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Julian Wangler (jw), Martin Weinrich (wc), Thomas Götz (tg)23.12.10

"Nullsummenspiel"

David Mack

Vorbemerkung

"Nullsummenspiel" spielt im August 2382, also mehr als fünf Jahre nach "Der Seelenschlüssel". Es ist der erste Band der "Typhon Pact"-Reihe, die sich mit einem neu gefügten antagonistischen Machtblock auseinandersetzt. Viel stärker als durch den DS9-Relaunch sind diese Bücher durch die zurückliegenden Ereignisse der "Destiny"-Trilogie aus dem Jahr 2381 geprägt. In diesem Sinne ist DS9 auch nicht mehr der zentrale Handlungsort; viele Protagonisten haben mittlerweile die Bühne der Station verlassen, und es werden nur noch vereinzelte Figuren aufgegriffen. In "Nullsummenspiel" stehen unter anderem Julian Bashir und Ezri Dax im Vordergrund.

Inhalt

In der dramatischen "Destiny"-Trilogie sahen wir nicht nur das Ende des Borg-Kollektivs; wir sahen auch, wie die Föderation und der Alpha-Quadrant der Apokalypse ins Antlitz blickten. In ihren verzweifelten Bemühungen, der sicheren Vernichtung durch die kybernetischen Invasoren zu entrinnen, schmiedete die Planetenallianz unter Präsidentin Nanietta Bacco in Rekordtempo ein Waffenbündnis mit nahezu allen wichtigen Mächten im Alpha- und Beta-Quadranten, doch beging sie dabei den einen oder anderen symbolischen Fehler. Wenige Monate später waren die Borg zwar vernichtet, doch in "Einzelschicksale" fand der Historiker und Politikberater Sonek Pran heraus, dass die Ära nach den Borg die Zeit einer neuen Bedrohung ist: jene des Typhon-Paktes.

Getragen von alten Revanchegedanken, neu entbrannter Paranoia und einer gehörigen Portion historischem Zufall, fanden im Nachklang der großen Borg-Invasion sechs Mächte zu einer politmilitärischen Union zusammen, welche die galaktische Sternenkarte revolutionierte. Romulaner, Breen, Tholianer, Gorn, Tzenkethi und Kinshaya - alle vereint in einer Art Anti-Föderation, die den interstellaren Völkerbund und seine klingonischen Alliierten nun mit ihren Territorien umzingelt und sämtliche diplomatischen Beziehungen auf Eis legte.

Im ersten Jahr nach der aufrüttelnden Konstituierung des Typhon-Paktes keimte bei den politischen Spitzen der Föderation die leise Hoffnung, die Lage würde vielleicht doch nicht so schrecklich werden wie sie auf den ersten Blick anmutete. Doch als im April 2382 die Konstruktionsunterlagen des Slipstream-Antriebs aus den Utopia-Planitia-Flottenwerften gestohlen werden, fällt es Bacco und ihren politischen Weggefährten wie Schuppen von den Augen: Die Föderation steckt mitten in einem kalten Krieg, der in absehbarer Zeit ein heißer werden könnte.

Ermittlungen und Rückverfolgungen durch den Geheimdienst der Sternenflotte in den kommenden Monaten ergeben, dass die Breen-Konföderation hinter dem Spionageeinsatz im Sol-System steckte. Und mehr noch: Offenbar basteln die Breen auf einer ihrer Welten in hoher Geschwindigkeit an einem eigenen Slipstream-Prototypen, den sie nach der Fertigstellung wahrscheinlich mit ihren Paktpartnern teilen werden, nachdem Vergleichbares bereits mit der romulanischen Tarnvorrichtung und der gegenseitigen Perfektionierung von Waffen- und Verteidigungssystemen geschah.

Bacco wendet sich auf Empfehlung ihrer SIA-Berater an Commander Julian Bashir, der als so ziemlich letzter der alten DS9-Recken auf der Station weilt und seine Rolle in diesem neuen Zeitalter noch nicht gefunden hat. Obwohl sie bereits mehrere Jahre zurückliegt, hängt ihm die Trennung von Ezri Dax in "Unvereinigt" immer noch nach. Da wird er plötzlich von Captain Ro Laren, der - oh Wunder! - neuen Kommandantin von DS9 auf die Ops gerufen, ehe die Bajoranerin ihm von seiner Rekrutierung durch den Geheimdienst erzählt: Für Bashir soll es undercover nach Salavat gehen, einer bis an die Zähne bewaffneten Breen-Kolonie, in der die halbfertige Slipstream-Apparatur vermutet wird. Es ist dringend geboten, diesen Prototypen unschädlich zu machen, um den Gegnern der Föderation einen zentralen technologischen Fortschritt zu verbauen.

