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    StartLiteraturRezension: "Assassin's Creed - Der Ming-Sturm"

    Rezension: “Assassin’s Creed – Der Ming-Sturm”

    Wir sehen uns den neuen Assassin’s Creed-Roman an.

    Inhalt (Klappentext):

    Die Ming-Dynastie wird zum Schlachtfeld für die Bruderschaft der Assassinen und den Templerorden in diesem Actionroman zu einem bisher unerforschten Teil des beliebten Assassin’s-Creed-Universums. China, das 16. Jahrhundert. Die Assassinen sind fort. Zhang Yong, der unbarmherzige Anführer der Acht Tiger, schlägt aus dem Tod des Kaisers Kapital und eliminiert alle seine Gegner, sodass nun der Templerorden alle Macht inne hat. Shao Jun, die letzte Vertreterin ihres Clans, entkommt nur knapp dem Tod und hat keine andere Wahl, als aus ihrem Heimatland zu fliehen. Sie schwört, ihre einstmaligen Waffenbrüder zu rächen, und reist nach Europa, um vom legendären Ezio Auditore zu lernen. Nach ihrer Rückkehr ins Reich der Mitte reichen ihr Säbel und ihre Entschlossenheit allein nicht aus, um Zhang Yong zu eliminieren: Sie muss Verbündete um sich scharen und sich in den Schatten halten, um die Acht Tiger zu bezwingen.

    Assassin's Creed - Der Ming-Sturm (Cross Cult)
    Assassin’s Creed – Der Ming-Sturm

    Kritik

    “Der Ming-Sturm” ist ein neuer Assassin’s Creed-Roman, der diesmal unter dem Cross Cult-Label erscheint (die anderen Romane erschienen alle bei Panini). Und machen wir uns nichts vor: er ist die Nacherzählung der Story von “Assassin’s Creed: Chronicles – China”, auch wenn es hier ein paar Abzweigungen mehr gibt. Das an und für sich ist noch nicht schlimm, immerhin haben frühe AC-Romane auch schon die Story der Spiele nacherzählt. Davon ist man aber immer weiter weggerückt und erzählte mehr Stories rundherum um die Hauptstory. (Übrigens, bevor ihr fragt: ja die Artikelreihe zu AC wird auch bei uns weitergehen, leider kamen in letzter Zeit andere Games dazwischen (Cyberpunk, hüstel), die halt doch etwas aufhalten).

    Auch hier geht man einen leicht anderen Weg und erzählt dieses drumherum, als strikt die Story nachzuerzählen. Okay, das wäre ja auch etwas doof, weil es im Spiel ja darum geht, sich an den Wachen vorbeizuschleichen und seine Ziele zu eliminieren. Daraus kann man schlecht einen vollwertigen Roman machen, daher muss man die Geschichte etwas modifizieren bzw. aufarbeiten. Das Grundprinzip ist dabei das Gleiche: Nach der Rückkehr von ihrem Ezio-Besuch stellt Shao Jun fest, das die acht Tiger (nicht zu verwechseln mit den Zehn Ringen) den Kaiser eliminiert und die Herrschaft ans ich gerissen haben. Die acht Tiger sind dabei quasi das chinesische Templergegenstück.

    Und so macht sich Jun auf, alle acht Tiger zu eliminieren und dem Land die Freiheit wiederzugeben (“Helft mir Shao Jun, ihr seid meine letzte Hoffnung”). Und als wäre das nicht genug, darf natürlich auch ein Vorläuferartefakt wieder mitspielen. Soweit so Assassin’s Creed, wandelt die Story hier auf bekannten Pfaden. Im Grunde lässt sich jede Assassin’s Creed-Story darauf herunterbrechen.

    Hier geht man nun einen etwas anderen Ansatz und beschreibt einen Großteil des Buches aus Sicht der Bösewichte. Shao Jun hat wieder jemanden eliminiert? Die Bösen beraten und schmieden weitere Abwehrpläne. An und für sich ist das ja eine gute Idee, hebt man sich so doch vom allerlei ab und bringt etwas Abwechslung in die Thematik. Leider scheitert es hier aber etwas an der Präsentation.

