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Julian Wangler (jw), Martin Weinrich (wc), Thomas Götz (tg)10.09.07

"Was Menschen Gutes tun"

Michael A. Martin & Andy Mangels

Anmerkung

Eigentlich begann ja das ganze Unterfangen über ein Hintertürchen - wie auch im Falle der achten Staffel von "Deep Space Nine". Das Buch "Das höchste Maß an Hingabe", eigentlich ein im Xindi-Arc angesiedeltes Abenteuer, bot uns im Prolog unversehens ein Highlight: Irgendwann unmittelbar vor der Fertigstellung der Enterprise-1701, die später einmal von James Kirk durchs All gejagt werden wird, besucht ein alter, schier von der Welt vergessener Mann ein Sternenflotten-Denkmal, um sich zu erinnern.

Im Epilog dann die schockierende Überraschung: Der hundertjährige Greis ist kein Geringerer als Charles "Trip" Tucker, der in der letzten TV-Episode frei von Glanz und Gloria sein Ableben fristen durfte. Keine Frage, nach diesem Auftakt, der ambitionierter erschien als ein bloßes Easteregg, musste das Autorenduo Mangels/Martin - Zugpferde des neuen "Enterprise"-Relaunch - liefern. Trip also gar nicht wirklich tot? Das riecht gehörig nach Geschichtsneuschreibung. Und so wahnsinnig daneben liegt man mit diesem Verdacht gar nicht.

Tatsächlich sind Michael A. Martin und Andy Mangels (oder auch M&M, wie sie in der Szene genannt werden) im ersten richtigen "Enterprise"-Sequel bemüht, die seit "Dies sind die Abenteuer ..." angeschlagenen Seelen vieler Fans zu kraulen, frei nach dem Motto: "Was sich Riker und Troi da auf dem Holodeck ansahen, das war History Fake, mehr nicht. Es war eigentlich alles ganz anders. Trip lebt, und wir sind wieder im Geschäft." Im Geschäft, im wahrsten Wortsinn. Der stupsnasige Sunnyboy aus der Warpkernkammer also doch nicht tot? History Fake? Wie passt das mit dem Gesehenen zusammen?

Ganz einfach: Trip musste sterben - für die Akten. Weil er woanders wichtig wurde. Richtig vermutet, undercover. Wieder richtig: Es hat etwas mit Sektion 31 zu tun, und die Romulaner sind auch nicht weit. Wo wir gleich dabei sind: Verschieben wir den Handlungsrahmen von 2161 doch nach 2155 - wo die Serie streng genommen nach "Terra Prime" endete. Einiges wird revidiert, einiges modifiziert - und schon haben wir das perfekte Sprungbrett in die literarische fünfte Staffel.

Inhalt

Trip ist tot - oder doch nicht? Ist es vielleicht ein Komplott? Spielt direkt nach "Terra Prime" und führt den "Enterprise"-Relaunch weiter.
M&Ms Vorliebe für die Einbettung ihrer Storys in eine Retrospektive kommt auch in diesem Buch zum Tragen. In "Was Menschen Gutes tun" - der Titel folgt wiederum einer ihrer Vorlieben für Shakespeare-Zitate - treffen sich im 25. Jahrhundert zwei längst erwachsen gewordene Sandkastenfreunde, namentlich Jake Sisko und der Ferengi Nog. Und letzterer hat, mehr zufällig, eine zwischen Sensation und Schock pendelnde Entdeckung gemacht: In geheimen Dateien der Sternenflotte fand er Hinweise darauf, dass die Geschichtsbücher im Zeitraum 2155 bis 2161 nicht stimmen. Die von ihm entdeckte Information "[…] könnte alles ändern, was wir über die Gründung der Föderation wissen oder vielmehr aufgrund der offiziellen Berichte glauben, zu wissen" (Seite 16). Und so sichten die beiden Freunde das, was wie eine große Verschwörung anmutet.

