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    Call to Arms! Der Dominion-Krieg in “Star Trek: Deep Space Nine” (Teil 3)

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    Der Dominion-Krieg ist einer der wichtigsten Handlungsbögen in “Star Trek: Deep Space Nine”. In den letzten beiden Staffeln war die Serie über weite Strecken ein Anti-Kriegs-Drama. Wir haben uns diesen Story-Arc mal etwas genauer angesehen. Im dritten Teil unserer vierteiligen Artikelreihe gucken wir uns die Folgen des Krieges an.

    “Star Trek: Deep Space Nine” © Paramount

    Krieg und Moral

    “Deep Space Nine” beschäftigt sich vor allem in den letzten beiden Staffeln sehr ausgiebig mit der Frage, welche Folgen der Dominion-Krieg für die moralische Integrität der Serienprotagonisten hat. Der Krieg verursacht zweifelsohne moralische Dilemmata mit teils gravierenden Implikationen.

    Die wohl prominenteste Episode zu diesem Thema ist “In fahlem Mondlicht” (DS9 6×19), in welcher Captain Sisko gemeinsam mit dem zwielichtigen Garak eine Intrige aus Lügen und Täuschungen spinnt, um die Romulaner zum Kriegseintritt an der Seite der Föderationsallianz zu bewegen. Auch wenn Sisko die Ermordung des romulanischen Sentors Vreenak durch Garak am Ende nicht goutiert, arrangiert er sich schließlich doch mit diesen dunklen Machenschaften. Er stellt für sich selbst fest, dass dieses Opfer eben dargebracht werden musste, um das Leben von Millionen oder Milliarden anderer Lebewesen zu retten.

    Sisko vertritt hier eine utilitaristische oder auch zweckorientierte Ethik, die primär nach der Nützlichkeit einer Handlung fragt. In einer sehr kühlen Kosten-Nutzen-Abwägung kommt er zu dem Schluss, dass – ganz im Sinne Spocks – das Wohl von Vielen schwerer wiegt als das Wohl von Wenigen oder eines Einzelnen.

    Captain Sisko (Avery Brooks) sieht sich angesichts einer drohenden Niederlage der Föderation dazu gezwungen, einige seiner moralischen Grundsätze aufzugeben (© Paramount).

    “In fahlem Mondlicht” spielt geschickt mit der Frage, inwiefern sich Moral und Ethik unter Kriegsbedingungen verändern können. Siskos kühler Utilitarismus (oder auch Verantwortungsethik) ist für “Star Trek” eher untypisch. In der Regel entscheiden sich die Sternenflotten-Kapitäne zumeist für ihre Prinzipien.

    Das Dilemma des Captains ist hier aber von existentieller Bedeutung. Eine Kriegsniederlage der Föderation würde nicht nur etliche Leben kosten (Weyoun sagt beispielsweise in DS9 6×06 “Sieg oder Niederlage”, dass es nötig sein könnte, die gesamte Population der Erde zu eliminieren), sondern zugleich auch das Ende von Freiheit, Recht und Demokratie auf mehr als 100 Planeten im Quadranten bedeuten. Die Last, die auf Siskos Schultern liegt, ist folglich immens.

    “Garak hat mit einer Sache völlig recht. Ein schlechtes Gewissen ist ein geringer Preis für … die absolute Sicherheit des Alpha-Quadranten. So werde ich lernen, damit zu leben. Denn ich kann leben damit. Ich kann leben damit.”

    Captain Sisko in “In fahlem Mondlicht” (DS9 7×19)

    “Deep Space Nine” gibt in dieser Episode eine Art “Plädoyer” für eine Verantwortungsethik ab; nicht aber, ohne die entsprechenden moralischen Implikationen, die damit verbunden sind, ausführlich zu diskutieren. Auch heute noch ist diese Episode im Fandom nicht unumstritten. Ist Siskos Verhalten hier eine Abkehr von Gene Roddenberrys humanistischen Fortschrittsoptimismus? Und kann selbst der grausamste Krieg wirklich als Legitimation für eine solche Abkehr herhalten?

