Mars-Revolution, neue Generation und eine Mission an die Grenzen des Sonnensystems: For All Mankind – Staffel 5 läutet eine neue Ära ein. Ob der Spagat zwischen politischem Drama und Entdeckergeist gelingt, verrät unsere Staffel-Review.
Achtung: SPOILER!
Mit der fünften Staffel schlägt For All Mankind endgültig ein neues Kapitel auf. Die Serie wagt ihren bislang größten Generationenwechsel und verabschiedet sich von Figuren, die das Format über Jahre geprägt haben. Gleichzeitig rückt der Mars stärker denn je ins Zentrum der Handlung – mit allen Stärken und Schwächen, die diese Entscheidung mit sich bringt.
Eine neue Ära auf dem Roten Planeten
In den 2010er-Jahren hat sich die Marskolonie ‘Happy Valley’ zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Weltwirtschaft entwickelt. Der Abbau von Iridium auf dem Asteroiden ‘Goldilocks’ hat den Roten Planeten zu einem wirtschaftlichen Machtfaktor gemacht, von dem die M-6-Nationen auf der Erde zunehmend abhängig sind. Parallel dazu entsteht eine eigene marsianische Identität, die nationale Zugehörigkeiten zunehmend verdrängt und nach mehr politischer Autonomie strebt.
Als jedoch geheime Pläne von Helios, Kuragin und den M-6-Staaten ans Licht kommen, wonach große Teile der Arbeit auf dem Mars automatisiert werden sollen, eskaliert die Lage. Die Kolonisten sehen ihre Zukunft bedroht und beginnen einen Aufstand. Der Versuch der M-6, die Situation mit militärischen Mitteln zu kontrollieren, treibt den Konflikt schließlich an den Rand eines offenen Bürgerkrieges.
Währenddessen macht sich ein Forschungsteam mit Kelly Baldwin auf den Weg zum Saturnmond Titan. Dort soll eine der größten wissenschaftlichen Fragen der Menschheit beantwortet werden: Gibt es außerhalb der Erde mikrobiologisches Leben?
Der große Generationenwechsel
Kaum ein Aspekt prägt Staffel 5 stärker als der Austausch der zentralen Figuren. Bereits in Episode 3 stirbt Ed Baldwin (Joel Kinnaman) – eine Entscheidung, die mutig, konsequent und zugleich riskant ist. Denn mit ihm verliert die Serie ihren wohl prägendsten Charakter. Auch Margo Madison (Wrenn Schmidt) tritt nur noch sporadisch in Erscheinung, verbringt sie ihren Lebensabend doch seit gut einem Jahrzehnt hinter Gittern. Danielle Poole (Krys Marshall) wiederum hat nur in Folge 4 einen kurzen Gastauftritt.
Zwar bleiben vertraute Gesichter wie Aleida Rosales (Coral Peña), Kelly Baldwin (Cynthy Wu) und Dev Ayesa (Edi Gathegi) wichtige Bestandteile der Handlung, doch die eigentlichen Hauptrollen übernehmen nun Figuren wie Miles Dale (Toby Kebbell), Celia Boyd (Mireille Enos), Alex Poletov Baldwin (Sean Kaufman), Lily Dale (Ruby Cruz) oder Avery „AJ“ Jarrett-Stevens (Ines Høysæter Asserson).
Den Autoren gebührt Respekt dafür, diesen Generationenwechsel tatsächlich derart konsequent durchzuziehen. Viele Serien scheuen einen solchen Schritt oder verwässern ihn. Dennoch wird schnell deutlich, dass der Verlust von Ed Baldwin vorerst eine Lücke hinterlässt, die niemand vollständig schließen kann. Die neuen Figuren sind sorgfältig geschrieben, entwickeln sich glaubwürdig und erhalten ausreichend Raum. Was ihnen jedoch noch fehlt, ist jene Zugkraft und Facettenhaftigkeit, die den dickköpfigen und streitbaren Ed Baldwin, aber auch Charaktere wie Tracy Stevens, Karen Baldwin, Molly Cobb oder Margo Madison über Jahre so besonders gemacht haben.
