Lieber Dr. Grant, und liebe Dr. Sattler – und natürlich alle Leser: willkommen im Jurassic Park! Und wenn ihr nun die Titelmelodie des Films im Kopf habt dann seid ihr hier genau richtig in Toms Spoiler-Rezension zur aktuellen Strange New Worlds-Folge. Also sehen wir uns den T-Rex im Raum mal an….
Und da waren sie wieder, die 10 Dinosaurier…
Erinnert sich noch einer an Kirks Zeitreise in die Vergangenheit, um den Einschlag des Dinosaurier-Asteroiden zu verhindern bzw. diesen stattfinden zu lassen, damit die Dino-Spezies der Clan Ru nicht die Vorherrschaft übernimmt? Das war im Buch „Keine Spur von Menschen“ Ende der 90er. Oder anders ausgedrückt ist selbst Kirk quasi zu jener Zeit anwesend (oder noch nicht, da der Einschlag am Ende der Folge nur eine Simulation ist, die in der nächsten Zeit passieren wird, also noch etwas auf sich warten lässt). So ein Asteroid hat ja auch eine gewisse Reisezeit.
Und wie schön wäre es gewesen, einen Pahkwa-tanh an Bord zu haben, also eine Dinosaurier-Spezies, die Mitglied der Föderation ist. Aber die erden ja leider erst im 24.Jahrhundert entdeckt und dienen eher auf Schiffen wie der Titam. Ihr merkt schon das Thema „Star Trek und Dinos“ hat Potential, daher bot sich dieses Crossover in gewisser Weise an. Allerdings sind die besagten zwei Dino-Rassen bzw. Ereignisse aus den Büchern, und auch wenn NewTrek viele Sachen aus den Büchern in den Kanon geholt hat (Brikar!) zählen Bücher (für die meisten) leider nicht zum offiziellen Kanon. Von daher – ok, es gibt diese beiden Ereignisse respektive Spezies im Kanon-Trek nicht.
Aber dann sind da ja noch die Voth, die man sicher hätte ebenso einbauen können. Aber gut, die sind eigentlich schon etwas früher abgeflogen, gerade aber weil die eben auch solche Technologien wie Phasentarnung haben, hätte es sich doch angeboten, hier Querverweise zu ziehen oder zumindest noch einige der Voth auftauchen zu lassen. Stattdessen bekommen wir auch die hier nicht zu sehen, sondern eine komplett neue Geschichte – also sehen wir uns diese eben an, ganz ohne irgendwelche politischen Verwicklungen, auf die mein Kollege aufmerksam gemacht hat. Immerhin wollen wir hier die Folge bewerten, und nicht die Korruption in Hollywood.
Cowboy-Diplomatie
Die Folge beginnt mit einem Rückblick auf Batels Tod aus der letzten Staffel, was ein wenig überflüssig erscheint, immerhin war das Thema ja durch, Staffel 3 in gewisser Weise ein Schlusspunkt und Staffel 4 nun quasi ein Neustart. Auf der anderen Seite ist es aber durchaus schön, dass die vorgehenden Episoden und Charakterentwicklungen nicht vergessen werden. Es mag leider für mich an der Stelle aber nicht so recht passen.
Zum einen sind 6 Monate seit der letzten Folge vergangen, wie gleich zu Beginn erwähnt wird. Wir befinden uns also im Jahr 2262, da jede SNW-Staffel, auch wenn sie nur 10 Folgen hat, ein Jahr abgedeckt hat. (Warum schaut dann Kirk, der ja in drei Jahren schon die Enterprise übernehmen wird, nicht langsam wie William Shatner aus? Aber gut, diesem Thema widmen wir uns, wenn Kirk mal auftaucht). Es mag ja durchaus sein, dass Pike noch immer trauert, sowas ist ja immer individuell und er es durch weitere Einsätze, wie hier auf den Pferden, kaschieren will. Es wirkt für mich aber an vielen Stellen etwas herbeikonstruiert.
