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    Call to Arms! Der Dominion-Krieg in “Star Trek: Deep Space Nine” (Teil 4)

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    Der Dominion-Krieg ist einer der wichtigsten Handlungsbögen in “Star Trek: Deep Space Nine”. In den letzten beiden Staffeln war die Serie über weite Strecken ein Anti-Kriegs-Drama. Wir haben uns diesen Story-Arc mal etwas genauer angesehen. Im letzten Teil unserer vierteiligen Artikelreihe gehen wir der Frage nach, ob ein Krieg im 24. Jahrhundert tatsächlich so aussehen könnte wie der Dominion-Krieg in “Star Trek: Deep Space Nine”.

    “Star Trek: Deep Space Nine” © Paramount

    Warfare im 20. Jahrhundert

    Vor allem die beiden Weltkriege von 1914 bis 1918 und von 1939 bis 1945 standen im Zeichen einer neuen, sogenannten “industrialisierten Kriegsführung”. Diese beiden Kriege wurden im Wasser, in der Luft und natürlich auf dem Land geführt, sodass die verschiedenen nationalen Streitkräfte auch über drei verschiedene Teilstreitkräfte – Marine, Luftwaffe und Heer – verfügten. Die beiden Weltkriege waren Materialkriege, die Unmengen an industriellen, aber vor allem auch an menschlichen Ressourcen einforderten. Neben den damals üblichen Handfeuerwaffen kamen auch immer modernere Waffenarten zum Einsatz, die ein damals teilweise noch völlig unbekanntes und erschütterndes Vernichtungspotential besaßen: Artilleriegranaten, Flammenwerfer, Giftgas und am Ende des Zweiten Weltkrieges sogar Atomwaffen. Die Menschheit hatte ein waffentechnisches Niveau erreicht, das apokalyptische Literatur plötzlich als realistische Szenario erschienen ließ.

    Diese Kriege waren teils lange vorbereitet, benötigten einen massiven logistischen Aufwand, eine effektive Kampfstrategie und dauerten dementsprechend mehrere Jahre. Neben schnellen Eroberungszügen kam es auch immer wieder zu sogenannten Stellungskriegen, deren Trommelfeuer sowohl für die Kombattanten als auch für die Zivilbevölkerung enorm zermürbend war. Vor allem im Zweiten Weltkrieg gab es oftmals keine klare Unterscheidung mehr zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten, sodass ganze Städte ausgehungert oder dem Erdboden gleichgemacht wurden. Entsprechend hoch war die Zahl der zivilen Opfer.

    Chakotay als US-Soldat im Zweiten Weltkrieg (Bild: VOY 4×18 © Paramount, 1998)

    An den Zweiten Weltkrieg schloss sich dann die sogenannte Blockkonfrontation (auch: Ost-West-Konflikt) an, der auch als “Kalter Krieg” bezeichnet wird. Ganz so “kalt” war dieser Konflikt aber nicht, denn neben der wachsenden Rüstungsspirale zwischen den Blöcken kam es im Verlauf dieses Konflikts auch zu mehreren sogenannten Stellvertreterkriegen, wie etwa dem Koreakrieg oder dem Vietnamkrieg. Zu einem Atomkrieg zwischen NATO und Warschauer Pakt kam es glücklicherweise nicht, obwohl ein solcher vor allem in den Tagen der Kubakrise 1962 zeitweise unabwendbar schien.

    Moderne Kriegsführung

    Im frühen 21. Jahrhundert ist eine Transformation des Krieges zu beobachten. Zwischenstaatliche Kriege gibt es weiterhin, wie u.a. der Überfall der russischen Streitkräfte auf die Ukraine (24. Februar 2022) traurigerweise belegt. Dennoch hat Zahl der sogenannten Asymmetrischen Konflikte zugenommen. Vor allem der War on Terrorism stellt für die liberalen Gesellschaften des Westens eine enorme Herausforderung dar, weil der ungeregelte Konfliktaustrag von Terrorgruppen oder auch die räumliche Entgrenzung des Schlachtfeldes (weiche Ziele) das Wertefundament liberaler Gesellschaften strapazieren und die beiden Pole Sicherheit und Freiheit somit nicht selten als unvereinbare Widersprüche wahrgenommen werden. Die Verhältnismäßigkeit diverser Anti-Terror-Maßnahmen bleibt auch mehr als 20 Jahre nach dem 11. September 2001 eine fundamentale Kontroverse innerhalb der Sicherheitspolitik.

