Neuigkeiten über ein Schiffsunglück erreichen die Akademie. Die Nachrichten sind für Kadett Kraag persönlich aufwühlend, rücken aber auch einen größeren geopolitischen Kontext in den Fokus. Bald spricht der Campus über nichts anderes mehr.
Vox in Excelso
Nach einem eher durchwachsenen, aber durchaus unterhaltsamen Start dürfte die vierte Episode von „Starfleet Academy“ die erste sein, die sich für langjährige „Star Trek“-Fans vertraut anfühlt.
„Vox in Excelso“ verbindet Worldbuilding, ein ethisches Dilemma, Charakterentwicklung und eine hoffnungsvolle Auflösung auf eine Weise, die eher an die Berman-Ära des Franchises als an die jüngeren Serien erinnert. Den Rahmen für diese dialoglastige Folge bildet der Aaron-Satie-Debattenwettbewerb, in dem der Doktor als Juror fungiert und eine der besten Zeilen aus „The Drumhead“ zitieren darf. Das Drehbuch verantworteten Serienschöpferin Gaia Violo und Autor Eric Anthony Glover.
Eine tragische Botschaft über das kritische Systemversagen auf einem Flüchtlingsschiff rückt das Schicksal des klingonischen Volkes ins Bewusstsein aller Lernenden. Besonders betroffen ist Jay-den Kraag, da sich Mitglieder ihrer Familie an Bord des Unglücksraumers befanden. Die Serie bricht mit „Discoverys“ Zurückhaltung, die geopolitischen Verhältnisse des 32. Jahrhunderts abseits der Föderation zu beleuchten, und widmet sich der Geschichte sowie dem politischen Verhältnis zwischen Föderation und klingonischem Reich in der Ära nach dem „Brand“.

Während die Episode Flashbacks nutzt, um Kraags Herkunft zu beleuchten und ihre persönliche Betroffenheit in den aktuellen Kontext zu stellen, entwickelt sich parallel eine geopolitische Herausforderung: Ake und Vance haben eine Vision entwickelt, wie die künftige Koexistenz zwischen den beiden ehemaligen Großmächten gesichert werden könnte – insbesondere im Interesse des klingonischen Volkes. Aus kulturellen Gründen ist es für die klingonische Seite jedoch unmöglich, den Vorschlag der Föderation anzunehmen.
Der Konflikt erreicht den Debattierzirkel des Doktors, der nach anfänglichem Widerstand gestattet, das tagespolitische Thema zum Gegenstand des Wettbewerbs zu machen.
Mit einer Spieldauer von rund einer Stunde hat „Vox in Excelso“ Zeit, Kraags Entwicklung sowie die Beziehungen zu Mitstudierenden und Lehrenden in teils überraschenden Konstellationen zu erzählen. Der eher meditative Rhythmus der Folge erinnert stärker an „Star Trek“ der 1990er als an die Produktionen der 2020er. Auch die Auflösung beider Erzählstränge ist klassisch: getragen von empathischem Verständnis und einem optimistischen Wagnis.
Ein schwieriger Balanceakt
Die Episode ist nicht nur strukturell stark von „The Next Generation“ oder „Voyager“ inspiriert. Während viele ältere Fans (sofern sie der Serie bis hierhin überhaupt eine Chance gegeben haben) „Vox in Excelso“ als wohltuend vertraut empfinden werden, ist nicht alles an der Folge gelungen.
Die Natur einer spoilerfreien Rezension erlaubt es leider nicht, auf Details einzugehen, doch was „Starfleet Academy“ auch in seiner vierten Episode nicht meistert, ist die allzu schematische Handlung. So begrüßenswert es grundsätzlich ist, dass sich die Serie überhaupt mit Worldbuilding im 32. Jahrhundert beschäftigt, so enttäuschend einfallslos und oberflächlich wirkt das, was präsentiert wird.
Ähnliches gilt für Jay-den Kraags Hintergrundgeschichte. Die Episode hätte an Tiefe gewonnen, wenn auf die Rückblenden verzichtet worden wäre. Zudem wird bereits nach weniger als der Hälfte der Spielzeit dem Publikum (im Gegensatz zu den Figuren) klar, wie das geopolitische Problem zu lösen ist.

In dieser Folge bleibt auch die bisher größte Stärke der Serie auf der Strecke: scharfe und originelle Dialoge. Das ist umso bedauerlicher, da das Debattenformat der Episode geradezu danach verlangt. Dennoch übertrifft die recycelte Dialogzeile aus „The Drumhead“ jede andere Wortmeldung in „Vox in Excelso“ – und das ist schade.
Mit Themen wie der Trennung von Eltern und Kindern oder isolationistischer Abschottungspolitik hat „Starfleet Academy“ in den ersten Episoden gezeigt, dass es den Dialog mit der Gegenwart suchen will. Umso enttäuschender ist daher die Anlage und vorläufige Auflösung des Konflikts mit den Klingonen. Es drängen sich verschiedene aktuelle Konflikte auf, die „Star Trek“ hier aus einer neuen Perspektive hätte beleuchten können.
Wenn die Serie ernsthaft die Generationen Z und Alpha ansprechen will, hätte sie den Mut haben müssen, eine naheliegende Parabel auf den Gaza-Konflikt zu erzählen – eine, die die Intelligenz des Publikums nicht unterschätzt, sich nicht nach 60 Minuten „sauber“ auflösen lässt, sondern den Zuschauenden Raum für Ambivalenz und unbequeme Gedanken lässt. Doch große kreative Risiken sind bisher nicht die Stärke dieser Serie.
Damit soll nicht behauptet werden, dass die Serie nicht beides erreichen könnte: für bestehende Fans wiedererkennbare Motive und einen weltanschaulichen Kompass zu bieten und gleichzeitig für Neuankömmlinge zeitgemäße Themen und einen eigenständigen kreativen Stil zu entwickeln. Seit „Star Trek: Voyager“ 1995 startete, ist dies das zentrale Problem des Franchises: Originalität ohne Identitätsverlust. So sehr „Vox in Excelso“ Teilen des Publikums gefallen mag – „Starfleet Academy“ schlingert hier zu sehr zwischen altbekannten Mustern, als dass es der Serie langfristig guttäte.