Lobenswert ist zudem, wie For All Mankind die jüngeren Figuren einführt. Im Gegensatz zu vielen modernen Genreproduktionen wirken deren Konflikte selten konstruiert oder künstlich dramatisiert. Die jungen Charaktere müssen ihren Platz in einer sich wandelnden Gesellschaft finden, familiäre Lasten bewältigen und ihren eigenen Weg einschlagen. Dennoch bleiben ihre Geschichten bodenständig und glaubwürdig. Besonders deutlich wird das im direkten Vergleich zu aktuellen Produktionen wie Starfleet Academy. Auch dort stehen junge Menschen im Mittelpunkt, die ihren Platz in der Welt suchen. Während die Kadettenserie jedoch häufig auf klischeehafte Charakterisierungen, permanente Selbstfindungsdramen und ein hohes Maß an Theatralik setzt, wirken die Figuren in For All Mankind deutlich natürlicher. Ihre Konflikte entstehen aus den Umständen ihres Lebens und nicht aus dem offensichtlichen Bedürfnis der Autoren, möglichst viel Melodrama zu erzeugen.
Ob mit Kelly Baldwin unbedingt eine weitere Figur der vorherigen Generation geopfert werden musste, darf hingegen diskutiert werden. Dabei wirkt dieser dramaturgische Schritt zunehmend wie die Anwendung eines klischeehaften Erzählmusters, in dem sich Figuren in einer akuten Notsituation opfern, um andere zu retten, und ihr Verlust gezielt als Mittel eingesetzt wird, um emotionale Fallhöhe zu erzeugen und die Handlung der nächsten Generation voranzutreiben. Dieses Muster zieht sich dabei durch mehrere Staffeln der Serie und zeigt sich unter anderem bereits am Schicksal von Karen Baldwin, dem Heldentod von Gordo und Tracy Stevens sowie von Molly Cobb oder auch dem Opfer von Alexei Poletov.
Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, welchen erzählerischen Impact die Figur Kelly Baldwin in den 2020er-Jahren in ihren späten Fünfzigern noch hätte entfalten könnte. So schmerzhaft der Abschied von einer weiteren langjährigen Figur auch ist, könnte er aus dramaturgischer Sicht dennoch konsequent gewesen sein. Gleichzeitig lässt das offene Ende der Staffel bewusst Raum für Zweifel daran, ob dieser Abschied endgültig ist oder ob Kellys Schicksal möglicherweise noch eine andere Wendung nehmen könnte. In der letzten Inszenierung schwingt dabei sogar ein leicht übernatürlich anmutender Unterton mit, der fast klassisch an Science-Fiction-Motive erinnert, in denen das Verschwinden oder die Rückkehr einer Figur bewusst im Unklaren bleibt und Raum für Interpretation zwischen Realität, Technologie und etwas Unerklärlichem lässt.
Die Marsrevolution
Der zentrale Handlungsbogen rund um die Marsrevolution ist sorgfältig aufgebaut und knüpft überzeugend an Entwicklungen der vergangenen Staffeln an. Gleichzeitig macht sich hier aber auch ein gewisser Verschleiß bemerkbar. Denn über weite Strecken erinnert die Handlung eher an ein politisches Kolonialdrama als an eine Raumfahrtserie. Nicht wenige Zuschauer dürften sich dabei an andere Science-Fiction-Universen erinnert fühlen, die ähnliche Themen bereits behandelt haben, wie etwa das in diesem Zusammenhang oft genannte The Expanse.
Dabei fällt vor allem auf, dass die Serie in dieser Staffel weniger an der fiktiven bzw. kontrafaktischen Weiterentwicklung der Raumfahrt interessiert ist als an einem politischen Drama, das die sozialen und gesellschaftlichen Folgen einer etablierten extraterrestrischen Kolonie in den Mittelpunkt stellt.