    Die Kriegsführung befindet sich aber auch aus technologischer Sicht in einem Wandlungsprozess. Die Fortschritte im Bereich der Digitalisierung führen dazu, dass Krieg nun auch auf einer fünften Ebene (neben dem Land, dem Wasser, der Luft und dem Weltraum) geführt wird: im digitalen Raum. Cyber Warfare ist hier wohl das bekannteste Stichwort.

    Zu den automatisierten Waffensystemen des 20. Jahrhunderts haben sich im frühen 21. Jahrhundert sogenannte autonome oder auch semi-autonome Waffensysteme hinzugesellt. Ferngesteuerte Kampfdrohnen werden mittlerweile nicht mehr nur noch zur Überwachung beziehungsweise Aufklärung eingesetzt, sondern auch im Rahmen von Luftangriffen. Einige autonome Waffensysteme sind sogar lernfähig (learning algorithms) und konfrontieren Militärs, Politiker und Wissenschaftler demnach mit schwerwiegenden ethisch-moralischen Fragestellungen: Lässt sich der Einsatz letaler autonomer Waffensysteme überhaupt rechtfertigen?

    Sieht so der bionische Soldat der Zukunft aus? (Bild: TNG 1×01 © Paramount, 1987)

    Nicht wegzudiskutieren ist wiederum die Effektivität von solchen modernen Waffensystemen. Eine immer stärker technologisierte Kriegsführung ermöglicht das effiziente Sammeln und Auswerten von Daten und somit auch die Perfektionierung von militärischen Strategien. Autonome oder semi-autonome Systeme sind mit schnelleren Abläufen verbunden. Zudem sind sie für den Feind mitunter schwerer zu orten und abzufangen. Gleiches gilt übrigens auch für sogenannte Hyperschallwaffen.

    Des Weiteren geht der Trend aktuell weg von einer großen Truppenstärke hin zu kleineren, technisch gut ausgestatteten und flexibel einsetzbaren Streitkräften. Und auch sogenannte Augmented Soldiers sind in den 2020er-Jahren kein ethisches Tabu mehr. China und auch Frankreich denken bereits über entsprechende Programme nach. Bei bionischen Soldaten sollen physische und mentale Fähigkeiten stimuliert werden, um deren Effizienz im Kampfeinsatz zu verbessern. Um dies zu erreichen, sind Implantate denkbar, welche die zerebrale Kapazität der Soldaten erhöhen, um diese in Gefechtssituationen stressresistenter zu machen. Auch die Gabe von speziellen Medikamenten kann zu einer Erhöhung der psychischen Belastbarkeit beitragen.

    Krieg im fiktiven 24. Jahrhundert

    Betrachtet man den Dominion-Krieg in “Star Trek: Deep Space Nine” aus der heutigen Perspektive, dann muss man feststellen, dass die Autoren und Property Designer der Serie damals scheinbar keine Vorstellung davon hatten, wie sich die reale Kriegsführung allein schon in den beiden folgenden Dekaden revolutionieren würde. Der fiktive Dominion-Krieg wirkt über weite Strecken wie eine Kriegsführung des 20. Jahrhunderts – nur eben mit Strahlenwaffen. In Sachen Technologie, Taktik und Ausrüstung wirken eigentlich alle Parteien dieses fiktiven interstellaren Krieges antiquiert.