Commander Cassell wird später erwähnen, der Übersetzer hat das Wort „allein“ in ihre Sprache mit „Witwer“ übersetzt, weswegen sie ihn auch auf Batel anspricht. Übersetzt man das „zurück“, ergibt das etwas wenig Sinn, da Pike gerade von der Föderation redet und das man da nie allein ist sondern mit anderen Spezies zusammen. Mit anderen Worten hören die Marsianer etwas wie „In der Föderation ist man nie Witwer“. Klar, der Übersetzer hat es aus dem „emotionalen Zustand“ Pikes so übersetzt, trotzdem dient das nur dazu, Pike etwas aus dem Konzept zu bringen und vielleicht eine gewisse Nähe zu Cassell aufzubauen. Das erweist sich in der Folge aber nicht nur als überflüssig, da es hier nur gestreift wird, auch die Nähe zu Cassell entwickelt sich hier nicht so, wie vielleicht beabsichtigt, da die Marsianer einfach zu kurz an Bord sind, als dass man eine emotionale Bindung aufbauen könnte. Dazu werden wir später noch kommen.
Auch die Ablehnung der Beförderung am Ende mag auf Pikes Gemütszustand zurückzuführen sein, auch wenn da sicher noch andere Sachen reinspielen. Dabei hat Pike aber, vor allem in der letzten Staffel, klar gemacht, dass er sein Schicksal, Stichwort: Rollstuhl, akzeptiert, komme was da wolle. Hier wirkt es wie ein kleiner Rollback, wenn Pike noch nicht bereit ist. Klar, da mögen die Entwicklungen der Folge dazu beigetragen haben, auch wenn Pike schon öfter auf Zeitreise war und schon einiges gelernt hat. Trotzdem wirkt es hier wie ein kleiner Rückschritt, den man konstruiert hat, damit Pike eben noch die letzten zwei Staffeln auf der Enterprise ist (was er, wie Kollege Matthias richtig sagt, auch als Commodore aber weiterhin hätte sein können). Unas Beförderung ist dann nur das kleine Tüpfelchen auf dem i und auch hier hätte sie eigentlich schon mehr in Richtung eigenes Kommando gehen sollen, denn auch das ist halt ein wenig bemüht.
Und ja, die Pferdeszene wirkt in der Tat wie ein Clickbait bzw. eine Ablenkung für den Trailer, um ja eine Pferdeszene zu zeigen. Das man hier verdeckt einer Kultur hilft, sehe ich hier nicht so kritisch. Das hat Kirk öfter gemacht, selbst im Piloten von „Discovery“ machen es Georgiou und Burnham – im 23.Jahrhundert ist man wohl noch nicht so streng.
Jetzt aber endlich: Dinos!
Zurück zur Zeitreisestory. Nach einem Sturm wird die Enterprise zu den Dinos geschleudert. Ja, die Effekte sind wieder gut und gelungen, das haben ja meine Kollegen schon gesagt. Übrigens war selbst meiner Frau bei der ausgesetzten Boje bzw. dem Notrufsignal sofort klar, dass dies von der Enterprise selber kommt – und das, ohne dass sie irgendwas vorher gelesen oder in anderer Weise gespoilert worden wäre. Soviel zur Vorhersehbarkeit der Episode. Natürlich weiß ein jeder sofort, der den Schwanz auf der Erde sieht, dass es sich um einen Dino handelt und das man in der Vergangenheit ist. Die lange Teaser-Sequenz hätte man sich also irgendwie sparen können.
Aber zurück zu den Effekten. Während die Weltraumszenen, auch später um die Marsianer, um jeden Zweifel erhaben ist, merkt man auf der Erde halt sehr stark die VR-Wall. Teilweise merkt man, das die Darsteller wohin schauen, wo in Wahrheit gar nichts gewesen ist. Die Dinos sehen leider nach zu viel CGI aus – das war im ersten Jurassic Park von 1994 deutlich besser! Leider hat auch der letzte Jurassic World da nicht wirklich gepunktet, die Entwicklung in der Richtung ist also eher in die falsche und etwas weniger wäre hier mehr gewesen. Dazu zählt natürlich auch am Ende der Blick über das grüne Tal („In einem Land vor unserer Zeit“ lässt grüßen).
Und da sind da natürlich noch die Velociraptoren, äh die Dol’drm. Denn das Außenteam trifft ein Kolonieschiff einer Dinospezies, zweifelsohne besagte Dol’drm, und deren Aussehen erinnert frappierend an die der neben dem T-Rex bekanntesten Dinosaurier (und hier immerhin auch mit Federn). Wie schön wäre es gewesen, wenn man hier mehr von denen gezeigt hätte, immerhin scheinen sie auch eine raumfahrende Spezies zu sein. Ähnlich wie bei den Marsianern ist es unwahrscheinlich, dass alle gestorben sind. Potential für die Zukunft – das hier leider links liegen gelassen wird.