Trotz Bashirs anfänglicher Hemmungen, den Einsatz durchzuführen, verleitet ihn das Auftauchen von Sarina Douglas zum Einlenken. Die wie er genetisch erweiterte Frau, der er im Laufe der Serie half, zu sich selbst zu finden (Episode "Sarina"), ist nach den Jahren, in denen sie sich nicht mehr gesehen haben (und sie offenbar eine Agentin des SIA wurde), wie ausgewechselt und zieht Bashir sofort in ihren Bann. Zusammen mit Sarina erklärt er sich schließlich bereit, als Spion nach Salavat zu reisen. Dabei erhält niemand anderes als seine Ex, Captain Ezri Dax, den Befehl, beide an Bord ihres Schiffes ins Breen-Territorium einzuschleusen.

Undercover im Reich der Breen angelangt, beginnt für Bashir und Sarina nicht nur ein Wettlauf gegen die Zeit. Während der riskanten Mission erkennt der Mediziner für sich, dass er endlich die Liebe seines Lebens gefunden hat - und lässt sich (erneut) auf eine Romanze mit Sarina ein, deren Ausgang er unmöglich kennen kann. Über die ominösen Breen geraten im Zuge der Mission indes einige unerwartete Fakten an Tageslicht, die das bisherige Bild von diesem Volk kurzerhand über den Haufen werfen. Und Ezri Dax an Bord der Aventine muss alles daran setzen, Bashir und Sarina bei ihrer Rückkehr in Empfang zu nehmen. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Breenflotte, die Dax tunlichst nicht provozieren darf, auf dass der nächste Schritt tatsächlich in einem neuen, quadrantenübergreifenden Krieg besteht ...

Kritik

1. Julian Wangler

Diese und die folgende Rezension entstanden auf Grundlage der amerikanischen Originalausgabe "Zero Sum Game".

Teil 1 des "Typhon Pact"-Crossovers zeigt die Crew der U.S.S. Aventine und erforscht die Kultur und Gesellschaft der Breen.
Nach der Formierung eines neuen, mächtigen Feindes der Föderation stand es irgendwie zu erwarten, dass der Typhon-Pakt früher oder später Gegenstand von Romanabenteuern sein würde. Weil ich mich nicht ständig wiederholen möchte, gehe ich an dieser Stelle nicht weiter auf die Problematik ein, dass die Föderation seit dem Hochkommen des TNG-Relaunch wohl etwas zu sehr in Existenzkämpfe verwickelt wurde, die das "Star Trek"-Universum zuweilen eher wie ein "Star Wars" 2.0 anmuten lassen.

Lässt man aber die Vergangenheit ein wenig ruhen, läuft sich mit dem Typhon-Pakt in der Tat ein Gegner warm, der statt offenen Konflikten nicht nur einer aus meiner Sicht interessanteren Geheimdienst- und Spionagethematik Tür und Tor öffnet. Auch enthält diese neue Allianz eine Reihe alter Bekannter, über die seit ihrem erstmaligen Erscheinen nie wirklich viel eruiert wurde. Man denke an die Gorn oder die Tholianer in TOS oder auch an die eher im DS9-Kontext behandelten Breen und Tzenkethi. Der Anspruch der "Typhon Pact"-Bände ist demnach gleich ein doppelter: Spannende Geschichten in der Post-"Destiny"-Ära zu erzählen und gleichzeitig manch antagonistische Kultur zu beleuchten. Dies könnte auch die Erkenntnis mit sich bringen, an welcher Stelle zwischen den Paktverbündeten die größten Widersprüche existieren. In "Zero Sum Game" soll es, wie der Leser bei flüchtigem Blick auf den Klappentext ahnt, um die Breen gehen.

"Destiny", Typhon-Pakt, Breen ... Da ist viel passiert. Wie aber passt die Raumstation Deep Space Nine noch in all das hinein? Mehr schlecht als recht, wie es scheint. Aus gutem Grund macht sich Pocket Books gar nicht mehr die Mühe, den Roman mit "Deep Space Nine" zu überschreiben. Stattdessen wird mit Bashir der Letzte der alten Bande abberufen und auf ein eigenes Abenteuer geschickt. Dieses gestaltet sich dann im besten Sinne eines David-Mack-Romans: actionlastig, kurzweilig und voller Nervenkitzel. Handwerklich-stilistisch gibt es nichts zu beanstanden. Obendrein gibt der Bestsellerautor sich alle Mühe, die Breen auf Basis der wenigen Kanon-Fakten zu einer wirklich ungewöhnlichen Spezies auszubauen - was in Anbetracht der Alienflut in "Star Trek" mittlerweile eine Kunst für sich geworden ist.