Die Diskussion über wirtschaftliche Interdependenzen, politische Selbstbestimmung und kulturelle Identität ist zweifellos interessant, doch der Fokus auf den Mars gerät mitunter zu dominant. Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch die weitgehende Abwesenheit einer gleichwertigen Perspektive von der Erde. Die Auswirkungen des Konflikts werden überwiegend durch Nachrichtensendungen oder Szenen im Milieu des US-Militärs vermittelt. Dadurch fehlt der Staffel ein wichtiger narrativer Gegenpol. Ein zusätzlicher Handlungsstrang mit Figuren auf der Erde hätte die politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen deutlich greifbarer gemacht.
Auch die Auflösung des Konflikts hinterlässt einen etwas zwiespältigen Eindruck. Der Waffenstillstand kommt vergleichsweise abrupt zustande und wirkt weniger organisch als viele frühere Staffel-Höhepunkte der Serie. Hier entsteht erstmals das Gefühl, dass die Autoren nicht mehr jede Entwicklung mit derselben Eleganz zu Ende führen wie in den stärksten Jahren der Serie.
Aufbruch zum Titan
Mein größter Kritikpunkt an der neuen Staffel: Eindrucksvolle Weltraumszenen bleiben bis zur Staffelmittel leider Mangelware. Erst als die umgerüstete “Sojourner-T” ihre Reise zum Saturnsystem beginnt, kehrt jenes Gefühl der Entdeckung zurück, das die Serie einst so besonders machte.
Die Titan-Mission ist das spannendste Element der Staffel. Die Darstellung der extremen Umweltbedingungen auf Titan überzeugt ebenso wie das spektakulär inszenierte Aerobraking-Manöver beim Eintritt in die dichte Atmosphäre des Mondes. Gefrorene Wassereislandschaften, Methanseen und die fremdartige Atmosphäre vermitteln eindrucksvoll die Faszination eines tatsächlich existierenden Himmelskörpers. Gleichzeitig wirkt dieser Handlungsstrang jedoch etwas zu kompakt erzählt – gerade hier hätte die Serie noch deutlich mehr Raum für Exploration, wissenschaftliche Details und den eigentlichen ‘Sense of Wonder’ lassen können, um das volle Potenzial dieses außergewöhnlichen Schauplatzes auszuschöpfen.
Auffällig ist zudem, dass sich die Serie stellenweise von ihrem wissenschaftlich-realistischen Ansatz entfernt. Zwar bleibt die wissenschaftliche Grundierung überzeugend und deutlich realistischer als in den meisten Genrevertretern, doch werden technische und logistische Herausforderungen zunehmend zugunsten der Erzählung verkürzt oder vereinfacht dargestellt. Dies zeigt sich etwa bei der vergleichsweise schnellen Reaktivierung eines lange stillgelegten Raumfahrzeugs, den großzügig ausgelegten Kommunikationsmöglichkeiten über interplanetare Distanzen hinweg oder den verkürzten Reisezeiten innerhalb des Sonnensystems.
Allerdings erscheint diese Entwicklung innerhalb der kontrafaktischen Zeitlinie durchaus nachvollziehbar. Die Serie spielt mittlerweile in einer Zukunft, deren technologische Möglichkeiten jene der realen Gegenwart deutlich übersteigen. Viele der gezeigten Fortschritte lassen sich daher zumindest teilweise mit dem erheblichen Vorsprung erklären, den die alternative Entwicklung der Raumfahrt in diesem Universum hervorgebracht hat. Der damit verbundene Abschied von einigen der besonders strengen Hard-Sci-Fi-Prinzipien früherer Staffeln stellt zwar einen gewissen Stilbruch dar, wirkt jedoch nicht willkürlich, sondern als konsequente Folge der fortgeschrittenen technologischen Entwicklung dieser alternativen Geschichte.
