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StartStrange New WorldsStrange New Worlds - Season 4Rezension: Star Trek: Strange New Worlds – 4×03 "Menschlicher bester Freund"

Rezension: Star Trek: Strange New Worlds – 4×03 “Menschlicher bester Freund”

“Human Best Friend” verbindet Landurlaub, Kontrollverlust und Erinnerungslücken zu einer humoristischen Episode mit deutlichen “The Hangover”-Anleihen. Was die Folge daraus macht, klärt diese Review.

Handlung

Nach sechs Monaten ununterbrochener Missionen benötigt die Alpha-Schicht der Enterprise dringend Landurlaub. Da die nächste Aufgabe – eine diplomatische Vermittlung im Konflikt der Rodaxianer – ohnehin erst in zwei Wochen ansteht, legt die Enterprise einen Zwischenstopp auf dem Planeten Cesnar ein. Dort verbringen die Sternenflottenoffiziere ihren Urlaub im Ferienresort Cesnar Grand. Der Planet ist für seine berauschende Atmosphäre bekannt, deren Wirkung auf die Crew nicht lange auf sich warten lässt.

Als Ortegas und Scotty nach einer durchzechten Nacht erwachen, müssen sie Captain Pike eine wichtige Nachricht überbringen: Die diplomatische Mission wurde vorverlegt und soll bereits in wenigen Stunden stattfinden. Daraus ergibt sich eine Kette von Problemen: Pike ist mental nicht in der Lage, die Verhandlungen souverän zu leiten. Und dann ist auch noch das Shuttle verschwunden.

Nachdem es gelingt, das Shuttle zu orten und zu reaktivieren, kehrt die Crew auf die Enterprise zurück. Während die diplomatische Mission endgültig aus dem Ruder zu laufen droht, entdecken Ortegas und Scotty zu allem Überfluss auch noch eine scharfe Bombe im Shuttle-Hangar…

Story & Drehbuch

Das Drehbuch zu “Human Best Friend” stammt von Kathryn Lyn und orientiert sich deutlich an Kater-Komödien wie “The Hangover”. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass “Star Trek” auch einmal witzig oder chaotisch sein darf. Problematisch ist für mich vor allem, dass die Story dünn und einfallslos bleibt und sich erneut aus dem Klischee-Baukasten moderner Hollywood-Streifen bedient: Schnitzeljagd-Struktur, künstlicher Zeitdruck, verschwundene Gegenstände, Entführung, Actioneinlage, viele Zufälle … und am Schluss auch noch eine Bombe.

Dazu kommt, dass die Episode kaum kluge Pointen setzt. Statt Humor aus präzisem Timing, Situationskomik oder echtem Figurenverständnis zu entwickeln, arbeitet sie häufig mit starker Überzeichnung, markigen Sprüchen und eher kindischen Einfällen wie Kakteen in Hemden. Diese Elemente halten die Zuschauer zwar auf Trab, wirken aber weniger wie ein organisch entwickelter Spannungsbogen als wie wenig kreative Stationen, die nacheinander abgearbeitet werden: Erst muss Pike gefunden werden, dann fehlt das Shuttle, zwischendurch geraten weitere Crewmitglieder aus der Spur – und am Ende wird die Lage noch einmal zugespitzt, nur um anschließend fast schon zu schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen.

Spock in "Human Best Friend" (Photo: Jan Thijs/Paramount+)
Spock hilft seinen Freunden bei der Suche nach Captain Pike und dem Shuttle (SNW 4×03 “Human Best Friend”; Bild: Jan Thijs/Paramount+)

Die wenigen Dialoge über innere Konflikte sollen der Folge mehr Tiefe geben, bleiben für mich aber abermals zu oberflächlich, um die Handlung wirklich aufzuwerten. Gerade weil die Episode so stark auf bekannte Klischees und Versatzstücke setzt, hätte es dafür bessere Einfälle oder eine deutlich stimmigere Figurenzeichnung gebraucht.