Dass das eigentliche Ende von "Zero Sum Game" dabei ziemlich vorhersehbar ist, fällt kaum ins Gewicht, denn die Geschichte besitzt alles, um gut zu funktionieren: eine Beschränkung auf wenige zentrale Figuren, was der gekonnten Charakterzeichnung Macks - durchaus im Gegensatz zur zuweilen etwas überhasteten "Vanguard"-Saga - gebührend Platz einräumt, einen reizvollen Gegner, viele brenzlige Situationen und eine wirklich genial aufgegriffene Liebesgeschichte. Der Schachzug, Bashir und Sarina wieder ein Paar werden zu lassen, erscheint in rückwärtiger Perspektive gegenüber der eher gezwungenen Romanze mit Ezri (frei nach dem Jetzt-darf-der-Bashir-auch-endlich-mal-Motto) durch und durch folgerichtig und passt umso besser zu den inneren Konflikten, die Bashir im Rahmen des DS9-Relaunch mit seiner genetisch erweiterten Identität mehr als einmal ausfechten musste. Hier reiht sich der Konflikt zwischen Bashir und Dax, nachdem letztere von seiner Affäre Wind bekommt, wunderbar ein, unterlegt er doch nicht bloß die gewachsene Freundschaft mit der (mittlerweile schwer emanzipierten) Trill, als vielmehr die Folgenschwere seines Bekenntnisses zu Sarina.

Persönlich sehe ich es allerdings eher als ernüchternde Wendung an, dass zu guter Letzt Sarina von Sektion 31 ferngesteuert wird und Bashir damit wieder einmal das Objekt der Begierde ein- und derselben Organisation ist, die einfach nicht die Finger von ihm lassen will. Funktionierte die Sektion-31-Story "Der Abgrund" innerhalb des DS9-Relaunch ganz wunderbar, wäre es diesmal fraglos schöner gewesen, hätte man die Geheimorganisation aus dem Spiel gelassen. Wenn schon die Borg aus dem Universum verschwinden, kann man doch erwarten, dass wenigstens die Nachfolger von Sloan mal endlich in ein anderes Horn blasen.

Und damit hätten wir bereits das Stichwort genannt, das hier einzig für Bauchschmerzen sorgt: DS9 kommt - trotz der Verwendung zentraler Serienprotagonisten - in der Post-"Destiny"-Ära nicht mehr als eigenständige Größe vor. Gründe hierfür gibt es reichlich: Zum einen ist seit der abgebrochenen neunten Staffel einfach viel zu viel Zeit übersprungen worden, zum anderen befindet sich scheinbar kaum mehr jemand auf der Station, der sie noch interessant machen könnte (bei Ro frage ich mich wirklich, wie sie es zum Captain geschafft haben will). Darüber hinaus - und das ist wohl am gewichtigsten - sind die eher filigranen und speziellen DS9-Themen unter all den Borg und Caeliar und politmilitärischen Ränkespielen begraben worden. Zumal immer dann, wenn das Raumschiff Aventine auftaucht, scheint sich diese Befürchtung zu bewahrheiten.

Keine Chance mehr also für DS9-Flair im neuen Zeitalter (gegen das die dritte "Star Trek"-Serie noch eine Ode an Optimismus und Naivität war) - selbst, wenn im dritten "Typhon Pact"-Band "Rough Beasts of Empire" sogar Benjamin Sisko wieder ins Gelände geschickt wird. Die DS9-Figuren stehen nun für sich und sind eingebettet in vollkommen andere globale Abläufe. Damit hat Pocket Books mehr denn je eine Verschmelzung der Serien über das klassische Crossover-Prinzip hinaus erreicht, gleichzeitig aber einen neuen Einheitsbrei kreiert, der dem Leser nun vorgesetzt wird.

Fazit: Wenn man an "Zero Sum Game" im Speziellen und der "Typhon Pact"-Reihe im Allgemeinen also etwas aussetzen möchte, dann an der Entkernung der einst so stolzen und etwas eigenwilligen Marke DS9-Relaunch - übrigens nicht das erste prominente Opfer des "Destiny"-Erdbebens, das auch der Fortsetzung von "Voyager" einen gehörigen Schlag verpasst hat.