Das Ergebnis bleibt eine spannende und unterhaltsame Science-Fiction-Erzählung, auch wenn sie sich stellenweise etwas weiter von wissenschaftlicher Plausibilität entfernt als noch zu Beginn der Serie und erzählerischen Konventionen sowie einer gewissen Hollywood-Logik mehr Raum einräumt.
Worldbuilding und Gesellschaftskommentar
Die fünfte Staffel verhandelt hochaktuelle Themen wie Automatisierung, algorithmische Steuerung und den Wandel der Arbeitswelt. Die fortschreitende Automatisierung auf dem Mars wird dabei zum Spiegel gegenwärtiger Entwicklungen und rückt den Verlust menschlicher Arbeit durch technologische Rationalisierung ins Zentrum: Entscheidungen orientieren sich zunehmend an Effizienz, Berechenbarkeit und Profit – und immer weniger an konkreten menschlichen Bedürfnissen.
Weniger überzeugend gerät dagegen die Darstellung der marsianischen Kultur. Zwar behauptet die Serie die Entstehung einer eigenständigen Gesellschaft, doch macht sie diese nur selten anschaulich: Kunst, Musik, Sport, Literatur und neue Rituale auf dem Mars bleiben gänzlich unerforscht. Damit verschenkt die Staffel erhebliches Worldbuilding-Potenzial – insbesondere bei der Frage, wie aus funktionalen Siedlungen, aus Korridoren und industriellen Tunnelanlagen so etwas wie Heimat und ein kulturell geprägter Lebensraum entstehen könnten. Der marsianische Patriotismus erschöpft sich viel zu oft in Parolen wie „Wir sind die Marsis“, ohne sich mit konkreten kulturellen Formen zu unterfüttern.
Auch die gesellschaftliche Binnenstruktur erscheint auffallend geglättet. Kulturelle, soziale und politische Unterschiede treten hinter einem harmonisierten Gemeinschaftsbild zurück; im Vergleich zur vierten Staffel bedeutet das eine spürbare Reduktion gesellschaftlicher Komplexität. Hinzu kommt, dass auch der Mars selbst als Lebensraum erstaunlich blass bleibt: Die materiellen, medizinischen und psychologischen Folgen des Lebens unter reduzierter Schwerkraft, in Isolation und unter extremen Umweltbedingungen werden zwar angedeutet, jedoch kaum erzählerisch vertieft. Dadurch erscheint der Mars häufig weniger als glaubhaft ausgearbeiteter, dauerhaft lebensfähiger Raum denn vor allem als Schauplatz, der die Handlung und ihre politischen Konflikte trägt. Auch die Promenade als zentraler sozialer Ort wirkt eher schematisch als wirklich überzeugend gestaltet.
Der innere Zusammenhalt der „Marsis“ definiert sich vor allem über die Abgrenzung zur Erde, sodass letztlich offenbleibt, auf welchem positiven Fundament diese neue Gesellschaft eigentlich beruhen soll. Gemeinsame Werte, normative Prinzipien und Vorstellungen von Legitimität bleiben weitgehend unsichtbar. Der gesellschaftliche Zusammenhalt wirkt daher eher reaktiv und wird vor allem durch äußere Feindbilder stabilisiert. Zugleich handeln die Marskolonisten zunehmend utilitaristisch: Das Streben nach politischer Autonomie rechtfertigt selbst drastische Grenzüberschreitungen wie die Sprengung der MPK-Kommandozentrale. Dass Figuren wie Miles Dale dafür kaum Konsequenzen tragen und schließlich sogar in Führungspositionen gelangen, verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.
Gerade darin liegt womöglich der zentrale kritische Kommentar der Staffel: Entsteht auf dem Mars tatsächlich eine neue Gesellschaft – oder werden die Machtlogiken der Erde lediglich unter veränderten Bedingungen reproduziert? Die Marsgesellschaft bleibt zunächst kulturell wie normativ unterentwickelt; ihre Identität gewinnt sie vor allem aus der Abgrenzung zur Erde, nicht aus der Formulierung eigener Werte. Das Finale bereitet damit folgerichtig den nächsten erzählerischen Schritt vor, in dem sich die Frage zuspitzt, ob aus einer zunächst reaktiven Zweckgemeinschaft überhaupt ein politisches Gemeinwesen mit eigener normativer Substanz hervorgehen kann.
