Una Chin-Riley, Joseph M’Benga und Nyota Uhura müssen in einer Geheimoperation mit einem Shuttle einen Föderationssatelliten aus klingonischem Raum bergen, um ein erneutes Aufflammen der Feindseligkeiten zu verhindern. Als ein patrouillierender D7-Kreuzer ihnen den Rückweg abschneidet, versucht das Trio, auf einem von Klingonen okkupierten Planeten unterzutauchen. Stattdessen wird Chin-Riley jedoch mit einer bekannten Persönlichkeit verwechselt, was die drei unmittelbar in den Kampf um die Selbstbestimmung der Welt verwickelt.
Was meinen wir mit “spoilerfrei”?
Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was “spoilerfrei” bedeutet. Damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr die Rezension vorab lesen möchtet, machen wir hier transparent, was wir darunter verstehen:
- Wir verraten keine wichtigen und unerwarteten Wendungen der Handlung bzw. Informationen über die fiktiven Welt und ihre Figuren.
- Was im Vorfeld durch Vorschauclips und Trailer gezeigt wird, ist kein Spoiler.
- Was im Cold Open (vor dem Vorspann) bzw. im ersten Akt (bei Episoden ohne Cold Open) passiert, ist kein Spoiler.
- Handwerklichen Aspekte (Schauspiel, Drehbuch, Bühnenbild, Soundtrack, Spezialeffekte) sind keine Spoiler, sofern sie nichts Wichtiges über die Handlung verraten.
A Case of Chiaroscuro
Während Chin-Riley, M’Benga und Uhura in den Konflikt um den Planeten Mat’aar XII gezogen werden, entwickelt sich auf der Enterprise ein Nebenplot um Lt. La’An Noonien-Singh. Dieser Handlungsstrang dient als vorläufiger Höhepunkt einer in Staffel 2 begonnenen Entwicklung, in der La’An befürchtet, rezessive Augment-Gene könnten ihr Verhalten beeinflussen.

Der Schwerpunkt der Folge liegt jedoch klar auf dem Abenteuer des Außenteams. Nach einem Drehbuch von Skylar Ojeda und Dana Horgan inszeniert Meera Menon mit »A Case of Chiaroscuro« eine in Schwarz-Weiß gedrehte Hommage an Besatzungsdramen wie »Casablanca«, die gleichzeitig als Prequel zu »Errand of Mercy« fungiert.
Tatsächlich ist dies das erste Mal in der Geschichte des Franchise, dass »Star Trek« eine fremde Zivilisation unter einer erfolgreich abgeschlossenen klingonischen Annexion zeigt. Die Ikonografie erinnert an die Besatzung weiter Teile Europas durch den Nationalsozialismus des 20. Jahrhunderts. Statt Hakenkreuzen tragen Kollaborateur:innen des neuen Regimes Armbänder mit klingonischen Hoheitszeichen. Die Wahl, die Episode in Schwarz-Weiß zu präsentieren, wird »in universe« durch ein besonderes Lichtspektrum des lokalen Sterns erklärt – was physikalisch betrachtet noch weniger Sinn ergibt als eine Weltraumanomalie, die für Gesangsausbrüche sorgt.
Resist
Angesichts des real erstarkenden Faschismus in den USA hätte man erwarten können, dass »Star Trek« einiges zum Thema Kollaboration und Widerstand zu sagen hätte. Schließlich spielte bereits die erste Episode von »Strange New Worlds« auf einen fiktiven zweiten Bürgerkrieg in den USA an. Doch »A Case of Chiaroscuro« bleibt abermals eine Hommage – ein kaum eigenständig motivierter Genreausflug, der vor allem die Stimmung von Noir-Klassikern wie »The Third Man« aufgreift.

Das Setting der Folge böte eigentlich genug Raum, um ein typisches »Star Trek«-Drama rund um Fragen wie Gefangenendilemma, Selbstbestimmung, Nichteinmischung und die Grenzen legitimer Gewaltanwendung auszuloten. Es wäre durchaus lohnend und bereichernd für das World Building von »Star Trek« gewesen, wenn die Episode einen ernsthaften Versuch unternommen hätte, einen funktionierenden klingonischen Vasallenstaat zu zeigen. Dieser hätte als provokanter Gegenentwurf zur demokratisch-freiheitlichen Föderation das Werteportfolio der Sternenflotten-Crew herausfordern können. Doch wie ihr Farbspektrum kennt auch die Erzählung der Episode trotz anderslautender Bekenntnisse nur Schwarz und Weiß. Die Klingonen werden als derart brutal und niederträchtig dargestellt, dass es unausweichlich scheint, dass Chin-Rileys Team sich an die Spitze des Widerstands stellt. M’Benga darf einen Halbsatz der Bedenken äußern, während die Erste Direktive nicht einmal erwähnt wird.
Als reines Abenteuer ist »A Case of Chiaroscuro« kompetent, wenn auch etwas vorhersehbar umgesetzt. Aus den durchweg soliden schauspielerischen Leistungen sticht dabei Demore Barnes hervor, der den Kommandanten der klingonischen Besatzung mit großer Intensität spielt.
Paranoid
Auf der Enterprise gibt derweil ein verrutschter Datenchip Lt. Noonien-Singh Anlass zu einer ausführlichen Untersuchung, um klingonische Spionage oder Sabotage auszuschließen. Dies markiert den Höhepunkt einer Entwicklung seit den Ereignissen von »Four-and-a-Half Vulcans«, in der rezessive Gene aktiviert wurden, auf die La’An vermeintlich gesteigerte Aggressionen und einen Hang zur Paranoia zurückführt.

