Weil die Stimmung in der Crew – nicht zuletzt zwischen Ortegas und Scott – angespannt ist, beschließen Una Chin-Riley und Captain Pike, der Brücken-Crew eine Woche Landurlaub zu verordnen. Die Alpha-Schicht wird im Cesnar Grand untergebracht, einem Ferienresort, dessen Atmosphäre auf natürliche Weise enthemmend wirkt. Ortegas und Scott erwachen mit einem eingegipsten Arm bzw. in einem Mugato-Kostüm und einer großen Erinnerungslücke in einer völlig verwüsteten Suite. Dort erhalten sie von ihrem Gastgeber Dendru einen Brief für Captain Pike, der spurlos verschwunden ist.
Was meinen wir mit “spoilerfrei”?
Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was “spoilerfrei” bedeutet. Damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr die Rezension vorab lesen möchtet, machen wir hier transparent, was wir darunter verstehen:
- Wir verraten keine wichtigen und unerwarteten Wendungen der Handlung bzw. Informationen über die fiktiven Welt und ihre Figuren.
- Was im Vorfeld durch Vorschauclips und Trailer gezeigt wird, ist kein Spoiler.
- Was im Cold Open (vor dem Vorspann) bzw. im ersten Akt (bei Episoden ohne Cold Open) passiert, ist kein Spoiler.
- Handwerklichen Aspekte (Schauspiel, Drehbuch, Bühnenbild, Soundtrack, Spezialeffekte) sind keine Spoiler, sofern sie nichts Wichtiges über die Handlung verraten.
Human Best Friend
Die von Kathryn Lyn verfasste Geschichte ist eine Hommage an Besäufniskomödien wie “Hangover”. Der Trip scheint unter der Regie von Yana Gorskaya größtenteils in einem echten Hotel- oder Tagungskomplex gedreht worden zu sein. Anders als in den vorherigen Folgen der Staffel verlässt das Ensemble damit erstmals die engen Grenzen der üblichen Studio-Sets und LED-Wände.
Die Episode folgt der Perspektive von Ortegas und Scott bei ihrer Suche nach Pike, die in zahlreiche Side-Quests ausartet. Dabei treffen die beiden auf ihre enthemmten Kolleg:innen in mehr oder weniger absurden Situationen. Genretypisch lässt sich die Handlung als impressionistisch charakterisieren: Die Folge besteht aus einer Reihe von Mini-Episoden, die sich entlang der Schnitzeljagd von Ortegas und Scott entfalten.

Im B-Plot verweilt die Episode einige Minuten bei einem halluzinierenden Spock, der in seiner Suite ständig James Kirk sieht. Der Titel “Human Best Friend” ist somit auch ein Zitat aus diesem Erzählstrang, trägt jedoch gleichzeitig eine doppelte Bedeutung – mit Blick auf die konfliktreiche Dynamik der beiden Lieutenants in der Haupthandlung.
Tatsächlich ist “Human Best Friend” erneut eine dieser “Strange New Worlds”-Episoden, die ein von “Star Trek” eher selten bedientes Genre aufgreift, auch wenn Landurlaubfolgen von “Shore Leave” bis “Two Days and Two Nights” durchaus Tradition haben. “Human Best Friend” legt es aber geradezu darauf an, mit trippigen Pubertätskomödien verglichen zu werden. Der Produktion scheint es vorrangig darum zu gehen, sich an der Prämisse auszutoben um möglichst viele Situationen und Bilder schaffen zu können, die für “Star Trek” eher untypisch sind.
Was nicht passt, wird passend gemacht
Für sich genommen könnte das durchaus unterhaltsam sein – wenn dabei wenigstens ein wenig Substanz für das “Star Trek”-Publikum abfiele. Stattdessen scheint der Stil hier alles zu dominieren. Man kommt nicht umhin, den Verdacht zu hegen, dass viele Folgen von “Strange New Worlds” mittlerweile vorrangig dazu konzipiert und produziert werden, um die Produktionsbeteiligten zu unterhalten – und nicht die Zuschauenden.
Abgesehen von oberflächlichen Elementen dient die Folge (wie viele SNW-Episoden vor ihr) dazu, die Beziehungsdynamik einiger Figuren so zu arrangieren (in diesem Fall Ortegas/Scott und Spock/Kirk), wie es für die kommenden Handlungsstränge der Staffel nützlich erscheint. Weder erzählt die Episode eine interessante oder wenigstens witzige äußere Handlung, noch geht sie sorgfältig auf das Innenleben ihrer Charaktere ein. Beide Beziehungspaarungen werden geradezu mit dem Vorschlaghammer bearbeitet, eine natürliche Entwicklung lässt das schrille Setting erst gar nicht zu. Die Genrewahl erweist sich in dieser Hinsicht als größtes Hindernis. Doch auch die Dialoge, die die Figuren abseits des Drogeneinflusses führen, sind kaum besser.

Auch die beabsichtigte Hommage an Filme wie “Dude, Where’s My Car?” will nicht so recht zünden. Zum einen, weil die Episode mit sehr harmlosen Gags und Situationskomik arbeitet und sich bestenfalls zaghaft an Erwachsenenhumor herantraut. Zum anderen fehlen kreative Ideen, wie sich das Genre sinnvoll ins »Star Trek«-Universum übertragen ließe – abgesehen von klingonischer Karaoke.
Damit die zeitgenössische Einrichtung der Drehorte ins 23. Jahrhundert passt, wird das Resort auch noch kurzerhand zur technikfreien Zone erklärt. Offenbar beginnt Technik erst ab dem Jahr 2026 – alle älteren zivilisatorischen Annehmlichkeiten sind zur Erholung zugelassen. So, so. Das wirkt genau so stimmig und natürlich, wie man es erwarten würde.
Was ist “Star Trek”?
So langsam stelle ich mir schon die Frage, was die vierte Staffel eigentlich sein soll. Auf der Pressetour für diese Staffel hatte Anson Mount gebetsmühlenartig darauf verwiesen, dass die “Strange New Worlds” der Serie inzwischen die Genres seien, die die Serie jede Woche erforschen würde. Das alles würde aber immer im Dienste der Figuren passieren.

Nach drei Episoden möchte ich behaupten, das erklärte Ziel wird um Lichtjahre verfehlt. Den Genreausflügen möchte ich bestenfalls Mittelmaß in ihrer Umsetzung attestieren, und die Charakterentwicklung, wenn man sich denn so weit aus dem Fenster lehnen und von “Entwicklung” sprechen mag, wirkt völlig mechanisch. Was “Star Trek” und das Publikum am Ende von all den extravaganten Eskapaden haben, erschließt sich mir jedenfalls nicht. Die Episoden wirken wie aufwendig gestaltete Einwegverpackungen. Äußerlich überproduziert, und enttäuschend gehaltlos. Die meisten Stories sind für den Kanon auch noch so problematisch, dass die Serie inzwischen routiniert zur Vertuschungs-Trope greift.
Ich habe nichts dagegen, dass “Star Trek” nicht nur mit dem Inhalt seiner Geschichten, den Konstellationen zwischen seinen Figuren, sondern auch mit Format und Genre wild experimentiert. Es wäre nur irgendwie dem Publikum gegenüber fairer, wenn man sich erst einmal um einen relevanten Gehalt einer Geschichte kümmern würde, bevor man anfängt, sich in eine möglichst ausgefallenen Form der Inszenierung zu verrennen.
Mit Rücksicht auf die Leser:innen, die die Episoden noch nicht gesehen haben, bitten wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag auf Spoiler zu verzichten. Danke!