Die Geschichte wird neu erzählt, und alles beginnt nicht etwa mit der Föderationsgründung, sondern unmittelbar nach dem Terra-Prime-Zwischenfall (dort, wo die TV-Serie ergo aufhörte): Die Gespräche um die Etablierung einer Koalition der Planeten werden ein wenig zögerlich fortgesetzt, die Enterprise-Crew befindet sich alles andere als in Höchstform. Archer macht sich gewisse Vorwürfe, mit seiner Rede einen Rückzug bestimmter Delegationen nicht verhindert zu haben, T'Pol und Trip setzen auf Vulkan ihre Tochter bei. Kurz darauf schon beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen: Tief in romulanischem Raum wird ein neuer Antriebsgenerator getestet - mit verheerendem Ergebnis.

Da die Romulaner nicht aus eigener Kraft imstande sind, ihre technologischen Fähigkeiten schnell zu erweitern, explodiert ihre Paranoia geradezu: Admiral Valdore - der Widersacher aus dem "Babel"-Dreiteiler der vierten Staffel - wird rehabilitiert und will nach den Sternen greifen, bevor die Erde und ihre Verbündeten dem Sternenimperium in irgendeiner Weise zur Bedrohung erwachsen können. Die blockfreie Welt Coridan - seit ehedem bekannt für ihre schnellen Schiffe und ihren hohen technologischen Entwicklungsstand - liegt im Fokus seiner Begierde. Eilig entführt er neue Aenar - darunter auch Shrans Bondmate Jhamel und will so eine ganze Flotte von Drohnenschiffen zur Invasion Coridans bemühen. Sektion 31 kriegt Wind davon, und wo der mysteriöse Geheimbund um den einstigen Sternenflotten-Commander Harris die Lauscher spitzt, da kann Malcolm Reed nicht weit sein.

Tatsächlich aber spielt er diesmal nur eine vermittelnde Rolle: Er führt "Trip" Tucker an Harris heran. Angesichts seiner verheerenden persönlichen Erfahrungen (wir erinnern uns an den Tod seiner Schwester) während der Xindi-Krise kann der Chefingenieur die schwelende Bedrohung durch die Romulaner nicht hoch genug einschätzen. Damit steht er in auffälligem Kontrast zum neuen Sternenflotten-Oberkommandierenden Gardner und dessen Umfeld, wo bislang kaum Initiativen gegen eine womöglich am galaktischen Horizont heraufziehende Gefahr ergriffen wurden. Dies verstärkt nur Trips Wunsch, einem neuen Angriff auf die Erde zuvorzukommen.

Kaum hat er mit Harris gesprochen, spürt Trip einen emotionalen Sog: Alleine schon wegen seines Gewissens - da ist das Gefühl, einmal versagt zu haben - kann er nicht wegsehen. Und er kommt Harris mit seinen einzigartigen Erfahrungen ob romulanischer Technologie ("Babel"/"Vereinigt") mehr als gelegen. Harris versichert ihm, ihn ständig mit Informationen und besonderen Gelegenheiten zu versorgen.

Erstaunlich schnell stellt Trip fest, dass sich sein ganzes Leben ändern muss, um die Romulaner wirkungsvoll bekämpfen zu können. Für ihn gibt es nur eine Möglichkeit: Er muss sterben - um als Geheimagent wiedergeboren zu werden ...

Kritik

1. Julian Wangler

Diese und die folgende Kritik beziehen sich auf die englischsprachige Originalausgabe.

Das Buch erzählt also, dass und warum Trip seinen Tod vorgetäuscht hat und im weiteren Verlauf auch über seinen Anschluss an Sektion 31. Er lässt sich chirurgisch das Aussehen eines Romulaners verpassen und arbeitet von da an undercover. Nur Archer, Reed, Phlox und schließlich T'Pol wissen davon. Mit dieser Revolution stehen M&M sogar in guter Tradition zu einer binnen vier TV-Staffeln ständig wechselnden Schwerpunktsetzung der Serie. Und tatsächlich: Die Story rund um Trips Spionagemission ist wirklich äußerst spannend.

Alles in allem gilt es zu verhindern, dass ein alter romulanischer Wissenschaftler einen Warp-sieben-Antrieb samt Quantensingularität für eine abtrünnige, militante Gruppierung der Romulaner baut (jener Mann, der zum Anfang des Buches eine wissenschaftliche Niederlage erleidet und dann von der genannten Gruppierung abgeworben wird). Aber was ist mit dem großen Ganzen, was ist nun mit "The Good That Men Do"? Als Rezensent, der seine Arbeit aufrichtig meint, wird eine ehrliche Antwort von einem erwartet. Ich bin also ehrlich: Im Gegensatz zu vielen nach dem Erscheinen von "The Good That Men Do" im Internet wie ad-hoc erfolgten Lobeshymnen kann ich mich dem Jubelschwall der letzteren nicht anschließen.