    Ausrüstung

    Die Föderation scheint ihre Soldaten im 24. Jahrhundert lediglich als besseres Kanonenfutter zu betrachten, denn nur so lässt sich die dürftige (eigentlich erbärmliche) Ausrüstung der Sternenflotten-Truppen im Dominion-Krieg erklären. Schutzanzüge mit mobilem Schutzschildemitter oder Panzerung zählen ebenso wenig zur standardmäßigen soldatischen Ausrüstung wie ein größeres Waffenarsenal, Proviant oder eine Überlebensausrüstung. In der Regel tragen die Soldaten der Sternenflotte Standarduniform oder einen einfachen schwarzen Kampfanzug. Zur Ausstattung gehören: ein Handphaser, ein Phaser-Gewehr, Energiezellen, ein Tricorder, ein Fern- bzw. Nachtsichtgerät und ggf. ein Nahkampfmesser. Das war es aber auch schon. Der einzige Trost: Den Jem’Hadar und Cardassianern ergeht es in diesem Krieg auch nicht besser.

    An dieser Stelle fällt auf, dass das Sicherheitspersonal der Sternenflotte im 22. und 23. Jahrhundert deutliche besser ausgestattet war. Die MACOs (Military Assault Command Operations) der Enterprise NX-01 (“Star Trek: Enterprise”) verfügten zwar ebenfalls über keinen gepanzerten Schutzanzug, aber zumindest über ein breiteres Waffenarsenal. Und auch der Sicherheitsdienst der U.S.S. Enterprise NCC-1701 in “Strange New Worlds” oder “Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock” war mit einer Schutzweste und teilweise auch mit einem Schutzhelm ausgestattet.

    Selbst die Soldaten der Gegenwart – allen voran US-amerikanische Soldaten – sind umfassender ausgestattet.

    Bewertung: An dieser Stelle ist den Machern der Serie – wohl hauptsächlich aus Budget-Gründen – keine realistische Darstellung eines Soldaten des 24. Jahrhunderts gelungen. Die Soldaten im Dominion-Krieg spiegeln nicht einmal den technischen Stand der Gegenwart wider. Vor allem in Bezug auf Aufklärungsmissionen, wie etwa die von Nog in “Die Belagerung von AR-558″ (DS9 7×08), wirken die Föderation, ihre Verbündeten sowie deren Feinde altmodisch und ineffizient. Im Prinzip begeben sich alle Bodentruppen der Föderation angesichts ihrer schlechten Ausrüstung auf ein Himmelfahrtskommando.

    Autonome Waffensysteme & Fahrzeuge

    Autonome Waffensysteme spielen im Dominion-Krieg eine irritierend geringe Rolle. Obwohl die Föderation in Sachen Künstliche Intelligenz vor allem in der Mitte des 24. Jahrhunderts große Fortschritte gemacht hat (man denke nur an den Androiden Data und vor allem an die Holo-Technologie), kommen weder Aufklärungsdrohnen, Kampfdrohnen noch holografische Soldaten im Dominion-Krieg zum Einsatz. Der Kampf im Weltraum wird weiterhin primär mit bemannten Raumschiffen geführt. Auch die Bodentruppen der Sternenflotte werden weder von Gefechtsdroiden noch von holografischen Soldaten unterstützt. Aufklärungsmissionen werden nicht selten von gewöhnlichem Personal durchgeführt, anstatt Aufklärungsdrohnen zu entsenden (siehe DS9 6×02 “Entscheidungen”; DS9 7×08 “Die Belagerung von AR-558″).

    Schweres (fahrbares) Gerät, wie z.B. Fahrzeuge, Truppentransporter oder Panzer, kommen ebenfalls nicht zum Einsatz. Allerdings verfügt die Sternenflotte im 24. Jahrhundert definitiv über solche Gerätschaften, wie beispielsweise das Argo-Shuttle (“Star Trek: Nemesis”) oder die sogenannten Hopper (DS9 5×04 “Die Schlacht um Ajilon Prime”). Letzteres Gerät ist in besagter Episode aber leider nicht zu sehen, es wird nur davon gesprochen.

    Auf Seiten des Dominion kommen wiederum autonome Subraum-Minen zum Einsatz, die nur unter ganz bestimmten Bedingungen detonieren und daher von den Sternenflotten-Soldaten auch als “Houdinis” bezeichnet werden (DS9 7×08 “Die Belagerung von AR-558″). Auch die Föderation greift auf tarnfähige, selbst-replizierende Weltraum-Minen zurück, um den Zugang zum Wurmloch zu blockieren.

