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Kurzrezension “Star Trek: Starfleet Academy” – 1×10 “Rubincon”

Die U.S.S. Athena ist das einzige Sternenflottenschiff, das nicht durch Nus Brakas Omega-Partikel-Minenfeld im Föderationsraum eingeschlossen ist. Innerhalb kürzester Zeit wird die Athena von den Venari Ral umzingelt, Anisha Mir und Captain Ake entführt. Nun liegt es an Reno, dem Doktor und den Kadett:innen, die Föderation zu retten.

Was meinen wir mit “spoilerfrei”?

Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was “spoilerfrei” bedeutet. Damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr die Rezension vorab lesen möchtet, machen wir hier transparent, was wir darunter verstehen:

  • Wir verraten keine wichtigen und unerwarteten Wendungen der Handlung bzw. Informationen über die fiktiven Welt und ihre Figuren.
  • Was im Vorfeld durch Vorschauclips und Trailer gezeigt wird, ist kein Spoiler.
  • Was im Cold Open (vor dem Vorspann) bzw. im ersten Akt (bei Episoden ohne Cold Open) passiert, ist kein Spoiler.
  • Handwerklichen Aspekte (Schauspiel, Drehbuch, Bühnenbild, Soundtrack, Spezialeffekte) sind keine Spoiler, sofern sie nichts Wichtiges über die Handlung verraten.

„Rubincon“

Aus der Feder des Showrunners Alex Kurtzman und der Veteranin Kirsten Beyer stammt das Drehbuch für die Auflösung des Cliffhangers aus 300th Night. Die Geschichte dazu lieferten Noga Landau und Gaia Violo.

Ake in "Rubincon" (Photo: John Medland/Paramount+)
Ake in “Rubincon” (Photo: John Medland/Paramount+)

Keine dankenswerte Aufgabe, denn das Setup für das Finale der ersten „Starfleet Academy“-Staffel ist eine intellektuelle Zumutung für das Publikum. Die Logistik, die für den vollständigen Einschluss der Föderation mit Omega-47-Minen und die Überwachung des Perimeters notwendig wäre, sprengt jede Vorstellungskraft. Die Folge selbst beziffert die Anzahl der Minen auf Hunderte. Das bedeutet: Innerhalb von weniger als einem halben Jahr hätten die Pirat:innen täglich mehrere Minen platzieren und gigantische Distanzen von mehreren Sektoren dazwischen zurücklegen müssen. Allein dafür wäre eine Flotte von Schiffen ausgelastet, und zur Koordination wäre ein Kommunikationsnetzwerk gewaltigen Ausmaßes rund um den gesamten Föderationsraum nötig. Von Lieferketten zur Fertigung der hochmodernen Waffen ganz zu schweigen. Doch selbst diese Annahme wäre noch zu großzügig, da sie einige entscheidende Details übersieht:

  • Zeit und Ressourcen, um Omega-47 von einer prototypischen Energiequelle zu einer praxistauglichen Waffe weiterzuentwickeln.
  • Zeit und Ressourcen, um ein sagenhaftes Überwachungssystem zu entwickeln, das jede Verletzung des Perimeters über Abermilliarden Quadratlichtjahre zuverlässig erkennt – selbst durch Tarnfelder, Phasenverschiebungen, Transporterstrahlen sowie im Normal-, Subraum-, Slipstream- und Myzelnetzwerk.
  • Eine Erklärung, wie diese monumentale Logistikoperation direkt an der Außengrenze der Föderation über Monate hinweg vor den Augen, Teleskopen, Außenposten und Patrouillen der Sternenflotte durchgeführt werden konnte, ohne entdeckt zu werden.

Unter diesen Bedingungen hätten die Pirat:innen realistischerweise nur wenige Wochen oder gar Tage gehabt, alle Minen zu platzieren – und dafür mehrere Dutzend oder Hundert Schiffe im Alpha- und Beta-Quadranten benötigt. Warum also hat eine Venari Ral, die über die Mittel für ein solches Meisterstück verfügt, überhaupt Probleme, sich gegen die Föderation durchzusetzen? Hier zeigt sich ein dramatischer Unterschied in den logistischen und technologischen Fähigkeiten, der die Sternenflotte klar unterlegen erscheinen lässt.

Doch das sind nur die oberflächlichen praktischen Probleme, mit denen das Drehbuch konfrontiert ist – selbst wenn man bereit ist, die Prämisse eines vermeintlich domestizierten Omega-Moleküls und einer darauf basierenden Weltuntergangsgefahr als plausibel zu akzeptieren.