Das Buch ist eine herbe Enttäuschung, und das hat, wie so oft, mehrere Gründe. Zuvorderst der triftigste: Gerade bei kommerziell arbeitenden Trek-Autoren - die Mangels und Martin nun einmal sind - hätte ich mir mehr Einfallsreichtum erhofft als eine bloße Revidierung des in der letzten "Enterprise"-Episode Gezeigtem gewünscht. Zugegeben, die Ausgangslage, vor die ein potentieller Relaunch der Serie in Buchform durch "Dies sind die Abenteuer ..." (eine grausame Folge!) gestellt wurde, ist nicht unbedingt optimal: Die Crew(-konstellationen) und die Ränge sind offenbar bis 2161 gleich geblieben, die Beziehung zwischen T'Pol und Trip scheint merkwürdigerweise keine sonderliche Entwicklung nach "Terra Prime" mehr durchgemacht zu haben und vor allem war der Tod des Chefingenieurs nicht nur überflüssig, sondern auch vollkommen versaubeutelt in Szene gesetzt - um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Nichtsdestoweniger verletzt es meines Erachtens nach eine gewisse goldene Regel, wenn Autoren mit dem Kanon auf so krasse Weise brechen, anstatt die offizielle Faktenlage so zu massieren, dass etwas Neues daraus geformt werden kann, ohne das Alte preiszugeben. Was das Tandem M&M gewissermaßen von Anfang an tut, kann mit dem Wort "Geschichtsrevisionismus" treffend beschrieben werden. Sie betten, gemäß ihrer (auch schon in "Last Full Measure" verfolgten) Gewohnheit, die Story um Archer, Trip & Kohorten in eine historische Rückblende ein - so weit, so gut. Doch dann tanzt das Drehbuch Amok: Plötzlich wird im 25. Jahrhundert wie durch Zufall von zwei alten Bekannten entdeckt, dass die (in "Dies sind die Abenteuer ..." gezeigten Holo-)Aufzeichnungen fehlerhaft seien, und dass sich die Geschichte der Enterprise eigentlich ganz anders zugetragen habe, vor allem aber habe Trip nie sein Ableben gefristet.

Immer wieder werden Szenen aus der letzten Folge in modifizierter Form in das Buch eingeflochten, auf dass die Handlung in eine ganz andere Richtung läuft. Im Übrigen besteht einer der Griffe von Mangels und Martin darin, dass sie die wirkliche Geschichte aus dem Jahr 2161 nach 2155 holen, womit "The Good That Men Do" zum faktischen Beginn der fünften "Enterprise"-Staffel mutiert. Alles in allem gibt es viel zu viele Korrekturen an den Ereignissen aus "Dies sind die Abenteuer ...", und manchmal mag sich der Leser fragen, wieso die Autoren überhaupt noch so viel Wert auf so viele liebevolle Querverbindungen zur Serie legen, wenn sie am Ende doch alles Gesagte über den Haufen schmeißen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: An und für sich haben wir es in "The Good That Men Do" mit einer soliden, durchaus kreativen Story in gewohnter Staffel-vier-Qualität, mit guten Gastrollen und mit Romulaner-Bonus zu tun; meine Kritik setzt aber da an, wo sich gute Fan-Fiction-Kost immer am Maßstab der Serien und Filme orientieren und möglichst keine krassen Brüche vollziehen sollte. Beispielhaft machen das im "Star Trek"-Business Autoren wie Keith R.A. DeCandido oder David R. George III vor; M&M haben meiner Meinung nach an diesem Punkte über die Stränge geschlagen. Persönlich hätte ich lieber eine saubere Season fünf ohne geschichtsrelativistische Verschwörungselemente gehabt, welche die letzte "Enterprise"-Episode fehlerhafterweise aushebeln.