Genre-Spiel auf Kosten der Figuren

In “Strange New Worlds” geraten die Figuren inzwischen auffällig oft in Situationen, in denen sie kaum noch wie souveräne Sternenflottenoffiziere wirken. Das Problem ist dabei nicht die Genre-Vielfalt als Serienkonzept, sondern dass der jeweilige Gag häufig wichtiger erscheint als die innere Logik der Figuren. Der Humor entsteht weniger aus clever gebauten Situationen als aus stark überzeichneten Rollen: Ortegas gibt sich betont cool, Scotty stolpert panisch und bisweilen geradezu dümmlich durch das Geschehen, Uhura wird zum durchgeknallten Party-Girl und bei La’an werden ihre inneren Augment-Triebe in ihrer Rolle als temporäre Gang-Anführerin bis ins Absurde überzeichnet. Unas Karaoke-Einlage geht noch in Ordnung, während Pike einmal mehr zum benebelten und damit kaum noch ernstzunehmenden Captain degradiert wird. Besonders schwach geschrieben ist Scottys sinnloser Tricorder-Wurf, der einzig dazu zu dienen scheint, die Situation künstlich zuzuspitzen.

Gerade bei “Star Trek” sollte jedoch die Form dem Inhalt dienen. Hier wirkt es zunehmend umgekehrt: Erst kommt die Genre-Spielerei, dann wird eine Handlung darum herum gebaut. Die Figuren stehen damit nicht mehr im Mittelpunkt des Humors, sondern werden zunehmend dem jeweiligen Gag untergeordnet.

Besonders fragwürdig finde ich die latent mitschwingende Botschaft, dass bewusster Kontrollverlust offenbar halb so schlimm sei, solange er der Entspannung dient. Bei diesen Figuren handelt es sich jedoch nicht um beliebige Partytouristen, sondern um professionell ausgebildete Sternenflottenoffiziere, von denen man Verantwortungsbewusstsein, Selbstkontrolle und eine gewisse Vorbildfunktion erwarten darf – erst recht von einer Führungscrew. Statt einer weiterentwickelten Sternenflotte präsentiert die Folge jedoch Offiziere, die ihre eigene Vorbildfunktion kaum erkennen lassen. Besonders problematisch wird das dadurch, dass der Planet offenbar ganz bewusst als Urlaubsziel ausgewählt wurde, obwohl seine berauschende Wirkung bekannt ist.

In keiner anderen Epoche von “Star Trek” wurde so beiläufig mit Alkohol, Rauchen oder Drogen umgegangen, ohne dies ernsthaft kritisch zu hinterfragen. Natürlich gab es auch in früheren Serien echten Alkoholkonsum. Ab TNG blieb er jedoch eher die Ausnahme und war nie Teil eines identitätsstiftenden Lifestyles. In “NuTrek” hingegen wirkt es bisweilen, als werde ein solcher Umgang als lässig und erwachsen, stellenweise sogar als erstrebenswert vermittelt. Unterschwellig entsteht so der Eindruck eines geradezu laissez-fairen Umgangs mit Rauschmitteln verschiedenster Art. Für mich bleibt dieser Umgang mit Rausch und Kontrollverlust ein befremdlicher Rückschritt – erzählerisch wie auch in Bezug auf das Menschenbild (Advanced Human), das “Star Trek” lange geprägt hat.

Eine Prise Küchenpsychologie für die Checkliste

Viele aktuelle “Star Trek”-Folgen versuchen, einfache Action-, Horror- oder Humorepisoden durch einige wenige Dialoge mit psychologischem oder philosophischem Anspruch aufzuwerten. Auch hier entsteht der Eindruck, dass ein wenig Küchenpsychologie genügen soll, um der Handlung nachträglich Tiefe zu verleihen. Einzelne Reflexionsmomente sollen Bedeutung suggerieren, ohne die Handlung wirklich zu tragen. Wenn man lediglich an der Oberfläche kratzt, immer wieder dieselben Themen bespielt und dabei einen predigenden statt diskursiven Ton anschlägt, entsteht kein Tiefgang. Es wirkt dann nicht nachdenklich, sondern schlicht plump.

Dieses Mal dienen vor allem zwei Figurenpaare dazu, diese Strategie umzusetzen: Ortegas und Scotty auf der einen, Spock und Kirk auf der anderen Seite.

Der Konflikt zwischen Ortegas und Scotty wurde immerhin bereits zu Beginn der Staffel vorbereitet. Ortegas überstrapaziert mit ihrem aggressiven Flugstil regelmäßig die Triebwerke der Enterprise, während Scotty sie mit einer Serie von Sicherheitswarnungen zu bremsen versucht. Beide sind wütend aufeinander und gehen sich an Bord aus dem Weg. Auf dem Urlaubsplaneten erleben sie dann eine stereotype berauschte Nacht miteinander – in welcher Form, lässt die Episode bewusst offen – und raufen sich angesichts einer drohenden Katastrophe zusammen. Daraus entsteht eine Freundschaft, die nun von gegenseitigem Respekt geprägt sein soll.