Tropenparade mit Bauchplatscher

In der letzten Stunde dieser ersten Staffel vergisst „Rubincon“ all die Stärken, die „Starfleet Academy“ trotz teilweise berechtigter Kritik sehenswert gemacht haben.

Bisher waren wir es gewohnt, dass die äußere Handlung einiger „Starfleet Academy“-Episoden von archetypischen Geschichten aus dem „Star Trek“-Fundus adaptiert und mit mäßigem Erfolg neu interpretiert wurde. Dennoch hat sich die Serie gegenüber anderen Produktionen der jüngeren Vergangenheit dadurch ausgezeichnet, dass wesentliche Kernbotschaften eines humanistischen Weltbilds erhalten blieben. Zudem retteten sehenswerte schauspielerische Leistungen und teils originelle Dialoge viele Folgen vor dem Abgleiten in Sci-Fi-Durchschnittskost.

Nicht so bei „Rubincon“. A- und B-Handlung folgen bekannten Tropen („Outmanned and Outgunned“ und „Show Trial“), doch ohne dass erkennbar wäre, dass eine der beteiligten Personen versteht, warum und wie diese Formate in „Star Trek“ funktionieren. Die Dialoge wirken flach, die Interaktionen zwischen den Figuren mechanisch, klischeehaft und schlecht motiviert.

Besonders enttäuschend sind die schauspielerischen Darbietungen und Dialoge. Die Art, wie die Kadett:innen miteinander umgehen, ist an Klischees nicht zu überbieten. Die Szenen sind durchweg unausgegoren und im Verhältnis zum Rest der Episode zu knapp bemessen, um eine glaubwürdige Entwicklung zu ermöglichen.

Hinzu kommt, dass selbst die geballte Star-Power von Holly Hunter, Tatiana Maslany und Paul Giamatti nicht ausreicht, um den zentralen Konflikt zwischen den drei Figuren mehr als zweckmäßig aufzulösen. Das gesamte Setup auf dem vandalierten Set des Sato-Atriums wirkt von Anfang an so entrückt, dass das Publikum nie die Chance bekommt, Braka oder seine Position ernst zu nehmen. Giamatti spielt mit Leib und Seele gegen ein Drehbuch an, das ihn nie aus der Defensive kommen lässt und ihm nicht einmal einen Funken Ambivalenz zugesteht.

Ake in "Rubincon" (Photo: John Medland/Paramount+)
Ake in “Rubincon” (Photo: John Medland/Paramount+)

Ich habe es seit dem Pilotfilm immer wieder angesprochen: „Star Trek“ ist sich seit der ersten Staffel „Discovery“ bewusst, dass es überzeugende Argumente gegen die Hegemonie der Föderation gibt – ähnlich wie im nicht-fiktionalen 21. Jahrhundert erstarkende Kräfte, die eine regelbasierte Koexistenz und Zusammenarbeit zwischen Nationen ablehnen und dabei Zulauf finden. In einer möglichen zweiten Amtszeit Donald Trumps als US-Präsident ist diese globale gesellschaftliche Strömung unübersehbar. Ironischerweise fehlt den Autor:innen von „Star Trek“ jedoch jegliche Empathie dafür, was diese Gegenposition zu Aufklärung, Inklusion und Globalisierung auszeichnet und warum sie eine breite Anhängerschaft findet.

„Rubincon“ zeigt symptomatisch das Problem liberaler Kräfte im Umgang mit einem erstarkenden reaktionären Gegenpol. Die Protagonist:innen legen dar, dass Brakas Position auf falschen Tatsachenbehauptungen beruht – eine Dynamik, die an zahllose gesellschaftliche Debatten erinnert, sei es zur Corona-Pandemie, Klimakrise, Migrationspolitik oder in den USA zur Wahlsicherheit. Das liberale Lager beansprucht die Fakten für sich und erklärt die Diskussion für beendet. Damit werden jedoch höchstens Symptome, nicht aber Ursachen adressiert. Vor allem reicht diese Art der Debatte nie aus, um einen stabilen gesellschaftlichen Konsens herzustellen.

Die Ursachen hierfür sind vielschichtig und keineswegs nur bei den „woken Eliten“ zu suchen, doch das würde hier zu weit führen. Wichtig erscheint mir die Erkenntnis, dass „Star Trek“ immer noch nicht verstanden hat, warum das von ihm repräsentierte Welt- und Menschenbild im Gegensatz zu den 1990er-Jahren keine universelle Anziehungskraft mehr ausübt. Solange die Auseinandersetzung mit diesem gesellschaftlichen Gegenpol so karikaturhaft geführt wird wie in „Rubincon“, zeigt das Franchise mit ausgestrecktem Zeigefinger auf einen Teil seines potenziellen Publikums und bleibt damit hinter seinem eigenen inklusiven Anspruch zurück.

