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Thomas Götz (tg), Martin Weinrich (wc)07.09.16

"Der Ursprung allen Zorns"

Bernd Perplies

Inhalt

Im Lembatta-Cluster, einer unheimlichen Raumregion am Rand der Föderation, wächst ein gefährliches Übel heran: Fanatische Anhänger der "Harmonie der Sphären", die sich selbst die Reinigende Flamme nennen, rufen zum allumfassenden Krieg gegen die verderbten Reiche des Alpha- und des Beta-Quadranten auf. Der krankhaften Expansionslust der Menschen, Klingonen und anderen Völker muss Einhalt geboten werden - mit allen Mitteln. Verzweifelt versucht die Mannschaft der U.S.S. Prometheus diese diplomatische und militärische Krise beizulegen. Dabei kämpfen Captain Richard Adams und seine Leute nicht nur mit den feindseligen Renao, sondern auch mit kriegslüsternen Klingonen, allen voran dem ruhmsüchtigen Captain der I.K.S. Bortas, dem einstigen Flaggschiff des verstorbenen Kanzlers Gowron, das der Hohe Rat ausgesandt hat, um das Problem auf die harte Tour zu lösen.

Kritik

1. Thomas Götz

Auch der zweite Band der neuen Prometheus-Reihe hält zu einem Großteil das gute Niveau des Vorgängers. Die Handlung geht nahtlos weiter, wobei es etwas schade ist, das die ersten Seiten noch einmal darauf verschwendet werden, eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse zu geben. Gut, für Neueinsteiger ist das sicher nicht verkehrt, wer aber direkt von Band 1 kommt, erfährt so eher wenig Neues. Aber dies ist ja bei allen Fortsetzungsromanen so und nun keine Neuerfindung der beiden Autoren.
Der zweite Band über Prometheus und die Suche nach den Attentätern im Lembatta-Cluster.

Die Geschichte um die Ereignisse im Lembatta-Cluster geht ähnlich dem ersten Band weiter, sprich: es ist vornehmlich Detektivarbeit zu leisten. Im Gegensatz zu Band 1 stehen diesmal aber mehr die Klingonen im Vordergrund und bekommen die meisten Szenen spendiert. Wie bereits zuvor so gelingt es auch hier wieder, neue Facetten der Kriegerrasse zu zeigen, denn das man etwa beim Kämpfen auch mal überlegen muss, macht die Klingonen um einiges sympathischer. Aber natürlich gibt es noch andere solcher Szenen. Auch bei den Föderationsprotagonisten gibt es derartige Charaktersequenzen zu lesen, der Einfluss der Klingonen ist aber auch hier spürbar. .

Im Gegensatz zu Band 1 ist diesmal die Action allerdings kaum vorhanden, das Buch ist also wirklich eine Charaktergeschichte. Die ist nicht schlecht und die Handlung kommt auch so recht schnell vorwärts. Die ebenfalls erwähnte Detektivarbeit steht im Vordergrund und die Helden kommen kaum voran. Hier merkt man vor allem gegen Ende, das die Geschichte etwas in Langeweile abzudriften droht, doch zum Glück hat man das selber gemerkt und einen kleinen Twist eingebaut, der die ungleichen Partner an neue Orte führen wird - um an dieser Stelle mal spoilerfrei zu bleiben.

Auch eines der im ersten Band etwas zu kurz geratenen moralischen Dilemma kommt hier wieder zum Tragen: Die Folter der Gefangenen, durch die Klingonen. Am Anfang lediglich in einem Nebensatz abgehandelt, in der Adams den Klingonen sagt, sie sollen ihre Opfer ja gut behandeln, kommt die Wahrheit vergleichsweise schnell ans Licht. Zwar wird die Folter letztlich beendet, mehr als eine kleine Schelte gibt es aber nicht. Auch mutet es etwas seltsam an, das die (eigentlich als eine der wenigen vernünftigen Klingonen beschriebene) erste Offizierin L'emka hier so schnell einlenkt. Erst verschweigt sie die Folter der Gefangenen, dann hilft sie, sie auf die KS zu bringen und am Ende ist sie auch davon überzeugt, das Folter nichts bringt. Laut dem Roman hat sie dies nach Gesprächen mit den Opfern entschieden - schade nur, das man von diesen Gesprächen nichts mitbekommt.