Das ist - wenn auch der gewichtigste - nicht der einzige Punkt, der mich gestört hat: Alles in allem kommt die Handlung, welche die persönlichen Gründe für Trips Abgang und "Untertauchen" von der Enterprise (also die Vortäuschung seines Todes, wie er in "Dies sind die Abenteuer ..." dargestellt wurde!) authentisch rechtfertigt, viel zu kurz. Ein bisschen Romulaner-Paranoia, ein Gespräch mit Malcolm, der ihn mit Harris vertraut macht, darauf ein längerer Dialog mit Archer - und schon ist Trip bereit, alles (zumal auch T'Pol nach dem jüngsten Verlust ihres gemeinsamen Babys!) über Bord zu werfen und ein Leben als Geheimagent zu beginnen.

Die Frage, was Trip insbesondere gegen die Romulaner treibt, wird meiner Ansicht nach nicht ausreichend geklärt. Und aus Trips Loslösung aus dem gewohnten Umfeld resultiert ein weiteres Problem: Man merkt deutlich, wie der Charakter ohne die dichte Interaktion mit den anderen Serienprotagonisten zusehends in eine Statistenrolle verfällt, wie er irgendwie seinen Markenkern - nur im Kontrast zu den anderen Protagonisten möglich - verliert.

Irgendwann, circa ab der zweiten Hälfte des Buches, erkennt man an Trip nur noch den Namen wieder, unterbrochen durch gelegentliche Erinnerungen des Charakters. Meine Meinung: Ein einsamer Trip ist kein guter Trip, da hätte man sich nicht die Mühe machen müssen, ihn über Umwege wieder aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Die starke Fokussierung auf die Romulaner und auf Trips "Berufswechsel" bringt weitere Authentizitätsprobleme mit sich: So fragt sich der Leser vielleicht, was eigentlich mit der Terra-Prime-Bewegung nach der Vereitelung von Paxtons Vorhaben in "Terra Prime" passiert ist. Es erscheint alles in allem unrealistisch, dass diese Gruppierung und die Unterstützung in Teilen der irdischen Bevölkerung einfach so wieder verschwunden sind.

Meiner Meinung nach wäre es schöner gewesen, wirklich dort anzufangen, wo die vierte "Enterprise"-Season aufhörte anstatt des gewöhnungsbedürftigen Versuchs, alle Fliegen mit einer Klappe zu schlagen - so kommt vieles zu kurz: Mehr hätte ich mir vor allem von der Fortführung der Planeten-Allianz-Thematik gewünscht, die in "The Good That Men Do" nur am Rande abgehandelt wird.

Kommen wir zu einer weiteren Problemzone des Buches: Es ist zu dick. Mittlerweile scheint es eine gewisse pervertierende Tradition im Pocket-Books-"Star Trek"-Business zu haben, Wälzer mit Überlänge zu produzieren. Die Lektion, dass weniger manchmal mehr sein kann, scheinen dabei weder Autoren noch Herausgeber mehr zu beherzigen. Im Falle von "The Good That Men Do" haben wir gerade nach den ersten 150 Seiten eine schlichtweg überblähte Handlung. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Jagd der Enterprise hinter Jhamels orionischen Entführern, aber auch die Spionagestory um Trip, seinen Sektion-31-Kollegen und den romulanischen Wissenschaftler ist zu groß ausgefallen. Das klassische Serienfeeling will in diesem Format nicht mehr richtig aufkommen.

Frei nach dem Motto "Das Schlechte zuerst", kommen wir nun zu den angenehmen Seiten des Buches: Zunächst einmal wird eine Serie mit Potential, die frühzeitig eingestellt wurde, fortgesetzt. Und vor allem auf den ersten 100 Seiten ist die Anknüpfung an "Terra Prime" geradezu brillant und detailverliebt gelungen. Der Umgang mit dem Trio Archer, T'Pol und Trip ist alles in allem recht überzeugend. Auch erhalten die Romulaner im Allgemeinen und Admiral Valdore im Speziellen mehr Tiefe.

