StartLiteraturFantasy-BücherRezension: "Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen"

Rezension: “Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen”

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Ein etwas ungewöhnlicher Titel für ein etwas anderes Buch – bei uns in der Review.

Inhalt (Klappentext):

Die Stadt steht kurz davor, belagert zu werden. Es gibt nichts mehr zu essen und auch Waffen sind Mangelware. Darüber hinaus hat der Feind geschworen, jeden einzelnen Einwohner abzuschlachten. Die Stadt braucht also ein Wunder, doch sie hat nur Orhan. Als Ingenieur hat Oberst Orhan mehr Erfahrung im Brückenbau als in der Kriegsführung. Außerdem ist er ein Betrüger und Lügner und hat ein ernsthaftes Problem mit Autorität. Mit anderen Worten: Er ist wie geschaffen für den Job! Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen ist, die Geschichte von Orhan, dem Sohn von Siyyah Doctus Felix Praeclarissimus, über die Große Belagerung. Niedergeschrieben allein zu dem Zweck, dass die Taten und Leiden großer Männer niemals vergessen werden.

Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen (Panini)
Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen

Kritik

“Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen” ist anders. Das kann man schon anhand des Titels sehen und wenn man weiß, dass es sich bei Autor K.J. Parker um ein Pseudonym von Tom Holt handelt, dann ahnen Kenner schon, das sie es mit einem eher lustigen Roman zu tun bekommen. Und nein, wer jetzt einfach eine Aufstellung von 16 Punkten erwartet, der wird etwas enttäuscht sein (auch, weil der Roman dann nach 16 Seiten vorbei wäre).

Besagte 16 Punkte werden nämlich nur kurz angesprochen, wenn es darum geht, das 15 Wege, eine Stadt zu verteidigen, falsch sind und es eben 16 gibt. So in etwa kann man sich den Humor des Bandes vorstellen, der sich von der ersten bis zur letzten Seite zieht. Wie es bei Humor halt nunmal so ist, gibt es Szenen, die zünden sofort und andere, die leider überhaupt nicht so gut funktionieren. Insgesamt hält man sich in diesem Buch in etwa die Waage, wobei ich persönlich die meiste Zeit über eher etwas weniger lustiges fand.

Doch worum geht es? Nun, der Held der Geschichte, Orhan, ist eigentlich Ingenieur, stolpert aber in eine Stadt – zufällig die Hauptstadt – die kurz darauf belagert wird. Die die Adeligen reißaus nehmen und selbst der Kaiser todkrank ist, hat er zufälligerweise kurz darauf die bemerkenswerte Position des Anführers inne. Und so muss er die Stadt verteidigen – oder mit ihr untergehen.

Die Geschichte wird aus der Sicht unseres Helden in Ich-Form präsentiert. Dadurch erhält man auf der einen Seite schöne Einblicke in dessen Gedankenwelt, auf der anderen Seite gibt er aber auch unverhohlen zu, das er hier eine Geschichte erzählt und sich selbst gut dastehen lässt. Eine Fiktion in der Fiktion sozusagen. Nach einer gewissen Zeit, die man einfach braucht, um mit dem Helden warm zu werden, kann man aber gut mit allen Entscheidungen, die hier getroffen werden mitfühlen. Etwa wenn Orhan über die Toten unter seinem Kommando nachgrübelt, dann aber feststellt, das er dafür keine Zeit hat, denn er hat eine Stadt zu verteidigen.

Solche Szenen, in denen alltägliche Ereignisse aus Fantasy-Romanen aufs Ballhorn genommen werden, findet man öfter und sie sind mitunter eines der Highlights der Geschichte. Darüberhinaus gibt es aber noch die üblichen Intrigen und natürlich auch Feindschaften zwischen Händlern, Untergrundorganisationen und allem drum und dran, was sich in einer Stadt so tummelt. Auch hier gibt es schöne Dynamiken zwischen den Charakteren, die im Gedächtnis bleiben und sehr gut ausgearbeitet sind.

Sehr gut ist auch, das man auch der Gegenseite genug Raum einräumt und dessen Beweggründe erklärt. Der Angreifer ist nämlich kein Geringerer als Orhans alter Jugendfreund, der eine Revolution angezettelt hat und nun das alte Reich stürzen will. Die beiden treffen sich mehr als einmal zum Tee trinken zwischen den Gefechten und da sich beide kennen, verleiht es der Auseinandersetzung eine gewisse Würze und Tiefe. Auch das sieht man nicht alle Tage.

Fazit

Unterm Strich bleibt ein guter Roman zurück, der sicher den ein oder anderen Blick Wert ist. Desweiteren punktet der Roman vor allem auch durch weise Sprüche und die guten Charaktere. Man muss sich eben auf einen etwas anderen, etwas lustigeren Stil gefasst machen, der vielleicht nicht jedem gefällt. (Deswegen gibt es nur 3.5 statt 4 Sterne, da der Humor bei mir nicht ganz so zieht).

Bewertung 3.5 out of 5 stars (3,5 / 5)
Information: Ein Exemplar dieser Ausgabe wurde dem Autor vom Verlag zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

Quick-Infos

Autor: K.J. Parker
Originaltitel: 16 Ways to defend a walled City
Jahr der Veröffentlichung (Original): 2019
Übersetzer: Peter Bondy
Seitenanzahl: 398
Preis: 17.- Euro
ISBN: 978-3-8332-4105-5
Verlag: Panini

Thomas Götz
Thomas Götz
Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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Danke für die Rezension! Spannend. Ab wie viel Jahren kann man das wohl empfehlen?

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