    Eben jene Fragen thematisiert die ebenfalls hervorragende Episode “Unter den Waffen schweigen die Gesetze” (DS9 7×16). In dieser Folge deckt Admiral Ross, der den Zuschauern bisher stets als sympathischer und integrer Mann präsentiert wurde, die üblen Machenschaften von Sektion 31. Der moralische Konflikt zwischen Utilitarismus bzw. Verantwortungsethik auf der einen und einer Prinzipien- oder auch Gesinnungsethik auf der anderen Seite manifestiert sich hier in den beiden Personen Admiral Ross und Dr. Bashir.

    Diskussionswürdig ist sicherlich die latent mitschwingende Botschaft der Episode: Hohe Entscheidungsträger wie Admiral Ross können sich eben keine Prinzipien leisten, wenn es hart auf hart kommt. Das ist nur dem einfachen Offizier und Arzt Dr. Bashir möglich.

    Dr. Bashir (A. Siddig) und Admiral Ross (B. Jenner) in DS9 7×16 (© Paramount).

    Bashir: Sie sehen nichts Falsches in dem, was passiert ist, oder?

    Ross: Es gefällt mir nicht. Aber dass ich die letzten eineinhalb Jahre jungen Männern und Frauen den Befehl zum Sterben gegeben habe, das gefällt mir noch viel weniger.

    Bashir: Schlagfertige Antwort. Und eine billige Art, die Tatsache zu umgehen, dass Sie auf all dem herumgetrampelt haben, für dessen Schutz diese jungen Männer und Frauen da draußen sterben. Sagen Sie, bedeutet Ihnen das alles gar nichts?!

    Ross: Inter arma enim silent leges.

    Bashir: “Unter den Waffen schweigen die Gesetze.” Cicero. Ist es das, was aus uns geworden ist? Ein Rom des 24. Jahrhunderts, nur angetrieben von der Gewissheit, dass Cäsar nichts Falsches tun kann?

    Ross: Dieses Gespräch hat niemals stattgefunden. Sie können wegtreten.

    Dr. Bahsir & Admiral Ross in “Unter den Waffen schweigen die Gesetze” (DS9 7×16)

    Wer hier nun im Recht ist und wer nicht, das darf jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. “Deep Space Nine” ist nämlich auch in dieser Episode wieder alles andere als paternalistisch, zumal Admiral Ross auch nicht der klischeehafte “Badmiral” ist. Und diese Diskursoffenheit ist gewiss eine der größten Stärken der Serie.

    Krieg als rationales Kosten-Nutzen-Kalkül?

    Eine weitere, spannende Thematik, die in eine ähnliche Richtung geht, ist die Frage, ob es aus rationaler (und moralischer) Sicht eventuell notwendig sein könnte, sich eine Niederlage einzugestehen und sich dementsprechend zu ergeben.

    In “Statistische Wahrscheinlichkeiten” (DS9 6×09) berechnen Dr. Bashir und eine Gruppe von hochintelligenten “Mutanten” nämlich die statistische Wahrscheinlichkeit hinsichtlich der Siegchancen der Föderationsallianz im Dominion-Krieg. Basierend auf umfangreichen Langzeitprognosen kommen sie zu dem niederschmetternden Ergebnis, dass die Föderation den Krieg überhaupt nicht gewinnen kann. Dementsprechend sei eine Kapitulation früher oder später unvermeidbar. Je früher diese jedoch erfolge, desto weniger Kriegsopfer seien unter dem Strich zu beklagen.

    Bashir geht mit dieser düsteren Prognose zu Captain Sisko, der die Kapitalutations-Empfehlung erbost zurückweist. Es entspinnt sich sodann eine hochemotionale Debatte darüber, ob man besser mit wehenden Fahnen untergehen sollte (Sisko); oder ob es verantwortungsvoller sei, die Niederlage zu akzeptieren und keine weiteren Leben für einen sinnlosen Kampf zu opfern – alle bitteren Folgen (Verlust von Souveränität und Freiheit) eingeschlossen (Bashir).