Die psychologische Facette der romulanischen Natur ist sicherlich einer der Knackpunkte auf dem Weg zu dem gemäß Kanon irgendwann 2156 ausbrechenden Krieg. Das Ende des Buches verspricht jedenfalls noch viel mehr Spannung, weil die Büchse der Pandora geöffnet wird. Und vor allem erfahren wir, warum Coridan schließlich doch nicht zu einer Gründerwelt der Föderation wurde.

Fazit: Eine provokative Grundidee, Trip zurückzuholen, macht das Buch a priori interessant. Leider begeht es bei genauerem Hinsehen so etwas wie ein Kanon-Sakrileg - was wir im Laufe von vier "Enterprise"-TV-Staffeln doch zu genüge hatten. Somit ist die Story ambivalent zu sehen: Einerseits wird eine spannende Fortsetzung der Romulaner-Handlung erzählt, mit liebevoll und alles in allem authentisch geführten Charakteren, andererseits verheddert sich "The Good That Men Do" gelegentlich im Kleinklein des eigenen Konzepts und lässt zudem die Frage aufkommen, wie die literarische fünfte Season mit einer zerrissenen Crew weitergehen soll. Auch ist, anders als beispielsweise im DS9-Relaunch, das Serienfeeling einem anderen Zustand gewichen. Ob das gut ist, bleibt abzuwarten.

2. Martin Weinrich

"Dies sind die Abenteuer ..." war in gewisser Weise ein unwürdiges Ende für eine "Star Trek"-Serie. Abgesehen davon, dass die Story merkwürdig wirkte, die Enterprise-Offiziere nach zehn Jahren Dienst immer noch alle an derselben Position waren und Trips Tod irgendwie unwürdig wirkte, war das Ganze lediglich ein Holoprogramm auf der Enterprise-D. Gerade der letzte Punkt wertete die gesamte Serie ein wenig ab, denn während andere Serien "Staffelträger" im Pilotfilm hatten, bekam "Enterprise" diese im Finale.

Das letzte Manko beheben die Autoren von "Was Menschen Gutes tun" nicht wirklich. Nun sind die Ereignisse aus "Dies sind die Abenteuer ..." nicht mehr in einem Holoprogramm auf der Enterprise-D, sondern in einem Holoprogramm, das ein gealterter Nog im 25. Jahrhundert zu seinem Freund Jake bringt. Auf den ersten Blick ist das keine wirkliche Verbesserung.

Doch der Roman schreibt die Ereignisse aus dem Finale der Serie komplett um. Das wirkt natürlich unrealistisch. Allein die Tatsache, dass die Ereignisse sechs Jahre nach vorn verlegt werden, ist eigentlich unmöglich. Denn wie soll zum Beispiel die ganze Enterprise-Crew darüber Stillschweigen bewahrt haben? Die Logbücher zu fälschen, ist eine Sache, aber die beteiligten Personen müssen sich doch daran erinnern, dass Trip nicht 2161 sondern 2155 starb. Hier bedarf es im Laufe des "Enterprise"-Relaunchs einer wirklich guten Erklärung. Denn noch wirkt diese Änderung extrem unwahrscheinlich.

Ansonsten ärgert man sich während der Lektüre immer wieder über das Finale der Serie. Denn eigentlich hätte es so sein müssen, wie Mangels und Martin es beschreiben. Trips Tod ist hier nur vorgetäuscht, damit er gegen die Romulaner im Auftrag der Sektion 31 vorgehen kann.

Die anderen Aktionen der Enterprise schließen nahtlos an die Ereignisse aus "Terra Prime" an, man erfährt mehr über die Koalition der Planeten. Außerdem wird die Beziehung zwischen T'Pol und Trip thematisiert, was im Finale ausblieb.

Natürlich hat auch die Erzählung von Mangels und Martins Schwächen. Das beginnt bei der extrem schnellen Entscheidung Trips, sein altes Leben hinter sich zu lassen. Ohne dass die Romulaner mehr als den Tarnangriff in der vierten Staffel gestartet hätten, sieht er in ihnen einen riesigen Feind und wirft sein Leben im wahrsten Sinne des Wortes weg. Aber immerhin bearbeiten die Autoren weiterhin seine Beziehung zu T'Pol. Aber es geschehen auch kleinere Fehler. So sind zu Beginn der Konferenz zur Bildung der Koalition der Planeten sieben Völker involviert. Nachdem zwei abspringen, redet man auf einmal nur noch von vieren - die Denobulaner werden kurzerhand vergessen. Auch so kleine Fehler sind ärgerlich.