Obwohl die Klingonen teils munter weiter morden, wird das Thema, das Folter zwar unschön, aber effizient ist, nicht weiter verfolgt und allenfalls oberflächlich angekratzt. Hier wurde eindeutig eine Chance vertan, eine moralisches Dilemma im Star Trek-Stil aufzubauen. Vermutlich wird das ganze Thema im letzten Band einfach mit der Beeinflussung durch die negative Strahlung erklärt und ad acta gelegt werden - auch das ist etwas schade.

Als weiteren kleinen Fanservice wurde auch ein aus TNG und DS9 bekannter Charakter eingebaut, den man allerdings getrost auch hätte weglassen können. Zwar kommt am Ende ein kleiner Tipp von ihr, den hätte aber auch ein anderer Stichwortgeber bringen können, richtig viel zur Handlung trägt Lwaxana Troi nicht bei.

Alles in allem bleibt die Geschichte aber immer noch spannend, auch wenn stellenweise ein leichter Abwärtstrend spürbar ist. Die Lust auf Band drei und auf die Auflösung an der Geschichte ist in jedem Fall vorhanden.

Fazit: Trotz einiger Mankos in der B-Note ein immer noch spannender Roman, der erneut durch seine Charakterszenen punkten kann und weniger auf Action setzt.

2. Martin Weinrich

Der erste Band der "Prometheus"-Trilogie, "Feuer gegen Feuer", war ein Versprechen. Die Handlung war flott erzählt, driftete aber etwas ziellos zwischen einer globalen, galaktischen Erzählung und einer kleinteiligen Entführungs- und Actionhandlung. Während dieser Mix nicht ganz stimmig war und vor allem die Besatzung der Prometheus viel zu sehr im Hintergrund stand, bereitete "Feuer gegen Feuer" eine aktuelle und spannende Geschichte vor.

Die Föderation und das klingonische Imperium werden wiederholt von Terroristen angegriffen, die mit einer Nadelstichtaktik beiden Reichen unglaubliche Verluste bescheren. Jedes Mal gibt es ein Bekennervideo der Renao. Dieses Volk glaubt daran, dass allen Wesen bestimmte Spähren in der Galaxis zugeordnet sind und dass die Überschreitung dieser Spähren ein Sakrileg ist. Daher lehnen sie Kontakt zur Außenwelt ab. Mit jedem Terroranschlag steigt der Anteil der Föderationsbewohner wie der Klingonen, die einen Militärschlag gegen die sektiererischen Renao als ein Volk befürworten. Die Prometheus-Besatzung sowie ihr klingonisches Gegenstück, die Besatzung der I.K.S. Borkas, haben somit nur wenig Zeit, um den Terroristen das Handwerk zu legen. Dabei deuten erste Hinweise bereits darauf hin, dass die Renao von irgendetwas oder irgendjemandem beeinflusst werden.

Eine bessere Handlung ist für das 50-jährige Jubiläum der Serie kaum vorstellbar. "Star Trek" hat immer gesellschaftliche Konflikte und Fragen aufgegriffen, auf die Zukunft projiziert und dort in einem mal mehr und mal weniger utopischen Setting behandelt. "Star Trek: Enterprise" hob die Terror-Thematik nach dem 11. September mit dem Xindi-Angriff gleich auf ein extremes Level, in dem um die Verhinderung des Weltuntergangs gekämpft wurde. "Prometheus" macht das geschickter: Weder die Föderation noch das Klingonische Imperium sind in ihrer Existenz bedroht. Stattdessen wird beiden Reichen vor Augen geführt, wie verwundbar sie für heimtückische Attacken aus dem Hinterhalt sind. Diese bittere Lektion müssen viele europäische Länder derzeit in einem bis vor kurzem noch unvorstellbaren Ausmaß lernen. "Prometheus" thematisiert, wie schwierig es ist, auf solche Angriffe zu reagieren. Die Föderation verfolgt den "richtigen" Weg, versucht den Terroristen das Handwerk zu legen. Doch sowohl die Klingonen als auch ein nennenswerter Anteil der Föderationsbevölkerung drängen mehr und mehr auf einen vergeltenden Weg, bei dem die Renao als ein Volk für die Taten verantwortlich gemacht werden. Dies spiegelt auf überzeugende Art die derzeitige gesellschaftliche Debatte über Flüchtlinge wieder, die manche am liebsten für die Taten der Fanatiker, vor denen die meisten Flüchtlinge flohen, verantwortlich machen würden. Und gerade wegen dieser Aktualität, die im utopischen Kontext der Föderation ausgespielt wird, hätten sich Humberg und Perplies kein besseres Thema zum 50. Geburtstag ausdenken können.