Nach der langen Entwicklung dieses übergreifenden Handlungsstrangs für Noonien-Singh bleibt zu hoffen, dass die Autor:innen im Writer’s Room noch trockenes Pulver in Reserve haben. Als Pay-off wäre die Auflösung in »A Case of Chiaroscuro« nämlich eine herbe Enttäuschung – zumal »Strange New Worlds« nun bereits zum vierten Mal in Folge einen Handlungsstrang durch konspiratives Stillschweigen ad acta legt.
Farblos
Im Gegensatz zu den geradezu absurden letzten beiden Episoden habe ich bei »A Case of Chiaroscuro« das Gefühl, dass enormes Potenzial verschenkt wurde. Eine Geschichte darüber, wie eine freiheitliche Gesellschaft durch Überwachung, Gewalt und Normenverschiebung reaktionär umgebaut wird, wäre für eine durch Project 2025 transformierte USA durchaus relevant gewesen. Zwar war dessen Tragweite während der Entstehung des Drehbuchs vermutlich noch nicht in vollem Umfang absehbar, doch bereits die erste Amtszeit Trumps, das Erstarken des Faschismus in anderen Teilen der Welt sowie die Besatzungen von Teilen der Ukraine und des Gazastreifens hätten genug Anlass bieten müssen, eine zeitgenössische und differenzierte Parabel zu erzählen – insbesondere, wenn man sich dem Motiv der NS-Besatzung nähert.

Dass »Strange New Worlds« sich stattdessen größte Mühe gibt, jeden relevanten Kommentar zur Gegenwart zu vermeiden, und die Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus als Gelegenheit für eine nostalgische Kostümparty nutzt, sorgt bei mir nur für Kopfschütteln.
Mit Rücksicht auf die Leser:innen, die die Episoden noch nicht gesehen haben, bitten wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag auf Spoiler zu verzichten. Danke!

Hallo, liebe Leute. Ich gehe mit vielen, die die Folge ebenfalls nicht mögen, d’accord, dass sie für mich nur 1,5 von 5 Sternen verdient hat – wobei 5 sterne natürlich das Nonplusultra sind. Denn die Folge war zum einen langweilig als auch oberflächlich. Ansonsten gibt es bei mir ähnliche, aber nicht ganz gleiche Punkte, weshalb ich die Folge schlechter fand als die Folgen eins, zwei und drei. Unter anderem lag es an Folgendem: Die Idee, dass die Enterprise wegen der Demarkationslinie nicht ins Klingonische Imperium darf, dann aber das Shuttle heimlich dorthin fliegt und auf einem von den Klingonen besetzten… Weiterlesen »
Eine wirklich verpasste Chance, aktuelles aus der Welt darzustellen. Es gibt so viele Brennherde und man hätte hier soviel einfließen lassen können. Farblos war nicht nur das Bild, sondern meiner Meinung auch der gesamte rote Faden in dieser Episode. Noch nie hatte ich so ein Gefühl von kein Inhalt. Selbst die Dialoge wirkten einschläfernd und weit hergeholt. Nach einer sehr guten Staffel 3 ist die Season 4 bisher ein herbe Enttäuschung. Es fehlt den bisherigen Episoden die Eigenständigkeit etwas zu vermitteln, sie wirken inhaltsleer und und manche Dialoge sind so trocken wie Europas Flüsse aktuell. Bisher hat mich noch keine… Weiterlesen »
Sehr gute Staffel 3? Das kann man auch ganz anders sehen. Die Schwächen wiederholen sich ständig…aber sie steigern sich.
Naja, Paramount ist nun nicht gerade dafür bekannt, Dinge zu tun, die Trump missfallen könnten.
Die Folge ist wieder amoralisch bis die Schwarte kracht. Regeln brechen wird in SNW besonders leicht gemacht. Hauptsache wir sind die Guten, dann dürfen wir das.
Die 4. Staffel von STSNW entwickelt sich zunehmend anstrengend und wird bisher von Folge zu Folge absurder in ihrer Handlung. Und dabei ist die Muppets-Folge noch gar nicht gelaufen.
Also manchmal würde ich am liebsten rufen: Herr verschone mich! Nicht zu Euren Kritiken, die sind erste Sahne, aber was ist denn das bitte für ein Staffelauftakt gewesen? Abstruses Jurassic Park-Zeug mit moralisch verkommener Entscheidung von Pike, danach nur noch Albernheiten. Vor allem: Null Innovationspotenzial, alles schon mal dagewesen. Zudem springt mir SNW viel zu wild zwischen den Genres, es findet da keine gesunde Mitte für sich. Und wie operiert sind denn bitte manche Schauspielerinnen?… Habt ihr mal Uhuras Lippen gesehen? Die werden von Staffel zu Staffel dicker. Star Trek war in jeder Hinsicht fortschrittlicher in den 90ern – trotz… Weiterlesen »