    Sisko: Uns dem Dominion ergeben? Nur über meine Leiche!

    Bashir: Sir, ich verstehe, wie Sie sich fühlen. Und es gefällt mir genauso wenig wie Ihnen. Aber es ist die beste Möglichkeit. Wir sind Dutzende verschiedene Szenarios durchgegangen. Selbst wenn das Unwahrscheinliche passieren würde, dass etwas zu unseren Gunsten ausfällt, wie etwa ein Anti-Dominion-Coup auf Cardassia, würden wir den Krieg dennoch verlieren.

    Sisko: Aber das bedeutet nicht, dass wir einfach aufgeben und die Seite wechseln.

    Bashir: Aber wenn wir uns zur Wehr setzen, werden es über 900 Milliarden Tote sein. Wenn wir uns ergeben, stirbt niemand. Wir haben so oder so fünf Generationen Dominion-Herrschaft vor uns. Dann wird sich eine Rebellion entwickeln, ausgehend von der Erde, die sich verbreitet. Und das Dominion wird dann in der nächsten Generation erobert. Der Alpha-Quadrant wird sich vereinigen und eine neue, stärkere Föderation wird Tausende von Jahren herrschen. Da wir diesen Krieg nicht gewinnen können, wieso dann nicht so viele Leben wie möglich retten? Ich weiß, es ist schwer zu akzeptieren.

    Sisko: Ich kann es nicht akzeptieren. Ihre ganze Argumentation basiert auf statistischen Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Mutmaßungen.

    Bashir: Das sind nicht nur Mutmaßungen. Wenn Sie wollen, erläutere ich Ihnen die Gleichungen.

    Sisko: Selbst wenn ich mit hundertprozentiger Sicherheit wüsste, was auf uns zukommt, könnte ich von einer ganzen Generation unmöglich verlangen, dass sie freiwillig ihre Freiheit aufgibt.  

    Bashir: Nicht einmal für die Rettung von 900 Milliarden Leben?!

    Sisko: Kapitulation steht nicht zur Debatte! […] Es ist mir egal, ob die Chancen schlecht für uns stehen. Wenn wir verlieren sollten, dann werden wir im Kampf untergehen, damit unsere Nachfahren genau wissen, aus welchem Holz sie gemacht sind, wenn sie sich eines Tages gegen das Dominion auflehnen.

    Bashir: Bei allem Respekt Sir: Steht Ihnen vielleicht Ihr Stolz im Weg? […] Also gehen wir kämpfend unter. Wie schrecklich mutig von uns.

    Captain Sisko & Dr. Bashir in “Statistische Wahrscheinlichkeiten” (DS9 6×09)

    Glücklicherweise wird die Diskussion zwischen Sisko und Bashir trotz hoher Emotionalität fair und sachlich geführt. Beide diskutieren die Pro- und Contra-Argumente und verzichten auf ehrabschneidende persönliche Angriffe. Wenn man sich die gegenwärtige Diskussionskultur vor allem in den Social Media, aber teilweise auch manche Talkshows, anguckt, dann würde der Dialog zwischen Sisko und Bashir dort wahrscheinlich so aussehen: 😉

    Wenn Sisko und Bashir in den Social Media von heute “diskutieren” würden… (Collage TZN; Originalbilder: DS9 6×09 © Paramount, 1997).