Trotz einer wirklich spannenden und gut geschriebenen Geschichte à la Mack: Nie war ich ein größerer Gegner von Crossovern als heute. Aber die Zeit lässt sich nicht mehr zurückdrehen, und so steht zu erwarten, dass DS9 kaum noch eine genuine Rolle im "Star Trek"-Universum spielen wird. Wahrscheinlich treten wir in eine Phase ein, in der die "Star Trek"-Romane sich komplett von ihren Vorlagen lösen werden. Wenigstens einen Fan werden sie damit aber verlieren.

2. Martin Weinrich

"Zero Sum Game" ist ein Spionage-Roman. Leider basiert er dabei aber auch auf einer Grundlage, die mich schon beim "Enterprise"-Relaunch gestört hat. Damals ließen die Autoren Trip in "Was Menschen Gutes tun" zum Spion werden. Das konnte eigentlich nicht funktionieren, da Trip überhaupt keine Erfahrung geschweige denn eine Ausbildung aufweisen konnte. Daher war der "Enterprise"-Relaunch auch immer eine Ansammlung von Fehlentscheidungen und Pannen Trips, der durch seine "Spionage"-Missionen stolperte.

Die Frage nach der Eignung stellt sich aber auch bei Doktor Bashir. Gut, Bashir ist genetisch modifiziert, aber das macht ihn trotzdem nicht zu einem guten Spion. Dass die Sternenflotte aus all ihren fähigen Mitgliedern gerade Bashir auswählt, wirkt zunächst nicht überzeugend. Hinzu kommt noch, dass man über die Breen kaum etwas weiß. Die Mission wirkt von vornherein zum Scheitern verurteilt.

David Mack gibt sich aber große Mühe, den Spionage-Einsatz plausibel erscheinen zu lassen. Er räumt der Erklärung der Breen-Gesellschaft viel Platz in dem Roman ein und erschafft somit ein lebendiges Bild der Breen-Kultur. Außerdem lässt er Bashir an vielen Stellen unsicher agieren. Dadurch, dass er ihm eine erfahrenere Begleiterin zur Seite stellt, kommt das noch stärker zur Geltung. Das unterstreicht aber auch, dass Bashir eigentlich nicht der geeignetste Kandidat für die Mission ist.

Sarina Douglas sorgt erst zum Schluss für eine plausible Erklärung. Bashir ist auf Deep Space Nine mittlerweile recht einsam. Er war früher in Douglas verliebt und folgt ihr daher gerne in das Breen-Territorium. Dort beginnen die beiden eine Beziehung. Zum Schluss wird enthüllt, dass Douglas für Sektion 31 arbeitet und Bashir durch ihre Beziehung zu ihm näher zu der Sektion bringen soll.

Es ist lobenswert, dass man endlich wieder einmal auf die Sektion eingeht. In "Der Abgrund" wurde schließlich von einem geheimen Kampf gegen Sektion 31 geredet. Damals wurde Commander Vaughn als Frontkämpfer gegen Sektion 31 gehandelt. Vaughn liegt in diesem Roman im Sterben, insofern ist es nur naheliegend, dass Sektion 31 nun wieder in Aktion tritt. Der Plan könnte tatsächlich gelingen. Denn Bashir musste im Breen-Gebiet einige Taten durchführen, die er vor sich nicht wirklich rechtfertigen kann. Doch jetzt ist er natürlich dabei, sich die Taten schönzureden.

Leider liegt mit Vaughn auch der eigenständige "Deep Space Nine"-Relaunch im Sterben. Was ist mit Vaughn passiert? Warum ist Ro der befehlshabende Offizier auf Deep Space Nine? Was ist mit den anderen Charakteren aus dem Relaunch? Sicherlich waren die letzten Bände der angefangenen neunten Staffel enttäuschend, und die Aussicht, dass der "Deep Space Nine"-Relaunch so eine Tour de Force wie der "Voyager"-Relaunch mit "Full Circle" durchgehen musste, war auch nicht angenehm. Aber jetzt einfach so einen Zeitsprung zu machen, ohne irgendetwas zu erklären, ist doch sehr enttäuschend.

