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StartNews & StoriesSpoiler-Rezension: "Starfleet Academy 1x09 - Die 300.Nacht"

Spoiler-Rezension: “Starfleet Academy 1×09 – Die 300.Nacht”

Die vorletzte Folge der Staffel widmet sich endlich wieder dem Story-Arc. Tom schaut, was noch so los ist.

The Stakes are high

Die vorletzte Folge, die, soviel darf man vorausschicken, mit einem Cliffhanger endet und uns Tatiana Maslany als Anisha zurückbringt, Calebs Mutter.

Kollege Christopher hat hier völlig recht: Man hatte bislang nicht den Eindruck, die übergeordnete Handlung würde groß weiter verfolgt werden (das bemängelte ich ja schon bei Folge 4). Es wiegt an dieser Stelle aber nicht ganz so schwer, weil man sich eben wirklich eher auf die Charaktere und deren Stories konzentrierte, und die Suche nach Calebs Mutter eher im Hintergrund blieb. Schön ist das trotzdem nicht.

Und bevor wir uns eben jener Handlung um Anisha widmen, müssen wir den großen Elefanten im Raum ausräumen, denn es wird enthüllt, was Nus Braka gestohlen hat bzw. was er vorhat. Und das ist nichts geringeres als Omega-47, ein künstliches, verbessertes Omega-Molekül. Und ja, wie schon in „Picard“ kann man jetzt sicher vortrefflich darüber sinnieren, warum die UFP Massenvernichtungswaffen hortet. Es wirkt an dieser Stelle nicht ganz so extrem nach, da man durchaus nachvollziehen kann, dass es Forschungen zum stärksten bekannten Partikel im Universum geben sollte/dürfte, schön ist es unterm Strich aber nicht.

Und natürlich wird mit dem Omega gleich ein System vernichtet (oder besser: entwarpt) und Brakas Plan ist es also, die Föderation auszulöschen. Es geht also mal wieder um „alles“, drunter machen es die modernen Serien nicht mehr und leider, ich hatte es ja nach Folge 6 antizipiert, macht Academy hier keine Ausnahme. Ja ja, ich weiß, man wird jetzt argumentieren, es geht ja nicht um die ganze Galaxis sondern „nur“ um die Föderation und genau genommen will er sie nicht auslöschen, sondern nur isolieren, das sind aber höchstens Unterschiede in Nuancen.

Zumal der Plot halt wirklich wieder in dieselbe Kerbe schlägt: Es werden alle Sternenflottenschiffe an einen Ort zurückgerufen, und dann wird die Föderation hinter den Minenfeldern isoliert. Und nur die Athena bleibt draußen, als einziges Schiff, dass das Universum… äh die Föderation retten kann. Und selbstredend werden ihr, nach der Rettung, sämtliche etwaigen Fehltritte verziehen und so weiter und so fort. Kennt man ja zur Genüge.

Und die Fragen zum Staffelfinale verpuffen daher auch irgendwie an der Mauer der Ideenlosigkeit. Werden Jan und seine Freunde es schaffen, den Sperrgürtel der Leonen zu durchdringen und die Erde zu retten? Brauchen Sie dafür nicht ein Wunder in Form des Steins der Macht? Oh sorry, falsches Universum.

Es stellt sich natürlich auch die Frage, wieviele Minen der gute Mann da produziert hat. Der Föderationsraum ist riesig und ja, jede Mine deckt ein ganzes Sternensystem ab, man muss also nur in jedem Randsystem eine ablegen und weiterfliegen. Trotzdem dürften wir da von mindestens einigen 10 000 Minen reden, aber vermutlich wird man das mit der geschrumpften Föderation wegdiskutieren. Aber gut, darüber kann man noch hinwegsehen.

Erträglich ist das ganze auch, weil es nur am Anfang und Ende kurz vorkommt, und sich die ganze Folge um andere Themen – eben Anisha – dreht. Das wird sich vermutlich in Folge 10 ändern, aber die Bewertung soll ja für diese Folge hier gelten.