    An dieser Stelle ist “Star Trek” der Realität in Sachen Diskussionskultur mal wieder um Längen voraus. Wobei es später in einem weiteren Dialog zwischen Bashir und O’Brien durchaus auch etwas persönlicher wird, aber ohne dass es hierbei unter die Gürtellinie geht. Bashir kann nicht verstehen, dass man sich “der Wissenschaft” hier verweigern kann, da die Gleichungen eine eindeutige Sprache sprächen, was O’Brien auch gar nicht bestreitet. Sisko und O’Brien sind allerdings der Ansicht, dass auch die genaueste Berechnung, Prognose oder Theorie kein Grund ist, einfach so aufzugeben. Und dass man sich in gewissen Situationen des Lebens durchaus auch mal auf seine menschliche Intuition, auf seine Gefühle, seine Wertvorstellungen oder auf seinen Stolz verlassen sollte.

    Am Ende werden beide Recht behalten, während Bashirs sehr zutreffende Prognose (Rebellion auf Cardassia!) eben doch nicht so eintritt, wie erwartet. Ob das nun realistisch sein mag oder vielmehr der “Happy-End-Logik” einer Fernsehserie geschuldet ist, liegt auch hier im Auge des Betrachters. Es ist aber eine Wohltat zu sehen, wie ernsthaft und zivilisiert “Deep Space Nine” dieses Dilemma ausdiskutiert. “Star Trek” at its best!

    Krieg und Menschlichkeit

    Ein weiteres Thema, das “Deep Space Nine” anspricht, ist die Frage, inwiefern Kriege dazu führen, dass Menschen emotional und moralisch abstumpfen, den Feind entmenschlichen und damit auch ihre eigene Menschlichkeit verlieren.

    “Deep Space Nine” ist in dieser Hinsicht nicht ansatzweise so schonungslos wie etwa “Der Soldat James Ryan” (1998), “Band of Brothers” (2001) oder “The Pacific” (2010). Vor allem letztere Serie zeigt erschreckend realistisch, wie die Protagonisten (US-Soldaten im Pazifikkrieg) mit jedem weiteren Kampfeinsatz immer hemmungsloser werden, ebenso ihre Feinde.

    Nichtsdestotrotz wird dieser Aspekt des Krieges in “Deep Space Nine” recht ausführlich behandelt. Als Beispiel ist hier der Soldat Reese in “Die Belagerung von AR-558” (DS9 7×08) zu nennen, der teilweise doch recht unterkühlt und moralisch abgestumpft wirkt. Dies äußert sich einerseits darin, wie emotionslos er mittlerweile die Verluste von Kameraden zur Kenntnis nimmt. Andererseits sammelt er die Röhrchen all derjenigen Jem’Hadar-Soldaten, die er im Laufe des Kampfes um AR-558 getötet hat. Nog imponiert dessen Überlebensfähigkeit, Quark findet dieses Ritual hingegen angsteinflößend.

    Derartig grausige Rituale hat es in den Weltkriegen wohl tatsächlich gegeben. Wer “The Pacific” gesehen oder das Buch “Vom alten Schlag. Der Zweite Weltkrieg am anderen Ende der Welt. Erinnerungen” (1981) von E.B. Sledge gelesen hat, wird sich an die Szenen mit herausgeschnittenen Goldzähnen getöteter Soldaten erinnern. “Deep Space Nine” stellt diese Problematik sicherlich deutlich harmloser dar, vor allem was die gezeigten Bilder betrifft. Gleichwohl steht die Serie hier ganz eindeutig in der Tradition klassischer Anti-Kriegs-Dramen.

    Zum Töten gezwungen: ein Soldat der Sternenflotten auf AR-558 (Bild: DS9 7×08 © Paramount, 1998).

    Eine weitere Thematik ist die Frage, inwiefern sich der Einsatz bestimmter Waffentechnologien im Kriegsgeschehen moralisch rechtfertigen lässt oder eben nicht. Sogenannte Subraum-Minen spielen zum Beispiel in der Anti-Kriegs-Folge “Die Belagerung von AR-558” ein bedeutende Rolle. Diese Waffen sind heimtückisch, denn die Minen sind praktisch allgegenwärtig, sind kaum zu orten und detonieren völlig unerwartet. Die sogenannten “Houdinis” sind für den Tod zahlreicher Föderationssoldaten verantwortlich und werden dementsprechend von Sisko und Co. gleichermaßen gefürchtet wie verachtet.