Aber, was die Dol’drm angeht, gibt es zumindest eine Charakterentwicklung bezüglich La’an. Denn die erklärt, dass sie gewisse Aggressionen verspürt seit der letzten Staffel, was eine spannende Entwicklung verspricht (auch in ihrer Beziehung zu Spock, die hier immer noch Laune macht). Allerdings wirkt auch das hier irgendwie konstruiert, um etwa La’ans Ausraster in der Gorn-Episode (3×09) zu erklären. Die Frage ist natürlich, ob man La’an diese Entwicklung auch angedichtet hätte, wenn man die Kritiken zu eben jener Folge nicht gelesen hätte, immerhin waren Staffel 4 und 5 ja nicht sicher. Aber wir wissen ja, dass La’an und Spock keine glückliche Zukunft haben werden und ich wage erneut den Spekulatius, dass sie in Staffel 5 sterben wird. Nun, wir werden sehen.
Immerhin, die Szenen mit dem Kampf gegen den T-Rex sind, bei aller Künstlichkeit, stellenweise dann doch witzig. Wenn man also die anderen Kröten über die Effekte schlucken kann, dann macht die Episode über weite Strecken doch durchaus Spaß. Allerdings, nunja, es sind nicht die einzigen Kröten, die man, mal wieder, schlucken muss, denn es gibt ja noch den großen Elefanten im Raum.
Die Prinzessin vom Mars
Pike erwähnt am Ende, das wäre eines seiner Lieblingsbücher, allerdings kann man das kaum mit den Marsianern vergleichen, die man in dieser Folge sieht (der Aufzug von Dejah Toris ist eigentlich genauso ikonisch wie ein gewisser Bikini aus Star Wars). Davon aber mal abgesehen, gibt es aber gerade bei den Marsianern unglaublich viel Potential, denn die Geschichte hat schon was.
Dies fängt damit an, dass sie hoch technisiert sind. Wie schön wäre es gewesen, hier eine komplette Mars-Zivilisation zu zeigen, die man auch mal besucht. Ebenso wie bei den Dol’drm hätte man hier viel Potential gehabt für einen überbordenderern Konflikt, aber dann hätten natürlich 60 Minuten nicht gereicht, und es hätte mindestens ein Zweiteiler werden müssen. Allerdings muss ich an der Stelle fragen: Warum auch nicht? Entweder dehnt man die Folge halt dann auf 90 Minuten aus, oder man macht mehr als 10 Folgen pro Staffel. Mit anderen Worten, das Streaming-Zeitalter und die Prämissen hier brechen Star Trek erneut das Genick.
Doch zurück zum eigentlichen Kern der Folge. Die Marsianer dringen also mit Phasentechnologie auf der Enterprise ein. Und jetzt bitte keine Diskussionen in X Rage View-Videos darüber, warum sie nicht durch den Boden fallen. Das war schon in TNG so („So nah und doch so fern“) und ist so alt, wie Phasentechnologie selbst. Die entscheidende Frage ist viel eher, warum sie ihre Phasentarnung nicht am Ende einschalten, um ihr Schiff vor der Explosion zu retten. Selbst wenn sie nur Personen beträfe, hat ihr Übergang zwischen den zwei Schiffen mit der Phasentarnung gezeigt, dass sie offenbar im Vakuum überleben könnten. Insofern hätte man da durchaus was draus machen können.
Wie überhaupt eben aus der Thematik noch viel mehr, denn die Grundidee hat ja durchaus Potential. Wie erwähnt, man hätte die Marszivilisation besuchen können oder sich für die Charaktere viel mehr Zeit nehmen können, um auch die Fremden besser kennen zu lernen. In der gegenwärtigen Konstellation in der Folge verpufft das Opfer von Cassell leider am Ende völlig, da es halt nicht gereicht hat, irgendeine Art von emotionaler Verbindung zu ihr oder ihrem Volk herzustellen. Da würde man sich wünschen, dass künftige Werke hier aufbauen und die Marsianer wieder aufgreifen. Vermutlich wird das in diversen Rollenspielen (ja, ich sehe dich an, Star Trek Adventures) durchaus passieren. Es kann mir halt keiner erzählen, dass eine so hoch entwickelte Zivilisation einfach ausgelöscht wird. Man hätte auf dem Mars Zeichen der Städte entdecken müssen – oder Stasisgrüfte mit eingefrorenen Personen. Wie gesagt, viel Potential auch für die Zukunft, zumal die Föderation das ja nun, da sie davon weiß, eigentlich weiter untersuchen könnte und Ausgrabungen auf dem Mars machen könnte.