Vor diesem Hintergrund lässt sich die Handlung als Parallele zur Frühgeschichte der Vereinigten Staaten lesen: Auch dort bildete sich kollektive Identität zunächst in der Abgrenzung zur „Alten Welt“ Europas heraus. Der Konflikt zwischen der Marskolonie und M-6 erinnert in seiner Symbolik nicht zufällig an die „Boston Tea Party“ als Vorzeichen einer späteren Unabhängigkeitsbewegung und gewinnt dadurch den Charakter einer politischen Allegorie auf koloniale Emanzipation und die konflikthafte Entstehung neuer politischer Ordnungen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich ein politisches Gemeinwesen, das sich zunächst aus Zweckmäßigkeit, unter äußerem politischen Druck und im Zeichen eines gemeinsamen Feindbildes zusammengeschlossen hat, auf der Grundlage gemeinsamer Werte und Normen konsolidieren kann. Gerade darin gewinnt der Mars exemplarische Bedeutung: Er steht für die Herausforderung, sich zu einer Wertegemeinschaft zu entwickeln, die über bloße Abgrenzung hinausgeht.
Eine weitere zentrale Aussage der fünften Staffel entfaltet sich in der deutlichen Antikriegsbotschaft, die den Konflikt zwischen M-6 und den Marskolonisten prägt. Die Staffel zeigt eindrücklich, wie rasch politische Spannungen eskalieren und wie schwer sich einmal in Gang gesetzte Gewaltspiralen wieder aufhalten lassen. Besonders stark ist dabei die Perspektive jener, die politische Entscheidungen nicht selbst treffen, deren Folgen aber tragen müssen – vor allem die jüngere Generation. Aus Kollegen, Nachbarn und Freunden werden Gegner, die durch Loyalitäten, Befehlsstrukturen und Gruppendynamiken in einen Konflikt hineingezogen werden, den sie nicht verursacht haben. Gerade hier entfaltet die Serie ihre stärkste und zugleich zeitloseste Reflexion über politische Gewalt.
Inszenierung
Technisch bewegt sich auch Staffel 5 weiterhin auf einem beeindruckend hohen Niveau. Die visuellen Effekte überzeugen durchgehend und vermitteln sowohl die Dimension der Raumfahrt als auch die lebensfeindlichen Bedingungen auf Mars und Titan eindrucksvoll. Insbesondere die Titan-Mission zählt zu den visuellen Höhepunkten der Staffel. Die fremdartige Atmosphäre, die Methanseen und die eisigen Landschaften erzeugen genau jenes Gefühl von Staunen und Entdeckergeist, das For All Mankind seit jeher ausgezeichnet hat.
Gleichzeitig ist Staffel 5 die visuell monotonste Staffel der gesamten Serie. Ein Großteil der Handlung spielt in den immer gleichen Korridoren, Kontrollräumen und Wohnmodulen von Happy Valley. Während frühere Staffeln von einem ständigen Wechsel zwischen Erde, Mond und verschiedenen Einrichtungen der Raumfahrtprogramme profitierten, wirkt die Auswahl der Schauplätze diesmal deutlich eingeschränkter. Dadurch verliert die Serie einen Teil jener räumlichen Größe und Vielfalt, die ihr Universum bislang so lebendig erscheinen ließ.
Diese visuelle Monotonie verstärkt zugleich ein Problem, das bereits beim Worldbuilding der Marsgesellschaft sichtbar wird. Obwohl die Serie immer wieder betont, dass auf dem Mars eine eigenständige Kultur entstanden sei, spiegeln die Schauplätze diese Entwicklung kaum wider. Happy Valley wirkt über weite Strecken eher wie eine funktionale Arbeits- und Überlebensumgebung als wie eine gewachsene Zivilisation mit eigener Identität, Geschichte und Lebenswelt. Die Stadt Meru – Dev Ayesas großes Projekt – könnte diese Monotonie in der sechsten und letzten Staffel jedoch aufbrechen. Eine solche Erweiterung der visuellen und kulturellen Perspektive würde der Serie insgesamt gut zu Gesicht stehen.