Zurück zu den Charakteren

Aber kommen wir zurück zur Haupthandlung und den Stärken von Academy, den Charakteren. Hier kann die Folge zum Glück wieder punkten, wenn auch vielleicht mit einigen Abzügen.

So beginnt das ganze mit einem Ritual von Jay-Den, in dem er seine Freunde quasi in sein Haus aufnimmt. Seltsamerweise fehlt dabei aber Kyle, sein immerhin fester Freund, nunja. Und auch Tarima argumentiert gegenüber Caleb, das viele ja noch Angst vor ihr haben, obwohl man vor allem nach letzter Woche davon ausgehen konnte, das Thema wäre endlich erledigt. Folgerichtig sagt ihr Caleb kurz darauf auch, das es nicht das ist, was er an ihr mag. Es fühlt sich aber trotzdem an dieser Stelle wie ein kleiner Rückschritt an.

Tarima und Jay-den tauchen zwar noch kurz auf im weiteren Verlauf, vornehmlich, weil sie sich auf die Athena schleichen, spielen im weiteren Verlauf aber keine große Rolle mehr. Gut, vielleicht sind sie es ja, die das Schiff dann im Alleingang zurückerobern, weil sie dort gestrandet ist und so etwas mehr zu tun bekommen in Folge 10, aber soweit sind wir noch nicht. Etwas schade ist es natürlich schon, dass die beiden nicht mit auf das Shuttle kommen (dazu kommen wir gleich), aber die Charakterkonstellation ist auch so in Ordnung.

Mokieren kann man sich sicher darüber, dass Caleb, wie von Tarima kontastiert, in gewisser Weise wieder wegläuft. Oder dass es nach neun Folgen gerade Sam ist, die ihm den entscheidenden Hinweis darauf gibt, wie er seine Mutter finden kann. Oder das Ake Caleb hereinbittet, aber sie gerade in Megageheimen Gesprächen mit Kelric beschäftigt ist, aber munter weiter redet, so dass Caleb noch was mitkriegt und prompt umkehrt, um eben seine Shuttleaktion zu starten.

Das sind schon arg konstruierte Zufälle, und ja, genau genommen kann man das auch über die Shuttlesequenz sagen. „Zufällig“ stolpern nämlich Calebs Freunde hinzu und sind „gezwungen“ sich ihm anzuschließen. Da wäre vielleicht ein „wir kommen freiwillig mit, eben weil wir Freunde sind“ besser gewesen, aber dann hätte Calebs „Pöbelszene“ später halt nicht so gut funktioniert. Man kann an der Stelle aber darüber hinwegsehen, denn wie die Freunde halt zufällig „dazustolpern“ ist dermaßen witzig umgesetzt, dass man an der Stelle die Holzhammerszene verzeiht.

Hier sollte man sich eher darüber aufregen, dass es hier wieder Transwarptunnel gibt, während man bei „Discovery“ ja noch kontastiert hatte, alternative Warpreisen gäbe es nicht. Konsistenz innerhalb des Universums bzw. der Serien und so, aber das hatten wir ja auch schon zur Genüge.

Dafür muss man an der Stelle loben, dass Vance die Erlaubnis gibt, Caleb zu verfolgen. Kein Badmiral-Gehabe, sondern Verständnis, wie man es von einem Vorgesetzten erwartet. Damit punktete Vance ja bereits bei „Discovery“ und es ist schön, dass man diese Gangart hier weitergeführt hat.

Übrigens: nimmt man es genau, hat Nahla ihr Versprechen NICHT gehalten, denn es ist Caleb, der seine Mutter im Alleingang findet und rettet, Nahla hat bislang absolut nichts dazu getan. Ja, sie beamt die Gruppe am Ende in Sicherheit, aber das ist auch alles.