Die Botschaft dahinter ist letztlich denkbar schlicht: Ortegas ist wütend und benutzt Scotty als Blitzableiter. Scotty wiederum trägt ein persönliches Trauma mit sich herum, weil seine Brüder ihn als Kind kleinmachten und er bei Testflügen scheiterte. Deshalb beneidet er jene, die ein Raumschiff in Extremsituationen fliegen können oder dürfen.

Das ist psychologisch nachvollziehbar gemeint, wirkt aber wie Charakterzeichnung nach Schema F. Gerade weil Ortegas’ riskanter Flugstil und Scottys berechtigte Sicherheitsbedenken ein interessantes Spannungsfeld ergeben, hätte die Episode daraus mehr Reibung und weniger eine so direkte Versöhnung entwickeln können.

Noch konstruierter fällt allerdings der Charakterbogen um Spock aus. Er wird plötzlich von dem Gedanken gequält, in seinem Leben noch nie einen echten menschlichen “Buddy” gehabt zu haben. Und weil er zuvor mit Jim Kirk eine Gedankenverschmelzung erlebt hat, ist Kirk nun offenbar der Auserwählte.

Auch hier wirkt die psychologische Aufladung eher aufgesetzt: Die Idee, seine spätere Freundschaft zu Kirk u.a. über eine Gedankenverschmelzung und einen Rauschzustand vorzubereiten, wirkt stark konstruiert und wird der Bedeutung dieser Beziehung im Franchise nicht gerecht.

Die Charakterarbeit wirkt hier vor allem unnatürlich, weil diese Freundschaft nicht wirklich gewachsen erscheint. Warum können Spock und Kirk nicht einfach aus gemeinsamen Erlebnissen, gegenseitigem Vertrauen und den ganz normalen kleinen Momenten entstehen, aus denen Freundschaften eben entstehen? Stattdessen braucht es eine Gedankenverschmelzung und einen Rauschzustand, um ihre Verbindung erzählerisch zu begründen. Gerade bei einer so ikonischen Beziehung wirkt das unnötig konstruiert und nimmt ihr etwas von ihrer Selbstverständlichkeit.

Inszenierung

Inszenatorisch profitiert die Folge davon, dass Regisseurin Yana Gorskaya nicht überwiegend auf virtuelle Kulissen setzt. Der reale Hotelkomplex verleiht den Szenen eine angenehme physische Präsenz und lässt die Umgebung greifbarer wirken als viele der typischen CGI-Schauplätze der Serie.

Gleichzeitig bleibt der Planet deutlich als irdisch wirkendes Ferienresort erkennbar. Das muss grundsätzlich kein Problem sein: Reale Schauplätze können in “Star Trek” durchaus funktionieren, wenn Ausstattung, Kamera und Details daraus eine glaubwürdige fremde Welt machen. Genau dieser zusätzliche Schritt fehlt mir hier allerdings. Ein paar futuristische Elemente und Set-Dekorationen reichen nicht aus, um den Ort überzeugend ins 23. Jahrhundert zu versetzen.

Dabei hätte gerade die offenbar bewusst technikfreie Zone einiges an Potenzial geboten. Eine hoch technisierte Sternenflottencrew, die plötzlich auf technische Hilfsmittel verzichten muss, hätte für eine ganz eigene Situationskomik sorgen können – ähnlich wie schon in “Star Trek IV: The Voyage Home” (1986), wo die Figuren mit den technischen und kulturellen Gegebenheiten des 20. Jahrhunderts kollidieren. Statt diesen Kontrast auszuspielen, bleibt die Technikfreiheit weitgehend Hintergrund. Dabei bleibt die behauptete Technikfreiheit ohnehin etwas widersprüchlich. Einerseits soll das Resort offenbar als technikfreie Zone funktionieren, andererseits gibt es Touchscreens, automatisierte Shuttle-Garagen und andere ganz selbstverständlich eingesetzte Technologien. So bleibt unklar, was hier eigentlich genau unter “technikfrei” verstanden wird. Gerade dieser Widerspruch nimmt der Idee zusätzlich die Möglichkeit, für Situationskomik zu sorgen.