    Die Cardassianer wiederum setzen eine Art semi-autonome, unbemannte Orbitale Verteidigungsplattform ein, die allerdings von einem zentralen Ort aus mit Energie versorgt werden muss (DS9 6×26 “Tränen der Propheten”; DS9 7×25 “Das, was du zurücklässt”).

    Der geringe Einsatz von autonomen Waffensystemen bei allen Konfliktparteien des Dominion-Krieges erscheint etwas unglaubwürdig, da beispielsweise die Minosianer vom Planeten Minos schon lange vor 2373 über hochentwickelte autonome Waffensysteme, wie dem Echo Papa 607, verfügten und diese auch verkauften. Auf Seiten der Föderation könnten zur Zeit des Dominion-Krieges allerdings große Vorbehalte gegenüber einer solchen Waffentechnologie existiert haben, da die Sternenflotte seit 2364 wusste, dass das Echo Papa 607, das in den sogenannten Erselrope-Kriegen zum Einsatz gekommen war, höchstwahrscheinlich außer Kontrolle geriet und somit für die Vernichtung der Zivilisation auf Minos verantwortlich gewesen sein dürfte (TNG 1×21 “Die Waffenhändler”).

    Es ist davon auszugehen, dass zur Zeit des Dominion-Krieges auch die Geheimdienste der Cardassianer und des Dominion über die Existenz von Minos und des Echo Papa 607 informiert waren. Dass diese beiden Mächte die Bedenken der Föderation teilten, darf indes bezweifelt werden.

    Echo Papa 607-Waffensystem der Minosianer in TNG 1×21 © Paramount (1988)

    Bewertung: Angesichts des technologischen Entwicklungstandes der am Dominion-Krieg beteiligten Mächte ist es verwunderlich, dass den autonomen Waffensystemen im Dominion-Krieg keine nennenswerte Bedeutung zukommt. Gerade die Existenz des minosianischen Echo Papa 607-Waffensystems hat gezeigt, wie effektiv – und tödlich – solche Waffensysteme sowohl im Weltraumkrieg als auch im Bodenkrieg sein können. Womöglich ist aber insbesondere die negative Erfahrung der Crew der Enterprise-D mit diesem Waffensystem eine Erklärung dafür, weshalb die Föderation im Dominion-Krieg auf den Einsatz autonomer Waffensysteme verzichtet. Dies erklärt allerdings nicht, warum auch eine so skrupellose Macht wie das Dominion freiwillig auf die Vorteile einer solchen Technologie verzichtet. Wahrscheinlich waren es auch in diesem Fall abermals Begrenzungen des Produktionsbudgets, die eine Darstellung von hochentwickelter Waffentechnologie in “Deep Space Nine” verhinderten.

    Waffeneffizienz

    Als langjährigem “Star Trek”-Zuschauer stellt sich auch mir immer wieder die Frage, worin eigentlich der Fortschritt von Strahlen- bzw. Energiewaffen gegenüber Projektilwaffen besteht. Wenn man sich “Deep Space Nine” (und auch alle anderen “Star Trek”-Serien und Filme) ansieht, dann fällt auf, dass (manchmal) weder die Phaser der Sternenflotte noch die Disruptoren der Klingonen oder auch die Polaronenwaffen der Jem’Hadar imstande zu sein scheinen, Substanzen wie Gestein oder Metall zu durchschlagen. Oftmals reicht es aus, hinter Felsen, Containern, Computerkonsolen oder gar Bäumen und Sträuchern (siehe TNG 1×21) in Deckung zu gehen, um einen Treffer mit diesen Waffentypen zu vermeiden. Demnach wirken die Strahlenwaffen in “Star Trek” mitunter weniger effektiv als zeitgenössische Projektilwaffen oder Granaten.

    Im Weltraum zeigt sich wiederum ein umgekehrtes Bild. In den Schlachten des Dominion-Krieges scheinen plötzlich keine Schutzschilde mehr zu existieren. Ausnahmen sind selbstverständlich die Raumstation Deep Space 9, die U.S.S. Defiant und die I.K.S. Rotarran. Alle übrigen Schiffe – egal ob Sternenflotte, Klingonen, Cardassianer, Romulaner oder Jem’Hadar – zerbersten nämlich meist schon nach wenigen Treffern.