Während "Feuer gegen Feuer" dieses Thema etwas ziellos, aber insgesamt überzeugend eingeführt hat, misslingt die Umsetzung in "Der Ursprung allen Zorns" an vielen Fronten. Der Roman wird einzig durch den gefälligen Schreibstil der beiden Autoren gerettet, der den Leser mit simplen, dafür aber eingängigen und gut lesbaren Beschreibungen von Ort zu Ort mitnimmt und den Erzählfluss konstant am Laufen hält. Die meisten anderen Aspekte können nicht überzeugen.

Zunächst fehlt dem Roman schlicht die Handlung. Dass die Renao von einer externen Quelle beeinflusst werden, deutete sich bereits im Vorgänger an. "Der Ursprung allen Zorns" produziert letztlich lediglich den Beweis dafür. Mehr Erkenntnisse liefert der Roman in der Haupthandlung nicht. Stattdessen präsentiert er vor allem Wiederholungen des Vorgängers und eine nicht enden wollende Anzahl an Nebenhandlungen. Dadurch wird das Prinzip eines zweiten Brückenromans innerhalb einer Trilogie auf die Spitze getrieben. Der Beweis, dass die Renao durch den Einfluss einer Strahlung aggressiv handeln und dass die Sternenflotte in diese Entwicklung involviert ist, hätte die einzige Überraschung des Romans sein können. Leider wurde die Beteiligung der Sternenflotte bereits im ersten Teil angedeutet und ist damit sobald sie Erwähnung findet vorhersehbar, obwohl die Charaktere einen Großteil des Romans darüber disktuieren.

Zweitens wiederholt sich der Roman auch bei neuen Elementen. Mehrere Male wird die selbe Situation geschildert: der in der Sternenflotte dienende Renao ak Namur wird in der Bar der Prometheus verbal angegriffen. Der wachsende Fremdenhass auf der Erde wird in derseblen simplen Art (ebenfalls in der Regel in Bars) dargestellt. Genau so oft muss man die immer selben klingonischen Geplänkel lesen, die wenig zur Handlung beitragen und dabei genau so wenig Neues zur Charakterisierung der Klingonen beitragen. Durch diese ständigen Wiederholungen hat man das Gefühl, einen Füllroman zu lesen. Selbst wenn man sich vor Enthüllungen in der Haupthandlung drücken möchte, hätte es viel mehr Situationen geben können, an denen man z.B. den wachsenden Fremdenhass illustrieren könnte.

Drittens – und das ist vielleicht der ärgerlichste Punkt – ist die Thematisierung des wachsenden Fremdenhasses in der Föderation unglaublich ärgerlich. Auf der Prometheus agieren alle Besatzungsmitglieder aufgrund einer Strahlung etwas aggressiver. Aber die Führungscrew hat sich gänzlich im Griff. Die verbalen Angriffe gehen ausschließlich auf "einfache" Besatzungsmitglieder zurück, die keine leitende Funktion haben. Genau so ist die Situation auf der Erde: Die Regierung, die Sternenflottenadmiralität arbeitet daran Völkerverständigung voranzutreiben, während die vermeintliche "einfache" Bevölkerung in den Bars glaubt, mal "ihre" Meinung sagen zu müssen. Dies impliziert, dass grausame Ansichten, wie die Zustimmung zur Sippenhaft, je stärker vertreten sind, je tiefer man sich in gesellschaftlichen Hierarchien nach unten bewegt. Dieser paternalistische Blick auf kritische Stimmen ist genau das Problem, das unter anderem in Deutschland den Aufstieg rechtspopulistischer und -extremer Kräfte befeuert. Die Darstellung derjenigen, die sich von den Idealen der Föderation im Angesicht des Terrors fortbewegen ist damit platt und ignorant. Hier wäre es ratsamer gewesen, die Föderationsbevölkerung nicht zu betrachten und sich auf die Prometheus-Besatzung zu konzentrieren oder aber zumindest ein paar hochrangige Charaktere auf die Seite der Populisten zu setzen (wie sich ja auch in unserer Realität die Führungsriegen vieler rechtspopulistischen Bewegungen aus gesellschaftlichen Eliten rekrutieren) und sich mit ihrer Motivation auseinanderzusetzen. Die hier die Elite dort der Pöbel-Analogie greift in diesem Fall viel zu kurz.