Stattdessen wird man damit abgespeist, dass sich die Überlebenden mit anderen Völkern vermischt haben (was ich noch nicht zwangsweise als Widerspruch zu den Progenitoren sehe, aber es bleiben leider zuviele Fragen offen). Das mag zwar sein, ist aber eher wieder ein nicht durchdachter Schnellschuss, um etwaige Erklärungen schnell abzubügeln und ja nicht weiter über diese nachzudenken – etwas, dass NuTrek leider viel zu oft bemüht. Die einfache Lösung, statt sich tiefer mit der Materie auseinanderzusetzen. Und damit sind wir schon beim Knackpunkt, dem Dilemma der Folge.
Zeitreisen und ihre Folgen
Als Zeitreisefan sind solche Folgen natürlich immer spannend und auch die grundlegende Prämisse, dass man manchmal etwas geschehen lasen muss, ist generell nicht schlecht. Meisterhaft hat das natürlich, auch heute immer noch, „Griff in die Geschichte“ aus TOS zelebriert. Dort hat Kirk keine Wahl, um die Zukunft zu retten bzw. er trifft eine schmerzhafte Entscheidung.
In diese Kerbe will auch Pike bzw. die Folge schlagen, ohne aber je diese Tiefe zu erreichen. Wie Pike später erklärt, hat er aus einem Gefühl heraus verhindert, dass eingegriffen wird. Das ist halt vergleichsweise lahm und addiert sich zu der konstruierten Erzählweise, die wir hier nun schon öfter beobachtet haben. Was wäre es für ein Highlight gewesen, wenn man innerhalb der Crew diskutiert hätte, ob ein Eingreifen gerechtfertigt ist und man nicht, ob der Tatsache, dass man schon hier ist, darüber redet, inwieweit die Zeit schon geändert wurde.
All das gibt es hier nicht, stattdessen wird hier quasi eine ad hoc-Entscheidung provoziert. Das mag im Kontext der Folge ja noch okay sein, aber auch hier wieder der Verweise auf mehr Tiefe und einen möglichen Zweiteiler. In dem hier gezeigten Szenario muss man sich der Kritik an Pike nämlich durchaus anschließen, ob das hier wirklich die einzige Alternative gewesen wäre. Übrigens bezweifele ich, dass eine Antimateriekapsel einen kompletten Planeten zerstören kann. Ja, die Dinger sind gefährlich und reißen große Löcher, aber es ist keine rote Materie… ich meine, wie oft ist ein Schiff schon abgestürzt? Derart viele Massenvernichtungswaffen an Bord bzw. da wären dann sicherlich einige Planeten mehr Hopps gegangen, aber das nur am Rande.
Dass die Föderation das am Ende geheim hält, kann man zu einem gewissen Grad verstehen (die Zeitreise). Gerade der Rest hätte aber zu einer neuen Forschungsinitiative führen müssen. Man weiß, dass es auf dem Mars eine Zivilisation gab, gibt das bekannt und startet Ausgrabungen nach ihren Relikten. Das wäre doch ein guter Aufhänger und im Sinne der Föderation gewesen, den Rest muss man ja nicht an die große Glocke hängen. Aber nun gut, mal sehen, ob da in Zukunft noch was kommt.
Kleiner Fun Fact: Pelia erwähnt wieder mal eine Reise in einer Telefonzelle. Eine erneut unverhohlene Anspielung auf Doctor Who, denn ein Crossover der beiden Shows war ja von beiden Showrunnern favorisiert worden. Nun endet aber nicht nur die Kurtzman-Ära bei Trek sondern auch die (zweite) Davies-Ära bei Doctor Who, so dass dieses nun wohl nie kommen wird.