    Bodentruppen der Sternenflotte verteidigen ARR-558 gegen angreifende Jem’Hadar-Soldaten (Bild: DS9 7×08 © Paramount, 1998)

    Bewertung: In Weltraumgefechten erweisen sich die im Dominion-Krieg eingesetzten Strahlen- bzw. Energiewaffen als hocheffiziente Waffensysteme. Oftmals reichen wenige Treffer aus, um den Feind zu neutralisieren oder gar zu vernichten. Im Bodenkrieg sind Phaser oder Disruptoren hingegen selten effizient. Sowohl Gewehrkugeln als auch Artilleriegranate des 20. und 21. Jahrhunderts scheinen ein weitaus größeres Zerstörungspotential zu besitzen als die Phaser-Gewehre eines Föderationssoldaten im 24. Jahrhundert.

    Cyberkrieg

    Die digitale Kriegsführung, wie etwa der Einsatz von Computerviren beziehungsweise Störprogrammen, ist gegenwärtig von großer sicherheitspolitischer Relevanz. In “Deep Space Nine” findet ein Cyberwar eigentlich nicht explizit statt. In eine ähnliche Richtung gehen höchstens Roms Sabotageakt in “Hinter der Linie” (DS9 6×04), der von Sisko und Co. in “Das winzige Raumschiff” (DS9 6×14) in den Bordcomputer der Defiant eingeschleuste Computervirus sowie entfernt auch die Energiedämpfungswaffe der Breen in Season 7.

    Bewertung: Das Thema Cyber Warfare findet im Dominion-Krieg nur bedingt Beachtung, was angesichts der Tatsache, dass das 24. Jahrhundert eine Hightech-Welt ist, doch etwas seltsam anmutet. Aus strategischer Sicht hätte es – vor allem aus Sicht der Föderation – sicherlich Sinn gemacht, die enormen Fähigkeiten des Starfleet Corps of Engineers nutzbar zu machen, um das Dominion auf technischer Ebene zu schwächen. Insbesondere von Sektion 31 wäre eine solche Strategie eigentlich erwartbar gewesen.

    Bionische Soldaten

    Die Jem’Hadar sind wohl die Vervollkommnung der Idee eines bionischen Soldaten. Die Soldaten des Dominion sind nicht einfach nur kybernetisch, medizinisch und psychisch verbessert; vielmehr wurden sie genetisch geplant und anschließend durch Klonen gezüchtet, um perfekte Soldaten zu sein: widerstandsfähig, intelligent, furchtlos, kompromisslos und gehorsam bis in in Tod (Lebensmotto: “Gehorsam bringt den Sieg und Siegen heißt Leben.”). Die Jem’Hadar verfügen über einen ungewöhnlich schnellen Stoffwechsel, wodurch sie enorm agil sind. Ferner benötigen sie keinen Schlaf und keine Nahrung. Ihre einzige Lebensgrundlage ist die nicht-replizierbare Droge Ketracel-White, die ein isogenes Schlüsselenzym enthält. Wer das White besitzt, der kontrolliert auch die Jem’Hadar, die ohne diese Droge (in der Regel) nicht überleben können.

    Produkt von Genetic Engineering: ein Jem’Hadar Soldat des Dominion (Bild: DS9 4×22 © Paramount, 1996).

    Auch die Cardassianer haben bionische Soldaten in ihren Reihen, wobei der Einsatz von psychotropen Drogen im cardassianischen Militär keine Standardprozedur zu sein scheint. Die psychotrope Droge der Cardassianer führt zu einer Steigerung sowohl der Grundaggressivität als auch der xenophoben Tendenzen. Das Resultat dieses Eingriffs in Körper und Psyche ist eine unstillbare Mordlust, welche die bionischen Soldaten der Cardassianer zu gefährlichen Tötungsmaschinen macht (DS9 5×25 Empok Nor).