Marktschreier und verbrannte Erde

Abschließend sei erwähnt, dass nichts in den zehn Episoden dieser ersten Staffel den Hass und die Häme rechtfertigt, die über die Serie bereits vor ihrer Erstausstrahlung – und auch danach – hereingebrochen sind. Es gibt handwerklich und inhaltlich einiges zu kritisieren, und wir haben das hier Woche für Woche getan. Doch ich spreche nicht von dieser Art der Rezeption in einem weitgehend zivilisierten Diskurs, sondern von dem, was mittlerweile auch über das deutsche „Star Trek“-Fandom hereingebrochen ist.

In den ersten Tagen nach dem Pilotfilm war es schlicht unmöglich, auf YouTube unaufgeregte Besprechungen zu finden, da buchstäblich jeder Beitrag der ersten Ergebnisseiten aus reißerischem, polarisierendem Clickbait bestand. Es wurden nicht einzelne Episoden mit positiven und negativen Aspekten eingeordnet, sondern der Untergang des Abendlandes und die Verblödung des Publikums beschworen. Dazu kamen Review-Bombing und die Belästigung von Darsteller:innen auf ihren Social-Media-Profilen.

Mir in "Rubincon" (Photo: John Medland/Paramount+)
Mir in “Rubincon” (Photo: John Medland/Paramount+)

Ich muss es deutlich sagen: Einige Akteur:innen haben längst den Rahmen dessen verlassen, mit dem ich mich als Teil einer Fan-Kultur identifizieren möchte. Fan-Journalismus war schon immer ein wenig peinlich, weil oft die nötige Distanz für eine reflektierte Auseinandersetzung fehlt. Bisher half ein notwendiges Minimum an Narzissmus, Selbstbewusstsein und kritischen Mitstreitenden. Doch was wir derzeit im Netz an Entgleisungen rund um „Starfleet Academy“ erleben, ist damit nicht mehr zu erklären oder zu rechtfertigen. Einige lautstarke Vertreter:innen sind hier nicht mehr als Kritiker:innen oder Fans des Werks unterwegs, sondern schreien nur noch in den Äther – angetrieben von den Anreizstrukturen der Aufmerksamkeitsökonomie.

Auch wenn sich die Beteiligten vielleicht etwas anderes einreden: Ich halte es für unwahrscheinlich, dass wir hier einer echten Debatte beiwohnen, die ein konstruktives Ziel verfolgt. Im Gegenteil – unversöhnliche Positionen garantieren mehr Reichweite, Aufmerksamkeit und damit Selbstbestätigung, für einige letztlich auch höhere Monetarisierbarkeit. Dabei ist es egal, ob der Diskurs danach vergiftet ist, denn man kann nahtlos beim nächsten Franchise dieselbe Nummer wiederholen.

Der Trend zu immer lauteren und aufgeregteren „Meinungsbeiträgen“ wird nicht schwächer, sondern beschleunigt sich. Für das TrekZone Network ist dieses äußere Klima bitter, da wir mit unserer altmodischen, privat finanzierten Website ein anderes Spiel spielen. Ich hoffe, dass wir in diesem Umfeld für euch Leser:innen ein fairer Begleiter zu „Starfleet Academy“ waren und auch in Zukunft bleiben.

Mit Rücksicht auf die Leser:innen, die die Episoden noch nicht gesehen haben, bitten wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag auf Spoiler zu verzichten. Danke!

Bewertung

Das Finale der durchaus soliden ersten Staffel *„Starfleet Academy“* ist mit *„zweckmäßig“* wohlwollend beschrieben. *„Rubincon“* bleibt weit hinter den Möglichkeiten seiner Prämisse und der aufgebotenen Star-Power zurück.

Bewertungsübersicht

Gesamt
Christopher Kurtz
Seit den frühen 2000ern ist Christopher Redakteur im TrekZone Network. Wenn er nicht in den unendlichen Weiten nach kritisch rationalem Humanismus Ausschau hält oder sich über die Plausibilität fiktiver Technologien und Gesellschaftsformen den Kopf zermartert, findet man ihn meistens in der Nähe von Spielen der geselligen Art, egal ob analog oder digital, ob als Mitspieler oder Gelegenheitsautor.

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