines nachlesen. Nur soviel, es war reiner Horror).

Nun fällt das Erscheinen dieses Buches genau in die Zeit, in der die erste Picard-Staffel alles umgekrempelt hat (2020). Also vielleicht wollte McCormack hier bewusst nicht die anderen Werke miteinbeziehen, oder es war eine Vorgabe des Lizenzgebers. Nun muss man natürlich auch die Ereignisse um “Coda” einbeziehen (darüber sprechen wir demnächst an dieser Stelle). Diese Reihe stand aber 2020 auch noch nicht in den Startlöchern.

Doch der Reihe nach. Die frühen Jahre von Janeway, sogar ihr definitives Geburtsdatum, gehen ja soweit noch in Ordnung und mit Etwas Hinbiegen kann man sie, trotz kleinerer Fehler, auch bis 2371 in Einklang bringen. Wobei man hier auch etwas denn Kanonquellen widerspricht, den da war die Voyager eben nicht Janeways erstes Kommando.  Oder erzählt die gute Janeway, aus deren Sicht das alles geschrieben ist, dem Leser nur Kauderwelsch?

Denn über viele Ereignisse darf sie nicht sprechen, da geheim, was natürlich vieles aus der Voyager-Zeit betrifft. Doch auch so werden etwa Namen ihrer ersten Freunde nicht genannt, vermutlich um eben dem, was da am Serienhimmel kommt, nicht im Weg zu stehen (Stichwort: Prodigy). Doch in die Relaunch-Zeit kommen wir noch.

Zunächst einmal klingt das bis hierhin etwas negative, als es eigentlich ist. Die Ereignisse sind gut beschrieben und man merkt durchaus, das Una McCormack hier einige Recherchemühen hineingesteckt hat. So ist etwa der Tod von Janeways Vater ähnlich dem bereits etablierten.

Und bis hin zur akademiezeit kann man Janeways Gedankengänge und Ereignisse, ihre Aufgebraustheit, die sie unter Kontrolle bekommen muss, gut nachvollziehen. Trotz kleinerer Schnitzer macht es also durchaus Spaß, die Karriere der Frau bis hin zum Start der Voyager zu verfolgen.

Besonders erwähnenswert sind auch die Fotomontagen in der Mitte, die wirklich gut sind und von echten Fotos kaum zu unterscheiden sind. So sieht man hier eine junge Janeway oder Janeway an der Akademie oder eben auch ihre Tochter. Ja, da schaut ihr was, aber dazu kommen wir, wie erwähnt, noch.

Zunäcchst schauen wir uns die Voyager-Passagen an. Hier wurde nicht auf jede Mission des Schiffes eingegangen, vor allem die Borg werden doch eher stiefmütterlich erwähnt, auch wenn die Beziehung zu Seven of Nine hier gut ausgearbeitet wurde. Wir erfahren etwa, wie Janeway zu ihren Crewmitgliedern steht und wie sie zu ihrer Entscheidungsfindung kommt. Ganz besonders hervorzuheben ist hier z.B. die Sache mit Tuvix oder auch die Zerstörung der Fürsorger-Station – also exakt die Dinge, die auch die Fans schonmal moralisch hinterfragten. Das ist also an der Stelle auch eine Art Verbeugung vor ihnen.

Andere Sachen, etwa vieles, was die Borg betrifft, fällt dabei komplett unter den Tisch. Das ist auf der einen Seite sicher schade, auf der anderen will man als Leser ja sicher auch keine Nacherzählung von Sieben Staffeln Voyager. Insofern kann man sagen, das hier durchaus ein gutter Kompromiss geschaffen wurde, der uns weitere Einblicke in Janeways Charakter erlaubt.

Auch auf die Relaunch-Ära, also die Zeit der Rückkehr der Voyager, wird eingegangen, aber wie erwähnt wird halt alles, was seither in den Büchern passiert ist, in dieser Biografie ignoriert. B’Elanna, Tom und Chakotay verlassen etwa die Sternenflotte, was inzwischen ja durch “Lower Decks” und “Prodigy” widerlegt ist. Und auch Janeways Tochter wird als Kuriosum so sicher nicht im neuen Kanon auftauchen. Denn Janeway hat vor ihrem Aufbruch Eizellen einfrieren lassen, die, nachdem man sie für tot erklärt hatte, befruchtet wurden und zu ihrer Tochter Amelia führten.

So hat McCormack auf durchaus elegante Art die Frage umgangen, mit wem Janeway am Ende denn zusammen war. Ein Kind ganz ohne Partner….

Must Read

Das Buch ist nicht schlecht geschrieben und liefert interessante Einblicke in Janeways Charakter. Etwas schade ist allerdings, das alle anderen Bücher für diese Publikation ignoriert wurden und auch, das viele Sachen inzwischen, auch unabhängig von Coda, durch den neuen Kanon widerlegt wurden. Das machen die anderen Bände hoffentlich etwas besser – nichtsdestotrotz ist der vorliegende Band gut zu lesen und kann jedem Fan ans Herz gelegt werden.

REVIEW OVERVIEW

Bewertung
Thomas Götz
Thomas Götz
Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.
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Das Buch ist nicht schlecht geschrieben und liefert interessante Einblicke in Janeways Charakter. Etwas schade ist allerdings, das alle anderen Bücher für diese Publikation ignoriert wurden und auch, das viele Sachen inzwischen, auch unabhängig von Coda, durch den neuen Kanon widerlegt wurden. Das machen die anderen Bände hoffentlich etwas besser – nichtsdestotrotz ist der vorliegende Band gut zu lesen und kann jedem Fan ans Herz gelegt werden.Rezension: "Die Autobiografie von Kathryn Janeway"
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