Allerdings läuft der Roman ja auch gar nicht unter dem Label "Deep Space Nine", sondern unter dem Namen "Typhon Pact". Und in dieser Hinsicht macht er seine Sache sehr gut. Er schildert die Situation zwischen dem Typhon-Pakt und der Föderation als kalten Krieg, der an einigen Stellen wirklich sehr stark an den Kalten Krieg im 20. Jahrhundert erinnert. Dennoch wirken die meisten Aktionen glaubwürdig, und es ist auch gut, dass Mack die politischen Handlungsträger immer mal wieder in den Roman mit einbindet. Die Szenen, in denen die Breen vorkommen, zeigen aber auch, dass der Typhon-Pakt kein Bündnis ist, das auf Vertrauen basiert. Jede Macht ist um ihren eigenen Vorteil bedacht. Das könnte die größte Schwachstelle des Paktes sein und eventuell zu einer Auflösung beitragen.

Nachdem man in "Destiny" Ezri Dax als Captain vorgesetzt bekommen hat, erlebt man sie nun längere Zeit im Kommandosessel der Aventine. Dabei wirkt sie sehr unbeschwert und etwas hinterlistig. Die meisten Entscheidungen trifft sie allein und informiert ihren Ersten Offizier nicht über den gesamten Plan. Das sorgt zwar auch beim Leser für Überraschungen, aber den Ersten Offizier müsste das eigentlich zur Weißglut treiben. Nichtsdestotrotz ist ihre Leistungsbilanz sehr gut, denn es gelingt ihr, Bashir und Douglas ins Breen-Territorium zu schleusen und sie später auch wieder herauszuholen.

Gerade die Spionage-Mission Bashirs und Douglas' wird sehr knapp und kurzweilig beschrieben. Mack konzentriert sich zwar zunächst auf Darstellungen der Breen-Gesellschaft, doch nachdem er damit fertig ist, erhöht er das Tempo deutlich und konzentriert sich fast ausschließlich auf die Action. Das sorgt dafür, dass der Roman einen sehr kurzweiligen Eindruck hinterlässt.

Fazit: "Zero Sum Game" ist kein "Deep Space Nine"-Roman. Die Station kommt kaum vor, der Roman leiht sich lediglich Bashir aus. Warum das passiert, wird erst am Ende klar, aber immerhin wird es klar. Die Spionage-Mission ist kurzweilig, aber nichts Besonderes. Dafür sind die Einblicke in die Breen-Kultur sehr gelungen, Bashirs Gewissensbisse ebenfalls, und der Roman führt gut in den kalten Krieg zwischen Typhon-Pakt und Föderation ein.

Insgesamt hinterlässt "Zero Sum Game" nach der Lektüre einen sehr guten Eindruck. Erst wenn man darüber nachdenkt, was die Grundvoraussetzungen für den Roman sind, wie er den "Deep Space Nine"-Relaunch entkernt und wieder eine eigentlich zum Scheitern verurteilte Spionage-Mission durch Glück zum Gelingen bringt, ärgert man sich. Doch auch danach hat der Roman noch ein "Gut" verdient.

3.Thomas Götz

Die folgende Rezension bezieht sich auf die deutsche Ausgabe des Cross CultVerlages.

Nach der großen, die Föderation erschütternden, "Destiny"-Trilogie kommt nun die nächste große Buchreihe in Form des Typhon-Paktes auch endlich nach Deutschland. Diese wird nicht minder einschneidend sein und beschäftigt sich mit den Völkern dieses Gegenpaktes zur UFP, wobei jedes Volk ein eigenes Buch bekommt. Wer wäre besser geeignet, eine neue Reihe einzuleiten, als David Mack? Das dachte man sich wohl auch beim Verlag, denn wie schon bei "Vanguard" und "Destiny" hat man es Mack erneut überlassen, für den Auftakt einer Reihe zu schreiben. Waren die ersten beiden "Destiny"-Bände noch eher ruhiger Natur, so ist auch beim "Typhon Pact" der Start eher gediegen.

Angefangen wird im vorliegenden Band mit den Breen und man erhält interessante Einblicke in ihre Kultur - allerdings sei vorweg gesagt, dass dies wohl nicht jedem gefallen wird (es sollen an dieser Stelle mal keine Details verraten werden).

Ein paar weitere Kleinigkeiten werden einigen vermutlich auch nicht gefallen. So handelt das Buch hauptsächlich von Doktor Bashir (und Ezri), die ja auch auf dem schönen neuen deutschen Cover abgebildet sind. Warum allerdings ausgerechnet Bashir wieder rekrutiert werden muss, wird dann in aller Deutlichkeit erst auf der letzten Romanseite bewusst (und schlägt hier einen schönen Bogen, der Lust auf mehr macht). Natürlich war zum Erscheinen des Buches (November 2010) der neue "Star Trek"-Film "Into Darkness" weit weg - sonst hätte wohl jeder Fan verstanden, warum man einen genetischen Supermenschen auf diese Mission schickt. Gut, an Khans Aktionen im neuen Film kommt Bashir nicht ran, dennoch leistet auch er schier Unglaubliches.