Die Auflösung der Suche

Und damit sind wir eben auch schon bei besagter Suche auf Ukeck. Hier hat man wieder eine „schmutzige“ Non-UFP-Welt, die kurz vor der Eroberung durch die Venari-Ral steht. Dementsprechend rau geht’s hier zu, inklusive Sammelsurium einiger bekannter Spezies, hauptsächlich im Hintergrund.

Dennoch findet sich Calebs Mutter recht schnell und erweist sich weiterhin als paranoid. Das ist stellenweise etwas nervig und wird in Folge 10 noch interessant werden, da diese Folge mit der Begegnung Anisha-Ake endet, aber am Ende steht sie zu Caleb und seinen Freunden und versucht ihr bestes, ihnen zu helfen – immerhin. Schön auch, das man auch an dieser Stelle wieder vom üblichen Klischee abgesehen hat. Anisha wird nämlich angeschossen und fast könnte man meinen, sie würde es nicht überleben, wie halt so oft bei Gastdarstellern. Aber hier geht man den anderen Weg und heilt sie zum Ende hin wieder (bleibt zu hoffen, dass dies in Folge 10 persistent beibehalten wird).

Über die Szene, in der Caleb auf seine Freunde losgeht, damit sie ihn mit seiner Mutter gehen lassen, kann man auch wieder vorzüglich streiten. In gewisser Weise ist das nämlich auch wieder das übliche Klischee, auch wenn er ins Schwarze trifft. Seine Freunde sollten aber inzwischen so gefestigt sein, dass sie den Zweck erkennen und trotzdem zu ihm stehen. Hier ist es Sam, die eben dies in einer ihrer wenigen guten Szenen der ersten Staffel, ihm gegenüber erwähnen darf.  

An der Stelle sei angemerkt, das sie auch mit dem Doktor später in die Arme fällt und sich hier andeutet, dass die beiden was herzlicheres haben. Vor allem kann der Doktor nun in gewisser Weise eine ebenso persistentere Vater-Tochter-Beziehung führen. Davon hätte es in der Tat gerne mehr sein dürfen, aber vielleicht gibt es das ja in Staffel 2.

Zurück nach Ukeck hält Calebs „Verrat“ natürlich nur kurz, denn als die Freunde gefangen werden, eilt er zur Rettung – inklusive einer typischen Sequenz, dass Nahla zur falschen Zeit anruft, seufz. Calebs Einsatz war an der Stelle natürlich zu erwarten gewesen und mündet in einer zwar sehr gut aussehenden Sequenz, in der die Athena über dem Marktplatz erscheint und alle rausbeamt, wobei man auch hier sagen muss, das hätte sicher auch ohne viel Tamtam inszeniert werden können.

Immerhin, es folgt eine kleine Raumschlacht, bei der sich die Athena ihrer Untertasse entledigt, was bei einem Schiff mit schwebenden Warpgondeln durchaus nett aussieht. Ob das Schiff jetzt geleichenfleddert wird, wird man natürlich in der nächsten Folge sehen (müssen).

Bewertung

Es gibt ein paar Klischees in dieser Folge, die etwas störend auffallend bedient werden, aber man gibt sich sichtlich Mühe, diese zu umschiffen. Zudem nervt es etwas, die nächste Superwaffe zu sehen, die gegen die Föderation eingesetzt werden soll. Davon abgesehen verlässt sich die Folge in den weiteren Punkten aber auf die gute etablierte Charakterarbeit, und das funktioniert weitgehend routiniert gut.

Bewertungsübersicht

Bewertung
Thomas Götz
Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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Es gibt ein paar Klischees in dieser Folge, die etwas störend auffallend bedient werden, aber man gibt sich sichtlich Mühe, diese zu umschiffen. Zudem nervt es etwas, die nächste Superwaffe zu sehen, die gegen die Föderation eingesetzt werden soll. Davon abgesehen verlässt sich die Folge in den weiteren Punkten aber auf die gute etablierte Charakterarbeit, und das funktioniert weitgehend routiniert gut.Spoiler-Rezension: "Starfleet Academy 1x09 - Die 300.Nacht"
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