    Nachdem man es allerdings geschafft hat, die “Houdinis” sichtbar zu machen und zu kontrollieren, findet bei Captain Sisko plötzlich ein (abermals utilitaristisches) Umdenken statt. Die Sternenflotten-Einheit auf AR-558 setzt die Subraum-Minen schließlich gegen die Jem’ Hadar ein, um eine personelle 2:1-Überlegenheit des Feindes auszugleichen. Einmal mehr heiligt der Zweck plötzlich die Mittel.

    Allerdings werden auch hier die moralischen Implikationen nicht verschwiegen. Ein Gespräch zwischen Captain Sisko, Soldat Reese und Ezri Dax bringt es sehr treffend auf den Punkt:

    Sisko: “Wir werden sie nicht entschärfen. Wir werden sie einsetzen.” […]

    Dax: “Ich denke nur daran, dass wir vor einigen Stunden diese Minen für die Art von schrecklichen Waffen hielten, die nur das Dominion einsetzen würde. Aber jetzt…”

    Reese: “Sind sie sehr viel freundlicher geworden.”

    Dialogszene aus “Die Belagerung von AR-558″ (DS9 7×08)

    In gewisser Weise spiegelt “Deep Space Nine” hier die Drohnen-Problematik der Gegenwart wider.

    Krieg als Trauma

    Neben den moralischen Implikationen thematisiert “Deep Space Nine” vor allem auch die menschliche Dimension des Krieges. Ein wiederkehrendes Narrativ ist beispielsweise die “Posttraumatische Belastungsstörung” (PTBS).

    In der Episode “Die Schlacht um Ajilon Prime” (DS9 5×04) begleitet Jake Sisko Dr. Bashir auf einer Reise, als das Runabout plötzlich das Notsignal eines von den Klingonen angegriffenen Außenpostens der Föderation empfängt. Jake und Bashir finden sich wenig später in einem Krankenhaus nahe der Frontlinie wieder, das dem Ansturm an Verletzten nicht gewachsen ist. Im Verlauf der Episode bekommt der Zuschauer zunächst einen Föderationssoldaten zu sehen, der bereits traumatisiert ist und dementsprechend bedenkliche Verhaltensauffälligkeiten zeigt. Später wird auch Jake immer stärker mit dem Kriegsalltag konfrontiert: traumatisierte Soldaten, Verwundete und Sterbende. Zudem wird er selbst beschossen.

    “Die Schlacht um Ajilon Prime” greift das Thema “Belastungsstörung” sehr schön auf, wenngleich die Autoren für meinen Geschmack im weiteren Verlauf der Serie in Bezug auf Jake Sisko nur unzureichend mit dieser traumatischen Erfahrung weitergearbeitet haben.

    Nog (A. Eisenberg) verliert im Krieg ein Bein © Paramount (1998).

    Auch in der bereits erwähnten Folge “Die Belagerung von AR-558” wird das Thema PTBS behandelt, ebenso in der Episode “Leben in der Holosuite” (DS9 7×10), in der Nog den Verlust seines Beines verarbeiten muss.

    In “Die Konspiration” (DS9 2×05) wird auf sehr bewegende Weise gezeigt, dass vor allem Kinder zu den größten Opfern des Krieges gehören. Im Laufe des Konflikts zwischen den Cardassianern und den Bajoranern werden sowohl bajoranische als auch cardassianische Kinder zu Vollwaisen. Viele dieser Waisenkinder führen in den Waisenhäusern auf Bajor ein trauriges Leben ohne eigene Familie. Das Besondere an dieser Episode ist, dass weder die Cardassianer nur als Täter noch die Bajoraner nur als Opfer dargestellt werden. Unschuldig sind allein die Waisenkinder, welche die Zeche für den Konflikt der Erwachsenen zahlen müssen.

