Einen Monat nach der Myasaki-Krise erhalten die Studierenden einige Tage Semesterferien, um den „All Worlds Day“ zu feiern. Doch statt Erholung werden die Kadett:innen in der Studienpause von persönlichen Sorgen eingeholt.
Was meinen wir mit “spoilerfrei”?
Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was “spoilerfrei” bedeutet. Damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr die Rezension vorab lesen möchtet, machen wir hier transparent, was wir darunter verstehen:
- Wir verraten keine wichtigen und unerwarteten Wendungen der Handlung bzw. Informationen über die fiktiven Welt und ihre Figuren.
- Was im Vorfeld durch Vorschauclips und Trailer gezeigt wird, ist kein Spoiler.
- Was im Cold Open (vor dem Vorspann) bzw. im ersten Akt (bei Episoden ohne Cold Open) passiert, ist kein Spoiler.
- Handwerklichen Aspekte (Schauspiel, Drehbuch, Bühnenbild, Soundtrack, Spezialeffekte) sind keine Spoiler, sofern sie nichts Wichtiges über die Handlung verraten.
Ko’Zeine
Mit „Ko’Zeine“ beschwört „Starfleet Academy“ Erinnerungen an „Family“ herauf – jene herausragende Episode, die „The Best of Both Worlds“ inoffiziell zur ersten dreiteiligen Geschichte des Franchise machte.
„Come, Let’s Away“ endete mit einem Tiefschlag: Mehrere Hauptfiguren mussten die direkten Konsequenzen der Auseinandersetzung tragen. „Ko’Zeine“ knüpft an die verstörenden Ereignisse an und zeigt einen Campus, auf dem die Leichtigkeit früherer Tage verflogen ist.

Die Handlung von „Ko’Zeine“ ist zweigeteilt: Reymi wird von seinem Volk nach Khionia zurückgerufen, um dort vorzeitig zu heiraten und die Thronfolge anzutreten – Kraar wird unfreiwillig zum Trauzeugen, dem titelgebenden Ko’Zeine. Unterdessen bleiben Kir und Lythe auf der verwaisten Athena zurück: Er, weil er keine Lust hat, die Feiertage bei einer Gastfamilie zu verbringen, sie, weil ihr Vater zu einem Symposium abgereist ist.
Die Geschehnisse rund um Reymis Hochzeit im khionischen Königshaus greifen ein altbekanntes Star-Trek-Motiv auf: Der Antritt der Thronfolge bedeutet zugleich den Abschied von der Akademie und der Sternenflotte. Seit der Originalserie erzählt das Franchise immer wieder Geschichten über die Überwindung sozialen Determinismus. Reymis Dilemma teilen Figuren wie Spock, Troi, Odo und T’Pol.
Es handelt sich um eine der archetypischen Star-Trek-Erzählungen, die für die innere Logik einer Welt essenziell sind, in der Individuen selbstbestimmt handeln und Verantwortung übernehmen können. Leider ist „Ko’Zeine“ eine der schwächsten Umsetzungen dieses Themas. Die Moral der Geschichte wirkt untergraben, weil Reymi wie ein passiver Mitläufer erscheint, während Kraar und seine Verlobte Keira als eigentliche Handelnde agieren.
Der Stuhl in der Mitte
Deutlich besser gelingt der B-Plot: Rosta und Shepard entwickeln als Mir und Lythe eine überzeugende Bildschirmchemie. Zudem wirken ihre persönlichen Herausforderungen kleiner, aber glaubwürdiger.
Mir scheitert daran, der auf Betazed in Rehabilitation befindlichen Sadal eine persönliche Nachricht zu schreiben, und weicht der komplizierteren, intimeren Dynamik aus. Lythe hingegen wirkt verunsichert, weil Ake sie für das Programm angehender Kommandooffizier:innen vorschlagen möchte.
Die beiden haben den Campus für sich und verfallen in altersgerechten Unfug, bevor sie sich ihren aufgeschobenen Problemen stellen. Das wirkt organisch und sorgt für gute Unterhaltung – ein willkommenes Zeichen, dass „Starfleet Academy“ nach den Ereignissen auf der Miyazaki nur eine kurze Verschnaufpause einlegt, statt dauerhaft in einen düsteren Ton zu verfallen.

Was das Publikum am Ende von „Ko’Zeine“ etwas ratlos zurücklässt, ist die Frage, ob die Myasaki-Krise hier angemessen aufgearbeitet wird. Die Episode beginnt in einem verregneten San Francisco und endet mit einem malerischen Panorama – dazwischen passiert jedoch wenig, was den Protagonist:innen eine echte Verarbeitung der traumatischen Ereignisse ermöglicht hätte. Stattdessen beschäftigen sie sich mit allem anderen als der eigenen Sterblichkeit oder dem Verlust von Kommiliton:innen und Lehrkräften.
Eine Katharsis wie Picards in „Family“ fehlt in „Ko’Zeine“ – und das ist neben Reymis Handlungsbogen die zweite verpasste Chance des Drehbuchs von Alex Taub und Eric Anthony Glover.
Mit Rücksicht auf die Leser:innen, die die Episoden noch nicht gesehen haben, bitten wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag auf Spoiler zu verzichten. Danke!