Da ist es fast schon schade, dass die Rolle von Dax etwas klein geraten ist und eher nebenher abgehandelt wird. Sicher, sie darf ein paar Winkelzüge der Politik zeigen, so richtig spannend wie etwa der Spionageteil von Bashir wird es auf der Aventine aber nicht. Immerhin schafft es Mack, der ja eher für Bücher mit großem Agenten- und Spionageanteil bekannt ist (siehe "Kriegspfad") hier, die politischen Debatten fast interessanter als die Haupthandlung werden zu lassen.

Denn große Action wie noch in "Kriegspfad" gibt es hier nicht. Gut, es kracht zwar ab und an, der Großteil des Buches beschränkt sich aber eindeutig auf die Erforschung der Breen-Kultur. Wie bereits erwähnt ist das etwas, so Trek-konform es sein mag, das vielleicht nicht jedem gefällt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Charakterszenen auch nicht so wirklich zünden mögen. Ja, Bashir findet eine neue Freundin (und es wurde ja auch Zeit), und er darf sich fragen, ob Mord ethisch gerechtfertigt ist - den Eindruck, dass ihm dies aber große Probleme bereitet, hat man leider nicht. Auch Sarina als seine Begleitung ist eher semioptimal. Sicher, für Bashir ist sie auf persönlicher Ebene gut, für den Leser, der so gar nichts von der Frau, die plötzlich zum mordenden Vamp wird, weiß, ist es allerdings schwer, mit ihr warm zu werden. Immerhin trat sie nur in zwei Folgen auf ...

Ansonsten wandelt die Agentenstory auf bekannten Pfaden, allzu große Höhepunkte sollte man also nicht erwarten - aber die will dieser Roman auch gar nicht präsentieren. Als Schmankerl für die Fans wird auch kurz noch einmal auf das Ende des DS9-Relaunches eingegangen und erklärt, dass Taran'atar weiter verschollen bleibt. Auch Vaughn liegt seit "Destiny" im Koma - seit immerhin einem Jahr. Richtig gehört, der Roman springt ein Jahr in die Zukunft, denn eigentlich war man mit "Destiny" und den Folgeromanen, die den Pakt aufdeckten, im August 2381 stehen geblieben. Nun springt man ein Jahr vorwärts in den August 2382. Das macht vielleicht Sinn, um die UFP wieder aufzubauen, allerdings klafft nun bei einigen Charakteren ein weiteres größeres Loch - seit dem "Deep Space Nine"-Relaunch satte fünf Jahre. Bei dem Tempo besteht aber auch die Gefahr, dass einem schnell die Zeitleiste für Handlungen ausgeht: Die aktuelle "Star Trek"-Timeline des Prime-Universums endet ja 2387 mit der Zerstörung von Romulus (für die Puristen: exakt am 19.Juni 2387). Hier muss man abwarten, was die Zukunft (bzw. weitere Romane) bringt.

Was am Ende bleibt, ist ein zwar faszinierendes Bild von einer ebenso faszinierenden Rasse sowie kleinere Charakterweiterentwicklungen von Bashir, im Großen und Ganzen gibt es aber nichts, was die Große Storyline der UFP oder des Paktes vorantreiben würde.

Fazit: Ein durchaus faszinierender Auftakt zur "Typhon Pact"-Reihe, der aber was die Hauptstory angeht, eher etwas mau ist. Nichtsdestotrotz ist er gut zu lesen, aufgrund der etwas ruhigeren Töne ist er aber sicher nichts für jedermann.

"Nullsummenspiel" ist unter anderem bei Amazon.de als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.

Bewertung

1. Julian Wangler
2. Martin Weinrich
3. Thomas Götz

Weitere Infos


Titel "Typhon Pact 1 - Nullsummenspiel"

Originaltitel "Typhon Pact: Zero Sum Game"

Buchreihe Post-'Nemesis'

Autor David Mack

Übersetzer Kerstin Fricke

Preis 12,80 Euro

Umfang 375 Seiten

Verlag Cross Cult

ISBN 978-3-86425-280-8

(jw, wc, tg - 05.07.13)


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