Viertens hätte es dem Roman tatsächlich gut getan, den Fokus ganz auf die Prometheus-Besatzung zu legen. Die Außeneinsätze der Offiziere Kirk und ak Namur gehören zu den besten und spannendsten Momenten des Romans. Stattdessen konzentrieren sich die Autoren auf eine Nebenhandlung auf der Erde, in der Lwaxana Troi versucht, die Werte der Föderation zu retten. Das ist nett, für die Handlung aber weitestgehend belanglos. Mit einem stärkeren Schwerpunkt auf die Prometheus-Besatzung hätte man Stück für Stück Identitätsfiguren schaffen können, die die Handlung auch in weniger spannenden Momenten tragen.

Fünftens ist die Darstellung der Klingonen weiterhin ambivalent. An vielen Stellen werden sie wie primitive und etwas dämliche Schlächter dargestellt. Dabei haben alle "Star Trek"-Serien gezeigt, dass die Klingonen zwar agressiv, aber nicht dämlich sind. Und auch der einfältigste klingonische Offizier sollte sich darüber bewusst sein, dass es nach der Nachricht, dass die Renao über eine ganze Terrorarmada verfügen wenig Sinn macht, ein paar Zivilisten abzuknallen. Im Gegenteil: der Fokus sollte auch für Klingonen darauf liegen, die sich sicherlich nicht auf einem Planeten befindende Armada ausfindig zu machen. Selbst wenn man der Unterstellung, bei Kromm handelt es sich um einen besonders schlechten Kommandanten, folgt, erklärt dies nicht, warum ein Großteil des klingonischen Hohen Rates so verblendet handelt. Überzeugend sind wiederum die Darstellung einiger klingonischer Offiziere, wie zum Beispiel der ersten Offizierin L’emka, die zwischen Loyalität zum Imperium und der Notwendigkeit, die Terroristen zu finden, hin- und hergerissen ist. Immerhin wird auch das unglückliche Folter-Thema aus dem vorherigen Band abgehandelt. Absurd ist hier jedoch, wie ruhig ak Namur dabei bleibt – immerhin handelt es sich bei den Opfern um einstige enge Freunde und wie gelassen ein Großteil der Prometheus-Besatzung den Vorfall hinnimmt.

Zuletzt leidet die Spannung unter all diesen Schwächen. Die Handlung kommt kaum voran und anstatt sich auf die Protagonisten an Bord der Prometheus und der Borkas zu konzentrieren, springt die Handlung vor allem zu Nebenhandlungen. Die größte Spannungsquelle ist die Enthüllung, dass die Renao über eine Armada an Kampfschiffen verfügen. Aber anstatt die Handlung im Anschluss gänzlich auf die Suche nach diesen Schiffen zu fokussieren, schweifen die Autoren weiterhin zu Konflikten zwischen Klingonen und Menschen ab. Diese wiederholen sich ständig und tragen wenig zur Spannung bei.

Insgesamt nutzt "Der Ursprung allen Zorns" das große Potenzial seiner Handlung und der Vorarbeit des Vorgängers nicht. Neben einer oberflächlichen Behandlung des Grundthemas liegt das vor allem daran, dass der Roman seine Charaktere kaum weiterentwickelt bzw. in komplizierte Situationen bringt und stattdessen ähnliche Motive mehrfach wiederholt. Nur ein starker Fokus auf die bisher unterbelichtete Crew der Prometheus im dritten Band könnte den Wunsch wecken, in Zukunft weiteren Abenteuern dieser Besatzung zu folgen.

Fazit: "Der Ursprung allen Zorns" hat sich bereits 2 Punkte mit der aktuellen und pfiffigen, Terrorismus und Fremdenfeindlichkeit thematisierenden Grundhandlung, die hier etwas ausgebaut wird, verdient. Leider gelingt eine überzeugende Umsetzung dieser Handlung aufgrund einer fehlenden Handlungsfokussierung und einer teilweise oberflächlichen und manchmal ärgerlichen Entwicklung des eigentlich spannenden Themas nur sehr selten. Daher hinterlässt der Roman trotz viel Potenzials nur einen sehr durchschnittlichen Eindruck.

Bewertung

1. Thomas Götz
2. Martin Weinrich

Weitere Infos


Titel "Prometheus 2 - Der Ursprung allen Zorns"

Buchreihe Post-'Nemesis'

Autor Bernd Perplies, Christian Humberg

Preis 15 .- Euro

Umfang 479 Seiten

Verlag CrossCult

ISBN 978-3-86425-852-7

(tg, wc - 27.09.16)


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