Dennoch ist der Roman über weite Teile spannend. Sektion 31 tritt hier noch als eine eher positive Einrichtung auf. Trips Spionage-Mission im romulanischen Raum geht zwar eigentlich unglaublich schief, durch viel Improvisationstalent rettet er sich aber trotzdem. Das ist angenehm realistisch, schließlich ist die Idee, sich in das romulanische Imperium zu schmuggeln schon absurd genug. Das dies einem Spionage-Anfänger gelingen soll, wäre noch absurder. Es wird interessant sein, zu sehen, ob sich Trips Talent in den Folgebänden verbessert.

Der Trip in "Was Menschen Gutes tun" scheint gereifter als der Trip aus der Serie zu sein. Im romulanischen Gebiet ist er kaum noch zu Witzen aufgelegt. Das ist zwar ebenfalls realistisch, nimmt aber leider eine Komponente aus Trips Charakter, die sonst sehr bestimmend war. Die anderen Charaktere der Serie sind aber ganz gut getroffen. Die Enterprise ist während Trips Spionage-Mission damit beschäftigt, eine Gruppe Aenar aus den Händen der Orioner und Romulaner zu befreien. Auch dieser Handlungsstrang ist spannend und überzeugend.

Das ganze Buch über werden Szenen aus "Dies sind die Abenteuer ..." einfach wortwörtlich wiederholt. Jedes Mal stehen sie jedoch im Zusammenhang mit der neuen Deutung der Ereignisse. Das sorgt immer wieder für ein Schmunzeln beim Lesen.

Fazit: Das schwache Finale der Serie wird mit "Was Menschen Gutes tun" komplett relativiert. Das ist natürlich ein wenig unrealistisch. Während der Lektüre fällt immer wieder auf, wie ärgerlich das Finale der Serie wirklich war. Hätte es eine fünfte Staffel gegeben, hätte man mit der Story des Buches einen wunderbaren Cliffhangar machen können. Trips gefakter Tod, sein Einschleusen in romulanisches Territorium und die Verfolgung des Aenar-Sklaventransportes durch die Enterprise - das wäre ein spannender Zweiteiler geworden. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre.

So muss man dem Roman leider entgegenhalten, dass er zwar extrem ambitioniert ist und durchaus eine spannende Geschichte erzählt, aber leider auch etwas eigentlich Unmögliches versucht. Das tut er aber ziemlich gut.

3. Thomas Götz

Diese Ausgabe bezieht sich auf die deutsche Ausgabe des Cross Cult-Verlages.

Der zweite "Enterprise"-Roman, und der erste, der eine wirkliche Fortsetzung der "Enterprise"-Story nach Serienende bereithält. Und was für eine Fortsetzung, denn wie wir schon aus dem ersten wissen: Trip lebt.

Und diesmal wird die Geschichte neu geschrieben, denn der Ausgangspunkt ist, dass das, was Riker da im 24.Jahrhundert auf dem Holodeck gesehen hat, nicht real war beziehungsweise die Geschichte eigentlich falsch erzählt wurde. Und das hat natürlich viele Fans auf die Barrikaden getrieben – nun ja, zumindest im Jahre 2007, als dieser Roman erschienen ist. Ein Bruch mit dem Kanon, oder doch nicht?

Immerhin werden die Ereignisse aus der Simulation nicht geleugnet, nur wird Trips Tod einfach sechs Jahre in der Zeit zurückversetzt und der Rest unangetastet belassen. Authentisch natürlich dadurch, dass es Trips (DNS-bestätigte) Signatur ist, die anno 2405 (nach der Zerschlagung von Sektion 31, aha!) die Story dem alten Jake und dem alten Nog erzählt. Und in der Tat gibt es da Ungereimtheiten in dieser Holodecksimulation beziehungsweise der Tatsache, dass diese 2161 spielen soll: Warum wurde keiner älter (nichtmal Porthos)? Warum wurde Trip in zehn Jahren nicht einmal befördert?