Schlussbetrachtung

Meine Erwartungen an die Episode waren gering, dennoch hat mich das Ergebnis maßlos enttäuscht. “Human Best Friend” bietet für Zuschauer, die von “Star Trek”-Humor mehr erwarten als überzeichnete Figuren, flache Gags und bekannte Genre-Versatzstücke, schlicht zu wenig. Die dünne und vorhersehbare Geschichte reiht Kater- und Actionmotive aneinander, ohne daraus eine wirklich durchdachte “Star Trek”-Geschichte mit eigenem Charakter oder Charme zu entwickeln.

Humor ist letztlich Geschmackssache. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Zuschauer “Human Best Friend” ziemlich lustig und unterhaltsam finden – für mich funktioniert diese Art von Humor allerdings überhaupt nicht. Offenbar gehöre ich einfach nicht zur Zielgruppe. Dieser sehr zeitgenössische, stark auf Klamauk und Überzeichnung setzende Humor, wie man ihn auch aus vielen aktuellen Kinofilmen kennt, holt mich persönlich nicht ab.

Genau darin liegt für mich der entscheidende Unterschied zu gelungenen humoristischen “Star Trek”-Beiträgen wie “Star Trek IV”: Dort geraten vertraute Figuren in ungewohnte Situationen, ohne dass sie dafür verbogen werden müssen. Kirk bleibt Kirk, Spock bleibt Spock, McCoy bleibt McCoy – der Humor entsteht aus dem Kontrast zwischen ihren Charakteren und der Umgebung. Die Figuren müssen sich dabei nicht selbst lächerlich machen, damit eine Szene funktioniert. In “Human Best Friend” wirkt es dagegen häufig so, als würden die Figuren dem Klamauk angepasst. Besonders deutlich wird das für mich bei Pike in der Szene im Tattoostudio, wo er schlicht lächerlich wirkt. Das ist natürlich keine objektive Qualitätsaussage, sondern eine Geschmacksfrage.

Entsprechend fällt auch mein Gesamturteil aus: “Human Best Friend” gehört für mich zu den schwächsten Episoden von “Strange New Worlds”. Die Folge hat zwar Tempo und einzelne Ideen, doch erzählerische Substanz, überzeugende Figurenführung und vor allem jener besondere “Star Trek”-Humor, der auch in komischen Momenten aus den Figuren selbst entsteht, bleiben weitgehend auf der Strecke.

Die Folge hat mich zu keinem Zeitpunkt abgeholt. Handlung und Dialoge waren für mich schon nach wenigen Minuten eine Qual, die Geschichte vorhersehbar und die Figuren derart gnadenlos überzeichnet, dass vieles schlicht peinlich wirkte. Entsprechend war ich am Ende vor allem eines: froh, dass diese Episode endlich vorbei war.

Bewertung

"Human Best Friend" ist für mich ein weiterer Tiefpunkt unter den Klamauk-Episoden von "Strange New Worlds". Statt einer cleveren Science-Fiction-Komödie wirkt die Folge wie eine Selbstparodie, in der Figuren und Setting dem nächsten Gag untergeordnet werden. Genre-Ausflüge sind grundsätzlich kein Problem, auch eine Trek-Komödie kann funktionieren. Dafür hätte die Episode aber eigenständiger sein müssen, statt bekannte Genre-Klischees und aktuelle Comedy-Muster nur zu kopieren.

Bewertungsübersicht

Handlung / Drehbuch
Charaktere
Inszenierung
Humor
Anspruch
Seriestrange-new-worlds
Matthias Suzan
Matthias' Leidenschaft für "Star Trek" wurde 1994 mit knapp zehn Jahren durch "The Next Generation" geweckt. TNG und DS9 sind bis heute seine Lieblingsserien. Es sind vor allem die politischen, gesellschaftlichen und menschlichen Themen des Trek-Universums, die ihn faszinieren. Aber auch die vielen, tollen Raumschiffe haben es dem passionierten Modellbauer angetan. Matthias ist seit 2017 Teil der TZN-Redaktion.

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"Human Best Friend" ist für mich ein weiterer Tiefpunkt unter den Klamauk-Episoden von "Strange New Worlds". Statt einer cleveren Science-Fiction-Komödie wirkt die Folge wie eine Selbstparodie, in der Figuren und Setting dem nächsten Gag untergeordnet werden. Genre-Ausflüge sind grundsätzlich kein Problem, auch eine Trek-Komödie kann funktionieren. Dafür hätte die Episode aber eigenständiger sein müssen, statt bekannte Genre-Klischees und aktuelle Comedy-Muster nur zu kopieren. Rezension: Star Trek: Strange New Worlds – 4×03 "Menschlicher bester Freund"
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