    Ob das cardassianische Zentralkommando sein bionisches Experiment, das u.a. auf Empok Nor getestet wurde, auch im Dominion-Krieg zur Anwendung gebracht hat, ist nicht bekannt. Es liegt jedoch auf der Hand.

    Da die Föderation dem Genetic Engineering aufgrund der schlechten Erfahrungen in den Eugenischen Kriegen des 20. und 21. Jahrhunderts (TOS 1×22 “Der schlafende Tiger”) ohnehin ablehnend gegenübersteht, finden sich in den Reihen der Sternenflotte folglich auch keine bionischen Soldaten. Gleiches gilt auch für die Klingonen, die nach dem Desaster mit dem Augment Virus im 22. Jahrhundert (ENT 4×16 “Die Abweichung”) ebenfalls skeptisch sind, was die genetische Manipulation ihrer Soldaten betrifft. Zumal eine solche Prozedur auch in Konflikt mit den klingonischen Vorstellungen von “Ehre” geraten könnte.

    Ob die Romulaner oder Breen auf bionische Soldaten zurückgreifen, ist nicht bekannt.

    Bewertung: Mit den Jem’Hadar und der psychotropen Droge der Cardassianer hat “Deep Space Nine” den möglichen (dystopischen) Endpunkt von bionischen Soldaten beschrieben und somit eine Entwicklung vorweggenommen, die derzeit (noch) in den Kinderschuhen steckt.

    Schlussbetrachtung

    Aus technologischer, strategischer und auch taktischer Sicht wirkt der Dominion-Krieg, so wie er in “Deep Space Nine” dargestellt wurde, heute überholt und somit leider auch über weite Strecken unrealistisch. Die in diesem Krieg eingesetzten Waffen sind in vielen Situationen enorm ineffizient und lassen außer Acht, dass dieser fiktive Krieg in einem digitalisierten Universum stattfindet, in dem alle beteiligten Mächte bereits einen enormen technologischen Standard erreicht haben.

    Die untertriebene Zerstörungskraft der in “Deep Space Nine” gezeigten Waffen hat leider den negativen Begleiteffekt, dass Krieg hier doch etwas verharmlost wird, insbesondere wenn man “Star Trek” mit Antikriegsdramen wie “Band of Brothers” (2001) oder “The Pacific” (2010) vergleicht.

    Vor allem hinsichtlich der Aspekte Künstliche Intelligenz, Autonome Waffensysteme und Cyber Warfare ist “Deep Space Nine” auf der kreativen Ebene doch recht blass geblieben. Das ist etwas enttäuschend, denn diese Entwicklungen waren teilweise auch schon in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre abzusehen gewesen. Und sie hätten die Grundlage für spannende Episoden sein können. Lediglich im Themenbereich bionische Soldaten war “Deep Space Nine” auf der richtigen Fährte.

    Bei aller Kritik darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass das Budget für “Deep Space Nine” neben einer weiteren, parallel laufenden “Star Trek”-Serie (“Star Trek: Voyager”) sowie der Kinofilmreihe (“Star Trek: Insurrection”, 1998) eben begrenzt war. Und den Autoren waren die moralischen und persönlichen Implikationen des Dominion-Krieges ohnehin wichtiger als eine realistische Darstellung eines Waffengangs, der in einer fiktiven Zukunft in rund 400 Jahren ausgefochten wird.

    Information

    Dieser Artikel ist eine aktualisierte und erweiterte Version des bereits am 9. Juli 2019 auf TrekZone Network veröffentlichen Artikels Weltenbrand: Das Thema ‘Krieg’ in “Star Trek: Deep Space Nine” – Teil 4: Der Dominion-Krieg als realistisches Kriegsszenario der Zukunft?

    Call to Arms! Der Dominion-Krieg in “Star Trek: Deep Space Nine”

    © Paramount

    Matthias Suzan
    Matthias Suzan
    Seine Leidenschaft für "Star Trek" begann 1994 mit "The Next Generation". Es sind vor allem die anthropologischen, gesellschaftlichen und politischen Themen des Trek-Universums, die ihn faszinieren. Seit 2017 ist Matthias Teil der TZN-Redaktion.

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