Im Grunde ist es also durchaus nett und nachvollziehbar gelöst - die Frage, was nun letztlich stimmt, muss aber wohl jeder für sich selber entscheiden. Von diesen Brüchen einmal abgesehen, gibt es noch einige weitere, die hartgesottenen Fans weitere Schweißperlen auf die Stirn treiben. Denn Trip erfährt das Aussehen der Romulaner und einige andere auch. Damit wird quasi das aus TOS-Zeiten enthüllte erste Zusammentreffen mit diesem Volk ad absurdum geführt. Oder doch nicht? Nun ja, immerhin wird auch dazu eine gute Erklärung geliefert, denn wenn bekannt würde, dass die wie Vulkanier aussehen, gäbe es keine Föderation wegen des aufkommenden Misstrauens, daher wird dies bis 2266 das größte Geheimnis der Menschheit sein ... oder so in etwa. Freilich muss sich zeigen, wie das in einer künftigen neuen Serie aufgegriffen wird (wenn überhaupt) - wobei, ist das nicht durch den neuen Film von 2009 ebenso ad absurdum, immerhin spielt der auch Achterbahn mit dem Kanon ...

Gut, diese gröbsten Schnitzer außer Acht gelassen: Das Mangels und Martin schreiben können, haben sie hinlänglich bewiesen, denn einige Trek-Romane gehen ja schon auf ihr Konto. Und so ist auch dieser mehr als routiniert geschrieben, oder anders ausgedrückt: Die Charaktere haben die beiden im Griff und es bekommt auch jeder seine Szene spendiert, die eine gute Weiterführung der einzelnen Charaktere ist. Schwerpunktmäßig glänzen hier vor allem Trip und Archer (und etwas T'Pol), die ja zwangsweise die Hauptlast der Geschichte tragen. Aber auch Nebencharaktere wie Shran dürfen glänzen.

Dabei ist die Story nach dem Auftakt mit Trips wahrer Story eher etwas träge und wiederholt sich auch: Die Entführung von Aenar für ein weiteres Drohnenschiff ... na ja, das hatten wir schon. Die Verfolgung ist natürlich auch etwas zäh geraten und dass das Enterprise-Team keinen Romulaner sieht, natürlich wieder dem Kanon geschuldet (und das, obwohl sie mitten auf einem ihrer Schiffe ist!).

Hier hätte man stellenweise sicher etwas mehr herausholen können. Am interessantesten sind daher natürlich die Szenen von Trip im romulanischen Raum. Hier zeigt sich die wahre Stärke des Bandes - und auch wenn Trip heim will (und es stellenweise so aussieht, als würde er es schaffen), so ist klar, dass er in den romulanischen Raum zurückkehrt und, zumindest laut dem ersten Band, wohl keiner mehr erfahren wird, was ihm so alles widerfuhr (sprich: sein Überleben nie aufgedeckt wird, wir als Leser werden es wohl sehen/lesen).

Auch das Ende des Bandes punktet erneut stark, denn der Angriff auf Coridan quasi am Vorabend des romulanischen Krieges ist ebenso gut in Szene gesetzt und bildet einen spannenden Auftakt - auch wenn er nicht weiter verfolgt wird und der Roman nach ein paar Diplomatiegesprächen dann auch zu Ende geht. Aber dafür gibt es ja dann die Fortsetzungen.

Fazit: Zusammengefasst ein durchaus guter Roman, der allerdings vor allem im Mittelteil einige vermeidbare Längen hat und der für viele eine "Verletzung" des hochheiligen Canons sein könnte, der sich aber dennoch gut in das Gesamtbild einfügt.

"Was Menschen Gutes tun" ist zum Beispiel bei Amazon.de zum Preis von 14 Euro erhältlich. Als E-Book kostet es dort 7,99 Euro.

Bewertung

1. Julian Wangler
2. Martin Weinrich
3. Thomas Götz

Weitere Infos


Titel "Was Menschen Gutes tun"

Originaltitel "The Good That Men Do"

Buchreihe Enterprise-Relaunch

Autor Michael A. Martin & Andy Mangels

Übersetzer Bernd Perplies

Preis 14 Euro

Umfang 504 Seiten

Verlag Cross Cult

ISBN 0-7434-4001-3

(jw, wc, tg - 02.01.12)


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