    Zum einen hält man diese Erzählweise nur etwa die Hälfte des Buches durch, bevor das Hauptaugenmerk eben doch wieder auf Shao Jun schwenkt. Die Story verläuft dann nicht ganz so, wie im Spiel und nimmt noch einige andere Wendungen. Das allein wäre ja in Ordnung, allerdings sind die Storyänderungen teils schon etwas gravierend. Als Beispiel: Bei der letzten Mission im Spiel will der Bösewicht Zhang Yong den Mongolen den Einmarsch in China ermöglichen und setzt dabei die Vorläuferschatulle ein. Die setzt er im Buch zwar auch ein, aber hier befinden wir uns nicht auf einem so symbolträchtigen Monument wie der chinesischen Mauer sondern einer Insel. Und Yong will hier einfach eine Art Zombiearmee erschaffen… Mit etwas Wohlwollen kann man beide Stories aber in Einklang bringen und diesen Roman quasi als halbe Vorgeschichte sehen.

    Allerdings konnte es sich der Autor nicht verkneifen, mystische Elemente wie das Chi einzubauen. So laden die Kämpfer ihre Energien zwischendrin auf und blocken so die Muskeln der Gegner. Zwar ist Assassin’s Creed jetzt nicht auch unbedingt dafür bekannt, sich nah an der Realität zu halten (siehe die Vorläufertechnologie), auf Magie hat man aber in der Reihe bislang verzichtet, weswegen das alles etwas befremdlich wirkt. Hinzu kommt, dass Shao Jun auch etwas als unfähig hingestellt wird. Ja, im Spiel geht sie auch in die ein oder andere Falle, hier passiert ihr das aber ständig und sie muss dauernd von ihren Freunden gerettet werden. Ihre Gegner erledigt sie zumeist mit Fallen- Sie erscheint also nicht im besten Licht, immerhin kann sie ja nicht so gut kämpfen wie ein Mann…

    Das war im Spiel zwar etwas ähnlich dargestellt, da man dort ja auch primär schleichen musste, hier klingt aber schon ein etwas sexistischerer Unterton mit durch. Hinzu kommt aber noch das wohl nervigste des ganzen Romans, nämlich das auf jeder zweiten Seite eine Erklärung oder ein Buchzitat aus einem chinesischen Buch erfolgt. Geht ein Charakter etwa an einer Statue vorbei, wird diese beschrieben und ihr Hintergrund in China dargelegt, inklusive Erklärungen der Götterwelt, zu der sie gehört. Das mag zur Atmosphäre beitragen und manchmal sogar dazu dienen, dem Leser die chinesische Kultur näherzubringen, in der hier vorhandenen Häufigkeit bremst es den Roman aber unnötig aus und führt nur dazu, das man sehr schnell gelangweilt ist.

    Das Ganze geht sogar so weit, das einzelne Schlag- und Angriffstechniken im Detail erklärt werden. Mitten im Kampf, versteht sich. Wer sich noch an die ersten (schlechten) Final Fantasy-Romane erinnern kann, in der jeder Zauber ebenso beschrieben wurde, erlebt hier vielleicht in Déja Vu. So dümpelt der Roman halt leider bis zum Ende vor sich hin und schafft es dabei auch nicht, irgendwie geartete Charakterszenen einzuflechten. Sehr schade.

    Fazit

    Ein Roman, der sich darin verliert, das versucht wird, viel zu viel von der chinesischen Kultur einzubringen, und das leider in den unpassendsten Momenten. Die Charaktere müssen dahinter anstehen, was zu einer sehr langweiligen Geschichte führt, die zudem das Spiel auch an vielen Stellen verbiegt. Einer der schlechteren Asassin’s Creed-Romane.

    Bewertung 1.5 out of 5 stars (1,5 / 5)
    Information: Ein Exemplar dieser Ausgabe wurde dem Autor vom Verlag zum Zwecke der Rezension kostenlos überlassen.

    Quick-Infos

    Autor: Yan Leisheng
    Originaltitel: Assassin’s Creed – The Ming Storm
    Jahr der Veröffentlichung (Original): 2020
    Übersetzer: Helga Parmiter
    Seitenanzahl: 377
    Preis: 15.- Euro
    ISBN: 978-3-96658-613-9
    Verlag: Cross Cult

     

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    Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.
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