    Diese Geschichte steht zwar in keinem direkten Zusammenhang mit dem Dominion-Krieg, gehört aber dennoch als wichtige Kriegsfolge in diese Analyse mit hinein, wie ich finde.

    Krieg als Zivilisationsbruch

    Kriege bringen die abscheulichsten Eigenschaften in den Menschen hervor und zerstören die kulturellen Errungenschaften der Menschheit, zu denen vor allem auch die Menschenrechte zählen. “Deep Space Nine” befasst sich auch mit diesem Aspekt des Krieges und thematisiert in mehreren Episoden diverse Menschenrechtsverletzungen, wie Zwangsarbeit, Folter und Genozid. Letzteres spielt dann auch im Serienfinale eine Rolle.

    Die sogenannten “Arbeitslager” (engl. “Labor Camps”) der Cardassianer auf Bajor und diversen anderen Planeten sind eine Anspielung auf den Holocaust im 20. Jahrhundert. In diesen Lagern müssen die Bajoraner bis zur völligen Erschöpfung – oder auch bis zum Tod – Zwangsarbeiten verrichten. Exekutionen sind an der Tagesordnung. Neben Bajoranern sind auch politische Feinde des cardassianischen Regimes dort inhaftiert. Zwar werden die “Arbeitslager” im Verlauf des Dominion-Krieges nicht wieder eröffnet, aber diese Gefahr besteht durchaus.

    Plant einen Genozid an der Bevölkerung von Cardassia Prime: die weibliche Formwandlerin (S. Jens) © Paramount (1998).

    Abgesehen von den Arbeitslagern spielen auch Massenvernichtungswaffen in “Deep Space Nine” eine Rolle. Hier ist vor allem das “Quickening” aus der Episode “Hoffnung” (DS9 4×24) zu nennen, ebenso wie der morphogene Virus, den Sektion 31 einsetzt, um die Gründer auszurotten (DS9 7×21 “Ein Unglück kommt selten allein”). Die Gründer geben wiederum in “Das, was du zurücklässt” (DS9 7×26) den Befehl, die gesamte Bevölkerung Cardassias auszulöschen. Dafür ziehen mordende Jem’ Hadar-Einheiten durch die Straßen der Hauptstadt auf Cardassia Prime. Andere Großstädte, wie etwa Lakarian City, werden durch Beschuss vernichtet.

    Schlussbetrachtung

    “Star Trek: Deep Space Nine” ist in weiten Teilen ein Anti-Kriegs-Drama, das sehr darauf bedacht ist, die verschiedenen Folgen des Krieges herauszustellen. Die Serie betrachtet moralische wie auch menschliche Aspekte. Im Gegensatz zu prominenten Anti-Kriegs-Dramen wie “Band of Brothers” oder “The Pacific” setzt “Deep Space Nine” weniger auf die Macht der Bilder als auf die Macht der Erzählung – oder auch auf die Macht des Wortes.

    Information

    Dieser Artikel ist eine aktualisierte und erweiterte Version des bereits am 11. Juni 2019 auf TrekZone Network veröffentlichen Artikels Weltenbrand: Das Thema ‘Krieg’ in “Star Trek: Deep Space Nine” – Teil 3: Der Krieg und seine Folgen.

    Call to Arms! Der Dominion-Krieg in “Star Trek: Deep Space Nine”

    © Paramount

    Matthias Suzan
    Matthias Suzan
    Seine Leidenschaft für "Star Trek" begann 1994 mit "The Next Generation". Es sind vor allem die anthropologischen, gesellschaftlichen und politischen Themen des Trek-Universums, die ihn faszinieren. Seit 2017 ist Matthias Teil der TZN-Redaktion.

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    Danke für diese ausführlichen Betrachtungen (meine alle 4 Teile). In solch einem kenntnisreichen Überblick wird deutlich, was für eine gute Serie DS9 war … und wie viel an Qualität NuTrek verloren hat.

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