Umso stärker stechen vor diesem Hintergrund die Szenen auf Titan hervor. Sie zeigen, wie wirkungsvoll For All Mankind sein kann, wenn neue Welten visuell erfahrbar gemacht werden. Gerade dieser Kontrast macht die begrenzte Zahl neuer Schauplätze jedoch umso deutlicher spürbar und legt nahe, dass auch Budget- und Produktionsgrenzen bei der Konzeption der Staffel eine Rolle gespielt haben könnten. Ein ähnlicher Effekt zeigte sich bereits bei Star Trek: Picard Staffel 3, die trotz erzählerischer Stärken durch die starke Fokussierung auf wenige wiederkehrende Sets der USS Titan-A innerhalb des Franchise vergleichsweise eingeschränkt und visuell repetitiv wirkte.
Schlussbetrachtung
Die fünfte Staffel von For All Mankind bleibt gute Science-Fiction und bietet weiterhin intelligente Unterhaltung. Der Mut zum Generationenwechsel verdient Anerkennung, ebenso die politische Komplexität des Mars-Konflikts. Gleichzeitig werden aber auch die Grenzen des Konzepts sichtbar.
Der zu starke Fokus auf politische Konflikte verdrängt zunehmend jene Mischung aus Entdeckergeist, technischer und gesellschaftlicher Innovation sowie wissenschaftlicher Vision, die die Serie einst ausgezeichnet hat. Die neuen Figuren funktionieren zwar, erreichen aber nur selten die Strahlkraft ihrer Vorgänger. Zudem leidet die Staffel unter einem Mangel an Perspektiven außerhalb des Mars und einem spürbar reduzierten ‘Sense of Wonder’. Erst die Titan-Mission bringt jenen Geist zurück, der For All Mankind einst von vielen anderen zeitgenössischen Science-Fiction-Serien abgehoben hat: die Verbindung aus wissenschaftlicher Neugier, technischem Erklärungsansatz und echtem Entdeckerdrang – jenseits eines rein politischen Zukunftsdramas.
Die bereits angekündigte sechste und finale Staffel dürfte deshalb genau zum richtigen Zeitpunkt kommen und die Möglichkeit eröffnen, die alternative Raumfahrt-Ära mit einem konsequenten Finale zu einem runden Abschluss zu führen. Gerade nach den deutlichen Verschiebungen der letzten Staffeln wirkt die Serie an einem Punkt angekommen, an dem ein klarer Abschluss nicht nur sinnvoll, sondern fast notwendig erscheint. Ein weiteres Ausdehnen über sechs Staffeln hinaus würde das ursprünglich so klar fokussierte Konzept vermutlich weiter verwässern und die erzählerische Stringenz der frühen Jahre zunehmend auflösen. Insofern ist die Entscheidung, die Geschichte nicht künstlich zu verlängern, sondern auf ein geplantes Ende zuzusteuern, ein weiser Entschluss.
Besonders spannend bleibt, welche Rolle Alex Poletov Baldwin künftig einnehmen wird und ob einige Veteranen der ersten Generation(en) noch ein letztes Mal zurückkehren. Offen ist auch, welche Folgen Kelly Baldwins große Entdeckung auf Titan für die weitere Entwicklung der Raumfahrt und für das Selbstverständnis der Menschheit haben wird. Denn dieser Fund könnte das menschliche Selbstbild grundlegend erschüttern. Die letzten Szenen deuten an, dass jenseits von Mars, Titan und Saturn noch weitaus größere Fragen und unbekannte Strukturen warten – und damit neue Horizonte, die die bisherigen Grenzen der Erforschung des Sonnensystems erneut verschieben könnten.
